VOM FÄHRSCHIFF ZUM KREUZFAHRTSCHIFF

Foto: Sammlung U. Horn

Die Black Prince war ein beliebtes Fährschiff und später ein anerkanntes Kreuzfahrtschiff. Die letzten Jahre waren unruhig, das Ende war recht würdelos.

Menschen lieben Schiffe, die sie selbst gebaut haben, sie sind stolz auf das Werk, das vor Jahrzehnten errichtet wurde. Sie berühren es mehr als 40 Jahre später zärtlich und streicheln es. So geschah es Ende September 2009 am Travemünder Ostpreußenkai. Bei der Lübecker Flender Werft war einst die Black Prince als modernes Fährschiff vom Stapel gelaufen. Hier wollten sich die rund 400 Passagiere, darunter auch 40 eingeladene ehemalige Beschäftigte der 1973 in Flender-Werft AG umbenannten Lübecker Flender-Werke, denen zu Ohren gekommen worden war, das das Schiff aus Altersgründen bald aus dem Verkehr gezogen würde, verabschieden. Farewell sollte dem Schiff gesagt werden.

Die „Black Prince“ in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel, Foto: Sammlung U. Horn

Sie liebkosten geradezu den Dampfer, schraubten an ihm noch mal herum, fummelten an den Wänden, standen strahlend vor den Tischen in der Messe oder den Aufgängen und Treppen, die original erhalten geblieben waren. Trotz der rund fünf Millionen nautischen Meilen, die das Schiff auf den Weltmeeren unterwegs gewesen war, und den insgesamt rund 630.000 Gästen, die es befördert hatte. Die Konstrukteure erzählten von ihren Ideen, die weitgehend umgesetzt wurden, die Ingenieure, Schiffbauer, Schlosser und Tischler von damals wurden von den Passagieren gelobt. Sie hatten Wertarbeit geleistet, man bewunderte das Echtholz, das viel schöner aussah als das schwer brennbare Plastik mit Holzmaserung. Man strich ehrfürchtig über den Stahl, der allen Widerständen getrotzt hatte, wie Regen, Sturm und Winden, und fast ganz ohne Rost war. Die Kabinen hatten noch ihre ursprüngliche Gestalt nach so langjähriger Existenz und die Technik von einst war in ihren Urgründen noch erhalten. Qualität made in Germany, die Flenderaner, überwiegend Männer, viele hatten ihre Frauen mitgebracht, verließen das Schiff. Es hatte sie als nostalgische Attraktion beglückt. Manche sollen mit feuchten Augen von Bord gegangen sein. Die Schiffbaukosten hatten sich auf 20 Millionen US-Dollar belaufen.


Foto: Jürgen Saupe
Foto: Sammlung JSA

Nun stand für die Black Prince eine allerletzte Kreuzfahrt an, über Rotterdam sollte das 141,62 Meter lange und 20,02 Meter breite Schiff nach den Kanaren und Madeira gesteuert werden, dort wurde es als gealterte, aber noch robuste Lady im Oktober 2009 an die Reederei Ola Cruises übergeben. Danach fand die Überführung nach Venezuela statt. Dort angekommen sollte das Schiff unter dem Namen Ola Esmeralda zum ersten venezolanischen Kreuzfahrtschiff gekürt werden und künftig Gäste an die Isla Margarita, La Tortuga und Los Roques und entlang der nördlichen Küste – insgesamt auf einem kleineren Radius – bringen. Die Reederei Fred. Olsen hatte lange die Black Prince veräußern wollen, aber kein Käufer biss an, also drohte das Abwracken. Auch der betreuende Schiffsmakler Norwegische Schiffahrts-Agentur (NSA) hatte es zu keinem Deal gebracht. Der Weg nach Südamerika war auf dem letzten Drücker noch gelungen, eine ehrenwerte Angelegenheit.

Foto: Archiv Jens Meyer

Die Black Prince war ab November 1965 von der Werft Lübecker Flender-Werke als Baunummer 561 erstellt worden, Auftraggeber war die in Oslo ansässige norwegische Reederei Fred Olsen & Co.. Der Stapellauf des Fährschiffes erfolgte am 14. Mai 1966. Der Name Black Prince bezieht sich auf einen Sohn des englischen Königs Edward III. Das Schiff wurde bis Mai 1967 im Liniendienst zwischen London und den Kanarischen Inseln eingesetzt.

