Schlagwort: Landstrom

TUI Cruises startet mit Landstrom

Die Hamburger Reederei TUI Cruises startet mit der Landstromnutzung für die Kreuzfahrtschiffe. Am 12. Mai hat in Kiel als erstes Schiff der Flotte die Mein Schiff 4 mit den Testläufen für die Anbindung der Schiffe begonnen. Bei den kommenden Anläufen soll die Mein Schiff 4 in Kiel jetzt auf das Landnetz abgestimmt werden. Das 2014 in Dienst gestellte Schiff war im Februar 2020 beim Werftaufenthalt in Marseille mit einem Anschluss für Landstrom ausgerüstet worden.

Foto: Frank Behling

Ursprünglich sollte die Mein Schiff 4 im August 2020 die Landstromanlage in Kristiansand (Norwegen) einweihen. Doch die Corona-Pandemie vereitelte den Plan. Die Mein Schiff 4 blieb in Warteposition. Nur im Dezember 2020 gab es in Kiel mal eine Stellprobe mit dem Kabelwagen der Kieler Landstromanlage.

Bei den ersten Anläufen im Mai wird jetzt in Kiel das Schiff die Anpassungsphase für das Kieler Landstromsystem ausführen. Die Mein Schiff 4 ist eines von aktuell drei Schiffen in der TUI-Flotte mit Anschlüssen. Die Mein Schiff 5 und die Mein Schiff 6 sind ebenfalls nachgerüstet worden. Die Mein Schiff 6 wird im Sommer ebenfalls in Kiel stationiert.

Die Mein Schiff 6 war während der Werftzeit in diesem Frühjahr nachgerüstet worden. Die Anlage an Bord soll in den kommenden Wochen in Betrieb genommen werden.

Bislang nutzt in Kiel als einzige Kreuzfahrtreederei AIDA Cruises die Landstromangebote. Die AIDAprima und die AIDAsol waren die ersten Kreuzfahrtschiffe, die in Kiel Landstrom von der Anlage am Ostseekai bezogen haben.

Foto: Frank Behling

Der Seehafen Kiel hält derzeit drei Liegeplätze für Schiffe mit Landstromanschlüssen bereit. Dabei handelt es sich um die Liegeplätze für die Fähren der Color und der Stena Line am Norwegenkai und dem Schwedenkai. Am Ostseekai kann derzeit wahlweise entweder am Liegeplatz 27 oder dem Liegeplatz 28 Landstrom genommen werden.

In dieser Woche gab der Seehafen die Bestellung von zwei weiteren Anlagen bekannt. Bis Ende des nächsten Jahres sollen im Ostuferhafen zwei Anlagen mit drei Anschlüssen für drei Liegeplätze entstehen. Dabei ist die größere Anlage für die Versorgung der Schiffe am Liegeplatz 1 geplant, der aktuell überwiegend von der Reederei MSC mit den Kreuzfahrtschiffen MSC Grandiosa und MSC Preziosa genutzt wird. Die neuen Schiffe der Reederei MSC sollen ab 2024 dort mit Landstrom versorgt werden. Dabei können Spannung von 6,6 bis 11 Kilovolt abgegeben werden. Die Frequenz ist wahlweise für 50 oder 60 Hertz ausgelegt.

Foto: Frank Behling

Die beiden anderen Anschlüsse sind für die Liegeplätze der Fähren nach Schweden und Litauen geplant. Alle Landstromanlagen in Kiel werden vom Seehafen zusammen mit dem deutschen Technologiekonzern Siemens realisiert.

Für die beiden Anlagen im Ostuferhafen investiert Kiel 17 Millionen Euro. Die Anlage am Ostseekai hatte 2021 rund 15 Millionen Euro gekostet. „Der Landstrom ist ein wesentlicher Baustein unserer nachhaltigen Ausrichtung“, sagt Seehafen-Chef Dirk Claus.

Ab 2025 sollen 80 Prozent der Schiffsanläufe in Kiel mit einem Angebot für die Nutzung von Landstrom versehen sein. Bei der Firma Siemens sieht man die Entwicklung mit Freude. „Mit der Art und Umfang der neuen Anlage setzt sich der Port of Kiel in Sachen Nachhaltigkeit einmal mehr an die Spitze der deutschen Seehäfen“, so Lars Nürnberger, Sprecher der Siemens Niederlassung in Kiel.

Der Seehafen Kiel erwartet 2022 fast 250 Kreuzfahrtanläufe. Für die kommenden Jahre soll de Zahl der Besuche auf diesem hohen Niveau bleiben. FB

Auftrag für weitere Landstromanlagen in Kiel vergeben

Bereits ab Ende nächsten Jahres sollen für Kreuz- und Fährschiffe an allen Innenstadtterminals des Seehafens Kiel Landstromanschlüsse zur Verfügung stehen, so dass dann bis zu sechs Schiffe gleichzeitig mit Ökostrom versorgt werden können.

Das Bauprojekt in Höhe von 17 Mio. € umfasst eine 50/60-Hz-Landstromanlage für Kreuz- und Fährschiffe sowie eine 50-Hz-Landstromanlagefür Fährschiffe im Ostuferhafen. Ein entsprechender Auftrag wurde nach einer EU-weiten Ausschreibung in der vergangenen Woche von der Seehafen Kiel GmbH & Co. KG an die Siemens AG vergeben. Auch die bereits bestehenden Kieler Landstromanlagen am Ostsee-/Schwedenkai und Norwegenkai wurden von der Siemens AG gebaut. Mit Art und Umfang der Anlage ist sie nicht nur eine der größten in Europa, Der Baubeginn ist für Herbst dieses Jahres geplant, die Inbetriebnahme soll ein Jahr später in 2023 erfolgen.

