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„Ultra-Luxus-Schiff der Extra-Klasse“

Im Gespräch mit Michael Wolf gibt Philippe Hetland-Brault, Präsident von Orient Express Sailing Yachts, Einblicke in den Neubau „Orient Express Corinthian“.

Wie waren die letzten Tage vor der Ablieferung der „Orient Express Corinthian“ ?

Die ersten Sea Trials sind hervorragend gelaufen, bis zum Schluss arbeiteten noch 600 Leute an Bord.

Wann beginnen die ersten verkauften Kreuzfahrten?

Im Juni. Es ist fast unglaublich, aber wir haben bereits für den Anfang mehrere komplette Charter verkauft, darunter auch für Privatleute. Wie zum Beispiel zum Grand Prix von Monaco oder vor St. Tropez.

Sie kommen persönlich aus dem High End Yachting-Bereich, kennen sich also mit diesen Chartern bestens aus.

Das stimmt. Im Juli beginnen die weiteren Kreuzfahrten, im Oktober wird das Schiff über den Atlantik in die Karibik fahren. Es wird ein ganz besonderer Törn, eine Südroute von Lissabon über die Azoren, fast nur unter Segeln.

Wir haben einen Kunden, ein eingefleischter Segelfan, der jahrelang mit Sea Cloud fuhr und jetzt unbedingt diese Cruise mitmachen möchte.

Ich kannte das Produkt sehr gut. Damals war ich auch als Broker für den Hamburger Lloyd tätig. Und ich konnte bei einer Fahrt auf der Elbe auch an Bord in einer schönen Suite der Sea Cloud übernachten. Wir sind aber hier keine Konkurrenz, sondern komplementär.

Ihr Schiff zeichnet sich durch eine Vielfalt von exklusiven Einrichtungen an Bord von anderen ab, wie etwa ein eingebautes Tonstudio. So könnten auch Rockstars ihre Titel einspielen und müssten nicht auf eine Yachtfahrt verzichten.

In der Tat – es gibt neben dem Tonstudio einen Guerlain-Spa, ein Amphitheater für 110 Passagiere, ausgestattet mit modernsten High Tech-Einrichtungen, dazu acht Bars, drei Restaurants, zwei private Dining Rooms.

Foto: © Jean-Marie LIOT / Orient Express

Also starke Akzente auf der Gastronomie?

Der bekannte Drei-Sterne Koch Yannick Alléno ist für das kulinarische Konzept verantwortlich. In einem der Restaurants werden wir auf dem Niveau eines Ein-Stern-Restaurants sein, das wird auch in unserem Angebot inkludiert sein. Dann haben wir das Restaurant „La Table de l’Orient Express by Yannick Alléno“, das eine Drei-Sterne-Küche der Spitzenklasse servieren wird. Er wird selbst einige Male im Jahr an Bord sein und kann für bestimmte Cruises auf Wunsch mit dabei sein.

Nur dieses Restaurant ist zuzahlpflichtig. Unsere Küchenbrigade ist seit sechs Monaten bei Alléno in Ausbildung. Ich kenne kein anderes Cruiseship, das etwas derartiges bietet.

Wo positionieren Sie sich im Markt?

Wir haben uns jetzt klar im Luxus-Yacht Bereich positioniert. Ein Großteil der Crew kennt sich hier bestens aus. Unsere Kapitäne haben zuvor große Yachten und Expeditionsschiffe geführt. Gerade bei Expeditionsschiffen wissen die Kapitäne besonders gut, was Flexibilität bedeutet, wie wichtig spontane Entdeckungsrouten und das Finden von überraschenden Landschaften oder bezaubernden Buchten sind.

Ich habe gerade einen Hoteldirektor eingestellt, der aus dem Luxus-Cruise-Bereich kommt, aber auch lange als General Manager auf der großen Yacht eines sehr bekannten Amerikaners gearbeitet hat.

Sie haben eigene Crews und nautisches Personal?

Wir arbeiten eng mit V-Ships in Monaco zusammen. Wir wählen aber jeden einzelnen, der bei uns arbeitet, selbst aus. Ganz besonders aber natürlich diejenigen Mitarbeiter, die sich direkt um die Gäste kümmern, und das sind schon über 50 Personen.

Welche besonderen Events werden Sie Ihren Gästen bieten?

Das Schiff wird während des gesamten Filmfestivals vor Cannes liegen. Dort werden wir auch Events an Bord haben.

