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Auch ohne schwarze Zahlen ein Erfolg: Positive Bilanz für Wattenmeer-Expeditionsreisen

Zahlreiche Aspekte sprechen für eine Fortsetzung des Experiments: Anfang Oktober hat das von der Sylter Reederei Adler-Schiffe eingecharterte Expeditionskreuzfahrtschiff Quest seinen zweimonatigen Einsatz zu Fünf-Tage-Rundreisen von Hamburg über Helgoland, Sylt, Amrum und die Halligen im Weltnaturerbe Wattenmeer beendet. Sie haben Reedereiinhaber Sven Paulsen nicht nur zu einem zufriedenen Resümee veranlasst, sondern auch gezeigt, wieviel Potenzial an intensiven Naturerlebnissen noch in dieser Region steckt.

Siebzehn mal verließ das kleine Expeditionsschiff den Anleger Hamburg Steinwerder mit Kurs auf die Inseln und Halligen in der Nordsee. An Bord im Durchschnitt 30 Gäste, ein dreiköpfiges Expeditionsteam und ca. 27 Crewmitglieder. Für die Sylter Reederei – deren Kerngeschäft Tagesausflüge an der deutschen Nord- und Ostseeküste sind – war das ein Heimspiel was das Fahrtgebiet betrifft. Dabei ist Paulsen selbst mehrmals mitgefahren und hat seine Heimat völlig neu und nachhaltiger kennengelernt: „Natürlich wusste ich, dass das Wattenmeer und die Nordsee viel zu bieten hat. Aber Helgoland, die Halligen, Amrum und Sylt einmal fünf Tage ganz intensiv und bewusst mit wissenschaftlicher Begleitung zu erleben, war auch für mich eine neue und spannende Erfahrung. Ich habe jeden Tag etwas dazugelernt.“, so der Reeder.

Sven Paulsen, Foto: C. Kruse/arctic-photography.com

Sven Paulsen:
„Natürlich wusste ich, dass das Wattenmeer und die Nordsee viel zu bieten hat. Aber Helgoland, die Halligen, Amrum und Sylt einmal fünf Tage ganz intensiv und bewusst mit wissenschaftlicher Begleitung zu erleben, war auch für mich eine neue und spannende Erfahrung. Ich habe jeden Tag etwas dazugelernt.“

Hinter dem Produkt und diesem Erfolg standen jedoch eine Menge Arbeit und sehr hohe Investitionen. Gemeinsam mit Projektleiter Christian Kruse – der zudem als Expeditionsleiter an Bord im Einsatz war – und einem kleinen Marketingteam, wurde alles innerhalb von nur drei Wochen von der Idee zur Umsetzung und zur Vermarktung gebracht. Die Betriebskosten pro Gast eines kleinen Expeditionsschiffes liegen weit über den Kosten eines größeren Kreuzfahrtschiffes. So war es erforderlich, dass besondere Erlebnisse geschaffen und Highlights gefunden werden mussten, die dem regulären Tagestouristen nicht oder nur schwer zugänglich sind. Kruse und seinem Team gelang es, den Passagieren einmalige, exklusive und intensive Naturerlebnisse zu ermöglichen, ohne dabei die Flora und Fauna des Nationalparks zu stören. Die Nationalparkverwaltung und andere Organisationen sind dazu von Beginn an mit einbezogen worden. Unter anderem wurde das Expeditions-Team von der Nationalparkverwaltung geschult und auf den Einsatz im sensiblen Weltnaturerbe Wattenmeer vorbereitet. Für die Landexkursionen sind außerdem Guides vom Jordsand e.V., der Schutzstation Wattenmeer und den Naturgewalten Sylt hinzugebucht worden.

