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Eines der ältesten Kreuzfahrtschiffe auf dem Weg zur Verschrottung nach Indien

In Wismar gebautes Passagierschiff „Marco Polo“ über mehrere Jahre Stammgast an Bremerhavener Columbuskaje 

Der aktuelle Stillstand in der Kreuzfahrtindustrie durch die Corona-Pandemie führte schon im letzten Jahr zu unzähligen Schiffsverkäufen, schon ein halbes Dutzend von bislang noch aktiven Kreuzfahrtschiffen sind im letzten Jahr an den Strand gesetzt worden. So wurden zum Jahresende noch die 30 Jahre alte Karnika (ex AIDAblu) und die Ocean Dream (erbaut als Tropicale für Carnival Cruises) in Indien an den Strand gesetzt, mittlerweile befindet sich auch die Grand Celebration auf dem Weg von der Karibik nach Indien und wird im Laufe des Monats zur Verschrottung in Alang erwartet

Auch hofften bis zuletzt viele Schiffsfans, dass eines der ältesten noch aktiven Kreuzfahrtschiffe weltweit, die mittlerweile 56 Jahre alte Marco Polo (22. 080 BRZ), die am 22. Oktober nach der Insolvenz der britischen Reederei CMV für 2,77 Millionen Dollar versteigert wurde, doch noch von möglichen Abbruchplänen verschont bleiben würde, zumal Nachrichten über eine mögliche Vercharterung des Schiffes kursierten. 

Doch am 3. Januar 2021 nahm das Schiff von seinem letzten Liegeplatz vor Dubai aus Kurs auf Indien, wo das Schiff um den 9. Januar in Alang zur endgültigen Verschrottung an den Strand gesetzt wird.

Das Kreuzfahrtschiff hat dabei im Laufe seiner jahrzehntelangen Fahrenszeit auch immer wieder Station in Bremerhaven gemacht, zuerst als Transatlantikliner, später als Kreuzfahrtschiff für ein deutschsprachiges Publikum. Die 176 Meter lange Marco Polo wurde 1965 von der ehemaligen MTW-Werft in Wismar unter der Baunummer 126 als Zweiklassenschiff Alexandr Puschkin an die Baltic Shipping Co, (BSC) Leningrad, abgeliefert. Es war das zweite Schiff einer Serie von fünf fast baugleichen Schiffen aus der so genannten Ivan-Franko-Klasse, die für die UdSSR erbaut wurde. Zu dieser Serie gehörten die 1963 erbaute Ivan Franko, die 1967 erbaute Taras Shevchenko, die ein Jahr später abgelieferte Shota Rustaveli und die dann erst 1973 erbaute Mikhail Lermontov, alles Namen großer georgischer, ukrainischer und russischer Schriftsteller. Als einziges Schiff hatte die Marco Polo aus dieser Serie bis jetzt noch überlebt. 

Die Schiffe dieser Serie waren seinerzeit die bis dahin größten Neubauten des Schiffbaus in der DDR. Drei Schiffe gingen an die sowjetische Schwarzmeer-Reederei, zwei an die Ostseereederei (Baltic Shipping Co. ). In der ersten Klasse konnten seinerzeit 130 Passagiere untergebracht werden, in der Touristenklasse 620 Personen. Die Schiffe, inmitten des „Kalten Krieges“ erbaut, sollten zudem im Kriegsfall als Truppentransporter eingesetzt werden. So wurden diese mit entsprechend robusten Motoren ausgestattet. 

Foto: C. Eckardt

Noch heute verkehrt die Marco Polo mit den Original Schiffsdieselmotoren der Ciegielski-Werke in Posen vom Typ 7 RD 76 (Lizenz Sulzer) mit je 7.723 kW Leistung, die auf zwei Festpropeller wirken. Der Aktionsradius beträgt dabei rund 8.000 Seemeilen, die Geschwindigkeit mit 20 Knoten. 

