Schlagwort: Landstrom

Mit „AIDAsol“: Schiffsintegrationstest für Landstromanlage in Warnemünde

Nach Hamburg und Kiel kann künftig auch Rostock-Warnemünde Kreuzfahrtschiffe mit Landstrom versorgen. Die bereits im August letzten Jahres als mit einer Leistungsabgabe von 20 MVA größte Landstromanlage Europas für die Versorgung der Liegeplätze P7 und P8 am Warnemünder Passagierkai fertiggestellte Anlage, deren elektrische Technik ebenso wie die der mit 16 MVA ebenfalls im vergangenen Jahr als größte Landstromanlage Deutschlands fertiggestellten Kieler Anlage und die der bereits 2016 in den Praxistest gegangenen Hamburger 12 MVA-Anlage ebenfalls von Siemens geliefert wurde, erledigt derzeit ihren sogenannten Schiffsintegrationstest.

Dieser durch das Hafen- und Seemannsamt als Bauherrin koordinierte Test war ursprünglich bereits im Spätsommer letzten Jahres geplant, musste aber pandemiebedingt verschoben werden. Er wird mit der mit der 2011 von der Papenburger Meyer Werft für AIDA Cruises erbauten und seinerzeit auch bei der Inbetriebnahme der Hamburger Landstromanlage bewährten AIDAsol durchgeführt, die dazu vom 24. April bis 1. Mai am Passagierkai liegt.

Kubistisches Design: Landstrom-Übergabeelement am Passagierkai in Warnemünde.
Foto: Rostock Port / nordlicht

„Die Landstromanlage in Warnemünde ist für AIDA ein weiterer Schritt auf unserem Weg zur emissionsneutralen Kreuzfahrt, die wir mit unserer Flotte erreichen wollen“, so AIDA Cruises-Präsident Felix Eichhorn unter Hinweis auf die „Green Cruising“-Strategie des Unternehmens. Die als deutsche Zweigniederlassung der italienischen Costa-Gruppe zum amerikanischen Carnival-Konzern gehörende Reederei hatte im September 2018 mit der Hanse- und Universitätsstadt Rostock, der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern und Rostock Port eine Partnerschaft für den Aufbau einer Landstrom-Versorgung in Rostock-Warnemünde auf den Weg gebracht.

Die Hafengesellschaft Rostock Port sei stolz, mit der Fertigstellung der Landstromanlage und des neuen Kreuzfahrtterminals ‚Warnemünde Cruise Center 8‘ wichtige Bausteine für eine zukunftsfähige, sichere und nachhaltige Kreuzschifffahrt am Standort realisiert zu haben. „Dank der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit AIDA Cruises und unseren Gesellschaftern sowie des Engagements des Ortsbeirates Seebad Warnemünde und Seebad Diedrichshagen wird die Landstromanlage einen messbaren Beitrag zur Emissionsreduzierung in Warnemünde und zum Klimaschutz leisten“, ist Rostock Port-Geschäftsführer Jens A. Scharner überzeugt.

Foto: Rostock Port / nordlicht

An den Liegeplätzen P7 und P8 können künftig zwei Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig mit Strom beliefert werden. Die Landstromanlage basiert auf einer modularen Bauweise von standardisierten 20-Fuß Containern, die nahezu die gesamten Elektrokomponenten wie Frequenzumrichter, Transformatoren, Schaltanlage, Steuerungstechnik usw. beinhalten. Die Anlage verbirgt sich hinter einer Cortenstahlfassade, die ihr durch ihre Kubatur eine ungewöhnliche Optik verleiht. Durch die integrierten Frequenzumrichter kann der Landstrom für alle weltweit gängigen Bordnetzsysteme (sowohl 50 als auch 60 Hz) entsprechend den internationalen Standards in der Kreuzfahrtbranche umgewandelt werden.
Die Gesamtinvestitionskosten liegen bei etwa 19 Mio. Euro und damit knapp zwei Mio. Euro günstiger als in der Planungsphase prognostiziert. Ihre Errichtung wurde durch das Land Mecklenburg-Vorpommern zu 90 Prozent aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ gefördert. JPM

Miami will Landstrom

Die USA sind ein gespaltenes Land. Diese Aussage traf bislang überwiegend auf die politischen Verhältnisse zu. Gespalten ist das Land auch beim Thema Landstrom für Schiffe. Während in den Häfen der US-Pazifikküste seit über zehn Jahren Landstrom etabliert ist, taten sich die Atlantik-Häfen schwer.