Helgoland, Foto: enapress.com

Auch die Expeditionsteilnehmer zeichneten nach Reedereiangaben ein durchweg positives Bild der angebotenen Reise: Fast alle der mitgefahrenen Gäste bewerteten die Inhalte der Fahrt mit hervorragend und würden diese erneut buchen. Selbst in der kurzen Angebotszeit gab es Wiederholer und für das kommende Jahr gibt es bereits eine Liste mit interessierten Passagieren. Den Grund dafür sieht die Reederei darin, dass jede Expedition ein Unikat darstellte. Jede Reise war gespickt mit variierenden Exkursionen und kleinen Besonderheiten: Wattwanderung auf den Japsand, Austernwanderung auf Sylt, Zodiac-Fahrten in den Priel, Abendwanderung auf dem Kniepsand, Sonnenuntergangs-Cruise vor der Langen Anna oder eine Nachtwanderung zum Leuchtturm auf Hallig Langeneß. Jeder Tag wurde mit zahlreichen Optionen von früh bis spät gefüllt. Zwischen den Ausflügen gab es Lunch am Pier, Picknick in der Natur oder Grillabende auf dem Außendeck. Expeditionsleiter Christian Kruse war jeden Tag voll im Einsatz, um jede Reise für die Gäste optimal auf Wetterbedingungen, Wellenhöhen und die Gezeiten abzustimmen.

Foto: C. Kruse/arctic-photography.com

Auch wenn Paulsen mit diesem neuen Produkt keine schwarzen Zahlen geschrieben hat, sieht er es dennoch als Erfolg und als zukunftsfähiges sowie ausbaufähiges Angebot. Ein entscheidendes Kriterium ist für ihn, ob im kommenden Jahr wieder ein adäquates Expeditionsschiff eingechartert werden kann. Zudem werde auf Basis der gesammelten Erfahrungen analysiert, ob das Angebot generell wirtschaftlich darstellbar ist. „Selbstverständlich verfolgen wir auch die COVID-19 bedingten Entwicklungen im innerdeutschen Tourismus und die dadurch freigesetzte Dynamik auf dem Schiffsmarkt. Beide Faktoren können sich positiv oder negativ auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr auswirken.“, so Paulsen. Für die Fortsetzung spreche jedoch auch, dass eine Wattenmeer-Expedition umweltfreundlicher als jede Fernreise und die Anreise zum Hafen einfach und klimaneutral möglich ist. Zudem liege Urlaub im eigenen Land im Trend. Paulsen ist der Meinung, dass „exklusive und intensive Naturerlebnisse immer mehr an Bedeutung gewinnen und dem Problem des ‚Übertourismus’ entgegenwirken könnten.“

Robbenkolonie auf Helgoland, Foto: enapress.com

Zudem profitierten nicht nur die Tourismuseinrichtungen, Häfen und Gemeinden in den Zieldestinationen finanziell von dem neuen Angebot. Überdies hinaus konnten lokale Naturschutzorganisationen und nachhaltige Dienstleister eine Wertschöpfung aus dem neuen Angebot ziehen.

Paulsen: „Ein Ziel dieser Expedition ist zudem erreicht worden, was nicht nur Naturschutzorganisationen freuen wird: Das Gästefeedback der der Teilnehmer zeigt deutlich, dass die Sensibilität und die Wahrnehmung für den schützenswerten Nationalpark und seine Bedeutung für Mensch, Tier und Umwelt nach der Reise erheblich gestiegen ist. JPM

Beitrag zur Fahrt mit der QUEST („an Bord“-Ausgabe 4/20): Abenteuer Wattenmeer

Abenteuer Wattenmeer

Die Quest, ein kleines Expeditionsschiff des norwegischen Reiseunternehmens Arctic Travel Company wäre jetzt eigentlich im Eis von Spitzbergen und Grönland unterwegs. Sie wurde spontan von der auf Sylt ansässigen Reederei Adler-Schiffe gechartert, ein mutiger Schritt. Bis Anfang Oktober sollen im fünftägigen Rhythmus kleine Abenteuer und große Erlebnisse auf den Inseln Helgoland, Sylt, Amrum und auf den Halligen geboten werden. Maik Günther begleitete eine Reise.

Fast könnte man das kleine Schiff im riesigen Kreuzfahrtterminal Steinwerder übersehen. Im Vergleich zu der direkt daneben liegenden AIDAperla ist die Quest ein Winzling. Betrachtet man allein die Bruttoraumzahl, so würde die Questca. 100x in das riesige Kreuzfahrtschiff passen. Dafür hat das 1992 in Dänemark gebaute und 2018 renovierte Expeditionsschiff für polare Kreuzfahrten andere Vorteile. Sie verfügt über die zweithöchste Eisklasse und fünf Zodiacs, stabile Schlauchboote mit denen auch Ausfahrten und Anlandungen in abgelegenen Gebieten möglich sind. Ok, die Eisklasse ist für eine Reise auf der Nordsee im Spätsommer nicht unbedingt notwendig. Eisberge tauchen im Wattenmeer nur selten auf, aber die Zodiacs werden sich auf dieser Kreuzfahrt noch als äußerst sinnvoll erweisen.

