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MV Werften: Gewerkschaft fordert Kriegsschiffe statt Kreuzfahrer

Die MV Werften befinden sich weiter in schwerer See. Auch ein Jahr nach dem Ausbruch der Pandemie gibt es keine Hoffnung auf eine zügige Fertigstellung der in Wismar, Warnemünde und Stralsund in Bau befindlichen Kreuzfahrtschiffe für die Genting-Gruppe. Wie aus Kreisen der Arbeitnehmervertretung zu hören war, wird aktuell sogar um den Fortbestand der traditionsreichen Werft in Stralsund gerungen.

Die Werften befinden sich in Besitz der Genting-Gruppe, die am 5. Februar 2020 als eines der ersten Kreuzfahrtunternehmen in Hongkong ein Schiff mit Corona-Fällen an Bord stilllegen musste. Die World Dream ging als eines der ersten Kreuzfahrtschiffe mit positiven Corona-Fällen in die Geschichte der Pandemie ein. Ein Jahr später ist immer noch unklar, wann Genting in Asien wieder zum normalen Kreuzfahrtbetrieb zurückkehren kann.

Die Folgen bekommen die MV Werften jetzt zu spüren. Für die Fortführung des Betriebs der MV Werften benötigen Banken von der Reederei verlässliche Zusagen zur Abnahme der Schiffe. Außerdem müssen die ausstehenden Zahlungen dann geleistet werden. Dies ist der entscheidende Teil der Fortführungsperspektive. Das wird aber noch dauern, wie zu hören war.

Die Geschäftsführung der Werften muss nun reagieren und die Kostenstruktur anpassen. Übersetzt heißt das: Personalabbau. So will die Geschäftsführung nach einem Bericht des Norddeutschen Rundfunks über 1000 der 3100 Mitarbeiter in kurzer Zeit abbauen.

Eine Fertigstellung des großen Kreuzfahrtschiffes Global Dream soll inzwischen auch in Gefahr sein. Der Neubau liegt seit November 2019 in Wismar unfertig im Dock.

Die Gewerkschaft IG Metall hat erbitterten Widerstand gegen die Kürzungspläne der Geschäftsführung angekündigt. „Ein Kahlschlag ist mit uns nicht zu machen. Bei der Rettung der MV Werften muss es vor allem um den Erhalt der Arbeitsplätze und Standorte gehen“, teilte Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste am Dienstagabend mit.

Am Dienstagabend hatte die Geschäftsführung der Werften Verhandlungen über einen massiven Personalabbau mit Betriebsräten und der Gewerkschaft angekündigt.

Die IG Metall Küste erwartet nach eigener Mitteilung Vorschläge, die die Zukunft der Werften sichern. Dabei steht auch eine Perspektive ohne Genting für die Gewerkschaft im Bereich der Perspektiven. „Alle Alternativen – mit oder ohne Genting, auch mit staatlicher Beteiligung – müssen geprüft werden“, so Friedrich.

Die Gewerkschafter fordern als Ersatz für die Kreuzfahrtschiffe auch andere Perspektiven in den Fokus zu nehmen. Dazu gehören Offshore-Plattformen und öffentliche Aufträge etwa für die Marine oder Forschungs-Institute. Für die deutsche Marine stehen in den nächsten zehn Jahren Aufträge mit einem Gesamtvolumen von fast 20 Milliarden Euro in der Rüstungsplanung des Bundes.

 Wichtig sei aber, dass sich die MV Werften für diese Lösungen öffnet und von dem Kreuzfahrtsektor löst. „Das Unternehmen ist hier genauso gefordert wie Bundes- und Landesregierung. Wir brauchen schnell verbindliche Zusagen, mit denen sich die Zukunft des Schiffbaus in Mecklenburg-Vorpommern sichern lässt.“

„Da neue Aufträge möglich sind, muss Kurzarbeit mit Qualifizierung weiter für möglichst viele Beschäftigte genutzt werden. So lässt sich das Know-how auf den Werften erhalten“, sagte IG Metall-Bezirksleiter Friedrich.  FB

RCI bringt „Quantum of the Seas“ in Singapur in Fahrt

Die Kreuzfahrt kehrt nach Asien zurück. In Singapur hat die US-Reederei Royal Caribbean International die Erlaubnis für Kreuzfahrten erhalten. Mit den Reisen aus der Vor-Corona-Zeit sind die drei- und viertägigen Fahrten aber nicht vergleichbar. Die Hürden für die Erlaubnis nach den Hygienebedingungen der Republik Singapur sind aber hoch.  

