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Meyer Werft will Technologieführerschaft ausbauen

Ziel ist das emissionsfreie Kreuzfahrtschiff

Trotz der durch die Corona-Pandemie erzwungenen Einschränkungen will die zu den Weltmarktführern im Bau von Kreuzfahrtschiffen gehörende Papenburger Meyer Werft den durch Auftragsstreckungen und Nachfragerückgang entstandenen Spielraum nutzen, sich für die Zeit nach der Krise zukunftsfähig aufzustellen.

Schon früh hatte die Werft, die zu ihrem 225jährigen Jubiläum am 28. Januar 2020 noch auf ein gut gefülltes Orderbuch und ab 2024 geplante Anschlussaufträge zurückblicken konnte, auf die Krise reagiert: Durch vielfältige Corona-Präventionsmaßnahmen wurde die Gesundheit der Beschäftigten gesichert. Gleichzeitig mussten zahlreiche Maßnahmen ergriffen werden, um die wirtschaftliche Stabilität der Werft zu erhalten. Ein Investitionsstopp, ein umfangreiches Sparpaket, die Reduzierung von befristet eingestellten Mitarbeitern und das Instrument der Kurzarbeit sowie deutlich weniger Beschäftigte von Lieferanten schafften zunächst ein wenig Planungssicherheit bis Ende Juni 2021.

Gleichzeitig wurde intensiv mit den Reedereien die zeitliche Streckung der bestehenden Aufträge verhandelt. So konnten bis jetzt Stornierungen von Aufträgen und betriebsbedingte Kündigungen verhindert werden. Trotz aller widrigen Umstände gelang es 2020 zwei Schiffe abzuliefern. Im September und Oktober 2020 konnten die beiden Neubauten Iona an P&O Cruises sowie die Spirit of Adventure an Saga Cruises zu übergeben. In den nächsten Jahren sollen weitere innovative Großprojekte umgesetzt werden.

„Unser gestrecktes Auftragsbuch erlaubt es, uns für die Zukunft aufzustellen. Diese Chance müssen wir nutzen. Unser gesamtes Team hat auch 2020 gemeinsam mit unseren vielen Partnern gezeigt, mit welcher Motivation wir trotz aller Herausforderungen unsere Projekte realisieren“, so Meyer Werft-Geschäftsführer Thomas Weigend. Trotz des Sparpaketes stelle man die Weichen in Richtung Zukunft für die Zeit nach der Corona-Pandemie. Mit dem neuen Logistikzentrum werden die Materialtransporte noch besser koordiniert und Kosten für sonstige Lagerflächen gesenkt.

Auch um die Technologieführerschaft bei Kreuzfahrtschiffen weiter auszubauen, arbeitet die Werft an neuen Lösungen: An der Brennstoffzellentechnologie und weiteren technischen Innovationen auf Passagierschiffen wird intensiv geforscht, um den Weg zum emissionsfreien Kreuzfahrtschiff zu ermöglichen. Auch 2021 sollen wieder zwei Kreuzfahrtschiffe abgeliefert werden. Die Odyssey of the Seas für Royal Caribbean International liegt bereits an der Ausrüstungspier. JPM

Neues LNG-Flaggschiff an Carnival Cruise Line abgeliefert

Mardi Gras“ soll im April nächsten Jahres zur Jungfernreise starten

Es ist nicht nur das bisher größte, sondern zugleich auch das erste vollständig mit verflüssigtem Erdgas (LNG) betriebene Kreuzfahrtschiff für die amerikanische Carnival Cruise Line (CCL): Die von der finnischen Werft Meyer Turku Oy als Bau-Nr. 1396 erstellte Mardi Gras ist am 17. Dezember an ihre Auftraggeber abgeliefert worden.