Foto: Maik Günther
Foto: Maik Günther

Lediglich 12 Passagiere haben sich für die zweite offizielle Reise angemeldet. Vier Ehepaare, zwei Alleinreisende im Alter zwischen 50 und 70 und zwei junge Frauen, die sich mit voller Lebensfreude ins kleine Nordsee-Abenteuer stürzen. Einige Passagiere erkundeten bereits zuvor mit MS Quest Spitzbergen oder unternahmen Expeditionsreisen mit anderen Schiffen in die Antarktis. Sie alle suchen individuelle Entdeckungen und keine Pauschalreisen mit hunderten oder gar tausenden Mitreisenden. Das Angebot von Adler-Expedition kam zur rechten Zeit und die Entscheidung zur Buchung erfolgte spontan. Aber eine neue Idee muss halt erstmal bekannt werden. Sven Paulsen, Inhaber der seit 70 Jahren existierenden Reederei Adler-Schiffe, ist sich dieses Risikos bewusst. Die Corona-Zeit stellt besonders harte Herausforderungen an die Tourismusbranche dar. Auch die 25 Fahrgastschiffe, der in Westerland auf Sylt ansässigen Reederei, konnten in den letzten Monaten nicht im gewohnten Umfang für Ausflugsfahrten und dem Fährverkehr an der deutschen Nord- und Ostseeküste sowie in Hamburg eingesetzt werden. Den Kopf in den Sand stecken kam indes für ihn nicht in Frage. Er und sein Team nutzten die ruhige Zeit für die Entwicklung neuer Ideen und Konzepte. Schon lange hegte Paulsen den persönlichen Traum mit seiner Reederei nachhaltige und informative Expeditionsreisen in heimischen Gewässern anzubieten. Er selbst war bereits auf ganz besonderen Expeditionen unterwegs. Auf Skiern erreichte er den Nord- und Südpol, 2018 unternahm er die Pan Frisian Expedition und befuhr mit einer Dreimastbark Artemis die komplette Insel- und Halligwelt im Nationalpark Wattenmeer. 26 Stationen in 14 Tagen und knapp 500 Seemeilen von Dänemark bis in die Niederlande. Einen kleinen Auszug dieses einzigartigen Erlebnisses möchte Paulsen plus Team den Gästen an Bord der Quest innerhalb von fünf Tagen vermitteln….

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Spuren im Meer

Das Wattenmeer an der Nordseeküste ist weltweit einmalig. Roland Mischke hat ein überaus interessantes Buch darüber studiert.

Bei einem Tier, das Kotpillenwurm genannt wird und kein Gesicht hat, liegt das Lachen näher als das Staunen. Es handelt sich um einen Wattwurm, das kleine, dünne Häufchen hinterlässt. Die schmalen, fadenartigen Körper der Kotpillenwürmer dehnen sich bis auf zehn Zentimeter Länge. Vögel, Fische und Krebse schätzen die kurzlebigen Borstenwürmer, die sich ausschließlich von organischen Bestandteilen des Schlicks ernähren.
Zudem hat sich der wirbellose Wurm dem Wattboden perfekt angepasst. Seine wichtigste Funktion ist die Sauerstoffaufbereitung. Er besitzt Hämoglobin, das besonders stark Sauerstoff bindet. Das braucht das Meer, dem es an Sauerstoff mangelt, zugleich oxidiert der Kotpillenwurm giftigen Schwefelwasserstoff. Durch regelmäßige Körperbewegungen erzeugt er einen Wasserstrom und bringt Nährstoffe in die Sandpartikel. Alle 30 Minuten kriecht der Wurm an die Oberfläche und gibt „verdauten“ Sand in Form einer Schnur ab. Ein millionenfaches Wunderwerk, das komisch aussieht, aber absolut hilfreich ist für das Meer und seine Umgebung.
Ein Wunderwerk ist auch das ganze Wattenmeer an der Nordseeküste von Skallingen in Dänemark über Deutschlands Ufer und bis nach Helder in den Niederlanden. Das wird sachkundig von Fotograf Martin Stock und Autor Tim Schröder dargestellt. Ihr Buch „Wunderwelt Wattenmeer“ ist hervorragend geeignet, das Unesco-Weltnaturerbe zu entdecken. In den 1960er Jahren war es gerade noch gerettet worden. Damals gab es Überlegungen, ins Watt Atomreaktoren zu platzieren. Naturschützer haben sich dagegengestellt und die Anlagen verhindert. Heute ist das ganze Watt ein Schutzgebiet.

