Schlagwort: Kreuzfahrtschiff

Kreuzfahrt mit Hammer und Sichel

Bei der Ivan Franko handelte es sich um das Typ-Schiff der aus fünf Einheiten bestehenden Serie, die von 1964 bis 1972 auf der MTW-Werft in Wismar entstanden. Diesen „Sowjet-Liner“ suchte sich Jürgen Saupe aus, um mit einem der damals größten Passagierschiffe der UdSSR in der Karibik zu kreuzen.

In den 70er Jahren war Neckermann ein großer Anbieter von Kreuzfahrten, überwiegend im unteren Preissegment. Die unter dieser Veranstalterflagge fahrenden sowjetischen Kreuzfahrtschiffe waren allesamt in Vollcharter des Unternehmens. Somit konnte der Veranstalter Bordleben, Unterhaltung und die Ausflüge bestimmen. Nicht nur damals war es wichtig, an Bord ein starkes Bindeglied zwischen Fahrgästen und Schiffsführung zu haben, denn das Wort Servicebereitschaft war seinerzeit bei den Russen oft noch ein Fremdwort und nicht selten wurden auch die kleinsten Wünsche eines Gastes einfach ignoriert, da die Erfüllung ja mit zusätzlicher Arbeit des Schiffspersonals verbunden waren. Dazu konnte sogar das Auswechseln einer kaputten Glühbirne in der Kabine zählen. Manchmal passierte auch für den Rest der Reise überhaupt nichts. So war das freundliche Neckermann-Team an Bord stets gefordert.

Die Ivan Franko gehörte zu ihrer Zeit mit rund 20 000 BRT (der damaligen Vermessungseinheit) zu den großen Kreuzfahrtschiffen, sicher auch ein Grund für ihre Beliebtheit. Da jeweils nur bis zu rund 650 Passagiere an Bord waren, gab es reichlich Bewegungsfreiheit auf den großen Sonnendecks sowie in den öffentlichen Räumen. Einzige Ausnahme: der Musiksalon. Dieser war ursprünglich nur für nur 180 Gäste (bei Linienfahrten) konzipiert, wurde später aber bei allen Schiffen dieser Serie aufgrund des überwiegenden Einsatzes für Kreuzfahrten erheblich vergrößert, so dass hier schließlich bis zu rund 500 Passagiere Platz fanden. Bei einem „Ferienliner“ durchaus nicht üblich, verfügten die Schiffe dieser Serie jedoch sowohl über einen Swimmingpool auf dem Sonnendeck als auch über einen überdachten Pool mit großen Fenstern, dessen Dach sich anfangs bei allen, später nur noch bei einigen dieser Schiffe öffnen ließ. Es gab ein kleines Bordkino, in dem allerdings mehr sowjetische Dokumentarfilme als westliche Kinoerfolge gezeigt wurden.

Die Kabinen allerdings waren selbst für damalige Verhältnisse gewöhnungsbedürftig. Ein Großteil hatte keine Nasszellen, Duschen und Toiletten befanden sich in aber ausreichender Zahl auf den Gängen. Auch die Einrichtung war einfach – ohne Teppichboden und mit Resopal-Möbeln. Einigen westlichen Touristen, die Erfahrung von anderen, besseren und auch teureren Kreuzfahrtschiffen mitbrachten, trösteten sich darüber allabendlich an den Bars bei aus heutiger Sicht „spottbilligen“ Getränken hinweg.

Kulinarisches

Nach heutigem Standard würden die kulinarische Qualität, Präsentation und der Service sicher schlicht die Schulnote 5–6 bekommen. Doch damals waren nur wenige kritische Stimmen zu hören, was sicher auch an den extrem niedrigen Fahrpreisen lag, die viele manch „katastrophale“ Mahlzeit still ertragen ließen. Die „Rettung“ nahte in den angelaufenen Häfen. Zahlreiche Passagiere gingen an Land essen. Zwar waren Auswahl und Reichhaltigkeit der Mahlzeiten durchaus in Ordnung, doch die Qualität der Speisen, die Teller-Präsentation und der Service der Stewardessen und Stewards ließ oft zu wünschen übrig. So war es zum Beispiel auf sowjetischen Schiffen üblich, immer im „Dreier-Kollektiv“ zu servieren. Beim Hauptgang trug so die Stewardess ein Tablett mit dem Fleisch, eins mit Gemüse und eins mit den Kartoffeln zu den Tischen ihrer Station. Jedem einzelnen Gast wurde vorgelegt. So konnte der Gast zwar Menge und Zusammenstellung individuell bestimmen, aber: War eine Gemüsesorte bei den Passagieren, die zuvor bedient wurden, ein „Renner“, mussten die später bedienten Gäste nehmen, was noch auf den Platten lag. Beim Fleisch dagegen hatten die, die „in der Mitte“ an der Reihe waren, die besten Karten. Denn zu Beginn war die Stewardess noch etwas „ängstlich“ bei der Bemessung der Menge pro Gast – und zum Schluss war meist nicht mehr viel da…..

