„Viking Glory“ abgeliefert

Bild: Viking Line

Flaggschiff-Neubauaus China auf Überführungsreise

Als einer der umweltfreundlichsten und ökonomischsten Ro/Pax-Fähren der Welt und zugleich anspruchsvollsten Neubauten Chinas als weltgrößter Schiffbaunation befindet sich die mit 63813 BRZ vermessene Viking Glory seit dem 28. Dezember 2021 auf ihrer fast fünfwöchigen Überführungsreise unter finnischer Flagge in ihren Heimathafen Turku.  Der nach mehrfacher pandemie-bedingter Verschiebung am 23. Dezember von XSI-Werft in Xiamen an die in Mariehamn ansässige Viking Line abgelieferte Neubau ist das jüngste und größte Schiff der Reederei, die damit über insgesamt sieben in der Ostsee-Fährschifffahrt beschäftigte Einheiten verfügt, von denen zwei mit verflüssigtem Erdgas (LNG) betrieben werden können.

Während dieser von Kapitän Ulf Lindroos und seiner 40 Personen umfassenden Crew mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 16 kn zu absolvierenden ersten Reise durch den Indischen Ozean, via Suez-Kanal, Mittelmeer, Gibraltar, Biskaya und den Englischen Kanal in baltische Gewässer befinden sich an Bord des neuen Viking Line Flaggschiffes auch diverse Mitarbeiter von Subunternehmern und Zulieferern, um Restarbeiten zu erledigen. 

Der Brennstart für das am 3. Juni 2019 als Bau-Nr. 488A auf Kiel gelegte 63813-BRZ-Schiff, für dessen Bau bereits im März 2016 ein Vorvertrag (verbunden mit einer nicht genutzten Option für ein Schwesterschiff) und Anfang April 2017 ein Festauftrag mit einem Investitionsvolumen von 194 Mio. Euro zur Lieferung 2020 unterzeichnet worden war,  erfolgte bereits im August 2018. Nach dem Aufschwimmen im Baudock am 26. Februar 2021 wurde der Kasko zur weiteren  Komplettierung mit Schlepperassistenz an den Ausrüstungskai verholt.

Bei dem Anfang Februar 2022 in Turku erwarteten und ab März auf der Route Turku – Mariehamn –  Stockholm als Ersatz für die Amorella in Fahrt kommenden Neubau handelt es sich um eine 225,55 m lange und 35 m breite Ro/Pax-Fähre mit 13 Decks, 922 Kabinen und Platz für bis zu 2800 Gäste sowie 1500 Spurmeter für rollende Ladung (300 Pkw/90 Lkw).

Für den elektrischen Antrieb und die Bordstromversorgung des über die hohe Eisklasse 1 A Super verfügenden Schiffes sorgen sechs auf Generatoren arbeitende Wärtsilä-Motoren des Typs 31DF, die sowohl verflüssigtes Erdgas (LNG) als auch verschiedene Biogase umweltfreundlich verbrennen können und sich durch niedrigen Verbrauch bei hoher Zylinderleistung auszeichnen sollen. Erstmals auf einem chinesischen Passagierschiffsneubau und einer Ro/Pax-Fähre kamen nach Hersteller-Angaben zwei ABB-XO-Azipodantriebe zum Einbau, die für eine Geschwindigkeit von 22 kn und in Verbindung mit den drei Bugstrahlern für eine optimale Manövrierfähigkeit sorgen.

Sie sollen eine einfachere Formgebung des Unterwasserschiffes ermöglichen und damit zur Reduzierung des Wasserreibungswiderstandes gegenüber einem vergleichbaren Schiff mit Wellen-Antrieb und herkömmlicher Ruderanlage um acht um acht Prozent beitragen. Die Azpods waren zusammen mit der Manöverierfähigkeit, der  Rettungsmittel und dee Funktion  des  Feueralarmsystem auf einer ersten Pobefahrt im Juni 2021erfolgreich  getestet worden. Eine zweite im November absolvierte See-Erprobung diente dem Test der technischen Systeme bei Dauereinsatz mit Fokus auf  ihre Standfestigkeit und das Vibrations- und Geräuschniveau. 

Zur Energie-Einsparung soll auch das dynamisches Klimatisierungs- und Beleuchtungssystem beitragen, das mit Hilfe von Sensoren Licht und Temperaturen in nicht belegten Räumen automatisch herunterfährt. Durch ein innovatives Energie-Recyclingsystem von Climeon sollen zudem bis zu 40 Prozent der vom Passagierbereich benötigten elektrischen Energie generiert werden können. Doch nicht nur Abwärme wird recycelt, auch die beim LNG-Einsatz anfallende Kälteabgabe bleibt nicht ungenutzt und wird u.a. in Kühlräumen weiterverwertet.

Schon Anfang 2013 hatte die Viking Line mit der Indienststellung von der STX-Werft in Turku erbauten und mit LNG-Antrieb ausgerüsteten Ro/Pax-Fähre Viking Grace (BRZ: 57565), Maßstäbe für die Effizienz und Umweltfreundlichkeit im Fährschiffbereich auf der Ostsee gesetzt, die mit der 2018 erfolgten Nachrüstung mit einem von Norsepower gelieferten 24 m hohen und 4 m im Durchmesser großen Rotorsegel noch einmal verbessert werden sollten.

Aus ökonomischen Gründen wurde allerdings zwischenzeitlich auf von LNG auf  schwefelarmen Dieselkraftstoff umgestellt und der Segelrotor während der letzten Werftzeit  im Frühjahr 2021 demontiert. Auch wenn der in ersten Entwürfen für die Viking Glory  angedachte Windzusatzantrieb durch zwei Rotorsegel des finnischen Herstellers Norsepower nicht realisiert und lediglich die entsprechenden Fundamente für eine optionale spätere Nachrüstung installiert wurden, verspricht sich die Reederei von ihrem neuen Flaggschiff eine zehnprozentige Effizienzverbesserung gegenüber über der ebenfalls zwischen Stockholm und Turku eingesetzten, aber deutlich kleineren Viking Glory. JPM