Wie ein Gemälde erscheinen die Halligen im Meer.
Foto: Dr. Martin Stock

Eine Landschaft aus Eiszeiten
Das Wattenmeer sei „eine einzige Bühne, auf der die Natur wahre Dramen inszeniert“, schreibt Tim Schröder. Das Meer rückt näher und zieht sich zurück, immer im Gleichmaß der Gezeiten. Der durch Niedrigwasser freiliegende Grund der Nordsee wird als Watt bezeichnet. Das Wattenmeer ist das größte seiner Art auf der Erde. Auf einer Fläche von 9000 Quadratkilometern, 450 Kilometer lang, 40 Kilometer breit. Zwischen Hochwasser und Niedrigwasser liegt der zeitliche Abstand von durchschnittlich sechs Stunden und 20 Minuten. Das Wattenmeer bildete sich vor etwa 7500 Jahren, es ist eine geologisch junge Landschaft, die ihr Entstehen den Eiszeiten verdankt. Es hat die höchste „Primärproduktionsrate“ der Welt und ist für 60 Arten von Vögeln und 50 Arten an Fischen Rastplatz und bevorzugte Nahrungsquelle. Sie finden dort neben Krebstieren und Würmern auch Algen und Plankton.
In der dynamischen Landschaft des Wattenmeers betreibt der Mensch Fischfang, vor allem als Stellnetzfischerei. Neben Scholle, Seezungen und Flundern gibt es im Watt Nordseegarnelen und Miesmuscheln. Der Fang ist streng kontingentiert. Die Lebewesen, vor allem Muschelbänke, sind fester Bestandteil des Ökosystems.

Steinpicker, Foto: Dr. Martin Stock

Die Sinne werden angesprochen
Das Wattenmeer ist eine ruhige Landschaft, nur dem Rauschen des Meeres ausgesetzt. Der beständige Westwind bestimmt die besondere Stimmung. „Er formt die Wolken, die im Licht der untergehenden Sonne rot aufleuchten wie abstrakte Kunstwerke“, formuliert es Tim Schröder. Wer die Schönheit dieses Meeresteils empfinden will, muss sich Zeit nehmen zum Beobachten. Wie das Wasser tonnenweise zurückkehrt und es ein mächtiges Wogen gibt. Ist die Brandung stark, etwa bei einem Orkan, kann sie eine Dünenkette durchbrechen. Die Sturmflut wuchtet das tobende Nordseewasser, das Wattenmeer versinkt in Fluten. Und taucht daraus am nächsten Morgen in strahlendem Glanz hervor.
„Viele Wanderer, die sich bei diesem Wetter hinauswagen, machen sich einen Spaß daraus, sich mit dem ganzen Körper gegen den Sturm zu lehnen. Laut knatternd flattern die Ärmel der Regenjacken im Wund. Gischt peitscht das Gesicht. Die Luft schmeckt salzig“, so der Autor. Alle Sinne werden angesprochen, vor allem wenn die Sonne mit den Wolken und dem Regen konkurriert.
Im Frühjahr leuchten die Salzwiesen in frischem Grün, im Sommer blüht der Strandflieder violett. Der Geruch ist ein Gemisch aus Salz und Wiesen, frischen Algen und Schlick, darüber lagert sich das Kreischen der Brachvögel. Und wenn in der Abenddämmerung der Mond aufgeht und die Sterne leuchten, wird es romantisch.
Ist es Zeit für die Zugvögel, fliegen sie in riesigen Schwärmen heran, nach Skandinavien oder in Richtung Mittelmeer. „Das Watt bietet ihnen eine schier unbegrenzte Menge an Nahrung, an Würmern, Muscheln und Kleinkrebsen“, so Schröder. Das Auf und Ab der Schwärme, ihr Hakenschlagen und die verdunkelten Wolken sind ein Urerlebnis. Das Wattenmeer ist die letzte Wildnis Mitteleuropas. Ein einzigartiger Lebensraum mit gewaltigen Kräften, die das Revier gestalten. Der Betrachter vom Ufer schaut auf eine Landschaft mit Sandbänken als horizontalen Linien, die sich als farbige Bänder in der Ferne verschieben im unaufhaltsamen Wechsel von Ebbe und Flut.