Die erste der beiden Landstromanlagen ist für die Versorgung von bis zu zwei Fähr- bzw. Kreuzfahrtschiffen konzipiert und bindet vier Liegeplätze am Ostuferhafen an Landstrom an. Sie verfügt über eine Leistung von 16 MVA und kann Kreuzfahrt- und Fährschiffe mit einer Frequenz von 50 bzw. 60 Hz und einer Spannung von 6,6 kV oder 11 kV versorgen. Die zweite Landstromanlage mit einer 50-Hz-Netzfrequenz ist ausschließlich für RoRo-Schiffe konzipiert und versorgt zwei Liegeplätze mit einer Spannung von 6,6 kV oder 11 kV bis zu einer maximalen Leistung von 5 MVA. Insgesamt können mit den Anlagen am Ostuferhafen dann bis zu drei Schiffe parallel mit Landstrom versorgt werden.

„Der Landstrom ist ein wesentlicher Baustein unserer nachhaltigen Ausrichtung. Mit der Versorgungsinfrastruktur von sechs Schiffen hoffen wir dann ab 2024/25 ca. 80 Prozent der Schiffe während der Liegezeit an die Steckdose zu bekommen“, so Seehafen-Chef Dr. Dirk Claus. Neben der CO2 Ersparnis führe die Landstromversorgung von Schiffen während der Liegezeit auch zu einer drastischen Reduktion der Lärm- und Schadstoffbelastung. JPM

Erster Landstrom der Kreuzfahrtsaison – „AIDAprima“ in Kiel

„AIDAprima“ ist am Freitag im Kieler Hafen eingelaufen: PORT OF KIEL freut sich über die erste Landstromnutzung der neuen Kreuzfahrtsaison

Pressemitteilung

Am Freitagmorgen begrüßte der PORT OF KIEL erstmals die AIDAprima am Ostseekai. Es ist das erste Kreuzfahrtschiff der neuen Saison, das während der Liegezeit Landstrom in Kiel nutzt. Wie der PORT OF KIEL verfolgt auch AIDA Cruises seit vielen Jahren eine wegweisende Nachhaltigkeitsstrategie, die u. a. eine schrittweise Umstellung von fossilen auf erneuerbare Energieträger vorsieht.

Landstromnutzung im zweiten Jahr

Seit Freitagmorgen liegt die AIDAprima im Kieler Hafen am Ostseekai. Das 300 Meter lange und 37,6 Meter breite Kreuzfahrtschiff wurde am 7. Mai 2016 getauft und war zuletzt im Oktober 2021 zu Gast in Kiel. Nach erfolgreichen land- und schiffsseitigen Integrationstests im Mai vergangenen Jahres konnten ab Juni 2021 die Kreuzfahrtschiffe AIDAprima und AIDAsol in der vergangenen Saison am Ostseekai mit grünem Landstrom versorgt und somit ihre Emissionen während der Liegezeit auf nahezu null gesenkt werden. Der Aufbau einer Landstrominfrastruktur im Kieler Hafen ist das Ergebnis einer wegweisenden Partnerschaft, die der PORT OF KIEL gemeinsam mit AIDA Cruises, dem Land Schleswig-Holstein und der Landeshauptstadt im April 2018 auf den Weg gebracht hatte. Ziel der Vereinbarung ist es, die maritime Wirtschaft und den Tourismus in Norddeutschland nachhaltig weiterzuentwickeln und zukunftsfähig zu gestalten. 

Foto: via Port of Kiel

AIDA-Präsident Felix Eichhorn sagte anlässlich des Saisonstarts der AIDAprima in Kiel: Mit unserer Green Cruising Strategie investieren wir seit vielen Jahren in einen nachhaltigen und zukunftsfähigen Kreuzfahrtmarkt. Die Nutzung von Landstrom ist dabei für uns ein wich­tiger Baustein auf dem Weg zur Erreichung des emissionsneutralen Schiffsbetriebes. Dies geht aber nur gemeinsam mit starken Partnern wie dem Kieler Hafen. Die technischen Vorbereitungen für die Nutzung der Anlage in Kiel mit zwei weiteren Schiffen der AIDA-Flotte (AIDAbella und AIDAluna) noch in dieser Saison laufen bereits. Auch in weiteren Häfen Deutschlands und Europas setzen wir unser Engagement für die Nutzung von grünem Landstrom fort.“ 

Nachhaltigkeit am Hafen

Das erklärte Ziel nach mehr Nachhaltigkeit im Schiffstourismus begrüßt auch Dr. Dirk Claus, Geschäftsführer der SEEHAFEN KIEL GmbH & Co. KG. Mit Blick auf die kommenden Monate macht er deutlich: „Wir haben eine starke Kreuzfahrtsaison in Kiel vor uns und freuen uns natürlich über jedes Schiff, das nach dem Integrationstest mit Landstrom versorgt werden kann.“ Der PORT OF KIEL verfolgt seit Jahren eine stringente Nachhaltigkeitsstrategie mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2030. „Mit dem Landstrom möchten wir auch für unsere Kunden hier im Hafen Anreize schaffen, am Kai CO2-Emissionen einzusparen. Wir rechnen in diesem Jahr mit ungefähr 50 Anläufen mit Landstromnutzung. Weitere Schiffe sind hierzu in der Vorbereitung, sodass wir für das kommende Jahr von einer Verdoppelung ausgehen“, prognostiziert Claus. Das Unternehmen investiert auch in diesem Jahr weiter in seine Landstrominfrastruktur. Im Mai wird die Vergabe für zwei weitere Landstromanlagen am Ostuferhafen erfolgen, sodass nach Fertigstellung bis zu sechs Schiffe parallel mit Ökostrom versorgt werden können.