Neben Kreuzfahrten kam die eisverstärkte Alexandr Puschkin als einer der letzten Transatlantikliner im Passagierdienst auf der Kanada-Linie zwischen dem sowjetischen Leningrad (heute St. Petersburg) und Quebec und Montreal am St.-Lorenz-Strom zum Einsatz. Später wurde der weitere Zustieghafen Kopenhagen auf diesem Liniendienst miteingefügt, doch schon im Jahr 1967 wurde die dänische Hauptstadt gegen Bremerhaven ausgetauscht. Erstmals machte das sowjetische Passagierschiff am 17. April 1967 an der Columbuskaje fest und nahm hier auf der ersten Überfahrt 221 weitere Fahrgäste in Richtung Kanada mit. Selbst der damalige sowjetische Botschafter in der Bundesrepublik, Semjon Konstantinowitsch Zarapkin und der Bremer Senator für Wirtschaft und Außenhandel, Karl Eggers, waren beim Erstanlauf im Rahmen eines Empfangs an Bord der Alexandr Puschkin in Bremerhaven mit an Bord. 

Als Agent für den Liniendienst fungierte seinerzeit das Bremer Unternehmen Transocean Passagierdienst D. Oltmann & Co., der Name wird im weiteren Lebenslauf des Schiffes noch mehrfach auftauchen. Bis 1972 verkehrte die Alexandr Puschkin zumindest in den Sommermonaten auf dieser Passagierroute und wurde dann von dem jüngeren Schwesterschiff, der Mikhail Lermontov abgelöst. Die Lermontov blieb noch bis 1980 im regelmäßigen Passagierdienst im Einsatz, wobei schon ab 1973 nur noch die Strecke Leningrad, Bremerhaven, London, Le Havre bis New York bedient wurde. 

Somit wurde die Alexandr Puschkin fast nur noch für weltweite Kreuzfahrten eingesetzt, auch für deutsche Veranstalter, und von 1979 bis 1984 war das Schiff dann in Vollcharter für den Bremer Seereisenveranstalter Transocean Tours mit deutschen Gästen unterwegs, in Richtung Nordland und Ostsee aber auch im Mittelmeer. 1984 wechselte die Alexandr Pushkin dann innerhalb der Sowjetunion von der BSC zur Far East Shipping Company und unternahm nun vorwiegend Reisen für den australischen Markt. Natürlich unter der Prämisse, dringend benötigte westliche Devisen in die planwirtschaftlich leeren Kassen zu spülen. Mit dem Fall des Eisernen Vorhanges 1990 und dem Zerfall der damaligen Sowjetunion war damit jedoch Schluss. 

Der Amerikaner Gerry Herrod erwarb 1991 das Schiff und ließ es in zwei Jahren für rund 75 Millionen US Dollar zum Flaggschiff für die von ihm gegründete Orient Lines komplett umbauen. Nur die Außenhaut und Original-Maschinen sind somit noch heute im Originalzustand.  Im November 1993 startete das Schiff mit den geschwungenen Linien und dem klassischen Teakholz-Deck unter dem neuen Namen Marco Polo zur zweiten Jungfernreise. In den nun 428 komfortablen Kabinen finden bis zu 826 Passagiere Platz. Im Jahr 1998 übernahm die Norwegian Cruise Line (NCL) die Orient Lines, verkaufte das Schiff dann im Jahr 2007 an die griechische Global Maritime die nun wieder einen wohlbekannten Charterer ausfindig machen konnte – Transocean Tours in Bremen.

