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„Volendam“-Charter als Flüchtlingsunterkunft verlängert

Update zu unserer Meldung vom 02.04.2022

Die Stadt Rotterdam hat die dreimonatige Charter des HAL-Kreuzfahrtschiffes Volendam (60906 BRZ) um weitere 10 Wochen bis zum 14. September verlängert, um weiter ukrainische Flüchtlingsfamilien unterzubringen zu können.

Damit müssen sechs weitere Kreuzfahrten gestrichen werden, darunter nach Norwegen, den Britischen Inseln und ins Mittelmeer. Die Passagiere werden auf ähnliche Routen umgebucht und brauchen sich nicht mit HAL in Verbindung zu setzen, die Reederei will sich direkt mit Optionen bei ihnen melden.

Seit ihrer Ankunft Anfang April in Rotterdam hat die 237 m lange und mit rd. 650 Crewmitgliedern besetzte Volendam etwa 1.200 Ukrainer aufgenommen und will im Rahmen der jetzt verlängerten Charter bis zu 1.500 Flüchtlinge beherbergen. Ursprünglich hatte die Stadt Rotterdam das Schiff bis Ende Juni gechartert, jedoch um eine Verlängerung um weitere 10 Wochen gebeten. Im Rahmen der Charter-Vereinbarung stellt Holland America Line warme Mahlzeiten, private Kabinen, Hausmeisterdienste, Wäscherei, Nutzung öffentlicher Räume, Fitnesseinrichtungen, Internetzugang und andere notwendige Dinge zur Verfügung. Dies ist Teil eines größeren Engagements der Niederlande zur Aufnahme von 50 000 Ukrainern, die vor dem Krieg in ihrem Heimatland geflohen sind.

„Wir bedauern die Unannehmlichkeiten, die den Gästen entstehen, die für den Sommer auf der Volendam gebucht sind“, sagte Beth Bodensteiner, Chief Commercial Officer von HAL. Das 1999 von Fincantieri in Italien erbaute Schiff wird voraussichtlich am 24. September in Venedig mit der 14-tägigen „Holy Land & Ancient Kingdoms Explorer“-Kreuzfahrt seinen Fahrplan wieder aufnehmen. JPM

Für drei Monate: „Volendam“ als Flüchtlingsunterkunft in Rotterdam

Das 1999 vom der Fincantieri-Werftkonzern in Italien erbaute 60906-BRZ-Kreuzfahrtschiff Volendam der zum Carnival-Konzern gehörenden Holland America Line wird im Rahmen einer von Regierung der Niederlande und der Stadt Rotterdam angekündigten Charter-Vereinbarung zur Unterbringung ukrainischer Flüchtlinge eingesetzt.

(Archiv), Foto: enapress.com

Dazu wurde das für 1432 Gäste ausgelegte 237m-Schiff gestern von Malaga kommend in Rotterdam erwartet, wo es für drei Monate im Merwehaven, stadtnah an der Nordseite der Maas festmachen sollte, um rund 1.500 Ukrainern ein vorübergehendes Zuhause zu bieten. Das Abkommen ist Teil einer größeren Verpflichtung der Niederlande, 50.000 Personen aufzunehmen, die nach der russischen Invasion aus ihrer Heimat geflohen sind.

„Wir sind in einer einzigartigen Position, um den unmittelbaren Bedarf an Lebensmitteln und Wohnraum decken zu können, daher hielten wir es für sehr wichtig, mit der Stadt Rotterdam bei dem Einsatz dieses Schiffes zusammenzuarbeiten“, so Gus Antorcha, Präsident von Holland America Line. „Unser Unternehmen wurde in Rotterdam mit der Mission gegründet, Einwanderern zu helfen, ein besseres Leben zu finden. Deshalb sind wir heute stolz darauf, ein kleiner Teil einer ähnlichen Mission für Ukrainer zu sein, die auf tragische Weise vertrieben wurden.“

Im Rahmen der Charter-Vereinbarung für die mit rd. 650 Crewmitgliedern besetzte Volendam wird die Holland America Line drei warme Mahlzeiten pro Tag, private Kabinenunterkünfte, Reinigungsdienste, die Nutzung öffentlicher Räume, Fitnesseinrichtungen, Internetzugang und andere erforderliche Serviceleistungen anbieten. „Wir sind bekannt für unseren Service und unsere Gastfreundschaft, und unser Team ist bereit, unsere neuen Gäste so willkommen zu heißen, wie wir Gäste in unserem eigenen Zuhause willkommen heißen würden“, sagte Kapitän Ryan Whitaker. „Es wird wirklich eine Ehre für uns sein, Volendam zu einer komfortablen und fürsorglichen Umgebung für diese Familien zu machen, die so viel durchgemacht haben.“

