Schlagwort: MV Werften

Crystal Endeavor auf erster Probefahrt

Erleichterung bei den Managern der in schwerer See dümpelnden MV Werften des Genting-Konzerns. Die ursprünglich für Anfang 2020 geplante und mehrfach verschobene Ablieferung des vom MV Werften-Betrieb in Stralsund für die Genting-Tochter Crystal Expedition Cruises erbauten ersten Expeditions-Luxuskreuzers, der im August 2018 auf Kiel gelegten und am 21. Dezember 2019 zu Wasser gebrachten Crystal Endeavor, könnte möglicherweise Ende Mai dieses Jahres erfolgen. Heute morgen gegen 09.00 Uhr hat der mit rd. 20 000 BRZ vermessene Neubau den Ausrüstungskai seiner Bauwerft zur ersten von mehreren betriebsinternen Probefahrten in Begleitung der Schlepper Fairplay 25 und Fairplay XII verlassen, von der er am Sonntag zurückerwartet wird. Im April soll nach dem erforderlichen Krängungstest auch die offizielle See-Erprobung beginnen. Der im Zuge der finanziellen Engpässe im vergangenen Jahr erfolgte Verkauf des Neubaus für rd. 350 Mio. Euro an eine Leasinggesellschaft einschl. einer Rückcharter mit Kaufoption war Ende letzten Jahres rückwirkend zum 1.1.2020 rückabgewickelt und die Finanzierung auf eine neue Basis gestellt worden. Bei dem 165 m langen und 23 m breiten Neubau handelte es sich um eines der weltweit größten und luxuriösesten polartauglichen Expeditionskreuzer. Das über 100 Suiten zwischen 28 und 105 qm verfügende Schiff, das die Vorschriften für die Polar-Klasse 6 erfüllt, wird mit sechs Restaurants, Helikopter und Mini-U-Boot ausgestattetet. JPM

Foto: Oliver Asmussen/Oceanliner-Pictures.com

MV Werften: Gewerkschaft ist kampfbereit

Die Lage der MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern ist weiter angespannt. Als Reaktion auf die ersten Signale der Geschäftsführung hat die Gewerkschaft IG Metall Küste für die nächste Woche Aktionen zum Erhalt der Arbeitsplätze und der drei Standorte der Werftengruppe angekündigt.

Geplant sind Kundgebungen am Mittwoch in Rostock und Stralsund, später dann auch in Wismar. „Es geht um die industriellen Kerne des Landes mit etwa 2800 Arbeitsplätzen mit guten, tariflichen Bedingungen. Alle drei Standorte müssen eine Zukunft haben und die Beschäftigten erwarten, dass ihnen eine Perspektive aufgezeigt wird“, sagte Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste. Die Belegschaften der drei Standorte sind stark verunsichert, heißt es. Die ersten Mitarbeiter haben auch schon die Werften verlassen und sich anderweitig orientiert.

Inzwischen steht auch schon gar nicht mehr der Weiterbau der Kreuzfahrtschiffe auf der Agenda. Es geht einzig um die Sicherung der verbliebenen Arbeitsplätze im Schiffbau. „Bei der Rettung der MV Werften muss es um die Arbeitsplätze und Standorte gehen. Dafür werden IG Metall und Belegschaften in den nächsten Wochen gemeinsam kämpfen“, so Friedrich. Die Werften sind die größten industriellen Arbeitgeber an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns.

Betriebsrat und Gewerkschaft werden mit der Geschäftsführung in den nächsten Wochen weiter über den geplanten Personalabbau verhandeln. „Unser Ziel bleibt, so viele Beschäftigte wie möglich zu halten“, erklärte Stefan Schad, der IG Metall-Leiter für Rostock und Schwerin und der Unternehmensbeauftragter für die MV Werften. „Mit der Kurzarbeit gibt es dafür ein bewährtes Instrument. Um die Beschäftigten vor der Arbeitslosigkeit zu schützen, drängen wir außerdem auf gut ausgestattete Transfergesellschaften.“

Die Gewerkschaft fordert eine weitere Nutzung der Kurzarbeit für die Mitarbeiter. FB