Die Quantum of the Seas startet jetzt immer montags und donnerstags zu Panorama-Fahrten in die Straße von Malakka oder das Südchinesische Meer. Das Schiff folgt damit der World Dream von Gentings Kreuzfahrtmarke Dream Cruises, die seit dem 6. November Kurzreisen von Singapur aus anbietet.

Das Hygiene Sicherheitsprotokoll des Singapore Tourism Board hat am 8. Oktober klare Vorgaben für Kreuzfahrten ab Singapur gemacht. Drei Auflagen müssen Reedereien erfüllen. Es dürfen keine Häfen angelaufen werden, es dürfen nur Bürger Singapurs an den Reisen teilnehmen und die Schiffe müssen eine deutlich reduzierte Kapazität anbieten.

Singapur, Foto: enapress.com

Die Quantum of the Seas darf maximal 50 Prozent ihrer 4000 Kabinenplätze nutzen. Das 2014 von der Meyer Werft gebaute Schiff hat auf der ersten Fahrt nach Medienberichten aus Singapur 1300 Passagiere an Bord gehabt. Bei der nächsten Fahrt am Montag sollen es 1700 Passagiere sein.

Laut RCI sind aber bereits 99 Prozent der Kapazität für den Dezember verkauft. Im Januar liegt die Buchungsrate laut einer Reederei-Sprecherin bei 50 Prozent. Große Erwartungen setzt die Reederei im kommenden Frühjahr auf die chinesischen Neujahrsfeiern und die Schulferien im März in Singapur.

World Dream, Foto: Frank Behling

Für Genting und RCI ist der Markt in Singapur groß. Fast sechs Millionen Menschen leben in der Wirtschaftsmetropole. Bei 1500 bis 2000 Passagieren pro Reise ist die Auslastung selbst bei den Panorama-Reisen für die beiden Schiffe auf Monate gesichert.

Beim Betrieb an Bord der Quantum of the Seas gibt es strenge Vorgaben. Für die Nutzung des Pools, des Flow Riders sowie des Theaters müssen vorher Tickets für bestimmte Zeitfenster erworben werden. Im Theater und den öffentlichen Bereichen außerhalb der Bars herrscht Alkoholverbot.

Die Reederei bezahlt zwar den verpflichtenden PCR-Test vor der Einschiffung, erwartet aber auch viele Leistungen von den Kunden. Passagiere sind außerdem gehalten, einen kontaktlosen Check-in zu absolvieren. Gepäck muss vor der Einschiffung desinfiziert werden.

Für die Bewegung an Bord sind Masken überall genauso vorgeschrieben wie eine Tracing-App auf dem Smartphone zur genauen Kontaktnachverfolgung. Darüber hinaus gibt es verschiedene Systeme zur Messung der Körpertemperaturen der Passagiere bereits beim Betreten des Kreuzfahrtterminals. FB

Positive Signale für alle drei Standorte der MV-Werften

Die Bemühungen um den Erhalt der Werften der MV-Gruppe in Mecklenburg-Vorpommern haben leichte Fortschritte gemacht. Alle Standorte in Rostock, Stralsund und Wismar sowie Neptun Ship Design und MVW Fertigmodule sollen erhalten werden. Auf diesen Erfolg einigten sich in dieser Woche die Geschäftsführung der Werften, der Gesamtbetriebsrat, die Gewerkschaft IG Metall Küste und der Arbeitgeberverband Nordmetall. Aus Asien gibt es dafür die ersten Lichtblicke. So ist die World Dream als zweites Genting-Kreuzfahrtschiff wieder in Fahrt.

Zuvor hatte die Gewerkschaft mit hartem Widerstand gedroht, falls einer der Standorte geschlossen wird. Auch von der Landesregierung war dem Werftkonzern die Unterstützung nur im Zusammenhang mit der Sicherung der Standorte zugesagt worden. In die Rettungsbemühungen ist auch das Finanzministerium und das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit des Landes Mecklenburg-Vorpommern eingebunden.

