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Weiterer Geschäftsführer für Lloyd Werft Bremerhaven

Friedrich Norden ist mit Wirkung von 1.12.2022 zum weiteren Geschäftsführer der Lloyd Werft Bremerhaven bestellt worden. Er fungiert neben Thorsten Rönner als weiterer Geschäftsführer des traditionsreichen Werftbetriebes, der nach dem Konkurs der Genting Group als Eigner der MV Werften-Gruppe im Frühjahr 2022 von der Rönner-Gruppe und der Gustav Zech Stiftung als neuen Gesellschaftern übernommen worden war. Carsten Sippel verlässt das Unternehmen, um sich neuen beruflichen Herausforderungen zu stellen.


Friedrich Norden, Foto: Lloyd Werft/Scheer

Norden war bisher Projektleiter der Lloyd Werft und hat seinen Berufsweg – mit einem kleinen Abstecher in die Pädagogik – bei der der Bremerhavener Werft bestritten und dabei in den vergangenen Jahrzehnten diverse Höhen und Tiefen des Unternehmens miterlebt.

Von 1989 – 1991 wurde er bei der Lloyd Werft zum Industriemechaniker ausgebildet, dem folgte ein zweijähriges Maschinenbaustudium sowie ein Lehramtsstudium in der Fachrichtung Metalltechnik mit Abschluss des 2. Staatsexamens als Berufsschullehrer.

2002 zog es ihn wieder zurück zur Lloyd Werft, wo er in der Projektabteilung als Kalkulator begann und ab 2006 Projektleiter für große Fertigbauten und Umbauten wurde. So wurden alle vier Dockschiffe der „Combi Dock“-Serie zwischen 2005 und 2010 unter Nordens Leitung gebaut.

Er war auch 2011 Projektleiter für den Umbau des Dockschiffs „Blue Giant“ zum Offshore-Spezialschiff „OIG Giant II“ und leitete zwischenzeitlich auch verschiedene Umbauten von Kreuzfahrtschiffen auf der Lloyd Werft, wie der „Amadea“ und „Albatros“ von Phoenix Reisen.

Seit April 2012 war er Einkaufsleiter der Werft und hatte seit 2013 auch Prokura. In dieser Zeit fungierte er auch als Projektleiter für den großen Offshore-Neubau „Ceona Amazon“. Seit Ende 2014 war Norden Leiter der Projektabteilung und zuletzt auch Projektleiter für das weltweit beachtete und prämierte Neubauyacht-Projekt „Solaris“.

Damit verfügt Norden über gute langjährige Kenntnisse in den einzelnen Gewerken der Werft mit ihren derzeit rund 220 Beschäftigten und setzt mit seiner neuen Funktion als Geschäftsführer eine Familientradition fort. Denn schon der Großvater von Friedrich Norden war zu Zeiten des NDL-Werftbetriebs für einige Jahre Geschäftsführer der Werft. Sein Sohn Friedrich war bis zu seinem plötzlichen Tod 1994 ebenfalls Projekteiter der Lloyd Werft und unter anderem maßgeblich an den Großumbauprojekten der „Norway“ und der „QE 2“ beteiligt. Nun führt sein Sohn Friedrich in 3. Generation die Familienserie fort.

Die Lloyd Werft Bremerhaven GmbH ist eine Neubau- und Reparaturwerft auf einem 26 Hektar großen Grundstück im Bremerhavener Kaiserhafen. Das Unternehmen wurde bereits 1857 als Werkstatt der Reederei Norddeutscher Lloyd gegründet und führte in seiner wechselvollen Geschichte insbesondere spektakuläre Reparatur- und Umbauaufträge sowie Schiffsverlängerungen von Fähren und Kreuzfahrtschiffen wie „Norway“ und „QE2“ durch. Drei große Trocken- und Schwimmdocks sowie leistungsfähige Werkstätten und Logistikbereiche ermöglichen der auch im Bau bzw. Umbau von Großyachten tätigen Werft, den Bau und Umbau von Schiffen mit über 300 m Länge und bis zu 11 Metern Tiefgang. JPM 