Doch diesmal war die Charter mit den Bremern kein Glücksgriff, denn durch die Insolvenz von Transocean muss der Chartervertrag vorzeitig beendet werden. Seit 2010 verkehrte das Kreuzfahrtschiff dann sehr erfolgreich in Vollcharter für Cruise & Maritme Voyages auf dem britischen Markt und lief dabei immer wieder die norddeutschen Kreuzfahrthäfen an, darunter auch mehrfach noch Bremerhaven. Letztmalig besuchte das Schiff im November 2011 die Seestadt, im Rahmen einer Werftliegezeit bei der Lloyd Werft. Im Sommer 2019 lief das Schiff dann noch einmal seinen Geburtsort im Rahmen einer regulären Kreuzfahrt an. Nach der Rückkehr einer letzten Kreuzfahrt rund um Afrika wird das Schiff ab dem 22. März in der Hafenstadt Avonmouth vor Bristol aufgelegt.  ChEck

Update: Preise für versteigertes CMV-Schiffsquintett veröffentlicht

Nachdem die Versteigerung aller fünf Schiffe der zur Global Maritime Group gehörenden insolventen britischen Reederei Cruise & Maritime Voyages (CMV) am 22. Oktober erfolgreich abgeschlossen werden konnte, hat die vom britischen Admiralty Marshal mit der Durchführung exklusiv beauftragte Londoner Maklerfirma C.W. Kellock & Co. Ltd. Ende vergangener Woche auch die Preise mitgeteilt, die für die beiden letzten Schiffe erzielt wurden. Für das Quintett haben die Käufer insgesamt weniger als 24 Mio. US-Dollar aufbringen müssen. Für die beiden wohl nicht wieder in Fahrt kommenden Einheiten, die Astor und die Marco Polo, sind die offensichtlich als Zwischenhändler fungierenden Käufer jedoch immer noch nicht namentlich bekannt.

Beim ersten Versteigerungstermin am 8. Oktober ging die 1993 in Italien erbaute und seit 1. Mai in Tilbury aufliegende Vasco da Gama (BRZ 55877) für 10.187 000 US Dollar bekanntlich an die Mystic Invest Holding des portugiesischen Touristikunternehmers Mario Ferreira, der sie durch die Tochtergesellschaft Mystic Cruises betreiben will. Den Zuschlag für die 1989 in Frankreich erbaute und seit 14. April in Tilbury liegende Columbus (BRZ 63786) hatte am 12. Oktober der Inhaber der in Piräus ansässigen Fährreederei Seajets, Marios Iliopoulos, bei einem Gebot von 5.321 000 US-Dollar erhalten. Er – und nicht etwa türkische Abbrecher – war auch bei der am 19. Oktober erfolgten Versteigerung der 1985 erbauten und seit 20. April in Tilbury aufgelegten Magellan (BRZ 46052) mit einem Gebot von 3.431 000 US-Dollar der Meistbietende.

Unklar bleibt, welche Absicht er mit den insgesamt sechs seit Juni zu günstigen Preisen erworbenen Kreuzlinern er verfolgt. Insider gehen von einem geplanten Wiederverkauf nach dem Ende der Covid-19-Pandemie aus. Unklar ist auch noch die Identität der Käufer der am 15. Oktober für 1.710 000 US-Dollar ersteigerten Astor (BRZ 20704). Wie bekannt wurde, haben sie einen Weiterverkauf an Abbrecher geplant. Die 1987 von HDW in Kiel erbaute und durch ihren langjährigen Einsatz durch die 2014 integrierte Marke Transocean auf dem deutschen Markt bestens bekannte und beliebte Astor hat nach 164-tägiger Aufliegezeit Tilbury bereits am 7. November verlassen und Kurs auf den türkischen Abbruch-Hafen Aliaga genommen, wo sie am 26. November erwartet wird. Als sicher gilt die Annahme von Beobachter, dass auch die 1965 in Wismar erbaute und seit 22. März in Avonmouth, Bristol, aufliegende Marco Polo (BRZ 22080), die am 22. Oktober für 2.770 000 US-Dollar an bisher ungenannte Interessenten versteigert wurde, ihre letzte Reise zum Abbruch antreten wird. JPM

MS Marco Polo: Letzte Überlebende ihrer Bauserie?

