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VOM KÜSTENDAMPFER ZUM KREUZFAHRTSCHIFF

Die Princess Helene war ursprünglich eine Passagier- und Frachtfähre der Reederei Canadian Pacific Railway. Sie war die längste Zeit an der kanadischen Pazifikküste unterwegs.


Foto: Sammlung JSA

Kanada im Norden ist anders. Rau und kalt in Nova Scotia mit ihren östlich gelegenen Küsten, zu denen New Brunswick, Saint John oder Digby gehören, rustikal und abgehärtet. Dennoch hat es der Kapitän A. Roy Conlay, der die Geschicke der Princess Helene seit 1946 leitete, zu sagenhaften 21.000 Überfahrten in der Bay of Fundy gebracht. Für diese Bucht wurde das robuste Schiff speziell gebaut.

Mit rund 4000 BRT, dazu bis zu 500 Passagieren, maximal 50 Autos dazu und anderer großer Fracht war es ein großes Küstenschiff. Die Princess Helene hatte spezielle Seitenladetüren und große Kaiaufzüge, um den Tidenhub in der bewegten Bay und ihren starken Winden, gefährlichen Gewässern und nahezu Dauernebel bewältigen zu können. Das Unternehmen war verbunden mit einer Tochtergesellschaft an Land, der Dominion Atlantik Railway, die auch deren Fracht dann weiterbeförderte oder aufnahm.

Die Princess-Flotte für Küstenschiffe der CPR war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein bedeutsamer Namensgeber. Die Schiffe mit dem Titel „Prinzessin“ galten damals als „kleine Ozeandampfer“. Sie hatten durchaus im kleineren Maßstab Annehmlichkeiten vorzuzeigen, die größere Schiffe noch mehr haben. Die Konzeption für die Princess-Flotte im Bau der CPR wurde bereits 1913 von dem Kapitän James William Troup kreiert. Insgesamt gab es 12 Princess-Schiffe der Küstenflotte, zehn davon von Troup entwickelt, der im Schiffsbau Eisen und Stahl bevorzugte.

Die Princess Helene wurde 1930 mit der Identifikationsnummer 156707 in der Werft von Wm Denny & Bros. in Dumbarton, Schottland, gebaut. Heimathafen war St. John. Auftraggeber war der Canadian Pacific Railway (CPR). 1963 übernahm die Marvic Navigation Inc, die zur griechischen Reederei Chandris gehörte, das Schiff als Eigentümer, 1964 die ebenfalls zu Chandris gehörende Internationale Kreuzfahrten SA. In Griechenland war Piräus der Heimathafen.

Die Tonnage lag bei 4055 BRT (2022 NRT). Der Küstendampfer hatte eine Länge von 97,6 Meter und eine Breite von 15,4 Meter. Der maximale Tiefgang war 7,4 m. Das Schiff hatte zwei Frachtdecks und wurde von sechs Dampfturbinen, die auf 2 Propeller wirkten, angetrieben. Die Höchstgeschwindigkeit war 19 Knoten (35 km/h). Rund 500 Personen konnten als Passagiere an Bord sein. Das Personal war ausgesucht, es sollten die besten Leute sein, die Anzahl wurde nicht angegeben.

Foto: Sammlung JSA

Zuvor war hier ein älterer und kleinerer Dampfer namens Empress im Dienst gewesen. Die Princess Helene konnte das Vielfache aufnehmen, vor allem waren Fahrzeuge zu transportieren, neben Autos auch schweres Gerät. Das Transportsystem der CPR „umspannte die Welt“, hieß es in ihrer Werbung. Das Schiff war im Stil der „Duchess“-Ozeandampfer ausgestattet worden.

Die Innenausstattungen waren sehr aufwendig gemacht und elegant eingebaut worden. Es gab 43 prunkvolle Kabinen, wie man sie zuvor in Kanada noch nie gesehen hatte. Sie übertrafen weit die üblichen Standards der regionalen Fähren. Die Besatzung wurde fast in pompöser Uniform gekleidet, sie wurde der Royal Canadian Navy nachempfunden. Wenn die Mitarbeiter vor dem Digby Pines Hotel vorbeiliefen, wurden sie von den Hotelpagen ehrwürdig gegrüßt, das Hotel trug dann die kanadische Flagge auf dem Dach. Deshalb erhielt der beliebte Dampfer den Spitznamen „Digby-Boot“.

In den gefährlichen Gewässern um die Region Digby konnten nur Fachleute, die sich mit den turbulenten und oft unberechenbaren Winden und Stürmen auskannten, das Kommando übernehmen. In 33 Dienstjahren legte die Princess Helene 168.400 Meilen zurück. Dazu gehörten auch die heiklen Monate während des Zweiten Weltkriegs, als die deutschen U-Boote im Bereich waren und die Überfahrten unsicher machten. Wegen der allgegenwärtigen Gefahr wurde der Dampfer zeitweise von Kriegsschiffen der Royal Canadian Navy auf dem Wasser und mit Flugzeugen der Royal Canadian Air Force aus der Luft eskortiert. Das Schiff wurde nicht angegriffen, es gab auch keine Unglücke in seiner ganzen Zeit.


Foto: Sammlung JSA

An Bord befand sich Hugh „Sam” Macdonald, der langjährige Chefingenieur der SS Princess Helene. Sein Neffe war Donald Stovel Macdonald, seines Amtes Präsident des Geheimrats im Dienst des kanadischen Präsidenten Pierre Trudeau. Auch die Minister für Nationale Verteidigung, Minister für Energie, Bergbau und Ressourcen sowie der Finanzminister nutzten das Schiff.

Die Princess of Acadia übernahm als Ersatz am 23. April 1963 die Tätigkeit der Princess Helene, sie gehörte ehemals der British Columbia als Princess of Nanaimo, die nun der CPR gehörte. Anlass für das neue Schiff war die größere Kapazität und höhere Moderne, so konnte auch Lkw- und Automobil-Verkehr besser aufgenommen werden. Dennoch fehlte es am Charme, es war zu einseitig technisch ausgerüstet. Der Vorgänger hatte mit seiner Innenausstattung mehr Charme gehabt. Nach sieben Jahren wurde „Acadia“ schon aus dem Verkehr genommen. Inzwischen hatte man einen Ersatz gebaut, das ebenfalls den Namen Princess of Acadia erhalten hatte.

Die Princess Helene war nach ihrer Herausname auf dem Fährdienst an die Chandris Lines of Greece verkauft worden. Es wurde eine umfassende Sanierung am Schiff vorgenommen, und es erhielt einen neuen Namen: Carina II. Nach dem Umbau wurde es als Budgetkreuzfahrtschiff beworben. Das ging bis 1972, dann wurde das Schiff aufgelegt. Nach einigen Jahren gab man es ganz auf, es wurde 1977 an Schrottfirmen verkauft. Die älteren Kanadier erinnern sich noch gern an die Helene, deshalb wurde sie als großes Baumodell ausgestellt. Man brachte es in das Canada Science and Technology Museum in Ottawa.

Roland Mischke, maritimes Lektorat: Jürgen Saupe