Foto: Holland America Line

Ursprünglich sollte die Volendam am 15. Mai reaktiviert und zu Reisen von Rotterdam nach Norwegen, den Britischen Inseln und Island eingesetzt werden. Um die dreimonatige Verpflichtung zu erfüllen, wird Holland America Line drei dieser Reisen stornieren und stattdessen den Kreuzfahrtbetrieb am 3. Juli wieder aufnehmen. Den Gästen der stornierten Kreuzfahrten sollen Reisen auf ähnlichen Routen angeboten werden. „Wir hoffen, dass sie diese besondere Situation verstehen und weshalb wir es für wichtig hielten, mit der Regierung bei dieser Initiative zur Unterstützung dieser bedürftigen Familien zusammenzuarbeiten“, so Antorcha.

Die Holland America Group hat bereits mit ihren eigenen ukrainischen Teammitgliedern bei der Lösung von situationsbedingten Schwierigkeiten zusammengearbeitet. Ein Notfallhilfefonds in Höhe von 1 Million US-Dollar bietet ihnen direkte finanzielle Unterstützung. Teammitglieder aus der Region erhalten auch Beratungsunterstützung, kostenlosen Internetservice für die Kommunikation mit der Familie und die Planung von Unterkünften wie einer vorzeitigen Ausschiffung oder einer Verlängerung, um bei Bedarf an Bord bleiben zu können.

Auch hat die Familienstiftung des Vorsitzenden der Carnival Corporation, Micky Arison, und seiner Frau Madeleine drei Millionen US-Dollar für Wohltätigkeitsorganisationen zugesagt, die ukrainischen Flüchtlingen helfen. Darüber hinaus will die Holland America Line versuchen, das Bewusstsein und die Mittel durch ihr On Deck for a Cause-Programm zu erhöhen, bei dem Gäste auf jeder Kreuzfahrt an einem nicht kommerziellen 5K-Fundraising-Spaziergang teilnehmen können, wobei das dabei gesammelte Geld der gemeinnützigen humanitären Organisation Direct Relief zugute kommt.

„Wir stehen für Frieden und unsere Herzen sind bei allen, deren Leben durch die Invasion der Ukraine auf den Kopf gestellt wurde“, sagte Arnold Donald, Präsident und CEO der Carnival Corporation & plc. „Wir haben Besatzungsmitglieder aus 145 Ländern und sind mit Gästen aus Nationen auf der ganzen Welt unterwegs, so dass wir die Auswirkungen dieser humanitären Krise tief spüren und uns vielen anderen anschließen, um Hilfsmaßnahmen zu unterstützen.“ JPM

Nautische Jahreszahlen 2021, sicheres Jahr, Pandemie ohne Einfluss auf Kontinuität

Pressemitteilung

Die für die sichere und rasche Abwicklung des Schiffsverkehrs sowie für die Einhaltung des Hafensicherheitsgesetzes (Havenbeveiligingswet) verantwortliche Hafenmeister-Abteilung (Divisie Havenmeester) des Hafenbetriebs Rotterdam (Havenbedrijf Rotterdam N.V.) hat das zweite Coronajahr gut überstanden. Die Pandemie brachte die Kontinuität der Dienstleistungen nicht in Gefahr.

Die Anzahl der Seeschiffe, die in Rotterdam anlegte, stieg um ca. 700 auf fast 29.000. Es wurden drei schwere Unfälle verzeichnet. Dabei wurde nur materieller Schaden verursacht. Die Anzahl der Seeschiffe, die 2021 in Rotterdam anlegte, stieg von 28.169 auf 28.876. Diese Zahl liegt unter dem Niveau von 2019, als 29.492 Seeschiffe im Rotterdamer Hafen anlegten. Diese Differenz ist hauptsächlich auf die Maßstabsvergrößerung der Containerschifffahrt zurückzuführen.