Foto: Dr. Martin Stock

Das eigentliche Watt
Das Wattenmeer erscheint langweilig, wenn man es aus der Ferne betrachtet. Aber die verschiedenen Lebensräume – Inseln mit Dünen, Salzwiesen, Priele und tiefe Ströme – markieren die Seelandschaft. Wer genau hinschaut, entdeckt bald, dass die Sand- und Schlickflächen das eigentliche Watt bilden. Der Boden ist gespurt von Pflanzen und Tieren, ein ganzer Artenreichtum hat sich darauf abgebildet. Das Watt ist extrem produktiv.
Die Stoffe, die aus den großen Flüssen wie Elbe, Weser und Rhein in die Nordsee strömen, vor allem Phosphor und Stickstoff, werden als Dünger verwertet. So entstehen zum Beispiel Kieselalgen, ein Hauptnahrungsmittel vieler Vögel. Fische ernähren sich von Fischlarven und Kleinkrebsen. Fische wiederum gelangen in die Mäuler von Seehunden und Kegelrobben, die größten Raubtiere im Wattenmeer. Dort hat die Nahrungskette ihr ganz eigenes Ordnungssystem.
Wer bei Ebbe auf den Boden schaut, entdeckt zarte Gehäuse von Wattschnecken und Strandkrabben. Dazu mehrere winzige Organismen, die bei Fischen und Vögeln überaus begehrte Delikatessen sind. Manche Vögel haben sich im Laufe ihrer Entwicklung speziell dem Watt angepasst, etwa Säbelschnabler, die im Schlick ihre Beute finden. Silbermöwen mit ihren kräftigen Schnäbeln wiederum suchen Herzmuscheln, sie werden mit den Schalen gefressen und von ihren Magenmuskeln zermalmt.

Foto: Dr. Martin Stock

Blüten im Meer
Algen und Tang klammern sich an Steine und Felsen, um nicht weggespült zu werden. Aber es gibt auch Pflanzen mit Wurzeln, die Blüten tragen – Seegräser. Sie gedeihen in flachem, lichtdurchflutetem Gewässer, mit langen dünnen Blättern und kleinen Blüten, an denen manchmal Schnecken kleben. Ringelgänse und andere Vögel finden dort ihr Futter. Mit seinen Kohledioxidspeichern wirken die unspektakulären Seegräser dem Klimawandel entgegen. Die Seegrasbestände und -flächen sind größer geworden, was ein Beleg dafür ist, dass die Nordsee in den letzten Jahrzehnten sauberer geworden ist.
Der Wattboden ist von Kolonien an blauschwarzen, dickschaligen Miesmuscheln besiedelt. Die Tiere haben sich an tief liegenden Stellen im Watt verwurzelt, so dass sie auch wilden Stürmen widerstehen können. Sie öffnen ihre Schalen nur, wenn die Flut abgezogen ist, zugleich lassen sie durch einen schmalen Kiemenspalt Frischwasser einfließen, das filtert und reinigt. Die Miesmuschelbänke sind die einzigen Bewohner des Wattenmeers, die einen festen Halt in der ständig bewegten Landschaft haben. Vielen Menschen gelten sie als beste Früchte des Meeres.
Das Wattenmeer ist der letzte große Freiheitsraum in Europa, die ungezähmte Natur kann sich hier noch entfalten, wie sie will. Durch den Schutzfaktor kann sie ihre Schätze als natürliche Ressourcen beheimaten, wovon auch der Mensch profitiert. Insofern ist das Wattenmeer ein Paradies. Besucher, die es schätzen gelernt haben, zieht es immer wieder dorthin. In eine Region, die sich tagtäglich verändert.