Text: PM SEEHAFEN KIEL GmbH & Co. KG

Zwei Schiffe von MSC Cruises werden ab diesem Sommer in nordeuropäischen Häfen mit Landstrom versorgt 

Pressemitteilung

  • MSC Cruises arbeitet weiter am Ziel des emissionsfreien Kreuzfahrtbetriebs bis 2050
  • Ab dieser Sommersaison werden die MSC Poesia im Hafen von Warnemünde und die MSC Virtuosa im Hafen von Southampton erstmals Landstrom nutzen
  • MSC Cruises hat mit Cruise Baltic eine Vereinbarung unterzeichnet, die besagt, bis 2024 eine flächendeckende Nutzung von Landstrom in der Ostseeregion zu erreichen
  • Mehr als die Hälfte der MSC Cruises Flotte soll bis Ende 2022 über Landstromanschlüsse verfügen
  • Darüber hinaus wird noch in diesem Jahr das erste LNG-Schiff von MSC Cruises mit der größten jemals installierten Festoxid-Brennstoffzelle (SOFC) vom Stapel laufen: die MSC World Europa

MSC Cruises hat sich 2021 verpflichtet, bis zum Jahr 2050 keine Treibhausgasemissionen mehr zu verursachen. Daher erforscht und investiert MSC Cruises kontinuierlich in neue Technologien, die zur Dekarbonisierung beitragen. Auf diesem Weg ist es von zentraler Bedeutung, die Auswirkungen von Kreuzfahrtschiffen auf die Hafenstädte und -gemeinden und ihre Umwelt während der Liegezeit im Hafen zu minimieren. 

Die Landstromversorgung spielt dabei eine wichtige Rolle: Sie ermöglicht den Schiffen, ihre Motoren abzuschalten und sich an die lokale Stromversorgung anzuschließen, um die Systeme an Bord zu betreiben. Da der Strom über einen speziellen Transformator im Hafen zum Schiff geleitet wird, werden die von Dieselgeneratoren verursachten Emissionen vermieden, was die Luftqualität vor Ort verbessert und den Lärm- und Vibrationspegel reduziert. Die Umwelt und die Hafenregionen profitieren somit direkt von der Landstromtechnologie. Nach erheblichen Investitionen in seine Flottenkapazitäten hat MSC Cruises heute konkrete Schritte und Verpflichtungen angekündigt, um die Nutzung der Landstromtechnologie einzuführen und zu beschleunigen. 

Warnemünde und Southampton: Ab Sommer bereit für Landstrom 
Ab Ende Mai und während der gesamten Sommersaison 2022 werden zwei Schiffe der Flotte von MSC Cruises erstmals durchgängig Landstrom nutzen: die MSC Poesia in Warnemünde und die MSC Virtuosa am neuen Horizon Cruise Terminal im Hafen von Southampton in Großbritannien. 

Der Hafen von Warnemünde ist der größte Landstromanbieter für Kreuzfahrtschiffe in Europa. Southampton ist Europas führender Kreuzfahrthafen und fertigt jährlich über zwei Millionen Passagiere ab. Es ist auch der erste Hafen in Großbritannien, der Landstrom für Kreuzfahrtschiffe bereitstellt. 

In beiden Fällen hat die enge Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden auf der Grundlage gemeinsamer Interessen die Bereitstellung und Nutzung von Landstrom ermöglicht. MSC Cruises ist dankbar für die Unterstützung durch die Hafenbehörden, um die Abnahme der Anlagen abzuschließen, bevor sie in einigen Wochen in Betrieb genommen werden können.  

Linden Coppell, Director of Sustainability bei MSC Cruises, sagte: „Wir freuen uns darauf, die Landstromversorgung in Warnemünde und Southampton während der gesamten Sommersaison zu nutzen und wir gratulieren den Hafenbehörden zu ihrem vorausschauenden und innovativen Engagement. Bei MSC Cruises arbeiten wir kontinuierlich daran, unsere Umweltbilanz zu verbessern. Die Landstromversorgung ermöglicht es uns, die Emissionen unserer Schiffe während der Liegezeit erheblich zu reduzieren. Wir brauchen mehr Häfen in anderen wichtigen europäischen Märkten, die schnellstmöglich die Landstromversorgung einführen und sich damit unserem Vorhaben anschließen, bis 2050 einen emissionsfreien Kreuzfahrtbetrieb zu erreichen und die lokalen Luftemissionen erheblich zu reduzieren.“

Ein ehrgeiziges Abkommen mit Cruise Baltic
Am 5. April 2022 unterzeichneten Cruise Baltic und MSC Cruises eine Absichtserklärung über ihr gemeinsames Vorhaben, einen Beitrag zur Nutzung der Landstromversorgung in der Ostsee zu leisten. Die Erklärung, die mit Hinblick auf die dringend notwendige Reduzierung der vom Menschen verursachten Luftverschmutzung unterzeichnet wurde, unterstreicht den beiderseitigen Wunsch, einen Beitrag zur Verbesserung der Umweltauswirkungen der Kreuzfahrtindustrie zu leisten.   

Cruise Baltic umfasst 32 Häfen und Reiseziele in der Ostseeregion. Mit der Unterzeichnung des Abkommens verpflichtet sich Cruise Baltic, sich für die Landstromversorgung in der Region einzusetzen, um die Zahl der Anlagen zu erhöhen. MSC Cruises hingegen versichert, dafür zu sorgen, dass Kreuzfahrtschiffe, die regelmäßig die entsprechenden Häfen im Ostseeraum anlaufen, bis spätestens 1. Januar 2024 vorhandene Landstromanschlüsse nutzen.

Weitere Investitionen in die Landstromversorgung 
Bis Ende 2022 werden elf der 21 Schiffe von MSC Cruises – darunter alle Neubauten seit 2017 – mit einem Landstromanschluss ausgestattet sein. Bestehende Schiffe werden derzeit oder in naher Zukunft nachgerüstet, wenn ihre Routen sie in Häfen führen, in denen Landstrom verfügbar ist. 
Angesichts der zu erwartenden behördlichen Anforderungen und der Sorge der örtlichen Gemeinden über die Luftqualität, entwickeln Häfen auf der ganzen Welt eine Infrastruktur zur Unterstützung der Landstromversorgung von Kreuzfahrtschiffen. Nach Angaben der CLIA sind jedoch derzeit nur 14 Kreuzfahrthäfen mit Landstromkapazitäten ausgestattet. Bis 2025 werden nur sieben Prozent der Kreuzfahrtliegeplätze über einen Landstromanschluss verfügen.