Etwas höherer Schaden 

Der nautische Sicherheitsindex für Unfälle (7,5) erzielte einen besseren Wert als der angestrebte Wert, i.e. 7. Der Index für das Sicherheitsumfeld (Safety Environmental Index) bei Inspektionen (7,4) erreichte fast den Zielwert von 7,5. Durch die Pandemie wurden weniger Inspektionen, diese jedoch zielorientierter, durchgeführt. Dadurch kam es zu verhältnismäßig mehr Inspektionsergebnissen. Insgesamt wurden 462 Bußgelder verhängt, davon 76 für Freizeitboote. Die Zahl der Unfälle – die Hälfte davon waren Parkunfälle (67) – stieg von 122 auf 144. Darunter waren auch drei schwere Unfälle: Ein Seeschiff fuhr gegen die Caland-Brücke, ein Binnenschiff streifte ein Seeschiff im Eemhaven und ein Motorschlepper kenterte in der Bocht van Esch nahe der Van Brienenoord-Brücke.

Der Hafenmeister René de Vries blickt zufrieden auf das zweite Coronajahr zurück. „Ich bin stolz auf meine Kolleg*innen. Auch in diesem zweiten Coronajahr kamen die Dienstleistungen nicht in Gefahr und der Hafen blieb gut erreichbar. Zudem war es auch ein sicheres Jahr. 144 Zwischenfälle bei ca. 800.000 Schiffsbewegungen sind kein hoher Wert – wobei die Zunahme der Anzahl der Unfälle natürlich keine Zufriedenheit aufkommen lässt. Häufig handelt es sich um Zwischenfälle, die durch hastiges Verhalten beim Anlegen entstehen. Seeleute sind über eine viel längere Zeit an Bord – die Anforderungen an die Besatzungen sind hoch. Das verlangt zusätzliche Wachsamkeit von uns, denn wir haben die Pandemie noch nicht hinter uns gelassen“, äußert sich der Hafenmeister.

Corona

Die Corona-Pandemie hatte auch 2021 einen dominanten Einfluss auf die Arbeit der Abteilung Hafenmeister. Dies wiederum führte dazu, dass die Arbeit zu bestimmten Zeiten anders organisiert wurde. Inzwischen ist das Verfahren zur Maritime Declaration of Health (MDoH) automatisiert worden. Vorheriges Jahr erforderte diese noch 25.000 manuelle Beurteilungen.

Der Hafenbetrieb und die örtlichen Gesundheitsämter (GGD) hielten auch 2021 jeden Tag zum Thema Pandemie Rücksprache miteinander. Erforderlich war dies vor allem deshalb, weil Besatzungsmitglieder, die an Covid-19 erkrankt waren oder in engem Kontakt damit gestanden hatten, untergebracht und abgelöst werden mussten. Hunderte von Seeleuten verbrachten infolgedessen ihre Isolation oder Quarantäne im Wings/Fletcher Hotel in der Nähe des Flughafens Rotterdam, bevor sie ihre Reise nach Hause oder auf See fortsetzen durften.

Die Dekontaminierung von Schiffen führte gelegentlich zu Großaktionen, bei denen schwimmende Hotels die Besatzung aufnehmen mussten. Die Wechsel der Besatzungen fanden wie üblich in Rotterdam statt, führte jedoch gelegentlich zu einem zusätzlichen Andrang im Wings/Fletcher Hotel. Die Port Health Authority Rotterdam und dieses Hotel haben 2020 einen Partnerschaftsvertrag geschlossen. Die Port Health Authority Rotterdam (PHAR) ist eine Partnerschaft zwischen einer Reihe von Akteuren, zu denen der Hafenbetrieb, die Sicherheitsregion Rotterdam-Rijnmond und das örtliche Gesundheitsamt Rotterdam-Rijnmond gehören. Ein wichtiger Teil des PHAR ist die Bekämpfung von Infektionskrankheiten (z. B. von Corona) im Rotterdamer Hafen.

Der Hafenbetrieb war einer der Initiatoren hinsichtlich der Ermöglichung der Corona-Impfung aller Seeleute. Insgesamt sind seit dem 15. Juni 2021 fast 25.000 Impfungen (mit dem Janssen-Impfstoff) bei Seeleuten durchgeführt worden. Mehr als die Hälfte aller Impfungen erfolgten in Rotterdam. Letzte Woche wurde zudem offiziell mit der ergänzenden Booster-Impfung (mit dem Pfizer-Impfstoff) für Seeleute begonnen.

Text: PM Port of Rotterdam / Hafenbetrieb Rotterdam