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Ostsee: Rekordzahlen in Riga trotz Russland-Boykott

Der Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine hat Schockwellen in der Ostsee ausgelöst. Nach dem 24. Februar sah es kurz so aus, als ob die Ostsee auch als Kreuzfahrtdestination einen schweren Dämpfer im ersten Jahr nach der Corona-Pandemie bekommen würde. Doch es kam anders. Nie zuvor gab es in der Ostsee so viele Hafenbesuche von Kreuzfahrtschiffen wie 2022. Das Analyse-Netzwerk Statista erfasste für 2022 bislang 2788 Hafenanläufe von Hochseekreuzfahrtschiffen. Das sind genau 101 mehr als im letzten Rekordjahr 2019.

„Costa Fascinosa“, Foto: Frank Behling

Seit 2000 stiegen die Zahlen der Anläufe pro Jahr von 1453 auf jetzt fast 2800. Nach den Corona-Jahren 2020 und 2021 mit 109 und 648 Schiffsanläufen ist die Kreuzfahrt wieder in der Ostsee angekommen – und zwar ganzjährig. Erstmals gibt es auch Eisfahrten in das Bottnische Meer im Januar und Februar. Hinzu kommen die Spezialreisen mit Eisbrechern, Windjammern und Forschungsschiffen.

Der Boykott der russischen Häfen St. Petersburg und Kaliningrad schlägt sich nicht in den Anlaufzahlen nieder. Profiteure des Russland-Boykotts sind die baltischen Staaten und die schwedischen Inseln Gotland und Öland sowie kleinere Häfen an der schwedischen Küste. Größter Gewinner ist Riga. Die lettische Hauptstadt wird in diesem Jahr einen Rekord bei den Schiffsbesuchen erzielen.

Begrüßung der 10-millionsten-Passagierin im lettischen Riga, die mit COSTA FASCINOSA unterwegs war.

Foto: Costa

Am 7. August vermeldete der Freeport Riga den 10-millionsten Kreuzfahrtpassagier. Das Kreuzfahrtschiff Costa Fascinosa traf diese Ehre. Die deutsche Urlauberin Tanja Kassandra Karin Bittner aus dem bayrischen Weiherhammer bekam die Auszeichnung. Mārtiņš Staķis, Bürgermeister von Riga und Viesturs Zeps, Vorstandsvorsitzender des Freeport of Riga, nahmen die Jubiläumspassagierin mit ihrer Familie und die weiteren Gäste feierlich in Empfang. Für Tanja und ihre Familie war es der erste Besuch in Riga – auf dem Programm standen die historische Altstadt, der Zentralmarkt und mehrere kulinarische Highlights. Am Abend gab es dann noch eine Überraschung vom Freeport of Riga. Die Familie wurde zu einem Essen im historischen House of the Bleakheads eingeladen.

Costa ist zusammen mit NCL, MSC und Celebrity einer der Stammkunden des Hafens Riga, seit 2005 haben acht verschiedene Schiffe der Costa-Flotte den Hafen von Riga angefahren und fast 145.000 Passagiere in die Stadt gebracht. Den Start machte die Costa Marina. Einen Rekord im Hafen von Riga hält die Costa Pacifica mit 3.523 Gästen an Bord beförderte sie die größte Anzahl an Passagieren mit einem Schiff nach Riga.

Foto: enapress.com

„Diese Stadt ist ein sehr geschätztes Reiseziel und einer der Gründe, warum sich unsere Gäste, vor allem deutsche, für eine Costa Kreuzfahrt in Nordeuropa entscheiden. Wir freuen uns sehr, dass der 10-millionste Passagier im Hafen von Riga mit uns auf der Costa Fascinosa reist“, sagte Kapitän Mario Moretta, Master des Schiffes.

In Riga werden in diesem Jahr 104 Schiffsanläufe von Kreuzfahrern erwartet. Das ist ebenfalls neuer Rekord. Im Vor-Corona-Jahr 2019 war der alte Rekord mit 81 Anläufen aufgestellt worden.

Riga wird auch 2023 wieder im Programm bei Costa sein. Am 27. Juni 2023 startet die Costa Fascinosa wieder ab Kiel zu Ostseerundreisen mit Anläufen in Riga, Tallinn und auch Klaipeda. Primus ist mit rund 200 Anläufen der Hafen von Tallinn. Allerdings leidet Tallinn unter den Absagen wegen der Nähe zu St. Petersburg. Bis zum Ukraine-Krieg hatte Tallinn fast 350 Anmeldungen für 2022. Wegen der Umroutungen wurde der Hafen dann nicht selten auch gleich zusammen mit St. Petersburg gestrichen.