Linden Coppell fügte hinzu: „Wir haben uns verpflichtet, die Behörden beim Ausbau der Landstromversorgung für unsere Schiffe im Hafen zu unterstützen. Wir haben eine klare und unmissverständliche Position: Wo immer Landstrom verfügbar ist, werden wir Schiffen, die über diese Möglichkeit verfügen, den Vorzug geben. Um die Kompatibilität mit den Systemen der Schiffe zu gewährleisten, arbeiten wir eng mit den Hafenbehörden und den planenden Ingenieurbüros zusammen. Aspekte wie der Energiebedarf an Bord und die technischen Systeme der Schiffe müssen bei der landseitigen Planung berücksichtigt werden“. 

Wo immer MSC Cruises am Bau und an der Finanzierung neuer Terminals beteiligt ist, stellt das Unternehmen außerdem sicher, dass die Landstromanforderungen bei der Planung berücksichtigt werden, indem es die Infrastruktur, wie etwa Gräben für die Stromkabel, bereitstellt. Aktuelle Beispiele sind etwa die neuen Terminals in Miami und Barcelona.

Weitere hochmoderne Umwelttechnologien in der gesamten Flotte von MSC Cruises
Mit dem Ziel, bis 2050 einen emissionsfreien Kreuzfahrtbetrieb zu erreichen, investiert die Kreuzfahrtsparte der MSC Group in die beschleunigte Entwicklung und Umsetzung innovativer Spitzentechnologien, die in der gesamten Flotte zum Einsatz kommen sollen und unterstützt diese. Die Landstromversorgung ist dabei nur eines von zahlreichen Beispielen. 
14 Schiffe von MSC Cruises wurden mit hybriden Abgasreinigungssystemen ausgestattet, die eine Reduzierung der Schwefeloxide um 98 Prozent gewährleisten. Bis Ende 2022 werden die fünf neuesten Schiffe über selektive katalytische Reduktionssysteme verfügen, die Stickoxide in harmlosen Stickstoff und Wasser umwandeln.

Die MSC World Europa und die MSC Euribia, die sich derzeit im Bau befinden und 2022 bzw. 2023 ausgeliefert werden, sind die ersten mit LNG betriebenen Schiffe von MSC Cruises. Flüssigerdgas (LNG) ist der bei weitem sauberste Schiffskraftstoff, der derzeit in größerem Maßstab verfügbar ist. Es reduziert die Schiffsemissionen erheblich und verbessert so die Luftqualität, vor allem für Hafenstädte und -gemeinden sowie Küstengebiete. Mit LNG lassen sich lokale Luftschadstoffemissionen wie Schwefeloxide um 99 Prozent, Stickoxide um 85 Prozent und Feinstaub um 99 Prozent reduzieren. Was die Emissionen mit globaler Auswirkung betrifft, so spielt LNG eine wichtige Rolle bei der Eindämmung des Klimawandels. Die Motoren von LNG-Schiffen haben das Potenzial die Kohlendioxidemissionen im Vergleich zu herkömmlichen Schiffskraftstoffen bis zu 25 Prozent zu senken.

Die MSC World Europa wird auch das erste Kreuzfahrtschiff sein, das die SOFC-Technologie (Solid Oxide Fuel Cell) einsetzt. Dieser Brennstoffzellentyp ist so konzipiert, dass er bei der Nutzung von Flüssigerdgas (LNG) 20 bis 30 Prozent effizienter Strom durch einen nicht verbrennungsbedingten elektrochemischen Prozess erzeugt als herkömmliche verbrennungsbasierte Schiffsantriebe und Hilfsmotoren. Beim Betrieb mit LNG reduziert die SOFC-Technologie die Kohlenstoff-Emissionen um bis zu 60 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Antriebsquellen, wie z.B. Dual-Fuel-Diesel-Elektroantrieben, und emittiert praktisch keine schädlichen Luftschadstoffe wie Schwefeloxide, Stickoxide und Feinstaub. 

Darüber hinaus hat die Kreuzfahrtsparte der MSC Group verschiedene Partnerschaften mit Werften, Energieversorgern, Technologieentwicklern und akademischen Einrichtungen initiiert. Diese werden weitere Forschungen zu Brennstoffzellen, wasserstoffbetriebenen Schiffen und anderen zukünftigen Technologien, die das Potenzial haben, eine emissionsfreie Schifffahrt zu ermöglichen, vorantreiben. Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, diese potenziellen Lösungen im Rahmen von Neubau- und Nachrüstungsprogrammen verstärkt zu untersuchen und zu testen, um ihre Entwicklung zu beschleunigen, ihnen zur Marktreife zu verhelfen und sie in der Flotte einzusetzen.

Umwelttechnologien auf der MSC World Europa und der MSC Euribia:
Motoren und Kraftstoffe: 4 Wärtsilä (12V und 16V) Dual-Fuel-Motoren, die in der Regel mit Flüssigerdgas (LNG) betrieben werden, gelegentlich auch mit 0,1 Prozent schwefelhaltigem Marinegasöl (MGO). 
Luftemissionen: SCR-Katalysatoren (Selektives katalytisches Reduktionssystem), die Stickoxid-Emissionen um bis zu 90 Prozent reduzieren, wenn das Schiff mit MGO betrieben wird (LNG bietet eine ähnliche Stickoxid-Reduktion). Die MSC Euribia wird die Tier III-Standards der IMO (International Maritime Organization) unabhängig vom verwendeten Treibstoff erfüllen.
Landstromversorgung: Das Schiff kann seine Motoren abschalten und sich in Häfen, in denen diese Infrastruktur vorhanden ist, an das lokale Stromnetz anschließen.

Abwassersystem: Ein fortschrittliches Abwasseraufbereitungssystem, das den weltweit strengsten Standards der Resolution MEPC 227(64) der IMO entspricht – dem sogenannten „Baltic Standard“. Ein fortschrittliches Ballastwasser-Reinigungssystem wird die Einbringung invasiver Arten in die Meeresumwelt durch Ballastwassereinleitungen verhindern und entspricht der Ballastwasser-Management-Konvention der IMO.