Das ändert sich jetzt. Miamis gerade frisch gewählte Bürgermeisterin Daniela Levine Cava kündigte jetzt gegenüber der Zeitung „Miami Herald“ an, die Frage nach Landstrom erneut auf die Agenda zu nehmen. Die Demokratin setzte sich als erste Frau in der Stichwahl am 3. November gegen den republikanischen Bewerber durch.

Der Hafen von Miami könnte durch die Einführung von Landstrom die CO2-Emissionen um 35% senken, das ergab eine Untersuchung der Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency). Die Emissionen von Schwefel- und Stickoxiden könnten sogar um 67 und 99 Prozent gesenkt werden.

Foto: Frank Behling

Bereits 2011 war das Thema Landstrom auch in Miami bei der Seatrade Cruise Convention angekündigt worden. Dabei haben die Reedereien diesmal sogar die Vorarbeit gemacht. 2020 waren nach einer Auflistung der Zeitung „Miami Herald“ bereits 15 Schiffe mit Landstromanschlüssen im Hafen.

Laut EPA-Daten kann eine zehnstündige Liegezeit eines einzelnen Kreuzfahrtschiffes in Miami etwa 48 Tonnen Treibhausgase produzieren. Die Reedereien warten jedoch auf die Stadtverwaltung und den Hafen, um die Technologie einzusetzen.

„Aus unserer Sicht ist dies eine Win-Win-Situation. Wir warten nur darauf, dass weitere Ports den Strom liefern“, sagte Tom Strang, der Senior Vice President für maritime Technologien der Carnival Corporation. Seit 2011 investierte Miami in den Bau von fünf neuen Kreuzfahrtterminals zu einem Preis von 700 Millionen US-Dollar. Aber keiner bekam einen Landstromanschluss.

Die neue Bürgermeisterin will dieses Thema jetzt mit Nachdruck verfolgen. Der Hafen wurde aufgefordert, die entsprechenden Untersuchungen für die Baumaßnahmen zu machen. FB

Neue Landstrom-Anschlüsse für Kreuzfahrtschiffe in Hamburg erst später

Landstrom für Kreuzfahrtschiffe ist in Hamburg derzeit nur am Cruise Center Altona (CC-2) verfügbar. Bei den an anderen Terminals geplanten Anlagen verschiebt sich die Installation weiter. Wie aus einer Drucksache des Hamburger Senats hervorgeht, steht der Landstrom-Anschluss an dem im Bau befindlichen neuen Cruise Center HafenCity (CC-1) nunmehr erst Ende 2023 zur Verfügung – ein Jahr später als vorgesehen. Nach Angaben der für die Planung zuständigen Hamburg Port Authority (HPA) ist die deutliche Verzögerung auf den schleppenden Ausbau des Überseequartiers zurückzuführen, die dort geplante Anlage kann erst nach Fertigstellung des neuen Kreuzfahrt-Terminals in Betrieb genommen werden.

Auch der Landstrom-Anschluss an dem bereits im Juni 2015 in Betrieb genommenen Kreuzfahrt-Terminal Steinwerder (CC-3) soll nunmehr erst Ende 2022 und damit ein dreiviertel Jahr später als ursprünglich geplant, fertiggestellt werden.

Landstrom erst ab Ende 2022 verfügbar: Cruise Center Steinwerder (CC-3), Foto: Jens Meyer

Für das im Mai letzten Jahres im östlichen Teil der Hamburger HafenCity am Baakenhafen für 2,8 Mio. Euro fertiggestellte, im Juli in Betrieb genommene und wegen der Corona-Pandemie bisher nur von wenigen Schiffen wie der Europa und Fridtjof Nansen genutzte Cruise Center Baakenhöft ist gar kein Landstrom-Anschluss vorgesehen, da es sich lediglich um ein temporäres Terminal für die Dauer von mindestens zehn Jahren handelt. Der als zwischenzeitlicher Ersatz für das am Chicagokai im südlichen Überseequartier in Bau befindliche Cruise Center HafenCity (CC-1) geplante Neubau wird derzeit auch als attraktive Event-Location vermarktet.