Die MV Werften bekennt sich laut der Mitteilung vom Donnerstag zur Tarifbindung, Mitbestimmung und Ausbildung. So werden keine Auszubildenden entlassen.

Einigkeit bestehe in der Verhandlungsgruppe aber leider auch darüber, dass es bei der derzeitigen Auslastung zu umfangreichen Personalanpassungen und Kosteneinsparungen kommen müsse, heißt es in der Erklärung weiter. Nach unbestätigten Meldungen droht im kommenden Jahr ein Personalabbau von 1200 bis 1500 der rund 3000 Stellen.

WORLD DREAM, Foto: Frank Behling

„Als Betriebsräte werden wir weiter für jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen. Mit der Erklärung zeigen die MV Werften, dass sie auch künftig für gute Industriearbeitsplätze in Mecklenburg-Vorpommern stehen“, sagte Ines Scheel, Gesamtbetriebsratsvorsitzende der MV Werften.

Für die Neuausrichtung wird zunächst auch eine komplette Umstellung der Projekt- und Produktionsbereiche angestrebt. So soll der Bau der Schiffe „Global“-Klasse eingestellt werden. Wie weit der Rohbau des zweiten Schiffes in Warnemünde weitergebaut wird, ist unklar.

In dem Dock könnten im nächsten Jahr bereits kleinere Kreuzfahrtschiffe für Genting auf Kiel gelegt werden. Der erste Schritt wird aber die Ablieferung der Crystal Endeavor bei der MV-Werft in Stralsund im kommenden Frühjahr.

Gleichzeit will die Werft sich wieder, so wie schon früher, neue Geschäftsfelder aufbauen. Dazu gehören wieder Offshore-Windenergie-Branche, die jedoch kurzfristig nicht zu einer Auslastung der Fertigungskapazitäten führen werde.

„Unser erklärtes Ziel ist der Erhalt der Zukunftsfähigkeit unserer Werftengruppe. Gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern sind wir überzeugt, dieses Ziel zu erreichen. Das Restrukturierungsprogramm ist dabei ein wichtiger Baustein zur Sicherung unserer finanziellen Stabilität“, Carsten J. Haake, Geschäftsführer der MV-Werften.

CRYSTAL ENDEAVOR, Foto: MV Werften

„Die klaren Aussagen zum Erhalt der Standorte Rostock, Stralsund und Wismar und zu Ausbildung, Tarifbindung und Mitbestimmung sind eine gute Grundlage für die weiteren, schwierigen Verhandlungen. Gemeinsames Ziel ist, funktionsfähige Werften an allen drei Standorten und so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten“, sagte Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste.

Für die weiteren Verhandlungen haben die Partner „eine enge und konstruktive Zusammenarbeit“ vereinbart. Die Verlängerung der Kurzarbeit und die Einrichtung einer Transfergesellschaft sind laut der Erklärung vorgesehen.

Gemeinsam wollen sich die Partner weiter für eine Aufnahme des Unternehmens unter den Rettungsschirm des Bundes einsetzen. Für diesen Schritt werden noch Signale von dem Eigner der Werftengruppe, der Genting-Gruppe, aus Asien erwartet. In den vergangenen Tagen war auch Tan Sri Lim Kok Thay, der Eigner der Genting-Gruppe, in Mecklenburg-Vorpommern erwartet worden.

Genting Dream, Foto: enapress.com

Die Genting-Gruppe hat derweil in Asien den Kreuzfahrtbetrieb langsam wieder hochgefahren. Seit Anfang November ist von Singapur aus die World Dream wieder im Einsatz. Das Kreuzfahrtschiff war nach fast fünf Monaten Aufliegezeit in Rotterdam im Oktober wieder nach Asien verlegt worden. Die 2017 bei der Meyer Werft gebaute World Dream unternimmt Panorama-Reisen in die Straße von Malakka. Die Schwester Genting Dream seit 20. Oktober zusammen mit fast 20 anderen Kreuzfahrtschiffen in der Bucht von Manila.

In Taiwan ist sein Oktober bereits die Explorer Dream im Einsatz. Das 1999 ebenfalls von Meyer gebaute Schiff startet zu nationalen Reisen in taiwanesischen Gewässern. Die Ausweitung der Kreuzfahrtaktivitäten ist aber auch in Asien durch die strengen Reisebeschränkungen vorerst nicht möglich. FB