Schutz der Meereslebewesen: Das Schiff wird auch mit Systemen ausgestattet, die die Unterwassergeräusche reduzieren, um die möglichen Auswirkungen auf Meeresbewohner zu verringern.

Energie-Effizienz: Alle Neubauten von MSC Cruises sind mit einer Vielzahl energieeffizienter Lösungen ausgestattet, die dazu beitragen, den Energieverbrauch zu reduzieren und zu optimieren. Dazu gehören eine intelligente Belüftung und fortschrittliche Klimaanlagen mit automatischen Energierückgewinnungsschleifen, die Wärme und Kälte umverteilen, um den Bedarf zu senken. Die Schiffe verwenden LED-Beleuchtung, die von intelligenten Managementsystemen gesteuert wird, um das Energiesparprofil weiter zu verbessern. In Zusammenarbeit mit der Werft wird die MSC Euribia mit digitalen Datenerfassungssystemen für die Fernüberwachung des Energieverbrauchs und fortschrittliche Analysen ausgestattet. Das ermöglicht eine Unterstützung in Echtzeit von Land aus, um die betriebliche Effizienz an Bord zu optimieren. 

Text: PM MSC Cruises

Landstrom für Kreuzfahrtschiffe in Rotterdam und Sydney

Die sowohl in Rotterdam als auch Sydney citynah gelegenen Kreuzfahrtterminal werden zeitnah auch Landstrom-Anschlüsse für die Hafenliegezeit von Passagierschiffen bieten.

AIDAprima in Rotterdam. Foto: Jens Meyer

Nach einer jetzt von der Ratsversammlung getroffenen Grundsatzentscheidung soll der in der Nähe der Erasmus-Brücke an der Wilhelminakade liegende Cruise Terminal Rotterdam (CPR) bis 2024 mit einer entsprechenden Anlage ausgestattet werden. Dafür will die Stadt an der Maas ein zinsloses Darlehen in Höhe bis zu 8,75 Mio. Euro bereitstellen. Ergänzend sollen weitere öffentliche Fördermittel aus Umwelt- und Klimaschutzprogrammen eingeworben werden. Ziel ist es, bis zum Jahr 2030 ca. 90 Prozent der erwarteten Kreuzfahrtschiffe mit Landstrom versorgen zu können.

Auch die Regierung des australischen New South Wales hat Pläne für den Bau eines vollständig mit erneuerbaren Energien betriebenen Landliegeplatzes in Sydney angekündigt. Wie australische Medien unter Berufung auf den Verkehrsminister von NSW, David Elliott berichten, wird das White Bay Cruise Terminal der erste mit Landstrom betriebene Kreuzfahrtanleger in der südlichen Hemisphäre sein.

Die Anlage wird im Hafengebiet von Bays, einschließlich Glebe Island und White Bay, angesiedelt sein. Dadurch können jährlich schätzungsweise 14.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Nach Angaben der Government News, die sich auf den CEO der Hafenbehörde von NSW, Kapitän Philip Holliday, beruft, investiert die Behörde mehr als 60 Millionen Dollar in die Bereitstellung der Infrastruktur, wobei sie die Hafennutzer auffordert, Schiffe zu bauen und nachzurüsten, um die Vorteile der Technologie nutzen zu können. JPM

Mehr Geld für Landstromanlagen gefordert

Landstromanlagen wie in Hamburg, Kiel und Warnemünde sind bisher eher eine Ausnahme. Von den rd. 1000 weltweit regelmässig von Kreuzfahrtschiffen angelaufenen Häfen bieten nach Angaben von Helge Grammerstorf, Chef der Deutschland-Organisation des Kreuzfahrt-Weltverbandes CLIA, derzeit weltweit lediglich 14 Häfen solche Anlagen an, die von Kreuzfahrtschiffen genutzt werden können. Zur Verbesserung der Luftqualität sollten möglichst alle Häfen schnell mit Landstromanlagen ausgestattet werden. Dafür fordert der Zentralverband Deutschen Seehafenbetriebe (ZDS), Hamburg, mehr Geld von der Bundesregierung.

Seit 2017 in Betrieb: Landstromanlage am Cruise Center Altona, Foto: Jens Meyer

Da ein großes Kreuzfahrtschiff während der Hafenliegezeit so viel Strom wie eine Kleinstadt verbraucht, müsse man auch darauf achten, dass es genügend Kapazitäten gibt, so ZDS-Präsident Frank Dreeke bei der Jahres-Pressekonferenz des Verbandes am Mittwoch in Hamburg. „Wenn in Bremerhaven zwei Kreuzfahrer und ein Containerschiff Landstrom beziehen, dann geht in der Stadt das Licht aus“, so Dreeke.

Darüber hinaus fordert der ZDS, dass die Strompreise gesenkt werden, damit Reeder während der Liegezeit im Hafen auch die Dieselaggregate abstellen lassen. In den vergangenen Monaten sei der Preis für Landstrom zwar bereits etwas gesenkt worden, das aber reiche noch nicht aus. Nötig sei eine Abschaffung der EEG-Umlage auf Landstrom. „Die in Deutschland erhobene EEG-Umlage macht die Versorgung von Schiffen mit Strom von Land zu teuer. Damit besteht ein eindeutiger wirtschaftlicher Anreiz für die Stromversorgung den Schiffsdiesel laufen zu lassen. Das sollte man ändern.“, fordert Dreeke.

