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Meyer Werft präsentiert visionäre Konzeptstudien

Ein Trimaran als klimaschonende Urlaubsdestination

Nur wenige Tage nach der im September auf der Monaco Boat Show erfolgten Präsentation des spektakulären „One50“-Konzeptes für eine innovative 150-m-Megayacht mit Brennstoffzellen- und Batterieantrieb als Einstieg in den Megayacht-Markt hat die traditionsreiche Papenburger Meyer Werft mit ihren Konzeptstudien „Helix“ und „Manta Ray“ jetzt auf der renommierten Fachmesse Seatrade Cruise Global in Miami erneut starke Beachtung für ihre Visionen von der Zukunft ihres Kerngeschäftes, den Bau großer Kreuzfahrtschiffe, gefunden.

„Helix“-Konzeptschiff, Animation: Meyer Werft

Bereits Ende 2018 hatte das 1795 gegründete und derzeit in siebter Generation geführte Familienunternehmen, das allein in Papenburg mehr als 700 Schiffe, darunter seit 1985 53 Kreuzfahrtschiffe gebaut hat, mit der AIDAnova als Typschiff der „Helios“-Klasse das weltweit erste vollständig mit verflüssigtem Erdgas (LNG) betriebene Kreuzfahrtschiff abgeliefert.

Mit der am 14. Juni 2021 beim Meyer-Werftbetrieb im finnischen Turku erfolgten Kiellegung der unter der Bau-Nr. 1400 geführten Icon of the Seas (200 000 BRZ/5000 Gäste) als Typschiff einer mit Brennstoffzellen für die Bordstromversorgung auszurüstenden Dreier-Serie für Royal Caribbean International wurde erneut ein Meilenstein gesetzt.

Bei den jetzt in Miami auch im Modell gezeigten Konzeptstudien geht es um innovative Neubauten, die vollständig mit Brennstoffzellen betrieben werden können, wobei u.a. der für den Fortfall des Schornsteins gewonnene Platz für attraktive Features genutzt werden kann.

„Die Idee hinter dem Konzeptentwurf ist es, Lösungen zu finden, um das Kreuzfahrtschiff der Zukunft zu optimieren und die technologischen Entwicklungen und Megatrends der nächsten Jahrzehnte zu berücksichtigen“, heißt es dazu von der Werft. Durch neue Denkansätze sollen „Innovationen geschaffen und die bekannten Strukturen hinterfragt, aufgebrochen und überwunden werden“.

So ermöglicht das „Helix“-Konzept für ein 340 m langes, 42 m breites, 8,60 m tiefgehendes und 18 kn schnelles 181 000-BRZ-Schiff durch seinen modularen und dezentralen Aufbau eine flexible Anpassung der Schiffsgröße an die Anforderungen des jeweiligen Auftraggebers ohne übermäßigen, kostenintensiven Aufwand bei der Konstruktion. Neben den Solarpaneelen auf dem Oberdeck und der für den Konzeptnamen verantwortlichen Wendeltreppe an der Achterkante des Deckaufbaus fallen bei diesem Typ auch die auf fünf Decks unterhalb der Brücke beidseitig im Vorschiff angeordneten „Wingsuiten“ auf. Durch ihre wintergartenartige Auslegung bieten sie einen ähnlichen Vorausblick wie die Brückennock für die Schiffsführung. Das„Helix“-Modell wurde bereits zum Jahreswechsel 2020/2021 im Besucherzentrum der Werft gezeigt.

Manta Ray-Trimaran, Animation: Meyer Werft

Noch weiter außerhalb der gewohnten „technischen Wohlfühlzone“ präsentiert sich der „Manta Ray“-Designentwurf, mit dem sich die zu den drei Weltmarktführern im Bau von Kreuzfahrtschiffen gehörende Meyer Werft-Gruppe der Herausforderung der immer größer werdenden Schiffe stellt. Der Kern ihres Ansatzes beinhaltet, das Kreuzfahrtschiff selbst noch mehr zur Urlaubsdestination zu machen und dabei so klimaschonend wie möglich unterwegs zu sein.