Stockholm und Helsinki haben sich mit 150 bis 200 Anläufen dagegen sehr gut etabliert. In den Häfen ist außerdem der Trend zu längeren Liegezeiten erkennbar. 36 bis 48 Stunden Liegezeit sind nicht selten. FB

Stockholm hat neuen Kreuzfahrtliegeplatz

Seit Ende Juni hat die schwedische Hauptstadt Stockholm einen weiteren Kreuzfahrtliegeplatz. Der ehemalige Containerterminal im Freihafen wurde jetzt umgerüstet und für Kreuzfahrtschiffe am 21. Juni eröffnet.

Die Kaianlage hat eine Länge von 330 Metern mit mehreren Hektar Freifläche für Busse und Taxen. Die Anbindung an die Innenstadt ist fußläufig machbar. Der neue Terminal war durch den Umzug des Containerumschlags zum vorgelagerten Hafen Norvik möglich geworden. Dort hat die Containerreederei MSC ihren Umschlag für Ostschweden zentralisiert.

Der neue Kreuzfahrtkai soll besonders für Turnaround-Anläufe genutzt werden, bei denen Passagiere ein- und ausgeschifft werden. Stockholm versucht mit dem eigenen Flughafen in diesem Markt Anteile zu gewinnen. Besonders Reedereien aus dem Premium-Segment setzen auf Stockholm.

„Marina“ ist im Sommer in der schwedischen Hauptstadt zu Gast., Foto: Frank Behling

Die Reederei Oceania Cruises lässt in Stockholm in diesem Sommer beispielsweise die Marina abfertigen, die dort den Reisewechsel vollzieht.

„Stockholm ist ein sehr beliebtes Kreuzfahrtziel und trotz der beunruhigenden internationalen Lage sind für die Saison 2022 rund 220 Anläufe gebucht. Der Trend geht auch dahin, dass Kreuzfahrtschiffe länger in Stockholm bleiben als in den Vorjahren, was gut für die Tourismusbranche der Stadt ist. Ports of Stockholm ist bei weitem Schwedens größter Passagierhafen und einer der weltweit größten in Bezug auf die Passagierzahlen“, sagt Stefan Scheja, Cruise and Ferry Manager bei Ports of Stockholm.

Eine weitere Investition  ist die Bereitstellung von Landstromanschlüssen für die Kreuzfahrtschiffe. Nächstes Jahr wird die erste Anlage für den Landstromanschluss von Kreuzfahrtschiffen am Stadsgården-Kai im Stadtzentrum in Betrieb genommen. Das sei eine gemeinsame Initiative mit anderen Ostseehäfen und ein wichtiger Bestandteil der laufenden Umweltarbeit für einen nachhaltigen Kreuzfahrttourismus, so der Hafen. Im Freihafen sind vorerst an den drei Kreuzfahrtliegeplätzen noch keine Landstromanschlüsse vorgesehen.  FB

Kreuzfahrer in Schweden begrüßt

In Stockholm wurde mit der Mein Schiff 6 am 15. Juni das erste Kreuzfahrtschiff seit Ausbruch der Pandemie abgefertigt. Die Mein Schiff 6 hat von Kiel kommend die Schären angelaufen und im Stadthafen als erster Kreuzfahrer des Jahres festgemacht. Die enge Zusammenarbeit von Hafengesellschaft und den Gesundheitsbehörden hat diesen behutsamen Neustart ermöglicht und eine positive Botschaft sowohl an internationale Kreuzfahrtreedereien als auch an die schwedische Tourismusbranche gesendet, wie die Hafengesellschaft mitteilt.

Als die COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 ausbrach, wurde der Kreuzfahrttourismus weltweit getroffen. Auch in Schweden brachen 2020 die Zahlen ein. Während der Krise haben die Häfen in Stockholm, Visby und Göteborg zusammengearbeitet, um gemeinsame Richtlinien und Praktiken zu entwickeln, die es den Reedereien ermöglichen, den Betrieb sicher wieder aufzunehmen. „Durch die Zusammenarbeit mit den zuständigen Regulierungsbehörden bei der Festlegung gemeinsamer Protokolle, eindeutiger Verhaltenskodizes und Praktiken für Kreuzfahrtschiffanläufe haben die Reedereien eine gemeinsame Richtlinie eingehalten, die den Neustart des wichtigen Kreuzfahrttourismus erleichtert hat“, erklärt Joakim Larsson, Stadtplanungskommissar der Stadt Stockholm, zuständig für die Häfen von Stockholm.