Fotos: Jürgen Saupe

MSC Bellissima – Schöne Stimme in jeder Kabine

Das 16. MSC-Schiff verbindet Schönheit mit Intelligenz: Zoe – die erste digitale Kreuzfahrt-Concierge mit angenehmer deutscher Stimme – feiert auf der MSC Bellissima ihr Debüt.

„Zoe ist das teuerste Crewmitglied, das wir je hatten“, lacht Gianni Onorato, CEO von MSC Cruises, bei der Vorstellung der MSC Bellissima in Southampton. „Dafür arbeitet sie aber auch 24 Stunden am Tag in allen Kabinen gleichzeitig und weiß mehr über das Schiff als so manches andere Crewmitglied“, kontert Sanjay Dhawan, President Harman Connected Services. Die Samsung-Tochter hat sich auf High-End-Audiolösungen spezialisiert und durfte für MSC Cruises die erste digitale Sprachassistentin auf einem Kreuzfahrtschiff entwickeln.
„Die besondere Herausforderung lag darin, dass Zoe im Gegensatz zu verwandten Systemen wie Siri oder Alexa keine permanente Internetanbindung hat“, verrät Ubaldo, Mitarbeiter der Abteilung Corporate Business Innovations von MSC Cruises, als er Zoe in meiner Kabine besucht. „All ihr Wissen ist hier vor Ort auf dem Schiff gespeichert.“ Ubaldo will der kleinen runden schwarzen Box Leben einhauchen, bisher hat Zoe meine Ansprache nämlich sträflich ignoriert. Man muss ihr allerdings zugute halten, dass sie offiziell auch erst am nächsten Tag betriebsbereit sein sollte. „Sie ist ein bisschen schüchtern“, sagt Ubaldo mit einem gewinnenden Lächeln. „Das ist ein sehr komplexes Projekt.“
2,2 Millionen Fragen von 400 verschiedenen Stimmen hat Zoe in ihrer Trainingsphase gehört. Sie spricht sieben verschiedene Sprachen und versteht 30 Dialekte. Aktuell weiß sie auf 800 Fragen eine Antwort. Jede Anfrage, für die keine Antwort hinterlegt ist, wird aufgezeichnet und vom 15-köpfigen Team analysiert. Ist die Frage relevant, wird die Antwort ins System eingespeist – Zoe lernt dazu. Benannt wurde sie übrigens nach der Tochter des MSC-Vorstandsvorsitzenden Pierfrancesco Vago.

Ergänzt wird Zoe von einer aufgewerteten MSC for Me-App, die dank mehr als 3.000 Bluetooth-Beacons unter anderem als Navigationshilfe an Bord eingesetzt werden kann. Das ist angesichts zahlreicher parallel verlaufender Gänge auf den Kabinendecks sicherlich hilfreich für Erstkreuzfahrer. Außerdem können Passagiere mit der App Freunde und Familienmitglieder lokalisieren, erhalten einen schnellen Überblick über die Geschehnisse an Bord sowie das Bordkonto und bekommen Zusatzleistungen angeboten.

So können sie mithilfe der App oder auf dem interaktiven Kabinenfernseher beispielsweise Tickets für die zwei exklusiven Cirque du Soleil-Shows in der Carousel Lounge buchen. Oder aber sie entscheiden sich für ein Spezialitätenrestaurant-Paket. Neu an Bord sind die HOLA! Tapas Bar des spanischen Zwei-Sterne-Kochs Ramón Freixa und das französische Restaurant L’Atelier Bistrot. Außerdem präsentiert der deutsche 3-Sterne-Koch Harald Wohlfahrt den Yacht Club-Gästen erstmals seine Kreationen, einige der Gerichte werden an den eleganten Abenden auch in den Hauptrestaurants serviert. Anlässlich der Taufe am 2. März 2019 gab MSC Cruises eine neue gastronomische Kooperation mit dem französischen Küchenchef Raymond Blanc bekannt, der sich in Großbritannien eines großen Ansehens erfreut. Dieser Coup spricht ebenso wie der Taufort dafür, dass MSC Cruises mehr britische Gäste gewinnen möchte.

Southampton präsentierte sich am Tag der Taufe in bester britischer Winterwettermanier: mit Regen und Wind. Andrea und Matteo Bocelli konnten noch störnungsfrei singen und Mitglieder des Cirque du Soleil tanzen. Dann, während der Zeremonie, die in einem beheizten Zelt vor dem Schiff stattfand, wurden die Windböen so stark, dass Pierfrancesco Vago das Programm aus Sicherheitsgründen abbrach und die Gäste zurück an Bord bat. Praktischerweise bot die innenliegende Promenade Galleria Bellissima mit 96 Metern Länge über drei Decks genügend Raum für alle Taufbeobachter. Eine Querverbindung war die perfekte Bühne für die guten Wünsche der Taufpatin Sophia Loren und auf dem 80 Meter langen LED-Himmel konnten alle Gäste das Zerschellen der Flasche sehen, gefolgt von einem virtuellen Feuerwerk…..