Mit „Albatross“ auf Nachhaltigkeitskurs: Lloyd Werft präsentiert „grünes“ Yachtkonzept

Die bis zur Insolvenz zum malaysischen Genting-Konzern gehörende und Anfang März dieses Jahres von dem Bremerhavener Stahlbauunternehmer Rönner zusammen mit dem Bremer Bauunternehmer Kurt Zech übernommene Lloyd Werft Bremerhaven hat in Kooperation mit dem Designbüro Stay Star Design ein Green Yacht Konzept entwickelt und unter dem Projektnamen Albatross vorgestellt, mit dem man dem Klimawandel und dem rasanten Anstieg der Energiepreise sowie zunehmenden Sensibilität der Gesellschaft Rechnung tragen will.


Animation: via Lloyd Werft

Das Konzept für einen 125 m langen, 29 m breiten und 5,6 m tiefgehenden Hybrid-Katamaran mit einer Vermessung von 10 000 BRZ basiert auf der Nutzung der drei erneuerbaren Energieträger bzw. natürlich vorkommenden Ressourcen Wind, Sonne und das umgebende Meerwasser, auch bekannt als „freie Brennstoffe“. Ziel dabei ist es nach Angaben der Werft, den CO2-Fußabdruck und den Energieverbrauch um 40% zu reduzieren. Damit werde das Schiff sozialverträglicher, die Auswirkungen auf die Umwelt werden minimiert und die Betriebskosten erheblich gesenkt. Dies soll u.a. durch den Einsatz starrer Flügelsegel mit einer Fläche von 1000 qm erreicht werden, die sich bei Nichtgebrauch einklappen lassen und den Antrieb des Schiffes unterstützen. Die Segel könnten bei günstigem Wind eine freie Antriebsleistung von etwa 1200 kW erbringen und könnten allein für eine Geschwindigkeit von etwa 7 Knoten sorgen. Mit der Installation von 1150 Quadratmetern photovoltaischer Solarpaneele könnten 280 kW Spitzenleistung pro Stunde geerntet werden, was einem realen Durchschnitt von 120 kW pro Stunde über 24 Stunden entspricht. Durch den Einbau von fünf vertikalen Windturbinen auf dem Oberdeck kann das Schiff bei günstigen Bedingungen Tag und Nacht bis zu 50 kW Strom pro Stunde erzeugen.


Animation: via Lloyd Werft

Das Albatross-Konzept basiert auf der Aufteilung des Betriebs in einen Hafen-/Ankermodus und einen See-/Segelmodus. Im Anker-/Hafenbetrieb wird die Energie von sechs Methanol-Brennstoffzellen mit je 200 kW erzeugt, die von den Wind- und Solargeneratoren unterstützt werden. Eine 4-MW-Lithium-Ionen-Batteriespeicherinstallation soll es ermöglichen, rund um die Uhr Energie zu speichern. Das mit Stahlrumpf und Aufbauten aus Legierungen bzw. Verbundwerkstoffen zu erstellende Schiff nutzt ein Gleichstromnetz zur Steuerung und Versorgung aller Energieversorger und -verbraucher. Im Fahr-/Segelbetrieb wird der Antrieb durch vier Hauptmotoren mit je 1800 kW erzeugt, die paarweise mit zwei Getrieben gekoppelt sind, die ein PTO/PTI-Hybridsystem für einen 1000-kW-Generator/Motor enthalten und auf die beiden Verstellpropeller arbeiten.

Die Hauptmotoren werden mit konventionellem Marinegasöl betrieben, da es für längere Reisen kaum eine Alternative gibt, aber der Verbrauch wird durch den Einsatz der Starrflügelsegeltechnologie reduziert. Für den Einsatz in beiden Betriebsarten sind vier 400-kW-Rim-Querstrahler installiert. Je zwei im Bug und am Heck, um die Yacht sicher und leise in den Hafen oder aus dem Ankerplatz zu manövrieren. Die wirtschaftliche Geschwindigkeit soll bei 12, die maximale Geschwindigkeit bei 15 kn liegen.