Meldung vom 09. Februar 2021: https://anbord.de/mv-werften-gewerkschaft-fordert-kriegsschiffe-statt-kreuzfahrer/

MV Werften: Gewerkschaft fordert Kriegsschiffe statt Kreuzfahrer

Die MV Werften befinden sich weiter in schwerer See. Auch ein Jahr nach dem Ausbruch der Pandemie gibt es keine Hoffnung auf eine zügige Fertigstellung der in Wismar, Warnemünde und Stralsund in Bau befindlichen Kreuzfahrtschiffe für die Genting-Gruppe. Wie aus Kreisen der Arbeitnehmervertretung zu hören war, wird aktuell sogar um den Fortbestand der traditionsreichen Werft in Stralsund gerungen.

Die Werften befinden sich in Besitz der Genting-Gruppe, die am 5. Februar 2020 als eines der ersten Kreuzfahrtunternehmen in Hongkong ein Schiff mit Corona-Fällen an Bord stilllegen musste. Die World Dream ging als eines der ersten Kreuzfahrtschiffe mit positiven Corona-Fällen in die Geschichte der Pandemie ein. Ein Jahr später ist immer noch unklar, wann Genting in Asien wieder zum normalen Kreuzfahrtbetrieb zurückkehren kann.

Die Folgen bekommen die MV Werften jetzt zu spüren. Für die Fortführung des Betriebs der MV Werften benötigen Banken von der Reederei verlässliche Zusagen zur Abnahme der Schiffe. Außerdem müssen die ausstehenden Zahlungen dann geleistet werden. Dies ist der entscheidende Teil der Fortführungsperspektive. Das wird aber noch dauern, wie zu hören war.

Die Geschäftsführung der Werften muss nun reagieren und die Kostenstruktur anpassen. Übersetzt heißt das: Personalabbau. So will die Geschäftsführung nach einem Bericht des Norddeutschen Rundfunks über 1000 der 3100 Mitarbeiter in kurzer Zeit abbauen.

Eine Fertigstellung des großen Kreuzfahrtschiffes Global Dream soll inzwischen auch in Gefahr sein. Der Neubau liegt seit November 2019 in Wismar unfertig im Dock.

Die Gewerkschaft IG Metall hat erbitterten Widerstand gegen die Kürzungspläne der Geschäftsführung angekündigt. „Ein Kahlschlag ist mit uns nicht zu machen. Bei der Rettung der MV Werften muss es vor allem um den Erhalt der Arbeitsplätze und Standorte gehen“, teilte Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste am Dienstagabend mit.

Am Dienstagabend hatte die Geschäftsführung der Werften Verhandlungen über einen massiven Personalabbau mit Betriebsräten und der Gewerkschaft angekündigt.

Die IG Metall Küste erwartet nach eigener Mitteilung Vorschläge, die die Zukunft der Werften sichern. Dabei steht auch eine Perspektive ohne Genting für die Gewerkschaft im Bereich der Perspektiven. „Alle Alternativen – mit oder ohne Genting, auch mit staatlicher Beteiligung – müssen geprüft werden“, so Friedrich.

Die Gewerkschafter fordern als Ersatz für die Kreuzfahrtschiffe auch andere Perspektiven in den Fokus zu nehmen. Dazu gehören Offshore-Plattformen und öffentliche Aufträge etwa für die Marine oder Forschungs-Institute. Für die deutsche Marine stehen in den nächsten zehn Jahren Aufträge mit einem Gesamtvolumen von fast 20 Milliarden Euro in der Rüstungsplanung des Bundes.

 Wichtig sei aber, dass sich die MV Werften für diese Lösungen öffnet und von dem Kreuzfahrtsektor löst. „Das Unternehmen ist hier genauso gefordert wie Bundes- und Landesregierung. Wir brauchen schnell verbindliche Zusagen, mit denen sich die Zukunft des Schiffbaus in Mecklenburg-Vorpommern sichern lässt.“

„Da neue Aufträge möglich sind, muss Kurzarbeit mit Qualifizierung weiter für möglichst viele Beschäftigte genutzt werden. So lässt sich das Know-how auf den Werften erhalten“, sagte IG Metall-Bezirksleiter Friedrich.  FB

„Crystal Endeavor“ – Arbeiten wieder gestartet

In dem Kampf um die Zukunft der MV Werften ist ein Projekt etwas ins mediale Hintertreffen geraten. Das Expeditionsschiff Crystal Endeavor wurde zuletzt kaum noch erwähnt. Das exklusive und innovative Zukunftsprojekt lebt aber wieder. Die Reederei ließ jetzt aber anklingen, dass auch der zweite Start des Schiffes nicht gehalten werden kann.

