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Triest und Monfalcone statt Venedig

Nach zehn Jahren Diskussionen über ein Verbot für große Kreuzfahrtschiffe in Venedig haben die Aktivisten einen großen Erfolg erzielt. Ab 1. August dürfen keine Kreuzfahrtschiffe mit einer Vermessung von über 25000 BRZ mehr durch das historische Stadtzentrum der Lagunenstadt.

Der San Marco Kanal, der Giudecca Kanal und das San Marco Bassin sind dann für die großen Schiffe tabu. Am 13. Juli hat das Kabinett der italienischen Regierung ein entsprechendes Dekret verabschiedet.

Durch das Verbot der Durchfahrt für große Schiffe reagiert die italienische Regierung auf die drohende Herabstufung der Stadt vom Status des Weltkulturerbes auf die Negativ-Liste der UNESCO. Die Kreuzfahrtschiffe sind dabei der erste Schritt. Weitere Maßnahmen sollen auch anderen Formen des Tourismus aus der Stadt fernhalten. Bis zur Pandemie war die Zahl der Touristen auf bis zu 30 Millionen pro Jahr gestiegen. Der Kreuzfahrttourismus macht davon nur einen Bruchteil aus.

Foto: Frank Behling

Die schnelle Reaktion der Regierung in Rom waren zahlreiche Versuche vorangegangen, die Zahl der Schiffe zu reduzieren.

Die Reedereien MSC, Costa und Princess zogen ganz großen Schiffe mit einer Vermessung von über 100000 BRZ bereits vor Jahren aus der Adria ab, doch Schiffe der sogenannten Panmax- und Vista-Klasse mit 80000 bis 95000 BRZ blieben.

Wie es ab 1. August nach der Inkraftsetzung des Dekrets in Venedig weitergehen kann, zeichnete sich bereits an den vergangenen Wochenenden ab. Die Reederei MSC verlagerte die Abfertigung der MSC Orchestra und MSC Magnifica (jeweils 95000 BRZ) von Venedig nach Monfalcone bei Triest. Die Stadt Venedig war wegen des G20-Gipfels der Regierungschefs ohnehin abgeriegelt.

Für die Abfertigung nutzte MSC jedoch die Anlagen des Kreuzfahrtterminals in Venedig. Mit Bussen wurden die Passagiere dann nach Monfalcone geshuttelt. Der Test hat sehr gut funktioniert und wird auch an diesem Wochenende wiederholt.

Die Reederei Costa Crociere hatte Venedig bereits 2020 aus dem Programm genommen und sich Liegeplätze in Triest gesichert. Das dortige Terminal erlaubt auch die Abfertigung von über 2000 Passagieren inklusive Hygiene-Protokoll und mit Tests.

Die Schiffe, die ab 1. August noch direkt zum Kreuzfahrtterminal in Venedig fahren dürfen, bekommen genaue Vorgaben. Neben der Vermessung von maximal 25000 BRZ dürfen die Rümpfe nicht länger als 180 Meter sein und die Höhe über dem Wasserspiegel darf 35 Meter nicht übersteigen.

Als langfristige Alternative wird die Abfertigung im Industriehafen Marghera geplant. Dort gibt es Kaianlagen auch für ganz große Schiffe mit mehr als 100000 BRZ. Nachteil: Für den Weg nach Marghera muss ein über 20 Kilometer langer Seekanal in der Lagune von Venedig noch befestigt werden.

Der Industriehafen von Venedig soll bis zum kommenden Jahr aber für die Abfertigung der Kreuzfahrtschiffe angepasst werden. Für den Ausbau von fünf Liegeplätzen sollen 157 Millionen Euro investiert werden. Rom hat dafür Hilfen in Aussicht gestellt.

Der Industriehafen Marghera ist auch der Werfthafen von Fincantieri. Im nördlichen Ende des Seekanals ist eine der großen Werftstandorte der Gruppe. Dort werden bis zu zwei große Kreuzfahrer pro Jahr gebaut.

Umweltschützer und grüne Politiker sehen aber auch in Marghera große Risiken für die Lagune. Durch die Eingriffe in die Natur beim Ausbau der Zufahrt werde dem sensiblen Ökosystem der Lagune ebenfalls schwerer Schaden zugefügt, heißt in einer Mitteilung. FB