Wir haben einige Routen bei St. Tropez, um Korsika und Monaco ausgesucht, darunter auch Drei-Nächte-Touren mit Overnights. Und natürlich immer ganz besondere Akzente setzen wie ein Langustenessen am Privatstand von der Luxus-Domaine Murtoli in Korsika, die Privatisierung des futuristischen Palais Bulles, das Pierre Cardin selbst entworfen und gebaut hat, die Privatisierung einer Villa auf Capri oder einer privaten Soiree im Luxushotel „La Reserve“ in Ramatuelle. Auch ein Empfang im Château Saint Maur bei Grimaud gehört dazu, eines der schönsten und besten Weingüter Südfrankreichs. Wir werden in Zukunft auch die anderen Produkte von Orient Express wie die Hotels und Züge mit einbringen.

Das alles entspricht dem Yachting Style – tagsüber wird gesegelt und abends genießt man Erlebnisse und Events an Land. Viele Reedereien verwenden für ihre Schiffe den Begriff Luxusyacht, ohne dem gerecht zu werden.

Welche Fahrtgebiete sind langfristig im Fokus?

Das erste Schiff kommt jetzt in Fahrt mit „sexy places“ als Destinationen wie die französische Riviera, Korsika, Sardinien, die Amalfiküste, Kroatien. Wir werden nicht nach Griechenland oder in die Türkei gehen aus Sustainability-Gründen – wir wollen unter Segeln cruisen aber auch mit LNG fahren. Und bis heute gibt es zum Beispiel in Piräus kein LNG.

Nach der Transatlantik-Tour gehen wir nach Saint-Barth, den British Virgin Islands, den Grenadinen. Hier gibt es genügend Fahrgebiete für Segeltouren mit entsprechendem Wind. Und schon bei den ersten Testfahrten auf dem Atlantik haben wir unter Segeln fantastische Geschwindigkeiten erreicht. 12 Knoten für ein solches Schiff sind unglaublich gut.

Es ist ein außergewöhnliches Schiff mit majestätischen Linien.

Das zweite Schiff kommt im nächsten Jahr und wird erstmal in Nordeuropa fahren. Nicht im Baltikum, aber eine gute Mischung aus Großbritannien, Kopenhagen und vielleicht hoch bis nach Bergen. Auch wenn diese Gegenden eigentlich nicht für Yachten mit ihren Outdoor-Möglichkeiten bestimmt sind, bieten sie aber großartige Naturerlebnisse. Es kommt dann wieder zurück in den Süden.

Wir haben derzeit eine unglaublich hohe Nachfrage für einen Einsatz im Mittleren Osten.

Mein Traum wäre es, das Schiff aber auch im Fernen Osten mit all seinen charmanten Plätzen fahren zu lassen. In der Karibik dagegen fährt man von einem Sandstrand zum nächsten Sandstrand, das entspricht auch oft dem amerikanischen Geschmack.

Aus welchen Ländern kommen Ihre Gäste?

Wir haben derzeit etwa 52 Prozent US-Kunden bei den Buchungen, das UK liegt bei 20 Prozent, Deutschland 8 Prozent. Der Rest von Europa liegt gesamt auch etwa bei 8 Prozent. Die Kunden aus der Schweiz buchen besonders gerne die großen Suiten.

Die Buchungen laufen über Accor?

Ein Teil, aber vieles läuft auch über unsere Websites.

Derzeit haben wir mehr als 50 Prozent Direktbuchungen.

Wichtig bei unserem Produkt ist eine bis in letzte Detail ausgearbeitete Route. Das geht von den besten Liegeplätzen bis zu den exklusivsten Erlebnissen an Land. In einem Jahr werden wir dann Bilanz ziehen und vielleicht das eine oder andere adaptieren.

Wie groß soll die Flotte in Zukunft werden?

Wir werden zwei Schiffe betreiben, das ist schon ein sehr großes Investment. Wir haben die Optionen für weitere Neubauten schon vor zwei Jahren zurückgegeben. Aber unsere Geschäftsbeziehung zur Werft in St. Nazaire, der Chantiers de l’Atlantique, ist exzellent. Sie haben hervorragend gearbeitet, ein Ultra-Luxus-Schiff der Extraklasse gebaut. Wenn meine Aktionäre morgen ein weiteres Schiff bauen möchten, dann sollte dies auch trotz eines vollen Orderbuchs bei der Werft klappen. Die meiste Arbeit findet immer am Prototyp statt, ab jetzt sind die Abläufe einfacher. Man darf nicht vergessen, dass die Segel auch durch ein Joint Venture der Werft entstehen und direkt von der Werft eingebaut werden, das ist ein enormer Vorteil.

Und mit den Segeln sind wir äußerst nachhaltig, die Sustainability ist nicht nur für die Broschüren.

Beitrag zur „Orient Express Corinthian“: „Orient Express Corinthian“, ein Schiff der Superlative

Philippe Hetland-Brault auf dem ILTM Cannes, Foto: enapress.com