Sollte Methanol-Kraftstoff auf dem Markt knapp werden oder aufgrund einer abgelegenen geografischen Position nicht verfügbar sein, kann die Energie über einen der beiden installierten 1000-kW-Wellengeneratoren erzeugt werden, die an jedem Getriebe des Hauptantriebs angebracht sind. Durch den Einsatz von sechs Box-Kühlern anstelle eines herkömmlichen Pumpenkühlsystems werden Hauptmotoren, Klimaanlagen, Brennstoffzellen und andere Geräte effizienter, da weniger elektrisch angetriebene Pumpen benötigt werden. Dadurch können etwa 70 kW elektrische Leistung pro Stunde eingespart werden. Darüber hinaus wurde eine umfassende Untersuchung aller Energieverbraucher durchgeführt, wobei durch die richtige Auswahl und Platzierung der Geräte leicht 90 kW pro Stunde eingespart werden können, was sich nur positiv auf den Komfort des Eigners oder der Gäste auswirkt und zu einer erheblichen Verringerung des Kraftstoffverbrauchs und der Emissionen führen soll.

Die im Innen- und Aussenbereich weitgehend aus nachhaltigen und pflegeleichten Materialien gestaltete Yacht verfügt über eine Swimmingpool-Plattform mit einem Infinity-Pool und einem Beach Club in der Nähe der Schwimmplattform. Im Inneren befinden sich ein großer Fitnessraum, ein Spa, mehrere Salons und Essbereiche für Veranstaltungen und zum Empfang der 14 Gäste an Bord. Alle Vorschläge für die Innenausstattung sind offen für alle Wünsche der Kunden.

„Mit dem richtigen Maß an Überlegung und Recherche ist alles möglich“, sagt Friedrich Norden, Head of Projects & Sales der Lloyd Werft.


Animation: via Lloyd Werft


Die Albatross ist für eine Besatzung von ca. 40 bis 46 Personen ausgelegt und verfügt über maximal 46 Kojen. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Einzel- und Doppelkabinen. Insgesamt stehen für die Besatzung 1750 qm, für Eigner und Gäste 2050 qm Fläche zur Verfügung.

Das Konzept umfasst vier Tender und vier Jetskis in zwei separaten Tendergaragen, eine in jedem Schiffskörper. Mit Blick auf die Zukunft und unter Berücksichtigung von Effizienz, Emissionen, Beschränkungen in Jachthäfen und Lärmreduzierung wird die vorherrschende Antriebslösung elektrisch sein. Geplant sind ein 11 m-Kohlenstofffaser-Katamaran mit Elektroantrieb, ein 11m-Limousinen-/Sporttender mit Elektroantrieb, ein 8 m-Rip-Tender mit Elektroantrieb und ein konventioneller 8 m-Rip-Tender mit Dieselantrieb. Jede Tendergarage ist mit zwei Schnellladegeräten ausgestattet, die die Ladezeiten auf etwa 20 Minuten reduzieren. Die Garagen sind auch für jede andere Kombination von Tendern vorbereitet und ausgestattet, sei es mit Elektro- oder Dieselantrieb.

Beide Tendergaragen sind mit zwei Außenpforten mit einer Breite von jeweils 13 m und zwei Portalkränen ausgestattet. Da Tenderoperationen zu den zeitkritischsten und sicherheitsrelevantesten Vorgängen an Bord von Yachten gehören, nutzt Albatross die Vorteile des Katamaran-Designs. Zwischen den beiden Rümpfen befindet sich eine Wellenbrecheranlage. Eine robuste 9 x 6 Meter große Klappe, die hydraulisch ins Meer ausgefahren wird und einen Moonpool-Effekt erzeugt. Dadurch werden Wellengang und Seegangsgeräusche reduziert, um sicherzustellen, dass das Zuwasserlassen, Einsteigen und Einholen von Beibooten sicher und komfortabel erfolgen können. Das Hubschrauberdeck und der Landebereich sind für jede Größe und jeden Typ von Hubschraubern geeignet. Neben konventionellen, mit Flugbenzin betriebenen Hubschraubern sind auch Schnellladestationen für zukünftige elektrisch betriebene Hubschrauber installiert. JPM