Zum Jahresbeginn wurden jetzt die Kurse für die 20000 BRZ große Explorer-Yacht neu abgesteckt. Da das Schiff wegen der Betriebsunterbrechung bei den MV Werften monatelang untätig an der Pier in Stralsund lag, ist das Frühjahrsprogramm nicht zu halten.

Eigentlich sollte der Neubau ab dem 6. Januar von Tasmanien aus durch die Antarktis kreuzen. Daran ist aber nicht zu denken. Am 5. Januar hat Crystal die Reisen der Crystal Endeavor bis zum 1. Mai 2021 abgesagt. Gleichzeitig werden die „veröffentlichten Sommerrouten des Schiffes überprüft“, so heißt es aus der Reederei.

Große Hoffnungen setzt man bei Crystal auf das am 25. September in Tromsö (Norwegen) beginnende Europa-Programm des Schiffes. Höhepunkt ist dabei der Besuch am 28. September in London. So sieht es der Fahrplan vor.

Bei Crystal ist man trotz der inzwischen fast 12-monatigen Verzögerung optimistisch und glaubt weiter fest an den Neubau aus Stralsund. „Obwohl wir sicherlich enttäuscht sind, dass sich die Lieferung von Crystal Endeavor verzögert hat, sind wir von den Fortschritten und dem Engagement der Fachleute bei den MV Werften zuversichtlich und freuen uns auf dieses bemerkenswerte Schiff“, sagte Jack Anderson, Interimspräsident und CEO von Crystal.

Das neue Schiff soll Maßstäbe setzen. „Als das geräumigste und luxuriöseste Schiff auf dem Expeditionsmarkt bietet Crystal Endeavor unseren Passagieren neue Möglichkeiten, die Welt zu erkunden, um gleichzeitig das zu bieten, was Crystal am besten kann – ein Design, das die Bedürfnisse und den Komfort auf hohem Niveau bietet“, so Anderson.

Angesichts des gegenwärtigen Baufortschritts, des unklaren Pandemieverlaufs und der noch ausstehenden Probefahrten wird auch nicht ausgeschlossen, dass die Premiere in London im Spätsommer der Start für das Schiff unter Crystal-Flagge sein wird.

Die Muttergesellschaft von Crystal, die Genting Hong Kong (GHK) Gruppe, hat kürzlich mit den deutschen Kreditgebern einen Vertrag über 193 Millionen Euro für die Fertigstellung von Crystal Endeavor und die Unterstützung des Weiterbetriebs der Werftengruppe bis März 2021 abgeschlossen. Dabei ist auch der Rettungsschirm der Bundesregierung für die Werften ein wesentlicher Faktor.

Voraussetzung war auch die Kündigung des Sale-and-Leaseback-Vertrags von Genting und Crystal. So war es möglich, die Finanzierung des Neubaus auf ein neues Fundament zu stellen. Ziel ist es jetzt, das 160 Meter lange Schiff schnellstmöglich fertigzustellen und an Crystal auszuliefern.

Der Bau der für 200 Passagiere ausgelegten Crystal Endeavor wurde am 15. Januar 2018 begonnen. Am 21. Dezember 2019 erfolgte mit dem Lift der MV Werft in Stralsund der feierliche Stapelhub. Im März stoppte dann die Ausrüstung. Bedingt durch die Pandemie wurden alle drei Standorte der MV Werften mit einer Betriebspause stillgelegt.