Anders als bei den Nachbarn fällt bei der Nutzung von Landstrom die EEG-Umlage an. So wird z. B. für die beiden RoRo-Passagierfähren Color Magic und Color Fantasy der Color Line, die zwischen Kiel und Oslo verkehren, bei der Nutzung von Landstrom künftig eine EEG-Umlage von jährlich bis zu 344.000 € fällig. JPM

Landstromanlage am Kieler Ostseekai offiziell eröffnet

Wichtiger Schritt auf dem Weg zur Klimaneutralität im Kieler Hafen       

Pressemitteilung

  • Landstromanlage mit 16 Megawatt Leistung kann zwei Schiffe parallel versorgen.
  • Nach erfolgreichem Integrationstest wird „AIDAsol“ im Regelbetrieb angeschlossen.
  • Fährschiffe der Stena Line beziehen seit Jahresbeginn Landstrom am Schwedenkai. 
  • Einsparung von ca. 8.000 Tonnen CO2 durch die Landstromanlage am Ostseekai. 

Ein wichtiger Schritt für den Klimaschutz im Kieler Hafen. Am Ostseekai nahmen der Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Verkehr und Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein, Dr. Bernd Buchholz, Kiels Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer gemeinsam mit dem CEO der Costa Gruppe, Michael Thamm und Dr. Dirk Claus, Geschäftsführer PORT OF KIEL, eine der leistungsstärksten Landstromanlagen in Europa offiziell in Betrieb. Nach dem erfolgreichen Integrationstest wurde am 16. Juni als erstes Kreuzfahrtschiff die „AIDAsol“ an die Landstromversorgung angeschlossen. Mit 16 Megawatt kann die Anlage ein Kreuzfahrtschiff am Ostseekai und die Fährschiffe der Stena Line am Schwedenkai parallel mit klimaneutral produziertem Strom aus Wasserkraft versorgen. Minister Buchholz: „Mit dem heutigen Tag machen wir einen großen Schritt, die Schifffahrt in Schleswig-Holstein noch umweltfreundlicher zu gestalten.“ Das Land Schleswig-Holstein hat den Bau der 13,5 Millionen Euro teuren Anlage mit rund 9 Millionen Euro unterstützt und sich auf Bundesebene erfolgreich für eine Reduzierung der EEG-Umlage auf Landstrom eingesetzt. „Mit dieser Investition, die Landstrom nun an insgesamt drei Stellen in Kiel ermöglicht, dürfte der Seehafen auch im internationalen Vergleich sehr weit vorn liegen. Die Anlage wird tausende von Tonnen CO2 einsparen und damit die Menschen in der Landeshauptstadt erheblich entlasten“, so Buchholz. Dies zeige einmal mehr, dass Ökologie und Ökonomie gut in Einklang zu bringen sind. „Denn wir wollen als Kreuzfahrt-Metropole im Spiel bleiben, aber wir wollen es mit den besten umwelttechnischen Voraussetzungen – und genau das ist hier gegeben.“

Vor gut drei Jahren, am 26. April 2018, unterzeichneten das Land Schleswig-Holstein, die Landeshauptstadt Kiel, der PORT OF KIEL und die Costa-Gruppe am Ostseekai an Bord der „AIDAluna“ die Absichtserklärung zur gemeinsamen Förderung eines umweltfreundlichen Kreuzfahrttourismus im Kieler Seehafen. Damit wurden die Weichen für die weitere Intensivierung der Zusammenarbeit mit dem Ziel gestellt, die maritime Infrastruktur, die Wirtschaft und den Tourismus in Norddeutschland nachhaltig weiterzuentwickeln. Michael Thamm, CEO der Costa Gruppe: „Nachhaltigkeit, regionale Wertschöpfung und Innovationen stehen im Fokus unseres Handelns. Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Form der Zusammenarbeit auch auf andere Häfen in Europa eine Signalwirkung haben wird.“ Mit der „AIDAsol“ wurde seit dem 17. Mai die Landstromanlage am Ostseekai getestet und zertifiziert. Das Schiff soll in Kiel ab sofort Landstrom im Regelbetrieb beziehen.

Die neue Landstromanlage versorgt bereits seit Jahresbeginn auch die Fähren der Stena Line täglich mit Ökostrom. Pro Jahr werden so rund 5.000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) allein am Schwedenkai eingespart. Für jedes Kreuzfahrtschiff, das mit Landstrom versorgt wird, kommt eine Einsparung von durchschnittlich ca. 45 Tonnen CO2 am Ostseekai hinzu. Darüber hinaus werden seit Mai 2019 die Fähren der Color Line am Norwegenkai an das landseitige Netz angeschlossen, wodurch weitere 3.000 Tonnen CO2 pro Jahr weniger anfallen. Oberbürgermeister Kämpfer: „Alle innerstädtischen Terminalanlagen verfügen nunmehr über einen Landstromanschluss. Die skandinavischen Fährreedereien gehen bei der Stromnutzung voran und ich freue mich sehr, dass mit AIDA Cruises jetzt auch die erste Kreuzfahrtreederei Landstrom in Kiel bezieht. Wir decken so bereits den überwiegenden Teil des Energiebedarfs, der im Innenstadtbereich liegenden Schiffe, emissionsfrei und klimaneutral. Diesen Weg wollen wir konsequent weiter gehen und planen schon eine weitere Landstromanlage für den Ostuferhafen.“

Landstrom für Fähr- und Kreuzfahrtschiffe ist für den PORT OF KIEL ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum klimaneutralen Hafen. Dirk Claus: „Ich bedanke mich beim Land Schleswig-Holstein und bei der EU für die finanzielle Unterstützung beim Bau der Landstromanlage. Mein Dank gilt ebenso dem Bundeswirtschaftsministerium für die Reduzierung der EEG-Umlage. So kann annähernd Wirtschaftlichkeit erreicht werden, sodass die Anlagen auch tatsächlich genutzt werden und damit zum Schutz des Klimas beitragen.“ Landstrom stellt neben der wirtschaftlichen auch eine technische Herausforderung dar. „Ich möchte mich auch ausdrücklich bei der Hamburg Port Authority (HPA) bedanken, die mit der Pilotanlage am Kreuzfahrtterminal in Altona und durch die Zusammenarbeit beim Thema EEG-Umlage den Weg zu mehr Klimaschutz geebnet hat“, so Dirk Claus weiter: „Ich freue mich, dass die Landstromanlage zudem architektonisch herausragend gestaltet wurde. Mein Dank gilt den Architekten, Bauunternehmen, Fassadenbauern und Lichtdesignern.“ Im ersten vollen Betriebsjahr plant der Kieler Hafen 70 Kreuzfahrtanläufe mit Landstrom zu versorgen.