MV Werften und Lloyd Werft per Insolvenz in die neue Zukunft

Der Fall ist eingetreten. Die MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern und die Lloyd Werft in Bremerhaven haben bei Amtsgerichten in Schwerin und Bremerhaven Anträge auf Eröffnung von Insolvenzverfahren gestellt. Durch diese Schritte sollen jetzt die Perspektiven für einen Neuanfang beider Unternehmen geprüft werden. Beide Werften sind durch die Probleme ihrer Muttergesellschaft Genting Hongkong in Schwierigkeiten geraten und jetzt zahlungsunfähig.

(Archiv) Foto: Frank Behling

Die Geschäftsführung der Werften räumte am Montag ein, dass es keinen anderen Ausweg mehr gegeben habe. Nahezu zeitgleich wurden bei den Amtsgerichten Schwerin und Bremerhaven die Anträge auf Eröffnung der Insolvenzverfahren gestellt.

Bis zuletzt hatten Vertreter des Eigentümers sowie der Landesregierung, Bundesregierung und der Banken verhandelt und nach einem Ausweg aus der Krise gesucht. Die Perspektive auf Fertigstellung der Global Dream bei den MV Werften in Wismar besteht aber weiterhin. Nur der Zeitplan wird jetzt weiter nach hinten verschoben.

Vertreter der Politik und der Gewerkschaften zeigten sich zuversichtlich, dass es durch das Insolvenzverfahren auch einen Neustart für die Werften geben könne. In den vergangenen Jahren war beispielsweise die Werften FSG, Nobiskrug und Elsfleth in ein Insolvenzverfahren gerutscht. Die Elsflether Werft wurde von der Lürssen-Gruppe übernommen. Die Werften Nobiskrug und FSG sind als Teil der Tennor-Gruppe von Investor Lars Windhorst in neues Fahrwasser gekommen.

Lloyd Werft in Bremerhaven (Archiv) Foto: Frank Behling

Wie es aber für die MV Werften und die Global Dream jetzt konkret weitergeht, ist jedoch unklar. Der Neubau ist zu 75 Prozent fertiggestellt. Die Finanzierung der Bauzeit des Schiffes war gescheitert, da nicht mehr sicher ist, ob der Auftraggeber auch die Schlussrate zur Ablieferung des Schiffes zahlen kann. Die Kredite der Bauzeitfinanzierung werden am Ende mit der Schlussrate bei Ablieferung durch die Banken des Reeders beglichen.

Angesichts der strengen Wettbewerbsvorgaben in der EU sind direkte Subventionszahlungen an die Werft durch öffentliche Steuergelder verboten. Die Überbrückung der Finanzierung muss einzig durch Kredite erfolgen und kann nur durch Bürgschaften abgesichert werden. Angesichts der Lage des Tourismusmarktes sind Banken aber mit Krediten sehr zurückhaltend.

Einziger Rettungsanker war der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) der Bundesregierung. Die Werften hätten zwar etwa 600 Millionen Euro aus dem WSF für ihren Betrieb bekommen können. Die Verhandlungen zur Zahlung scheiterten aber, da die erforderlichen Eigenmittel von Genting nicht hoch genug waren. Laut einem Bericht der Ostsee-Zeitung hatte die Genting-Gruppe dem Bund vier Vorschläge zur Rettung gemacht. Sie seien jedoch alle als nicht tragfähig abgelehnt worden.

Für die Lloyd Werft in Bremerhaven gibt es bereits einen Interessenten. Die Bremerhavener Rönner-Gruppe hat bereits Interesse an dem Werftgelände und den Mitarbeitern. Rönner ist in Bremerhaven im Stahlbau und der Schiffsreparatur tätig. Erst Ende vorigen Jahres hatte Rönner auch die Stahlbau-Abteilung der Nobiskrug-Werft aus Rendsburg (Schleswig-Holstein) übernommen.