Seit Dezember wird jedoch wieder an der Crystal Endeavor gearbeitet. Die Probefahrten sollen je nach Pandemie-Verlauf im Frühjahr starten. FB

Crystal Endeavor-Verkauf geplatzt

Indienststellung verzögert sich weiter

Zuletzt sollte die mehrfach verschobene Fertigstellung des am Ausrüstungkai des MV Werften-Betriebes Stralsund liegenden eisgängigen Luxkreuzfahrtschiffes  Crystal Endeavor durch einen Teil der 193 Millionen Euro gesichert werden die vor wenigen Wochen als Brückenkredit aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes über die KFW-Tochter Ipex auf ein britisches MV-Werften-Konto geflossen sind und durch eine erstrangige  Schiffshypothek auf diesen Neubau abgesichert wurden. 

Zwar benötigen die MV Werften zur Sicherung der Zukunft ihrer drei Werftstandorte in Mecklenburg-Vorpommern mit reduzierter Belegschaft und angepasstem Produktionsprogramm  nach früheren  Angaben Darlehen von insgesamt rd. 570 Mio. Euro, doch hätten die bereits geflossen Mittel nach Angaben des Stralsunder Betriebsratsvorsitzenden Bernd Fischer ausgereicht, die Crystal Endeavor mit etwa 400 Mitarbeitern fertigzustellen und die  Beschäftigung der Stralsunder Werft mit etwa 650 Mitarbeitern im derzeitigen Umfang bis  Juni 2021 zu sichern. 

Zwischenzeitlich haben nicht nur die jüngsten Auswirkungen der Covid-19-Pandemie, sondern auch die rückwirkend zum 1. Januar 2020 erfolgte Auflösung des vorgesehenen Sale and Lease back-Kontraktes, in dessen Rahmen bisher keine finanziellen Transaktionen erfolgt sind. Im Januar dieses Jahres hatte Genting Hongkong, Eigner der MV Werften und der  auftraggebenden Reederei des Neubaus, die Pläne für diesen Deal angekündigt und einen Monat später präzisiert, dass der Verkauf für bis zu 350 Mio. Euro (Werftpreis) an Cafi Hester und Doumer Finance, indirekt zwei 100%ige Tochtergesellschaften von Credit Agricole, erfolgt. Dabei handelt es sich um eine nicht unübliche Finanzierungs-Transaktion, die der Konzern auch für ihre   Genting Dream praktiziert hatte. Die jetzt erfolgte Aufkündigung des Vertrages für die Crystal Endeavor wird mit „der beträchtlichen Bau- und Lieferungsverzögerung aufgrund der Covid-19-Auswirkungen sowie dem  weltweiten Lockdown des Kreuzfahrtgeschäftes und der Unsicherheit über neue  Hindernisse für eine  Fortsetzung der Kreuzfahrtaktivtäten“ begründet.   

GENTING DREAM, Foto: enapress.com

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     Ursprünglich sollte die im August 2018 auf Kiel gelegte und schließlich am 21. Dezember 2019 beim in MV Werften-Betrieb Stralsund aus der Bauhalle gerollte und nach dem Absenken in ihr Element an den Ausrüstungskai verholte  Crystal Endeavor das Debut der – wie die Bauwerft – zum Genting-Konzern gehörenden Luxusmarke Crystal Cruises bzw. ihrer neuen Marke Crystal Yacht Expeditions Cruises mit einem Sechs-Sterne-Schiff im Expeditionskreuzfahrt-Marktsegment schon längst vollzogen haben.  

Das 160,80 m lange, 22,80 m breite und max. 6 m tiefgehende 20 000-BRZ- Schiff mit Polar-Klasse 6, das mit seinen Podantrieben eine Dienstgeschwindigkeit von 18 kn erreichen soll, verfügt über Suiten zwischen 28 und 290 qm für 200 Gäste. Zur Ausstattung werden neben einem großen Spa und Infinity-Pool mit anhebbaren und als Tanzfläche nutzbaren auch elektrische Schlauchboote, Helikopter, Mini-U-Boote, Tauchscooter, Jet Skis und ein Remotely Operated Vehicle (ROV).  