„Wir übergeben ein schönes und fortschrittliches Schiff mit Weltklasse-Technologie wie z. B. LNG-Antrieb. Mit seinen High-Tech-Systemen wird der Neubau eines der umweltfreundlichsten Schiffe sein, die in nordamerikanischen Gewässern unterwegs sind“, erklärte Werft-Chef Tim Meyer bei der Übergabe in Turku. Mit seiner Namensgebung erinnert das neue CCL-Flaggschiff an die von der Reederei 1972 als ihr erstes Schiff in Fahrt gebrachte Mardi Gras, ein damals angekauftes und umgebautes 11 Jahre altes 27 000-BRT-Schiff, das bis 1993 eingesetzt wurde und ihre 48jährige Erfolgsgeschichte begründete.

Der fast eine Mrd. Dollar teure Neubau, dessen Rumpf am 18. Juni 2019 im Baudock des finnischen Werftbetriebes der Papenburger Meyer Werft-Gruppe auf Kiel gelegt und u.a. mit einem von der ebenfalls zur Werftgruppe gehörenden Rostocker Neptun Werft zugelieferten schwimmenden Maschinenraummodul komplettiert worden war, ist erst am 24. Januar dieses Jahres aufgeschwommen und an den Ausrüstungskai verholt worden.

Foto: Meyer Turku

Ursprünglich wollte die Reederei ihr neues Flaggschiff am 31. August dieses Jahres als 28. Schiff ihrer Flotte zur ersten Reise von Kopenhagen nach Southampton schicken und anschließend dort die Transatlantiküberführung nach New York beginnen lassen. Ende 2019 erfolgte zunächst eine Verschiebung der Ablieferung auf Oktober 2020 und im Juli 2020 wurde aufgrund der Beeinträchtigungen durch die Corona-Problematik mitgeteilt, dass die offizielle Jungfernreise nunmehr erst am 6. Februar 2021 in Port Canaveral, Florida, beginnen sollte, sie wurde inzwischen um zwei weitere Monate aufgeschoben.

Die 344,42 m lange, 41,75 m breite, 8,80 m tiefgehende und mit rd. 180 000 BRZ vermessene Mardi Gras, die über 19 Decks verfügt und bei Doppelbelegung 5282 (max. 6600) Gäste in mehr als 2600 Kabinen und 180 Suiten in 11 Kategorien unterbringen kann, zeichnet sich durch ihre klassischen Schiffslinien und den blauen Rumpfanstrich aus. Mittelpunkt ist ein über drei Decks reichendes Atrium, das sich zu einem raumhohen Fenster mit verfahrbaren LED-Screens öffnet. Bei dem mit 2000 Crew-Mitgliedern zu besetzenden Neubau handelt es sich um die Carnival XL (Excellence)-Klasse, die im Wesentlichen auf der erfolgreichen Helios-Klasse der Meyer Werft basiert. Von der mit LNG betriebenen Helios-Klasse hat die Meyer Werft in Papenburg mit dem im Dezember 2018 an AIDA Cruises abgelieferten Typschiff AIDAnova bereits eine Einheit geliefert und einschließlich der kürzlich an P&O Cruises abgelieferten Iona – noch vier Einheiten dieser Klasse im Orderbuch. Dabei handelt es sich um je zwei Einheiten für die beiden genannten Carnival-Kreuzfahrtmarken.

Foto: Meyer Turku

Für die Meyer Turku Oy ist die unter Panama-Flagge in Fahrt kommende Mardi Gras nach der im Dezember 2019 abgelieferten Costa Smeralda die zweite Einheit der Helios-Klasse. Einschließlich des 2022 – zum 50jährigen Bestehen der Reederei – folgenden Schwesterschiffes Carnival Celebration befinden sich mit der schon in Bau befindlichen Costa Toscana derzeit noch zwei Helios-Schiffe für zwei Carnival-Marken in ihrem Auftragsbestand. Von den insgesamt 12 bei den Meyer-Werften derzeit in Auftrag befindlichen Kreuzfahrtschiffen mit LNG-Antrieb entfallen sieben auf die Werft in Papenburg und fünf auf die Werft in Turku. JPM

Odyssey of the Seas verlässt das Baudock

Das Ausdocken hat am Vormittag begonnen

Pressemitteilung

Am heutigen Samstag, den 28. November, verlässt die Odyssey of the Seas das überdachte Baudock II (Halle 6) der MEYER WERFT. Das 347,1 Meter lange Kreuzfahrtschiff für die Reederei Royal Caribbean International setzt sich am Vormittag in Bewegung.