Da das Schiff selbst das Ziel sein sollte, musste man sich bei der Breite des Schiffes nicht an gängigen Häfen orientieren. Da es überwiegend unterwegs sein oder vor den Häfen ankern wird, entschied man sich, für ein Schiff mit einer Breite von 88 Metern und einer Länge von 454 Metern. Verschiedenste Modellierungen des Rumpfes führten im Ergebnis zu einem Trimaran mit einer Vermessung von 431 000 BRZ als Kompromiss zwischen hydrodynamischer Effizienz und maximierter Deckfläche.

Um den bis zu 10000 Passagieren dennoch das Gefühl der Individualität und verschiedene Rückzugsmöglichkeiten zu bieten, setzten die Designer und Ingenieure auf viele dezentrale öffentliche Bereiche. So sollte es nicht das eine große Theater für alle geben, sondern verschiedenste Angebote, vergleichbar mit einer Metropole – vom Zentrum, wo das Leben pulsiert bis hin zu den kleinen Vororten, in denen es eher beschaulich zugeht und in denen es dennoch außergewöhnliche Plätze und verborgene Bereiche zu entdecken gibt.

Auf den unteren Decks 10 und 11 findet sich ein großes Promenaden-Deck mit einem zentralen windgeschützten Parkbereich. Drehbare Vertikallamellen ermöglichen entweder Frischluft oder Wetterschutz, je nach Bedarf und Reiseregion individuell einstellbar. Darüber hinaus minimieren die Vertikallamellen den Windwiderstand des Schiffes während der Fahrt.

Von Deck 23 bis Deck 15 verbinden Felsen verschiedene Themenwelten, die sich rasant per Canyoning erkunden lassen, denn ein Gebirgsbach schlängelt sich durch die Felsen und endet als Wasserfall im Solarium. Hier ist auch ein Tiefseetauchbecken zu finden, das auf Deck 23 beginnt und bis ins Lido-Restaurant auf Deck 20 reicht. Das Restaurant erstreckt sich über zwei Decks und ist direkt mit dem Entertainment-Bereich „The Cave“ verbunden, das sich an den Architekturstil des lanzarotinischen Architekten und Künstlers César Manrique (1919-1992) anlehnt, dessen Hauptmerkmal die Integration von Felsen und Natur in einen harmonischen Wohn- und Lebensraum ist. Thematisch und architektonisch werden die oberen Decks im Heck mit dem Promenadendeck auf Deck 11 durch in der Höhe versetzt angeordnete Terrassen und versteckte Rückzugsorte verbunden. Das Design ist hier an die Insel Santorini angelehnt.

Der generelle „Schiff-in-Schiff“-Ansatz, d. h. die Anordnung der Passagierbereiche auf unterschiedlichen Decks und Zonen, stellte das Designteam vor die Herausforderung, die unterschiedlichen Bereiche für den Passagier und die Besatzungsmitglieder effizient erreichbar zu machen. Die Lösung war der „People Mover“, der auf einer festen Stecke mit definierten Haltestopps die unterschiedlichen Hauptbereiche des Schiffes anfährt. Dies ermöglicht den Passagieren eine Mobilität an Bord, die bei der Größe des Schiffes nicht mit normalen Treppenhäusern oder zu Fuß zu erreichen wäre.

Antrieb durch Brennstoffzellen

Die technischen Komponenten, sowie die Auslegung aller für den Betrieb notwendigen Bereiche, wurden hinsichtlich der Nachhaltigkeit und ressourcenschonenden Nutzung überdacht. So soll der Antrieb ausschließlich durch Brennstoffzellen erfolgen und die Platzierung der für den Schiffsbetrieb nötigen Räume wurde neu konzipiert, um Lauf- und Transportwege möglichst kurz zu halten. JPM