Bleibt ohne Landstromanschluss: Cruise Center Baakenhöft, Foto: HafenCity Hamburg GmbH /S. Groenveld

Am Cruise Center Altona (CC-2) befindet sich seit Frühjahr 2017 die erste und bisher einzige Landstrom-Anlage für Kreuzfahrtschiffe des grössten deutschen Seehafens im Regelbetrieb. 2019 wurde dort die AIDAsol von AIDA Cruises 13 Mal mit Landstrom versorgt und 2020 auch die Europa 2 von Hapag-Lloyd Cruises nach entsprechenden Tests auf die mögliche Abnahme von grünem Landstrom bei künftigen Anläufen dieses Terminals technisch vorbereitet.

Seit 2017 in Betrieb: Landstromanlage am Cruise Center Altona, Foto: Jens Meyer

Hamburgs Senat und die HPA treiben die Landstromversorgung im Hafen voran um die Luftqualität im Hafen dadurch zu verbessern, dass die Schiffe ihre Dieselmotoren während ihrer Liegezeit abstellen können. Die Kosten für eine Anlage werden von der HPA mit rd. 10 Mio. Euro beziffert. Der Bund fördert bis 2023 Landstromanlagen in deutschen See- und Binnenhäfen mit rd. 176 Mio. Euro. Um den Landstromversorgung für die Reeder attraktiver zu machen, wurden auch Anpassungen der EEG-Umlage vorgenommen. Investitionen sind zudem nicht nur auf der Landseite, sondern auch reederseitig erforderlich, da in Fahrt befindliche Schiffe mit entsprechenden kompatiblen Anschlüssen nachgerüstet und Anpassungen der Bordnetze vorgenommen werden müssen. JPM

Kiel will „ökologischster Hafen Europas“ werden

Ab 2021 können auch Kreuzfahrtschiffe mit Landstrom versorgt werden

Nicht nur die Fährschiffe der schwedischen Stena Line werden künftig auch in Kiel emissionsfrei im Hafen versorgt: Gemeinsam haben Kiels Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer, Stadträtin Doris Grondke und Seehafen Kiel-GmbH-Geschäftsführer Dr. Dirk Claus am 9. Dezember die LED-Fassade der neuen Landstromanlage am Ostseekai vorgestellt. „Die Landstromanlage ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, der ökologischste Hafen Europas zu werden“, sagte Kämpfer. Damit trage man maßgeblich zur Umsetzung des Masterplans“ 100% Klimaschutz“ bei.

Das Land Schleswig-Holstein hat den Bau der Landstromanlage mit 8,99 Millionen Euro gefördert, weitere 1,26 Millionen Euro kommen von der EU. Zudem hat die Bundesregierung ein Maßnahmenpaket beschlossen, um die Preise für Landstrom deutlich abzusenken.

Foto: PORT OF KIEL

Die Anlage zählt zu den leistungsstärksten ihrer Art und wird zunächst die Fährschiffe der Stena Line versorgen. Ab dem kommenden Jahr können dann zwei Schiffe, ein Kreuzfahrtschiff und eine Fähre, parallel Ökostrom beziehen. „Ab Januar decken wir 44 Prozent des Energiebedarfs der im Kieler Hafen liegenden Schiffe emissionsfrei und klimaneutral. In zwei Jahren sollen es dann bereits 60 bis 70 % sein. Damit nimmt Kiel eine Vorreiterrolle ein.“, kündigte Dr. Dirk Claus an.

„Diese Fassade ist bisher einmalig in ihrer Art. Die äußere Hülle hat bei Tageslicht durch ihre dynamisch strukturierten Lochungen einen ganz eigenen Charakter. Sobald die in der Fassade verborgenen LEDs dazu geschaltet werden, ergibt sich eine weitere Gestaltungsebene, die im Dunklen die Wahrnehmung komplett transformiert“, erläuterte Architekt Jan Schulz, BSP Architekten BDA. Für die 720 m² große Metallfassade wurden auf knapp der Hälfte der Fläche über 12.000 LEDs verbaut, die über eine Software einzeln ansteuerbar sind. Bei Vollbetrieb aller LEDs verbraucht die Fassade knapp 25 kWh Ökostrom.

Mit der jetzt erfolgten Einweihung der spektakulären Fassade der neuen Landstromanlage in Kiel bezieht die Stena Line nun auf 14 Fähren an sieben Terminals Landstrom während der Hafenliegezeit, und verringert ihre Emissionen nun auch an der Förde. Die Maßnahme führt zu einer Einsparung von 900 Tonnen Treibstoff und einem Äquivalent von 2.700 Tonnen CO2 pro Jahr. Die neue Anlage in Kiel wird mit 100 Prozent Ökostrom betrieben, somit werden während der Hafenliegezeit der Stena Germanica und der Stena Scandinavica neben CO2 auch NOX-, SOX– und Partikelemissionen eingespart.