Das Schiff macht anschließend an der Ausrüstungspier im Werfthafen fest. Nach dem Manöver werden Masten und Schornstein per Kran auf das Schiff gehoben und montiert. Anschließend werden dort unterschiedliche Tests durchgeführt. Voraussichtlich gegen Abend wird das Schiff an der Ausrüstungspier der Werft festmachen. 

Wetter- und/oder produktionsbedingte zeitliche Änderungen beim Ausdocken des Schiffes sind jederzeit möglich.

Am Ausrüstungskai der MEYER WERFT wird vor allem der Innenausbau der Odyssey of the Seas in den kommenden Monaten fertiggestellt. Anschließend wird das Schiff die Emsüberführung antreten, um dann die technischen und nautischen Erprobungsfahrten zu absolvieren.

Das 169.000 BRZ große Kreuzfahrtschiff hat eine Länge über alles von 347,1 Metern, ist 41,4 Meter breit und bietet Platz für mehr als 5000 Passagiere.

Text: PM Meyer Werft, Fotos: Meyer Werft

Auch AIDA will Hilfe

Die Luft wird für die Kreuzfahrtreedereien dünner. Acht Monate nach dem weltweiten Lockdown der Kreuzfahrtflotte ist noch keine echte Lösung für die Rückkehr zum Normalbetrieb in Sicht. Damit die Arbeitsplätze an Land und auf See auch während der andauernden Ruhephase bis ins nächste Jahr gesichert werden können, suchen die Reedereien nach günstigen Krediten.

Die deutsche Reederei AIDA Cruises setzt große Hoffnung auf einen zinsgünstigen Kredit aus dem Wirtschaftsunterstützungsfond der Bundesregierung. Nach unbestätigten Meldungen aus Rostock soll die Reederei einen Kredit über 400 Millionen Euro beantragt haben, um so den Betrieb der 14 Schiffe und die 1500 Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern.

AIDA hat etwa 800 Arbeitsplätze am Standort Rostock und gehört damit neben der MV Werft in Warnemünde und der Neptun Werft zu den größten Arbeitgebern der Hansestadt an der Warnow.

Offiziell äußert sich das Unternehmen nicht zu den beantragten Hilfen. In der Rostocker Ostseezeitung bestätigte die Reederei aber, dass man in Gesprächen mit dem Bund sei. Bis wann genau das Geld benötigt werde, ist nicht bekannt.

Seit dem zweiten Lockdown Anfang November liegt die gesamte Flotte wieder still. Zuvor hatte es für zwei Wochen den Betrieb eines Schiffes im Mittelmeer gegeben.

Aktuell sind zwei Schiffe der Reederei bei der Meyer Werft in Papenburg im Bau. Das erste Schiff ist die AIDAcosma, die eigentlich im Mai in Fahrt kommen sollte. Ihre Fertigstellung wurde aber auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Die Meyer Werft hat bereits den Produktionsablauf für die Neubauten gestreckt. Die Komplettierung des Rumpfes der AIDAcosma kann erst erfolgen, wenn der Neubau Odyssey of the Seas das Baudock verlassen hat.

Die zur Quantum-Klasse gehörende Odyssey of the Seas wird erst Ende November das Baudock verlassen und voraussichtlich im März an Royal Caribbean International ausgeliefert. Erst wenn die Odyssey of the Seas fertig ist, wird die AIDAcosma in die Ausrüstung kommen. FB