Wie es weitergeht, sollen entschieden werden, wenn die Insolvenzverwalter Einblicke in die Bücher haben. Danach soll dann nach Interessenten für den Kauf der Werften gesucht werden. Erwartungsgemäß dauert so ein Verfahren zwischen drei und sechs Monate. FB

Lloyd Werft vor dem Aus

Die Perspektiven für die Bremerhavener Lloyd Werft stehen schlecht. Bereits zum März 2022 könnte die traditionsreiche Werft geschlossen werden. „Wir werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen“, sagte Daniel Friedrich, Bezirksleiter Küste bei der IG Metall. Zuvor waren Informationen durchgesickert, dass der Genting-Konzern sich nur noch auf seine Standorte in Mecklenburg-Vorpommern fokussieren will.

Auch dort ist inzwischen ein Verkauf der Werften aber nicht ausgeschlossen. Eine Reduzierung der Belegschaft um 1000 Mitarbeiter auf fast 2000 ist gerade angelaufen. Aktuell ist auch nicht mehr sicher, ob Genting weitere Kreuzfahrtschiffe bestellt.

„Es muss für die Werftstandorte in Mecklenburg-Vorpommern auch eine Perspektive ohne Genting geben“, fordert Friedrich bei der Vorstellung der Schiffbauumfrage der Gewerkschaft.  

Für die Lloyd Werft interessiert sich seit einiger Zeit die Rönner-Gruppe, die in Bremerhaven einen eigenen Schiffbaukonzern formt. Bislang baut Rönner überwiegend Spezial- und Marineschiffe.

Die Lloyd Werft hat aktuell noch rund 280 Mitarbeiter, die aber im Fall einer Schließung der Werft bis Jahresende ihre Kündigungen bekommen sollen. „Wir hoffen aber weiter auf eine Lösung“, so Friedrich. Bei der Übernahme 2016 waren es fast 400 Mitarbeiter.

In Bremerhaven begann 2016 der Einstieg der Genting-Gruppe in die deutsche Schiffbauszene. Zuvor hatte der asiatische Konzern über Jahre bei der Meyer Werft als treuer Kunde Schiffe bestellt. Da dort die Bauplätze bereits durch große Reedereien aus den USA belegt waren, kaufte Genting schließlich die Lloyd Werft in Bremerhaven.

Zunächst sollten dort drei Schiffe für Genting gebaut werden. Im Juli 2016 erfolgte dann der Einstieg bei den MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern. In Bremerhaven blieb die Lloyd Werft als Tochter aktiv und arbeitete im Reparaturgeschäft sowie beim Neubau von Yachten.

Auch Sektionen für Flusskreuzfahrtschiffe der der Marke Crystal kamen 2017 aus Bremerhaven und wurden bei Genting in Wismar komplettiert. In den drei Docks der Lloyd Werft werden derzeit meist Schiffe überholt und gewartet. Darunter auch Kreuzfahrer. FB



Kreuzfahrtschiff „Crystal Symphony“ wird vor erstem Karibikeinsatz auf Lloyd Werft überholt

Auf der Lloyd Werft Bremerhaven traf jetzt das Kreuzfahrtschiff Crystal Symphony für einen rund 14-tägigen Werftaufenthalt ein. Das Schiff lag die letzten Monate beschäftigungslos in Südostasien auf, und nahm am 25. Mai von Malaysia Kurs auf Nordeuropa. Nach der Passage des Suez-Kanals und eines Bunkerstopps in Limassol auf Zypern, machte das Kreuzfahrtschiff am Donnerstag im Kaiserdock II der Werft fest. Wie Friedrich Norden, Prokurist der Lloyd Werft auf Anfrage erklärte geht es bei diesem Auftrag vor allem um typische Wartungs- und Klassearbeiten mit dem Hauptaugenmerk auf das Unterwasserschiff, da es hier durch die lange Liegezeit wohl zu einem verstärkten Algenbewuchs gekommen ist. Größere Umbauarbeiten im Gästebereich stehen nach Auskunft von Norden an dem Kreuzfahrtschiff zunächst nicht an.