Er lobt besonders die Reedereien, die die Verantwortung dafür übernommen haben, während der COVID-19-Pandemie transparente und umfassende Regelungen für Kreuzfahrtanläufe zu etablieren. Diese Arbeit der Reedereien haben laut Larsson die Gespräche mit Häfen und Regulierungsbehörden beschleunigt. Nach TUI Cruises folgen jetzt auch AIDA Cruises und MSC mit Anläufen im Sommer in Stockholm.

Aber auch in Göteborg geht der Tourismus los. Am 18. Juni war die AIDAsol in Göteborg als erster Anlauf. „Wenn wir in Göteborg mit den Reedereien gesprochen haben, sind sie der Meinung, dass wir die Situation gut gemeistert haben, indem wir unsere Planung kontinuierlich angepasst und einen transparenten Dialog geführt haben, um über die geltenden Verfahren zu informieren“, sagt Martin Meriwall, Cruise Operations Manager im Hafen von Göteborg.

Der sichere Weg ist die sogenannte „Bubble Cruise“, bei der die Passagiere in ihrer eigenen „Blase“ bleiben. Sie nutzen exklusiv gecharterte Busse und exakt festgelegte Zeiten für den Besuch von Museen. So können Kontakte mit Menschen außerhalb der Blase verhindert werden.

Das Kreuzfahrtgeschäft ist auch in Schweden ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Allein in der Region Stockholm hat die Kreuzfahrtindustrie einen gesamtwirtschaftlichen Effekt von 176 Millionen Euro. 1100 Arbeitsplätze hängen an der maritimen Tourismusbranche. FB

„Astoria“ in Rotterdam

Wie geht es mit dem ältesten Kreuzfahrtschiff der Welt weiter? Eigentlich sollte die Astoria längst in Lissabon sein. Im Frühling war die Astoria als Teil der in Konkurs geratenen CMV-Flotte in Tilbury an der Themse aufgelegt worden.

Im Oktober gab es die Entscheidung, das Schiff nach Lissabon zu bringen zu lassen. Die portugiesischen Eigner wollen das Schiff am Tejo weiter nutzen. Das Problem: Die Astoria ist nicht mehr fahrttüchtig. Die Klassifikationsgesellschaft erlaubt nur die Schleppreise des Schiffes.

Nachdem das Schiff am 23. November die Themse verlassen und als Schleppzug Kurs auf die Nordsee nahm, hat sich nicht viel getan. Die niederländischen Schlepper Brent und Ginger kreuzten mit ihrem Anhang tagelang über die Nordsee.

Angeblich war das Risiko für den Transit durch die Biskaya bei den derzeit herrschenden Wetterverhältnissen zu groß.

Diese Probleme gab es auch schon Anfang November bei einem ersten Überführungsversuch. Der zuerst für die Fahrt nach Lissabon gecharterte portugiesische Schlepper Monte de Luz brach den Versuch der Fahrt durch den englischen Kanal ab und brachte das Schiff zurück in die Temse. Die Sorge eines Untergangs in der stürmischen Biskaya war einfach zu groß.

Und auch der zweite Versuch mit den niederländischen Schleppern endete wieder in einem Hafen an der Nordsee. Die Schlepper Brent und Ginger bekamen am 13. Dezember die Erlaubnis zum Einbringen der Astoria nach Rotterdam. Dort liegt die alte Lady jetzt zunächst über den Jahreswechsel und wartet auf eine Lösung.

Im Waalhaven unweit des als Hotelschiff genutzten Kreuzfahrers Rotterdam hat der 1947 in Dienst gestellte Astoria zudem einen geschützten Liegeplatz. Der Schlepper Brent ist weiter bei dem Schiff.

Der Lebenslauf des bei den Götaverken in Göteborg gebauten Liners begann als Stockholm. 1956 wurde das Schiff weltbekannt, als es vor New York den italienischen Liner Andrea Doria rammte. Von 1960 bis 1985 fuhr das Schiff als Völkerfreundschaft für die Deutsche Seereederei der DDR. In diesem Fall aber in Rotterdam, wo die Schlepper die Astoria am 13. Dezember in einer abgelegenen Ecke des Stadthafens vertäuten. FB