Ein blauer Rumpf mit heute nicht mehr üblichem Sprung und edlen Teakholzdecks – die „Marco Polo“ stammt aus einer Zeit, in der Passagierschiffe noch über elegante Silhouetten verfügten und – wie Schiffsliebhaber meinen – noch wie richtige Schiffe aussahen. Nach der Insolvenz vom letzten Betreiber CMV mit deutschem Ableger Transocean und erfolgter Versteigerung am 22. Oktober staunten nicht wenige, dass dieser Oldtimer nicht direkt zum Verschrotten gehen soll, sondern inzwischen zum Chartern angeboten wird. Die nächsten Wochen werden zeigen, wohin die Reise geht.

Rückblick

Die Marco Polo wurde 1965 vom VEB Mathias-Thesen-Werft, Wismar (heute MV Werften), in der damaligen DDR als zweites von fünf Schwesterschiffen der sogenannten „Dichterklasse“ abgeliefert. Zur Serie gehörten Ivan Franko (1964-1997), Taras Shevchenko (1967-2005), Shota Rustaveli (1968-2003) und Mikhail Lermontov (1972-1986).

Foto: Sammlung JSA

Von der sowjetischen Staatsreederei wurde die Aleksandr Pushkin deren Tochter Baltic Shipping Company unterstellt und kam im Transatlantikdienst zwischen dem damaligen Leningrad und Montreal zum Einsatz. Wie so viele sowjetische Schiffe in der damaligen Zeit, erwirtschaftete auch die Aleksandr Pushkin zunächst nebenbei, später durchgehend Devisen im Charter westlicher Kreuzfahrtveranstalter. Zwischen 1979 und 1984 zählte das Schiff auch schon einmal zum Kreuzfahrtangebot von Transocean Tours. In den wirtschaftlichen Wirren um Glasnost erfolgte 1991 der Verkauf an die damals neu gegründete Orient Lines, die das in Marco Polo umbenannte Schiff in Griechenland mit erheblichem Aufwand umbauen ließ. Das Schiffsinnenleben wurde vollständig entkernt, sämtliche Kabinen und öffentlichen Bereiche komplett erneuert, die markanten ovalen Treppenhäuser ersetzt sowie der einst überdachte Swimmingpool als Außenpool neu gestaltet. Die Silhouette der Marco Polo präsentiert sich nach dem Radikalumbau noch attraktiver und ausgewogener als zuvor.

Schiffsrundgang

Das Gros der öffentlichen Räume erstreckt sich über die gesamte Länge des Magellan-Decks. Vorn liegt der Musiksalon, die Marco Polo Lounge, in dem das allabendliche Show- und Unterhaltungsprogramm in zwei Aufführungen stattfand. Es schließt sich nach achtern der Captain’s Club an, dessen Bar bereits am Morgen öffnete. Das ehemalige Kasino unter Orient Lines wurde zur Columbus Lounge mit freundlich-maritimem Ambiente umgestaltet. Bibliothek, Kartenspielzimmer sowie der mit bequemen Rattanmöbeln ausgestattete Palm Garden haben sich hingegen kaum verändert. Ein Deck höher findet sich achtern Scott’s Bar, in der abends zunächst ein Musiktrio und später ein DJ auftrat.

Foto: Archiv Udo Horn/K.Ortel

Die großzügigen Außendecks sind zu einem Großteil mit Teakholz ausgelegt und achtern terrassenförmig angelegt. Vorn befindet sich ein großer Aussichtsbereich, an den sich achtern ein schmaler Joggingpfad anschließt, auf dem man das gesamte Schiff umrunden konnte. Ein Deck tiefer liegt die breite Außenpromenade. Der Poolbereich wirkte bei vollem Schiff teilweise recht beengt. Ruhiger ging es oben auf dem Navigator Deck zu, wo drei Whirlpools zum Verweilen einluden. Leider wurden das Helikopterdeck sowie das vordere Kompassdeck unter dem letzten Eigner für Passagiere gesperrt.

Foto: Archiv Udo Horn/K.Ortel

Die Standardkabinen der Marco Polo fallen mit 10-12 Quadratmetern eher klein aus, sind jedoch mit allem nötigen ausgestattet. Bauartbedingt können die Betten, wie es derzeit üblich war, in der Regel nicht zu einem Doppelbett zusammengestellt werden. Auch für Gäste, die mit kleinen Kindern reisen, war die Marco Polo grundsätzlich gerüstet: In den Restaurants gibt es Kinderstühle, auf Anfrage für die Kabinen sogar Kinderbetten, allerdings kein Kinderspielzimmer.