Siemens lieferte die elektrischen und elektronischen Kernelemente der Landstromanlage. Sie besteht im Wesentlichen aus Umrichtern, Mittelspannungsschaltanlagen, Automation und einem Energiemonitoring. „Wir freuen uns sehr, dass wir mit der Landstromanlage am Kieler Ostseekai und am Schwedenkai nun das erste System in Betrieb nehmen, das zwei große Seeschiffe parallel von Land aus mit Strom versorgen kann. Die elektrische Verbindung von Bord- und Landnetz ist nicht trivial. Unser bewährtes Landstromsystem SIHARBOR sorgt dafür, dass nicht nur die unterschiedlichen Netzfrequenzen an Bord und an Land automatisch miteinander synchronisiert werden, sondern koordiniert hier erstmals auch die Parallelversorgung der zwei mit unterschiedlicher Leistung abnehmenden Schiffe“, so Lars Nürnberger, Leiter der Siemens-Niederlassung in Kiel. Die fahrbare Vorrichtung für die Übergabe der Starkstromkabel zum Schiff stammt von der Firma Stemmann-Technik, einem Unternehmen der Wabtec Corporation. Das Kabelsystem ist in Verbindung mit den Anschlussboxen auf dem Terminalgelände flexibel einsetzbar und ist damit für Kreuzfahrtschiffe unterschiedlicher Größe und Bauform geeignet.

Text: PM Port of Kiel

Mit „AIDAsol“: Schiffsintegrationstest für Landstromanlage in Warnemünde

Nach Hamburg und Kiel kann künftig auch Rostock-Warnemünde Kreuzfahrtschiffe mit Landstrom versorgen. Die bereits im August letzten Jahres als mit einer Leistungsabgabe von 20 MVA größte Landstromanlage Europas für die Versorgung der Liegeplätze P7 und P8 am Warnemünder Passagierkai fertiggestellte Anlage, deren elektrische Technik ebenso wie die der mit 16 MVA ebenfalls im vergangenen Jahr als größte Landstromanlage Deutschlands fertiggestellten Kieler Anlage und die der bereits 2016 in den Praxistest gegangenen Hamburger 12 MVA-Anlage ebenfalls von Siemens geliefert wurde, erledigt derzeit ihren sogenannten Schiffsintegrationstest.

Dieser durch das Hafen- und Seemannsamt als Bauherrin koordinierte Test war ursprünglich bereits im Spätsommer letzten Jahres geplant, musste aber pandemiebedingt verschoben werden. Er wird mit der mit der 2011 von der Papenburger Meyer Werft für AIDA Cruises erbauten und seinerzeit auch bei der Inbetriebnahme der Hamburger Landstromanlage bewährten AIDAsol durchgeführt, die dazu vom 24. April bis 1. Mai am Passagierkai liegt.

Kubistisches Design: Landstrom-Übergabeelement am Passagierkai in Warnemünde.
Foto: Rostock Port / nordlicht

„Die Landstromanlage in Warnemünde ist für AIDA ein weiterer Schritt auf unserem Weg zur emissionsneutralen Kreuzfahrt, die wir mit unserer Flotte erreichen wollen“, so AIDA Cruises-Präsident Felix Eichhorn unter Hinweis auf die „Green Cruising“-Strategie des Unternehmens. Die als deutsche Zweigniederlassung der italienischen Costa-Gruppe zum amerikanischen Carnival-Konzern gehörende Reederei hatte im September 2018 mit der Hanse- und Universitätsstadt Rostock, der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern und Rostock Port eine Partnerschaft für den Aufbau einer Landstrom-Versorgung in Rostock-Warnemünde auf den Weg gebracht.

Die Hafengesellschaft Rostock Port sei stolz, mit der Fertigstellung der Landstromanlage und des neuen Kreuzfahrtterminals ‚Warnemünde Cruise Center 8‘ wichtige Bausteine für eine zukunftsfähige, sichere und nachhaltige Kreuzschifffahrt am Standort realisiert zu haben. „Dank der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit AIDA Cruises und unseren Gesellschaftern sowie des Engagements des Ortsbeirates Seebad Warnemünde und Seebad Diedrichshagen wird die Landstromanlage einen messbaren Beitrag zur Emissionsreduzierung in Warnemünde und zum Klimaschutz leisten“, ist Rostock Port-Geschäftsführer Jens A. Scharner überzeugt.

Foto: Rostock Port / nordlicht

An den Liegeplätzen P7 und P8 können künftig zwei Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig mit Strom beliefert werden. Die Landstromanlage basiert auf einer modularen Bauweise von standardisierten 20-Fuß Containern, die nahezu die gesamten Elektrokomponenten wie Frequenzumrichter, Transformatoren, Schaltanlage, Steuerungstechnik usw. beinhalten. Die Anlage verbirgt sich hinter einer Cortenstahlfassade, die ihr durch ihre Kubatur eine ungewöhnliche Optik verleiht. Durch die integrierten Frequenzumrichter kann der Landstrom für alle weltweit gängigen Bordnetzsysteme (sowohl 50 als auch 60 Hz) entsprechend den internationalen Standards in der Kreuzfahrtbranche umgewandelt werden.
Die Gesamtinvestitionskosten liegen bei etwa 19 Mio. Euro und damit knapp zwei Mio. Euro günstiger als in der Planungsphase prognostiziert. Ihre Errichtung wurde durch das Land Mecklenburg-Vorpommern zu 90 Prozent aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ gefördert. JPM

Miami will Landstrom

Die USA sind ein gespaltenes Land. Diese Aussage traf bislang überwiegend auf die politischen Verhältnisse zu. Gespalten ist das Land auch beim Thema Landstrom für Schiffe. Während in den Häfen der US-Pazifikküste seit über zehn Jahren Landstrom etabliert ist, taten sich die Atlantik-Häfen schwer.