Fotos: enapress.com, MSC Cruises (1)

„Costa Venezia“ leitet Serie für Asien ein

China gilt im Tourismus als Markt der Zukunft. Mit wachsendem Wohlstand steigt im Reich der Mitte die Lust an Reisen. 140 Millionen Reisen wurden allein 2018 in China verkauft. Dieser Boom erreicht zunehmend die Kreuzfahrt. Mit großen Megalinern wollen Kreuzfahrtreedereien die Nachfrage nach Seereisen in China decken. Ganz vorn dabei ist in China die italienische Reederei Costa.
In Triest wurde am 1. März das erste speziell für chinesische Urlauber gebaute Kreuzfahrtschiff der Reederei Costa getauft. „Wir sind seit 2006 in China aktiv. Mit der ‚Costa Venezia‘ haben wir einen neuen Meilenstein bei der Entwicklung des Marktes in China erreicht“, sagt Michael Thamm, Vorstand der Costa Gruppe.
„China hat ein großes Potenzial Und wir haben das Ziel, dieses Potenzial weiter zu entwickeln“, sagt Mario Zanetti, der Präsident von Costa Asia. „In China ist die Lust auf Reisen deutlich zu spüren. Dabei ist die Kreuzfahrt die ideale Art für den Urlaub. Mit der ‚Costa Venezia‘ haben wir ein Schiff, das die schönsten Dinge Italiens nach Asien bringt“, sagt Zanetti.
Die erste Bordsprache ist Englisch – wegen Solas. Chinesisch ist aber die Sprache, die allgegenwärtig ist. Alle Beschriftungen, Infotafeln und Speisekarten sind in Chinesisch.

Wer aber chinesische Kunst erwartet, wird enttäuscht. Goldene Löwen, rote Stoffe und Teppiche sowie Jackie Chan als Wachsfigur deuten bei der Dekoration auf China hin. Dominierend ist Italien. „Das liegt daran, dass Italien in China sehr beliebt ist. Besonders die Küche ist ein Grund für die Beliebtheit“, sagt Zanetti.
Das größte Restaurant ist mit 1500 Plätzen das Canal Grande. Wie beim Vorbild in Venedig durchzieht ein Kanal mit einer echten Gondel aus Venedig den Raum. Pizzeria, Eis-Salon und viele kleine Cafés wurden integriert. Die sonst auf Kreuzfahrten übliche Basketball-Arena wurde durch einen Fußballplatz mit Kunstrasen und der Bemalung Juventus Turin ersetzt. Juve ist in China der Inbegriff für europäischen Sport. Die Costa Venezia wird exklusiv auf dem chinesischen Markt eingesetzt. Europäer können aber nur die Überfahrt von Triest nach Shanghai buchen. Ab Mai ist das Schiff exklusiv Passagieren aus China vorbehalten. Ziele der Reisen sind Korea und Japan. Ein Großteil der 1278 Crewmitglieder stammt ebenfalls aus China. Der chinesische Kreuzfahrtmarkt hat inzwischen bereits die Marke von zwei Millionen Passagieren erreicht. Mit Wachstumsraten von vier bis acht Prozent wächst Chinas Zahl der Kreuzfahrturlauber schneller als nirgendwo anders in der Welt.

Ein Zeichen setzt auch die Wahl der Taufpatin. Mit Gan Beiye wurde eine Chinesin als Taufpatin ausgewählt, die mit ihrer Familie seit 2011 Kreuzfahrten mit Costa unternimmt. Aber auch beim Umweltschutz holen die Chinesen auf. Zwar wird die Costa Venezia noch konventionell mit Schweröl angetrieben, sie hat aber eine der modernsten Abgasfilteranlagen.
„Wenn das Schiff in Shanghai eintrifft, wird es dort für dieses Schiffe einen Plug-in-Landanschluss geben. So etwas gibt es im ganzen Mittelmeerraum nicht“, so Michael Thamm. Die italienische Reederei hat 28 Schiffe bei den Marken Aida, Costa Crociere und Costa Asia. „Damit sind wir Marktführer in Europa. Bis 2023 investieren wir sechs Milliarden Euro in sieben neue Schiffe“, so Thamm. Für die Carnival-Gruppe ist die Costa Venezia das 106. Schiff.
69 davon wurden seit 1990 bei Fincantieri gebaut. Ein weiterer Meilenstein ist die gerade beschlossene Kooperation mit der staatlichen China State Shipbuilding Cooperation (CSSC) in Waigaopiao der Nähe von Shanghai. „Wir werden unseren Freunden in China bei der Entwicklung der Fähigkeit zum Bau dieser Schiffe helfen“, sagte Giuseppe Bono, Vorstand der italienischen Großwerft Fincantieri.
Die chinesische Werft soll ab 2022 Schiffe vom Vista-Typ nach dem Vorbild der Costa Venezia bauen. Zwei Schiffe sind konkret in China für Costa Asia bestellt, vier weitere sind als Option geplant. Costa Asia ist Teil der Costa-Gruppe mit Sitz in Genua. Das 323 Meter lange und 135000 BRZ große Schiff bekommt 2020 noch ein Schwesterschiff aus Italien, danach wird der Typ in China in Serie gebaut. An Bord ist Platz für 5260 Passagiere in 2116 Kabinen. FB

Fotos: Frank Behling