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Social Distancing inklusive

Die Flusskreuzfahrtindustrie ist bereit für den Re-Start. Strenge Hygiene- und Gesundheitskonzepte sollen für „sichere Reisen“ sorgen. Christofer Knaak berichtet.

„Theoretisch könnten wir deutschlandweit schon wieder fahren“, sagt Daniel Buchmüller, Präsident des Branchenverbands IG River Cruise. Und ab 15. Juni, dem geplanten Termin für die Grenzöffnungen zu Anrainerstaaten, auch über einige Landesgrenzen hinaus.

Die Interessenvertretung, der 20 europäische Flusskreuzfahrtunternehmen mit insgesamt rund 240 Schiffen angehören, hat einen Leitfaden für Flusskreuzfahrttourismus unter Corona-Auflagen erarbeitet. Dieser regele den Betrieb an Bord gemäß den allgemein empfohlenen Schutzmaßnahmen und schließe die Ansteckungsgefahr für Crew und Passagiere praktisch aus.

Das Papier sieht unter anderem Gästefragebögen zum Gesundheitszustand, Fiebermessungen, Abstandsregeln, Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen in allen Schiffsbereichen sowie angepasste Bordkonzepte vor. Reedereien und Flussreiseveranstalter orientieren sich an dem Konzept und erarbeiten darüber hinaus eigene Lösungen. Auch landseitige. So werden Ausflüge mit weniger Teilnehmern und mehr Bussen durchgeführt. Dadurch soll das notwendige „Social Distancing“ gewahrt werden. An Bord wird es zu diesem Zweck etwa „Einbahnstraßen“ sowie zwei Essenssitzungen an Tischen mit den vorgeschriebenen eineinhalb Metern Mindestabstand geben. Büfetts sind tabu.

Der Flussreiseanbieter Viva Cruises, der am 26. Juni wieder neu startet, wird sogar Trennwände aus Plexiglas im Bordrestaurant einrichten. Man wolle Gästen Sicherheit geben, ohne sie aber dabei mehr als nötig einzuschränken.

Anbieter übergreifend ist das Tragen einer Mund-Nasen-Maske in den öffentlichen Bereichen der Schiffe – abgesehen von Restaurants und Außendecks – obligatorisch.

Auch der Veranstalter nicko cruises, der den Re-Start bereits im Juni plant, will mit umfangreichen Maßnahmen für ein „sicheres und schönes Reiseerlebnis“ sorgen, sagt Geschäftsführer Guido Laukamp. Im Zuge dessen werden die Schiffe der Stuttgarter von vornherein mit reduzierter Auslastung fahren.

Andere Anbieter prüfen derzeit noch, wie genau ihr Re-Start aussehen wird. CroisiEurope pausiert mindestens bis Mitte Juni, Plantours kündigte bislang lediglich an, in diesem Monat zwei Schiffe wieder in Fahrt bringen zu wollen. Phoenix Reisen will noch im Juni (wahrscheinlich 26.) zunächst auf deutschen Flüssen beginnen, und bei 1A Vista Reisen steht zumindest schon fest, dass es ab 28. Juli neue innerdeutsche Köln-Abfahrten mit dem Neuzugang Vista Carmen geben wird.

A-Rosa will den für Juni terminierten Re-Start, den die Reederei jüngst durch einen nicht näher bezifferten Bürgschaftskredit abgesichert hat, ohne Kapazitätsbeschränkung in Angriff nehmen. Um alle erforderlichen Abstands- und Hygieneregeln umsetzen zu können, sei eine „signifikante Reduzierung der Auslastung“ nicht notwendig, da man mit maximal 200 Gästen ohnehin nur relativ wenige Passagiere an Bord habe, heißt es in Rostock. Zusätzlich hätten A-Rosa-Schiffe den Vorteil, dass sie mit einer Raum-Luft-Anlage bestehend aus Frischluft, Umluftkonditionierung und Abluft ausgestattet seien.

Für die Schweizer Excellence-Flotte werden die Reisen wahrscheinlich, so Reisebüro Mittelthurgau-Geschäftsführer Stephan Frei ab Mitte Juli wieder beginnen.

A-Rosa zufolge bieten Flusskreuzfahrten „sicheren Erholungsurlaub in der neuen Normalität“. Das meint auch die IG River Cruise. „Die Flusskreuzfahrtbranche hatte schon lange vor Covid-19 Protokolle zum Thema Virenschutz“, betont Verbands-Präsident Buchmüller die besondere Sensibilität der Industrie. Im Gegensatz zu Walk-in-Situationen in Hotels kenne der Kreuzfahrtveranstalter den Gast im Vorfeld und ein Infektionsschutzfragebogen werde ausgefüllt. Somit könne man von „gesunden, Corona-freien Schiffen“ ausgehen.

Text: Christofer Knaak, Foto: enapress.com