Das ändert sich jetzt. Miamis gerade frisch gewählte Bürgermeisterin Daniela Levine Cava kündigte jetzt gegenüber der Zeitung „Miami Herald“ an, die Frage nach Landstrom erneut auf die Agenda zu nehmen. Die Demokratin setzte sich als erste Frau in der Stichwahl am 3. November gegen den republikanischen Bewerber durch.

Der Hafen von Miami könnte durch die Einführung von Landstrom die CO2-Emissionen um 35% senken, das ergab eine Untersuchung der Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency). Die Emissionen von Schwefel- und Stickoxiden könnten sogar um 67 und 99 Prozent gesenkt werden.

Foto: Frank Behling

Bereits 2011 war das Thema Landstrom auch in Miami bei der Seatrade Cruise Convention angekündigt worden. Dabei haben die Reedereien diesmal sogar die Vorarbeit gemacht. 2020 waren nach einer Auflistung der Zeitung „Miami Herald“ bereits 15 Schiffe mit Landstromanschlüssen im Hafen.

Laut EPA-Daten kann eine zehnstündige Liegezeit eines einzelnen Kreuzfahrtschiffes in Miami etwa 48 Tonnen Treibhausgase produzieren. Die Reedereien warten jedoch auf die Stadtverwaltung und den Hafen, um die Technologie einzusetzen.

„Aus unserer Sicht ist dies eine Win-Win-Situation. Wir warten nur darauf, dass weitere Ports den Strom liefern“, sagte Tom Strang, der Senior Vice President für maritime Technologien der Carnival Corporation. Seit 2011 investierte Miami in den Bau von fünf neuen Kreuzfahrtterminals zu einem Preis von 700 Millionen US-Dollar. Aber keiner bekam einen Landstromanschluss.

Die neue Bürgermeisterin will dieses Thema jetzt mit Nachdruck verfolgen. Der Hafen wurde aufgefordert, die entsprechenden Untersuchungen für die Baumaßnahmen zu machen. FB

Neue Landstrom-Anschlüsse für Kreuzfahrtschiffe in Hamburg erst später

Landstrom für Kreuzfahrtschiffe ist in Hamburg derzeit nur am Cruise Center Altona (CC-2) verfügbar. Bei den an anderen Terminals geplanten Anlagen verschiebt sich die Installation weiter. Wie aus einer Drucksache des Hamburger Senats hervorgeht, steht der Landstrom-Anschluss an dem im Bau befindlichen neuen Cruise Center HafenCity (CC-1) nunmehr erst Ende 2023 zur Verfügung – ein Jahr später als vorgesehen. Nach Angaben der für die Planung zuständigen Hamburg Port Authority (HPA) ist die deutliche Verzögerung auf den schleppenden Ausbau des Überseequartiers zurückzuführen, die dort geplante Anlage kann erst nach Fertigstellung des neuen Kreuzfahrt-Terminals in Betrieb genommen werden.

Auch der Landstrom-Anschluss an dem bereits im Juni 2015 in Betrieb genommenen Kreuzfahrt-Terminal Steinwerder (CC-3) soll nunmehr erst Ende 2022 und damit ein dreiviertel Jahr später als ursprünglich geplant, fertiggestellt werden.

Landstrom erst ab Ende 2022 verfügbar: Cruise Center Steinwerder (CC-3), Foto: Jens Meyer

Für das im Mai letzten Jahres im östlichen Teil der Hamburger HafenCity am Baakenhafen für 2,8 Mio. Euro fertiggestellte, im Juli in Betrieb genommene und wegen der Corona-Pandemie bisher nur von wenigen Schiffen wie der Europa und Fridtjof Nansen genutzte Cruise Center Baakenhöft ist gar kein Landstrom-Anschluss vorgesehen, da es sich lediglich um ein temporäres Terminal für die Dauer von mindestens zehn Jahren handelt. Der als zwischenzeitlicher Ersatz für das am Chicagokai im südlichen Überseequartier in Bau befindliche Cruise Center HafenCity (CC-1) geplante Neubau wird derzeit auch als attraktive Event-Location vermarktet.

Bleibt ohne Landstromanschluss: Cruise Center Baakenhöft, Foto: HafenCity Hamburg GmbH /S. Groenveld

Am Cruise Center Altona (CC-2) befindet sich seit Frühjahr 2017 die erste und bisher einzige Landstrom-Anlage für Kreuzfahrtschiffe des grössten deutschen Seehafens im Regelbetrieb. 2019 wurde dort die AIDAsol von AIDA Cruises 13 Mal mit Landstrom versorgt und 2020 auch die Europa 2 von Hapag-Lloyd Cruises nach entsprechenden Tests auf die mögliche Abnahme von grünem Landstrom bei künftigen Anläufen dieses Terminals technisch vorbereitet.

Seit 2017 in Betrieb: Landstromanlage am Cruise Center Altona, Foto: Jens Meyer

Hamburgs Senat und die HPA treiben die Landstromversorgung im Hafen voran um die Luftqualität im Hafen dadurch zu verbessern, dass die Schiffe ihre Dieselmotoren während ihrer Liegezeit abstellen können. Die Kosten für eine Anlage werden von der HPA mit rd. 10 Mio. Euro beziffert. Der Bund fördert bis 2023 Landstromanlagen in deutschen See- und Binnenhäfen mit rd. 176 Mio. Euro. Um den Landstromversorgung für die Reeder attraktiver zu machen, wurden auch Anpassungen der EEG-Umlage vorgenommen. Investitionen sind zudem nicht nur auf der Landseite, sondern auch reederseitig erforderlich, da in Fahrt befindliche Schiffe mit entsprechenden kompatiblen Anschlüssen nachgerüstet und Anpassungen der Bordnetze vorgenommen werden müssen. JPM