Foto: Jens Meyer

Im Waldorf Restaurant auf dem Atlantic Deck wurden Frühstück und Mittagessen in einer offenen Sitzung serviert, das Abendessen hingegen in zwei Sitzungen. Die Bestuhlung ist recht eng. Als Alternative zum Speisesaal bot sich Marco’s Restaurant an, in dem sämtliche Mahlzeiten in Büfettform serviert wurden.

Technische Daten

Bauwerft: MTW, Wismar, Baunr. 126 (in Fahrt als Alexandr Pushkin), Baujahr: 1965, Komplettumbau 1991-1993, Vermessung: 22.080 BRZ, Letzter Eigner: Global Maritime Group Inc., Flagge: Bahamas, Abmessungen: 176 m Länge · 24 m Breite · 8 m Tiefgang, Passagierdecks: acht, ca. 2.600 qm Außendecks, Kapazität: max. ca. 850 Passagiere, 350 Besatzungsmitglieder, Kabinen: 296 Außen-, 127 Innenkabinen, Ausstattung: 2 Restaurants (Nichtraucher), 5 Bars, Swimmingpool außen, Wellness Oase mit Sauna, Solarium, Massage, Friseur und Beauty-Salon, Fitness-Center mit Meerblick, Bibliothek und Spielezimmer, Boutique, Internet-Café, Wäscherei, Hospital, 4 Fahrstühle, Zodiacs, Stabilisatoren.

Foto: Jürgen Saupe

26.04.1964: Stapellauf

14.08.1965: Ablieferung

13.04.1965: Erste Transatlantikreise Leningrad-Montreal

Ab 1967: Im Sommer Liniendienst, im Winter Kreuzfahrten

1979 bis 1984: Transocean Tours Vollcharter

1985: Abgabe an Far Eastern Shipping, Wladiwostok. Kreuzfahrten ab Sydney unter CTC-Charter.

06.02.1990: Schiff wird in Singapur aufgelegt

1991: Verkauf an Orient Lines, Überführung nach Griechenland zum Totalumbau. Neuer Name

Marco Polo.

1995: Reederei Orient Lines wird von NCL (Norwegian Cruise Line) übernommen

22.03.2008: Ankauf durch Global Maritime Group. Vercharterung an Transocean Tours

31.12.2009: Beendigung des Chartervertrages durch Transocean Insolvenz

02.01.2010: Übergabe an Global Tochter CMV (Cruise & Maritime Voyages)

22.03.2020: Rückkehr von letzter Kreuzfahrt (rund um Afrika) nach Avonmouth/Bristol.

20.07.2020: CMV/Transocean ist insolvent.

22.10.2020: die Marco Polo wird zwangsversteigert.

25.10.2020: Zum Chartern vom neuen Eigner angeboten durch Broker Unlimited Offshore.

05.11.2020: Bis heute (Redaktionsschluss) bleiben Angaben zum neuen Eigner im Dunkeln.

Text: Jürgen Saupe

Alle fünf CMV-Schiffe versteigert: Griechen sichern sich nach der „Columbus“ auch die „Magellan“

Nachdem am 9. Oktober der Chairman der portugiesischen Mystic Invest Holding, Mário Ferreira, bei einem Gebot von 9,5 Mio. Euro den Zuschlag für die 1993 in Italien erbaute Vasco da Gama (BRZ 55451) erhalten hatte und am 12. Oktober bereits die 1989 in Frankreich erbaute Columbus (BRZ 63786) von Marios Iliopoulos als Eigner des griechischen Fährbetreibers Seajets ersteigert worden war, konnten sich die Griechen mit der 1985 erbauten Magellan (BRZ 46052) am 18. Oktober ein weiteres der insgesamt fünf Schiffe der insolventen britischen Reederei Cruise & Maritime Voyages (CMV) sichern, die von der als exklusiver Makler für den britischen Admiralty Marshal tätigen Londoner Firma CW Kellock & Co. Ltd. versteigert werden.