Video: Port of Kiel

Neben Kiel bezieht Stena Line auch an zwei Abfahrtsterminals in Göteborg, sowie in Karlskrona, Norvik, Trelleborg und Hoek van Holland Landstrom für ihre Fähren und vermeidet damit jährlich 13.000 t CO2 im Routennetzwerk. Von 36 Fähren der Stena Line-Flotte wurden mittlerweile 14 für die Nutzung von High Voltage Shore Connection-Systemen (HVSC) umgerüstet.„Landstrom spielt für uns aus zwei Gründen eine wichtige Rolle: Zum Einen möchten wir einen unmittelbaren positiven Effekt auf die Luftqualität in den von uns frequentierten Häfen erzielen. Zum Zweiten erwarten wir in Zukunft einen noch höheren Anteil der Elektrifizierung in den Häfen: bei Pkw, Lkw, Hafenfahrzeugen und in unserem Falle natürlich vor allem bei den Schiffen. Mit unseren Batterie- und Powerbank-Projekten entwickeln wir unsere Fährdienste bereits seit längerem in diese Richtung weiter, und lernen jeden Tag dazu“, sagt Ron Gerlach, Trade Director und Geschäftsführer der Stena Line Deutschland. JPM

Bundesregierung setzt deutsche Häfen unter Landstrom

Pressemitteilung

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat am Dienstag, 3. November, die Verwaltungsvereinbarung zur Errichtung von Landstromanlagen in Kraft gesetzt, nachdem dieser zuvor alle Bundesländer zugestimmt hatten. Damit stellt der Bund den Ländern bis 2023 insgesamt 176 Millionen Euro Finanzhilfen für die Errichtung von Landstromanlagen in See- und Binnenhäfen zur Verfügung.

„Wir machen einen großen Schritt in Richtung einer flächendeckenden umwelt- und klimafreundlichen Landstromversorgung in deutschen Häfen, wie wir sie im Koalitionsvertrag versprochen haben“, so Altmaier. „Auch wenn die Schifffahrt gemessen an ihrer Transportleistung bereits einer der umweltfreundlichsten Verkehrsträger ist, müssen wir die maritime Energiewende weiter voranbringen.“

Landstromanlage am Cruise Center Altona, Foto: Jens Meyer

Durch Landstrom können sich Schiffe während ihrer Liegezeit im Hafen mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgen und ihre bordeigenen Dieselgeneratoren zur Stromerzeugung abschalten. Bei großen Container- und Kreuzfahrtschiffen werden Leistungen in der Größenordnung zwischen 4 und 16 MW abgerufen, was etwa dem Strombedarf kleinerer Städte entspricht. Dadurch können neben Luftschadstoffen wie Stickstoff- und Schwefeloxiden auch klimaschädliche CO2-Emissionen sowie Lärm und Vibrationen besonders in Hafeninnenstädten vermieden werden. Durch die Finanzhilfen des Bundes werden die Länder finanziell in der Lage sein, die mitunter sehr teuren Landstrominfrastrukturen in ihren Häfen auszubauen.

Altmaier: „Die Länder können die Finanzhilfen ab sofort abrufen und so ihre Häfen mit unserer Unterstützung unter Landstrom setzen. Damit wird die ‚blaue Wirtschaft‘ ein Stück weit grüner.“

Die Bundesregierung wird sich an den Maßnahmen der Länder in den Jahren 2020 und 2021 mit 75 % beteiligen, um eine schnelle Umsetzung zu gewährleisten und COVID-19 bedingte Verzögerungen zu vermeiden. Ab 2022 wird der Bund die Länder noch mit 50 % unterstützen. 

In einem Memorandum of Understanding, das Bundeswirtschaftsminister Altmaier im Oktober 2019 mit den Ländern geschlossen hatte, wurden den Ländern noch weitere Maßnahmen zugesagt, um die Nutzung der Anlagen zu verbessern. Dazu gehört die bereits in Kraft getretene Möglichkeit, Seeschiffen bei den Netzentgelten auch Tagesleistungspreise anzubieten, sowie eine Reduzierung der EEG-Umlage für Seeschiffe auf 20%, die mit der aktuellen EEG-Novelle umgesetzt wird. In Kürze soll noch eine EU-Initiative gestartet werden, um die Nutzung von Landstrom in europäischen Häfen generell zu verbessern.

Text: PM Bundesministerium für Wirtschaft und Energie