Wegen der verzögerten Lieferung wurden u.a. attraktive Charter-Einsätze im Zuge der Olympischen Sommerspiele in Japan verpasst. Nach anfänglichen auf fehlenden Fachkräften und  Erfahrungen basierenden Problemen bei der Fertigung gab es Liquiditätsengpässe, die zu der erwähnten  Sale and Lease back-Vereinbarung mit den Credit Agricole-Töchtern führten und bis zu 350 Mio. Euro in die Kasse spielen sollten. Darauf folgte die im März d. J. aufgrund der COVID-19-Pandemie bei den MV Werften begonnene Kurzarbeit, so dass die ursprünglich Ende 2019/Anfang 2020 geplante, dann auf August und auf  November vorgesehene Infahrtsetzung zuletzt auf Januar 2021 verschobenen werden musste. Im August hatte Genting HK schließlich eine Verzögerung um rd. ein Jahr angekündigt. JPM

MV Werften weiter in der Wartschlange

Die Zukunft der MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern ist weiter in der Schwebe. Die Zusicherung zur Zahlung von etwa 300 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfond ist bislang nur angekündigt. Bevor es dazu kommt, muss die Werft ein Gutachten zur Lage der Werft und ein Zukunftskonzept für die Rückkehr zum profitablen Schiffbau liefern. Diese Unterlagen sollten bis Dezember vorliegen. Ohne die Einschätzung der Situation durch unabhängige Gutachter dürfen die Mittel aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfond der Bundesregierung nicht freigegeben werden.

Die Werften in Wismar, Warnemünde und Stralsund sollen wirtschaftlich wieder auf ein solides Fundament gestellt werden. Dafür sind nicht nur neue Aufträge erforderlich, sondern auch Konzepte für die Rückkehr zum profitablen Betrieb.

Die Mitglieder des Wirtschafts- und der Finanzausschuss des Landtags bekamen am Donnerstag auch nur vage Aussichten der Hoffnung. Nach Medienberichten haben die beiden Werft-Geschäftsführer Peter Fetten und Carsten Haake nur die Absicht bekräftigt, nur zunächst zwei Schiffe fertigzustellen. Die „Global 1“ in Wismar soll zur Ablieferung gebracht werden, sowie die Crystal Endeavor in Wismar. Die Zukunft des Rohbaus für das zweite Global-Schiff in Warnemünde gilt inzwischen als nicht mehr gesichert. Um diesen im Baudock liegenden Rohbau kursieren am Standort seit Monaten Gerüchte über einen möglichen Rückbau.

Eine schwere Kröte musste Betriebsrat und Gewerkschaft IG Metall bereits vorher schlucken. Rund 1000 der 3000 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden. Für die strukturschwache Region ist das ein herber Schlag. Zumal auch andere Schiffbaubetriebe in Mecklenburg-Vorpommern durch die Krise in schwieriges Fahrwasser gekommen sind.

Insider gehen davon aus, dass die erforderlichen Gutachten spätestens bis zur Weihnachtpause vorliegen. Das ist jedenfalls der Hoffnungsschimmer. Ein weiterer Lichtblick wäre ein deutliches Bekenntnis der Eigners, der Genting Hong Kong-Gruppe. FB

Positive Signale für alle drei Standorte der MV-Werften

Die Bemühungen um den Erhalt der Werften der MV-Gruppe in Mecklenburg-Vorpommern haben leichte Fortschritte gemacht. Alle Standorte in Rostock, Stralsund und Wismar sowie Neptun Ship Design und MVW Fertigmodule sollen erhalten werden. Auf diesen Erfolg einigten sich in dieser Woche die Geschäftsführung der Werften, der Gesamtbetriebsrat, die Gewerkschaft IG Metall Küste und der Arbeitgeberverband Nordmetall. Aus Asien gibt es dafür die ersten Lichtblicke. So ist die World Dream als zweites Genting-Kreuzfahrtschiff wieder in Fahrt.

Zuvor hatte die Gewerkschaft mit hartem Widerstand gedroht, falls einer der Standorte geschlossen wird. Auch von der Landesregierung war dem Werftkonzern die Unterstützung nur im Zusammenhang mit der Sicherung der Standorte zugesagt worden. In die Rettungsbemühungen ist auch das Finanzministerium und das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit des Landes Mecklenburg-Vorpommern eingebunden.

Die MV Werften bekennt sich laut der Mitteilung vom Donnerstag zur Tarifbindung, Mitbestimmung und Ausbildung. So werden keine Auszubildenden entlassen.

