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Kreuzfahrt bald nur für Geimpfte?

Die Verbreitung von Mutationen des Corona-Virus sorgt in der EU für große Sorgen. Nach einem mehrstündigen Video-Gipfel der Regierungschefs der 27 EU-Staaten zeichnen sich Beschränkungen beim Reiseverkehr ab. Die Vorlage eines PCR-Tests ist dabei die erste Stufe. Die nächste Diskussion entsteht um Reiseerleichterungen für geimpfte Menschen.

Die EU-Binnengrenzen für den Waren- und Personenverkehr sollen geöffnet bleiben. Das war das positive Ergebnis des Gipfels. Es gibt allerdings Vorstöße aus Deutschland und auch aus Belgien, den Reiseverkehr nur auf unbedingt notwendige Anlässe zu beschränken. Reisen aus touristischen Gründen sollen vermieden werden. Ein entsprechender Appell könnte aber auch bald zur gesetzlichen Vorgabe werden.

Foto: Henrik Dolle – stock.adobe.com

Griechenland hatte am 13. Januar mit Blick auf den Sommerurlaub die Vorlage einer Impfbescheinigung für die Aufrechterhaltung des freien Reiseverkehrs gemacht. Der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis hat die Europäische Kommission aufgefordert, ein Impfzertifikat gegen Coronaviren einzuführen.

Die griechischen Behörden befürworten ein Impf-Zertifikat einzuführen, um „die Freizügigkeit von Personen zu erleichtern, die gegen COVID-19 geimpft wurden“, heißt es in dem Schreiben an die EU-Kommission.

Dieser Vorstoß wurde am 21. Januar im EU-Gipfel aber mit dem Hinweis auf noch ausstehende Forschungen über die Ansteckungsmöglichkeiten von geimpften Menschen. Da nicht bekannt sei, ob geimpfte Menschen das Virus auch ohne Infektion übertragen können, werden Sonderregeln für geimpfte EU-Bürger vorerst von der Mehrheit der Regierungschefs abgelehnt.

Vorgeprescht ist da die britische Reederei Saga Cruises. Am 20. Januar verkündete das Unternehmen für alle Reisen nach dem Neustart ab April eine Kontrolle der Impfung. An Bord der beiden Neubauten Spirit of Discovery und Spirit of Adventure dürfen nur Passagiere mitfahren, die zwei Wochen vor Reiseantritt ihre zweite Impfung gegen Corona bekommen haben.

Spirit of Discovery, Foto: Frank Behling

Saga Cruises setzt damit die Branche unter Druck. Inzwischen wird das Thema Impfpflicht in allen Reedereien zumindest in internen Planspielen ins Rennen gebracht. Offiziell wagt sich aber kein Unternehmen damit in die Öffentlichkeit.

Bei den deutschen Reedereien wird auf das bewährte Hygiene-Konzept verwiesen. So hat TUI Cruises seit Juli 2020 mehr als 50000 Passagiere befördert und lässt in Zusammenarbeit mit Testlaboren alle Passagiere vor Reiseantritt mit einem PCR-Test überprüfen. Auch bei AIDA aus Rostock wird dieser Kurs beim Neustart im März fortgesetzt.

Die Pflicht zur Impfung für Reisende könnte aber spätestens dann zur Regel werden, wenn die Einreisebestimmungen der Staaten in den Häfen dies vorschreiben.

Die verpflichtende Impfung als Voraussetzung für die Teilnahme an einer Kreuzfahrt würde vorerst eh nur für Schiffe mit älteren Gästen Sinn machen. Hier ist Saga Cruises aus Großbritannien klar im Vorteil. Bei der Reederei beträgt das Mindestalter für Passagiere ohnehin 50.

Bei den deutschen Reedereien sind die Durchschnittsalter meist deutlich niedriger. Impfpflicht werde es schon deshalb nicht geben, weil die Möglichkeit zur Impfung für Jedermann in Deutschland eh nicht vor dem Sommer erwartet werde, heißt es bei den Reedereien.

COVID-19 Testlabor auf der COSTA DELIZIOSA, Foto: Frank Behling

Bei den deutschen Reedereien wird für den Neustart der Kreuzfahrten in Nordeuropa im Frühsommer weiter auf die Teststrategie als wichtigster Baustein für eine sichere Kreuzfahrt gesetzt. Die Testung im PCR-Verfahren gilt als einziger Weg zum Ausschluss der Infektion mit Corona-Viren.

Wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass auch geimpfte Passagiere das Virus weiter übertragen, ist die Einschiffung auf einem Schiff nicht machbar. Bei Flugreisen ist die Lage anders, da dort die Anteile der Besetzungen deutlich kleiner als bei Schiffen sind.

Wie schnell Schiffsbesatzungen durch Virus-Infektionen lahmgelegt werden können, haben verschiedene Frachtschiffe in den vergangenen Monaten gezeigt. In Brunsbüttel lag der Frachter Yeoman Bank im Dezember tagelang fest, nachdem ein Seemann an einer Covid19-Infektion gestorben war. Durch die Arbeitsbedingungen auf Schiffen sind die Seeleute dort besonders anfällig für Infektionen.

Bis zum Sommer sollen 70 Prozent der Erwachsenen in der EU gegen das Virus immunisiert sein, bis März bereits 80 Prozent der Menschen über 80 Jahre und des Pflege- und Gesundheitspersonals. FB