Nach Abschluss der Wartungsarbeiten wird das 848 Passagiere fassende Luxus-Kreuzfahrtschiff vermutlich noch ein paar Tage an der Pier der Werft liegen blieben, bis es dann Mitte Juli von der Seestadt in Richtung Karibik geht. Von St. Maarten wird Crystal Cruises ab Anfang August wieder mit den ersten regulären Kreuzfahrten starten. Die Crystal Symphony wird dabei aber mit einer reduzierten Passagierkapazität verkehren. Schon im Frühjahr gab Crystal bekannt, dass Gäste mindestens 14 Tage vor Beginn der Reise vollständig mit einem COVID-19-Impfstoff geimpft sein müssen. Diese Anforderung gilt zusätzlich zu den bestehenden, umfassenden Crystal Maßnahmen, einschließlich negativen COVID-19-Tests für Gäste und Besatzung, reduzierte Kapazität, soziale Distanzierung, Maskenpflicht und Fragebögen zur Gesundheitsvorsorge.

Die 1995 in Finnland erbaute Crystal Symphony ist bei der Lloyd Werft keine Unbekannte, dort wurde das 238 Meter lange Kreuzfahrtschiff im Herbst 2017 zuletzt für mehrere Millionen Euro umfangreich umgebaut. Dabei handelte es sich seinerzeit um den ersten direkten konzerninternen Auftrag der beiden zur Genting-Gruppe, Hong Kong, gehörenden Unternehmen Lloyd Werft Bremerhaven und Crystal Cruises. Bekanntlich gehört die Lloyd Werft seit 2016 zu 100 % zur Genting-Gruppe, bereits ein Jahr zuvor übernahm Genting die amerikanische Luxusreederei mit zwei Hochseekreuzfahrtschiffen von der japanischen Reederei Nippon Yusen Kaisha.

Wie Norden weiter erklärte stehen aktuell keine weiteren festen Buchungen von Wartungsarbeiten von Kreuzfahrtschiffen im Auftragsbuch, wobei es schon diverse Anfragen hierzu gibt. Als nächstes erwartet die Lloyd Werft das deutsche Polar-Forschungseisbrecher Polarstern des AWI am kommenden Montag (28.06.) aus der Arktis zurück, der anschließend für rund fünf Montage im Kaiserdock I überholt wird. Fünf Monate sind für den Werftaufenthalt eingeplant, wesentlich länger als üblich. Einer der größten Aufträge dabei ist die Erneuerung der elektrischen Leitungen auf dem mittlerweile fast 40 Jahre alten Schiff. Mit diesem Auftrag ist die Lloyd Werft zumindest in den nächsten Monaten gut ausgelastet.

Wie es danach mit der Werft und den rund 300 Mitarbeitern und die 42 Auszubildenden weiter geht, ist weiterhin ungewiss, denn der Eigner der Werft, die Genting-Gruppe hatte im Winter erklärt die Werft zum Jahresende zu schließen. Interesse an einer Übernahme der Werft hatte schon mehrfach die Rönner-Gruppe aus Bremerhaven betont. ChEck

Bremerhavener Traditionswerft soll zum Jahresende stillgelegt werden – angeblich keine Aufträge mehr

350-köpfige Belegschaft der Lloyd Werft Bremerhaven wurde informiert

Die Nachricht schlug ein wie ein Paukenschlag: Die über 160 Jahre alte Bremerhavener Lloyd-Werft, Neubau- aber vor allem immer wieder Umbauwerft von spektakulären Kreuzfahrtschiffen, soll zum Ende des Jahres stillgelegt werden. Entsprechende Pläne wurden von der Geschäftsführung der Belegschaft auf einer Betriebsversammlung am Freitag (19.2.2021) mitgeteilt, bestätigte die Gewerkschaft IG Metall.