Einigkeit bestehe in der Verhandlungsgruppe aber leider auch darüber, dass es bei der derzeitigen Auslastung zu umfangreichen Personalanpassungen und Kosteneinsparungen kommen müsse, heißt es in der Erklärung weiter. Nach unbestätigten Meldungen droht im kommenden Jahr ein Personalabbau von 1200 bis 1500 der rund 3000 Stellen.

WORLD DREAM, Foto: Frank Behling

„Als Betriebsräte werden wir weiter für jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen. Mit der Erklärung zeigen die MV Werften, dass sie auch künftig für gute Industriearbeitsplätze in Mecklenburg-Vorpommern stehen“, sagte Ines Scheel, Gesamtbetriebsratsvorsitzende der MV Werften.

Für die Neuausrichtung wird zunächst auch eine komplette Umstellung der Projekt- und Produktionsbereiche angestrebt. So soll der Bau der Schiffe „Global“-Klasse eingestellt werden. Wie weit der Rohbau des zweiten Schiffes in Warnemünde weitergebaut wird, ist unklar.

In dem Dock könnten im nächsten Jahr bereits kleinere Kreuzfahrtschiffe für Genting auf Kiel gelegt werden. Der erste Schritt wird aber die Ablieferung der Crystal Endeavor bei der MV-Werft in Stralsund im kommenden Frühjahr.

Gleichzeit will die Werft sich wieder, so wie schon früher, neue Geschäftsfelder aufbauen. Dazu gehören wieder Offshore-Windenergie-Branche, die jedoch kurzfristig nicht zu einer Auslastung der Fertigungskapazitäten führen werde.

„Unser erklärtes Ziel ist der Erhalt der Zukunftsfähigkeit unserer Werftengruppe. Gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern sind wir überzeugt, dieses Ziel zu erreichen. Das Restrukturierungsprogramm ist dabei ein wichtiger Baustein zur Sicherung unserer finanziellen Stabilität“, Carsten J. Haake, Geschäftsführer der MV-Werften.

CRYSTAL ENDEAVOR, Foto: MV Werften

„Die klaren Aussagen zum Erhalt der Standorte Rostock, Stralsund und Wismar und zu Ausbildung, Tarifbindung und Mitbestimmung sind eine gute Grundlage für die weiteren, schwierigen Verhandlungen. Gemeinsames Ziel ist, funktionsfähige Werften an allen drei Standorten und so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten“, sagte Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste.

Für die weiteren Verhandlungen haben die Partner „eine enge und konstruktive Zusammenarbeit“ vereinbart. Die Verlängerung der Kurzarbeit und die Einrichtung einer Transfergesellschaft sind laut der Erklärung vorgesehen.

Gemeinsam wollen sich die Partner weiter für eine Aufnahme des Unternehmens unter den Rettungsschirm des Bundes einsetzen. Für diesen Schritt werden noch Signale von dem Eigner der Werftengruppe, der Genting-Gruppe, aus Asien erwartet. In den vergangenen Tagen war auch Tan Sri Lim Kok Thay, der Eigner der Genting-Gruppe, in Mecklenburg-Vorpommern erwartet worden.

Genting Dream, Foto: enapress.com

Die Genting-Gruppe hat derweil in Asien den Kreuzfahrtbetrieb langsam wieder hochgefahren. Seit Anfang November ist von Singapur aus die World Dream wieder im Einsatz. Das Kreuzfahrtschiff war nach fast fünf Monaten Aufliegezeit in Rotterdam im Oktober wieder nach Asien verlegt worden. Die 2017 bei der Meyer Werft gebaute World Dream unternimmt Panorama-Reisen in die Straße von Malakka. Die Schwester Genting Dream seit 20. Oktober zusammen mit fast 20 anderen Kreuzfahrtschiffen in der Bucht von Manila.

In Taiwan ist sein Oktober bereits die Explorer Dream im Einsatz. Das 1999 ebenfalls von Meyer gebaute Schiff startet zu nationalen Reisen in taiwanesischen Gewässern. Die Ausweitung der Kreuzfahrtaktivitäten ist aber auch in Asien durch die strengen Reisebeschränkungen vorerst nicht möglich. FB