VASCO DA GAMA, Foto: enapress.com

Unklar bleibt, welche Pläne Iliopoulos mit den nunmehr insgesamt sechs während des Corona-Lockdowns innerhalb von vier Monaten zu Minimalpreisen erworbenen Kreuzfahrtschiffen verfolgt. Neben den beiden erwähnten Schiffen gehören dazu die in Aegean Majesty umbenannte Veendam (BRZ 57092), die in Aegean Myth umbenannte Schwester Maasdam (BRZ 55575), die Queen of the Oceans umbenannte Oceana (77499 BRZ) und die Pacific Aria ex Ryndam.

Die in Tilbury aufliegende Astor (295 Kabinen, 20704 BRZ) hat am 15. Oktober einen neuen Eigner gefunden, der das Schiff bereits in der nächsten Woche übernehmen will. Erst danach wollen die Auktionatoren Einzelheiten zu Preis- und Käufer bekannt geben. Über die Zukunft der 1987 von HDW in Kiel erbauten und durch ihren langjährigen Einsatz durch die 2014 integrierte Marke Transocean auf dem deutschen Markt bestens bekannte Astor, die im Frühjahr nächsten Jahres auf den französischen Markt wechseln sollte, gibt es derzeit Spekulationen, die auf eine weitere Vermarktung im deutschsprachigen Markt schließen lassen. Zwar wurde die seit langem ausgebuchte letzte 127-tägige Weltreise – sie wurde von der Supermarkt-Kette Aldi vertrieben und sollte von Berge & Meer Touristik GmbH in Vollcharter durchgeführt werden (8.12. 2020 ab Hamburg bis 12.4.2021 in Bremerhaven) dieser Tage abgesagt und den Gästen eine Rückzahlung vier bis sechs Wochen nach dem ursprünglich geplanten Reisebeginn versprochen, doch glauben Insider, dass es dem früheren CMV-CEO Christian Verhouning gelingen könnte, seine Pläne zur Fortsetzung des Geschäftes zumindest in geringerem Umfang umzusetzen.

Marco Polo, Foto: Frank Behling

Wie von uns bereits berichtet, hat Verhouning Vermögenswerte – u.a. Kundendateien, Buchungssysteme, Büroeinrichtungen etc. – aus der britischen CMV-Insolvenzmasse erworben, um mit der neu gegründeten CVI Group Ltd. einen möglichen Neustart mit ehemaligen CMV-Schiffen zu ermöglichen. Der Versteigerung der Vasco da GamaAstor, Columbus und Magellan folgte heute (22. Oktober ) die Versteigerung der 1965 in Wismar erbauten Marco Polo (BRZ: 22080, 425 Kabinen), die in Avonmouth, Bristol aufliegt. Für dieses letzte Schiff wurden ebenfalls weder Käufer noch der erzielte Preis genannt.

Astoria als Azores, Foto: enapress.com

Nicht betroffen ist die seit 2015 von CMV eingecharterte Astoria ex Azores (BRZ: 16144), die in Tilbury aufliegt. Der Chartervertrags des 1948 in Schweden als Stockholm erbauten Schiffes, das u.a. im Zuge seiner zahlreichen Eigner- und Chartererwechsel zwölf Mal seinen Namen wechselte und u.a. durch die Versenkung der Andrea Doria oder als Völkerfreundschaft in der DDR Geschichte schrieb, läuft in diesem Jahr aus, so dass es Ende Oktober an die als derzeitiger Eigner registrierte Bank Montepio als Gläubiger zurückgeliefert werden soll. Frühere Verkaufsofferten für das 1993 in Italien aufwändig entkernte und neu motorisierte Schiff hatten bei Preisindikationen von 11 Mio. Dollar keine Resonanz im Markt gefunden. JPM