„Das war ein großer Schock“, sagte der Betriebsratsvorsitzender Nils Bothen gegenüber der lokalen Nordsee-Zeitung, „damit haben wir nicht gerechnet.“ Auf mehreren Versammlungen ist die Belegschaft der Werft über die Stilllegung informiert worden. Die Werft-Geschäftsführung und Carsten J. Haake als Vertreter der übergeordneten MV Werften führten aus, dass es mangels weiterer Aufträge eine negative Fortführungs-Perspektive gebe und dass deshalb der Betrieb zum Jahresende stillgelegt werde.

Foto: Christian Eckardt

Nach Ausführungen der IG-Metall-Chefin Doreen Arnold habe Haake von einem Kaufinteressenten gesprochen. Bothen setzt nun alle Hoffnungen darauf, dass der möglich Käufer die Werft weiterführt und möglichst viele Arbeitsplätze sichert.

Der Betriebsrat sei laut Gewerkschaft aufgefordert, Verhandlungen über einen Interessensausgleich und einen Sozialplan aufzunehmen. Die Lloyd-Werft hat derzeit nach Gewerkschaftsangaben rund 350 Beschäftigte und ist Teil der Unternehmensgruppe MV Werften, die wiederum zum Mutterkonzern Genting-Group gehört, der finanziell stark angeschlagen ist.

„Wenn es ein Rettungspaket für die MV-Werften gibt, dann darf die Lloyd-Werft da nicht hinten runterfallen. Es müssen auch Gespräche mit dem Eigner – der Genting-Group – geführt werden, damit der möglichen Käufern die Chance einräumt, die Werft zu übernehmen und den Standort zu erhalten“ erklärte Magistratssprecher Volker Heigenmooser gegenüber dem Fernsehsender Radio Bremen. 

Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) hat schon am Donnerstagabend in einem Krisengespräch mit der Geschäftsführung und dem Betriebsrat von der Betriebsstilllegung erfahren. Seit Wochen liefen mit dem Unternehmen, den Arbeitnehmervertretern sowie der Gewerkschaft und dem Bundeswirtschaftsministerium Gespräche. Auf dieser Grundlage sagte Vogt: „Wir wissen, dass die Lloyd-Werft eine Fortführungsperspektive hat.“ Konkret gehe es bei den Gesprächen mit Berlin darum, dass die Werften Hilfen aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) bekommen.

Schon im Dezember wurden Gerüchte über einen möglichen Verkauf der Werft laut, so soll angeblich auch die Bremerhavener Rönner-Gruppe Interesse an der Lloyd Werft haben, die unter anderem über zwei Trockendocks und ein Schwimmdock verfügt, in dem sich derzeit die Megayacht „Solaris“ befindet. Von Seiten der Rönner-Gruppe, zu der auch die Bremerhavener Werftengruppe Bredo Dry Docks gehört gibt es bislang noch nicht.

Die Lloyd Werft gehört ebenso wie die krisengeschüttelten MV Werften in Wismar, Rostock und Stralsund zu dem asiatischen Mutterkonzern Genting. MV-Geschäftsführer Carsten Haake erklärte im Dezember im Finanzausschuss von Mecklenurg-Vorpommern: „Es geht darum, dass Genting und der Bund eine Lösung finden und wir dann in dieser Lösung einen großen Teil mitbringen werden. Dass Schiffe weitergebaut werden können, das bleibt unser oberstes Ziel.“ Haake bestätigte anschließend gegenüber der Nordsee-Zeitung in Bremerhaven, dass ein Verkauf der Lloyd-Werft auch ein Thema ist.

Aktuell befindet sich bei der Lloyd Werft die über 140 Meter lange Megayacht Solaris vor der Ausdockung, die Ablieferung ist im Laufe des Sommers geplant. Weiterhin steht noch ein größerer Werftaufenthalt für den Polarforschungseisbrecher Polarstern an. Auch soll die weltweit größte Yacht, die REV Ocean zur Ausrüstung nach Bremerhaven zur Lloyd Werft kommen, doch durch die Corona-Pandemie ist der Termin schon mehrfach verschoben worden. ChrEck