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Meyer Werft baut weltgrößtes Luxus-Appartementschiff

Die von der pandemiebedingten Krise der Kreuzfahrtbranche gebeutelte Meyer Werft konnte jetzt einen weiteren Neubau-Auftrag hereinnehmen, bei dem es sich um ein besonderes Schiff handelt, das in einem für sie neuen Marktsegment neue Standards setzen soll: Vorbehaltlich Finanzierung soll die zu den Weltmarktführern im Kreuzfahrtbereich gehörende Papenburger Werft jetzt das im Mai 2020 von der auf Malta ansässigen Ocean Residences Development Ltd. (ORD) zunächst bei der kroatischen DIV-Gruppe bestellte und von deren Brodosplit-Werft in Kooperation mit der von ihr im Januar 2020 erworbenen und im Juli 2020 insolvent gewordenen norwegischen Kleven Verft (sie wurde im gleichen Monat vor der norwegischen Green Yard-Gruppe übernommen) zur Lieferung 2024 zu erstellende Appartementschiff Njord (aB Newsletter vom 19.5.2020) bis Ende 2025 zur Ablieferung bringen.

Animation: ORD

Das mit 117 Appartements in verschiedenen Konfigurationen mit zwei bis sechs Schlafräumen auszustattende 84800-BRZ-Schiff mit einer Länge von 289,30 Metern und einer Breite von 33,50 Metern bietet Platz für ca. 1000 Menschen (Crew und Passagiere). Der von dem bekannten norwegischen Architekten und Yacht-Designer Espen Øino – er zeichnet u.a. für exklusive Megayachten wie die Octopus verantwortlich – entworfene Neubau soll sowohl bei der Ablieferung als auch in weiterer Zukunft die strengsten Umweltauflagen erfüllen. Das Schiff wird von DF-LNG-Motoren angetrieben und soll mit modernen Wärmerückgewinnungssystemen sowie fortschrittlichen Energiemanagementsystemen ausgerüstet werden. Die im Mega-Yacht-Design konzipierte Njord, die u.a. über verdeckte Rettungsboote, Helikopter-Landeplatz auf dem Vorschiff und Hangars sowie Wassersport-Marina am Heck verfügt, ist deutlich größer und luxuriöser als das vor 20 Jahren in Norwegen erbaute Residenzschiff The World.

Der emissionsarme LNG-Antrieb sorgt zusammen mit einer Hybrid-Batterie-Anlage für eine Geschwindigkeit von 21 Knoten. Um die Zukunftssicherheit des auch für die Fahrt in arktischen Regionen verstärkten Schiffes zu gewährleisten, werden die Motoren und Treibstofftanks für eine einfache Umrüstung auf zukünftige Treibstoffe mit geringerem oder neutralem Kohlenstoff-Fußabdruck vorbereitet sein. Die Suiten bzw. Appartements an Bord werden an Interessenten verkauft, die eine schwimmende Wohnung mit allen Hoteldienstleistungen und Vorteilen sowie Annehmlichkeiten einer privaten Megayacht wünschen, ohne selbst eine solche zu besitzen. Das reicht bis zu einer Anpassung der Innengestaltung ihrer Appartements, für die sie neben dem für diesen Bereich gewonnenen renommierten Designer FM Architettura auch eigene Innendesigner beauftragt werden können, was den Charakter einer Privatyacht unterstreicht. Der Neubau soll so das außergewöhnliche Zuhause einer Gemeinschaft von Einzelpersonen und Familien werden, die ihre Leidenschaft für Reisen, Abenteuer und Entdeckungen teilen. Zusammen mit Jean-Louis Stutzmann, der sich vor allem um die Gestaltung der Grundrisse der Kabinen und öffentlichen Bereiche kümmert, ist das Espen Team auch in die Gestaltung des Beach Clubs, des Tenderbereichs, der Balkone und der Außendecks eingebunden.

Animation: ORD

Wie das durch die Pandemie um mehrere Jahre verzögerte Forschungsyacht-Projekt der bei der norwegischen Vard Brattvaag-Werft in der Ausrüstung befindlichen REV Ocean (BRZ 17400, Polarklasse 6) des norwegischen Reeders Kjell Inge Røkke ist die auch die Njord als eine Art Forschungsschiff philanthropischen Zweck konzipiert. Das wird so ausgestattet, dass es in den verschiedensten Destinationen wissenschaftliche und ozeanografische Forschungen durchführen und dabei Wohltätigkeitsorganisationen, Missionen und dringende Anliegen unterstützen kann. In Zusammenarbeit mit ozeanographischen Forschungsorganisationen und wissenschaftlichen Gruppen wird die Njord Forschungsprojekte fördern, die dazu beitragen, wissenschaftliche Grenzen zu überschreiten und die globale Meeresforschung voranzutreiben, die zu einem besseren Verständnis der komplexen Systeme beiträgt, die unsere Erde ausmachen. Diese einzigartige Kombination verleiht dem Schiff zusätzlich einen besonderen Charakter. „Wir sind glücklich, dass wir die Möglichkeit haben, mit der Meyer Werft zusammenzuarbeiten, einem Unternehmen, das seinen Schiffbau seit 226 Jahren auf Kurs hält – das sind sieben Generationen – und das weltweit führend im Bau innovativer und komplexer Passagierschiffe ist und einen hervorragenden Ruf für außergewöhnliche Qualität, Präzision und pünktliche Lieferungen genießt“, so der norwegische Vater des Konzeptes Kristian Stensby, der zugleich Vorsitzender und CEO der ORD ist. Die Njord sei bisher sehr gut aufgenommen und verzeichne eine hohe Reservierungsnachfrage.

Animation: ORD

Für Meyer Werft Geschäftsführer Thomas Weigend ist der Auftrag ein weiterer, sehr wichtiger Schritt für die Standortsicherung in Papenburg: „Mit dem neuen Auftrag erweitern wir unser Portfolio an Schiffstypen und können einmal mehr beweisen, dass wir führend beim Bau besonders umweltfreundlicher Schiffe sind. Zudem können wir mit dem Auftrag auch die bisher schwierigen Perspektiven vor allem für die Jahre 2024/2025 verbessern. Dieser Auftrag ist dringend nötig, damit der Auslastungsrückgang in diesen Jahren nicht sogar noch größer als 40 Prozent sein wird. Für das Zukunftsprogramm des Unternehmens sind viele unterschiedliche Maßnahmen und neue Aufträge absolut notwendig.“

Die Werft, die aufgrund der Kreuzfahrtkrise 40 Prozent weniger Arbeit hat und 1,2 Mrd. Euro einsparen will, hatte am Mittwoch über eine Verständigung mit der Arbeitnehmerschaft berichtet, die u.a. eine Reduzierung des zuletzt geplanten Stellenabbaus von 660 auf 450 Mitarbeiter bis 2023 vorsieht, von denen 350 direkt bei der Meyer Werft und die übrigen 100 bei der Tochtergesellschaft EMS Maritime Services beschäftigt sind. Hilfreich ist dabei auch der Ende März bekannt gegebene Auftrag für ein 229 m langes 51950-BRZ-Kreuzfahrtschiff zur Lieferung 2025, der von der japanischen Großreederei NYK als neuem Kunden hereingenommen werden konnte. JPM