Die Vermessung der Black Prince lag bei 9499 BRT (nach dem Umbau 1987: 11.209 BRZ), der Tiefgang bei 6,10 m (nach dem Umbau 6,42 m). Angetrieben wurde das u.a. mit einem Bugstrahlruder ausgerüstete Schiff von zwei Crossley Pielstick 18PC2V-Dieseln (je 6159 kW), die auf zwei Festpropeller arbeiteten. Die Maschinenleistung wurde mit 12.310 kW (16.737 PS), die Höchstgeschwindigkeit mit 22,5 kn (41,7 km/h) bzw.18,50 Knoten (34,3 km/h nach dem Umbau) angegeben. An Bord war Platz für 693 Gäste (für Kreuzfahrer gab es 350 Betten) und 200 Fahrzeuge, (nach dem Umbau standen für 527 Passagiere ebensoviele Betten zur Verfügung und es gab keine Stellplätze für Fahrzeuge), die Besatzung umfasste 200 Mitglieder. 234 Kabinen gab es, sie hatten keine Balkone. Das Schiff hatte sieben Passagierdecks und zwei Aufzüge.

Neben dem Haupt-Restaurant mit Tischservice hatte die Black Prince ein Buffet-Restaurant. Es gab ein Casino, zwei Schwimmbäder, außen und innen. Dazu ein Fitnesscenter und Plätze für Badminton und Tischtennis. Außerdem eine Bibliothek, am Bug befand sich eine in den Stahl eingelassene kühne weibliche Figur mit Flügel. Die Heckklappe wurde umgearbeitet, so dass sie horizontal abgeklappt werden konnte; während der Liegezeiten auf See konnte sie von Passagieren als Marina genutzt werden. Über eine Treppe wurde ein schwimmender Badebereich zu Wasser gebracht, darin konnten die Gäste schwimmen. Das war eine einmalige Attraktion.

Foto: Jürgen Saupe

Von Mai bis September 1967 war die Black Prince im Liniendienst zwischen dem norwegischen Kristiansand und dem englischen Harwich, danach auch zwischen Kristiansand und Amsterdam beschäftigt. Ab Oktober 1969 bis Mai 1970 ging sie wieder auf die Strecke zwischen Kristiansand und den Kanarischen Inseln. Von 1970 an bis 1983 war die Black Prince in Partnerschaft mit der norwegischen Reederei Det Bergenske Dampskipsselskab (BDS) als Fährschiff Venus im Dienst, sie pendelte zwischen den norwegischen Häfen Bergen und Stavanger sowie dem englischen Newcastle und dem dänischen Esbjerg. 1985/86 wurde sie am häufigsten in den Sommermonaten nach den gleichen Städten geschickt.

Ab Oktober 1987 wurde aus dem Fährschiff ein vollständiges Kreuzfahrtschiff, nun wieder mit dem Namen Black Prince, aber unter Führung des englischen Seereiseveranstalters Fred. Olsen Cruise Lines. Die Umbauarbeiten zogen sich bis zum 12. Februar 1987 hin, sie wurden von der finnischen Werft Oy Wartsila Ab in Abo erledigt. Für das danach für die Fred Olsen & Co. nahestehende Vinta Maritime Co. Inc. auf den Phillippinen registrierte Schiff wurde als neuer Heimathafen Manila angegeben. Das hatte den Grund, die Heuerkosten zu verringern. Die schwedische und dänische Seeleutegewerkschaft protestierte solidarisch gegen die Unterbezahlung der philippinischen Mitarbeiter, immer mehr europäische Hafenarbeiter schlossen sich an. Daraufhin wurde die Black Prince in Oslo aufgelegt.

Die erste Kreuzfahrt startete wieder am 28. Februar 1987 von Southampton in Richtung Mittelmeer/Nordafrika.

1990 kam es zu einer Überführung in das Norwegische Internationale Schiffsregister (NIS), der neue Heimathafen war nun Hvitsten in Norwegen. Im Januar 2001 wieder ein Flaggenwechsel, Ausflaggung nach den Bahamas mit Nassau als neuen Heimathafen. 2006 erfolgte die Registrierung für die Fred Olsen Cruise Lines Pte Ltd. in Nassau, Bahamas und 2007 für die Black Prince Cruise Ltd., Nassau, Bahamas. Die letzte Kreuzfahrt der Black Prince fand vom 9. September bis 11. Oktober 2009 statt. Am 16. Oktober desselben Jahres wurde das Schiff von Fred. Olsen Cruise Lines außer Dienst gestellt.

Im November 2009 erfolgte die Übergabe an die venezolanische Reederei Servicios Caticos de Venezuela C.A. (SAVECA) als Käufer. Das Schiff wurde in Prince umbenannt.

Foto: Sammlung JSA

Im November 2009 wurde das Kreuzfahrtschiff Prince vom venezolanischen Eigentümer in Ola Esmeralda umbenannt. Im Februar 2010 war wieder ein Flaggenwechsel fällig, neuer Heimathafen der Ola Esmeralda war La Guaira in Venezuela. Im Oktober/November 2012 fanden der Verkauf und die Überführung nach Santo Domingo in der Dominikanischen Republik und am 13. April 2013 der Wechsel unter Panama-Flagge statt. Im Oktober des gleichen Jahres erfolgte der Abbruch in Santo Domingo.

Roland Mischke, maritimes Lektorat: Jens Meyer