Von der Elbe an die Weser: Schwimmende Schiffbauhalle samt Megayachtneubau auf Überführungsreise

Foto: Jens Meyer

Die bereits Anfang 2019 ursprünglich zur Fertigstellung Ende 2020 avisierte neue maritime Attraktion Hamburgs hat am Donnerstagnachmittag als Anhang von vier Schleppern die Elbmetropole für rd. ein Jahr verlassen und Kurs auf die Weser genommen. Dabei handelt es sich um das direkt gegenüber den Landungsbrücken in Sichtweite der Elbphilharmonie stationierte 287 m lange Schwimmdock „Dock 10“ der seit 2016 zur Bremer Lürssen-Gruppe gehörenden Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss, das seit Mitte 2020 für rd. 13 Mio. Euro zum größten überdachten Schwimmdock Europas umgebaut worden ist.

Gegen 15.00 Uhr nahmen die Schlepper Bugsier 9, Bugsier 10, Bugsier 5 und Fairplay 31 ihren voluminösen Anhang auf den Haken und passierten gegen 18.00 Uhr die Hamburger Hafengrenze. Nach aktuellem Stand sollte der Verband vorbehaltlich entsprechender Wetterbedingungen am Freitagmorgen gegen 07.30 Uhr die Wesermündung erreichen und das Dock gegen 18.00 Uhr am Lürssen-Werftstandort Berne abgeliefert werden. Für „Sehleute“ unsichtbar befindet sich auf den Pallen in seinem Inneren eine ebenso spektakuläre Megayacht: Die rd. 146 m lange und nach Medienangaben für Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan, er gehört zur Herrscherfamilie von Abu Dhabi, bestimmte Sassi II, deren Wert von Insidern auf rd. 300 Mio. Euro geschätzt wird. Bekanntlich war der fast fertiggestellte Yachtneubau, der über sechs Decks verfügt, 2018 durch einen Brand im Schwimmdock der Lürssen Werft in Berne schwer beschädigt und zum Wiederaufbau zu Blohm + Voss nach Hamburg gebracht worden. Nach seiner Komplettierung, Endlackierung und Endausrüstung an der Weser soll der Neubau 2022 an den von der Werft nicht genannten Kunden abgeliefert und das überdachte „Dock 10“ an den Hamburger Werftstandort zurück gebracht werden.

Der Entwurf der von 66 filigranen Stahlstützen und Querträgern getragenen rd. 50 m hohen Dachkonstruktion des 1966 erbauten Docks, die mit einer millimeterdünnen transparenten und dauerhaften Folie überzogen ist, stammt von dem als Sieger aus einem Architektenwettbewerb hervorgegangenen Stuttgarter Architekten Werner Sobek.

Inzwischen Realität: Vision der als „gläserne Schiffbau-Manufaktur“ geplanten Überdachung.
Animation: Werner Sobek/Lürssen
Klar zur Verschleppung: das überdachte und für die See-Passage gesicherte Schwimmdock „Dock 10“.
Foto: Jens Meyer

Die wasserseitig ausgerichtete Fassade wurde transparent ausgeführt, während die übrigen Seiten bzw. Einfahrten geschlossen wurden, so dass sich das Dock auch als attraktives Schiffbaufenster nutzen lässt. Die – lt. Modelltest – orkanresistente Überdachung bietet nach Werftangaben zahlreiche Vorteile. Dazu gehören nicht nur bessere Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter, sondern auch eine durch den Wetterschutz mögliche Qualitätsverbesserung der Arbeiten. Gleichzeitig können damit in erheblichem Maße Geräusche, Schall- und Abgas-Emissionen reduziert und damit die Umwelt geschont werden. Falls Auftraggeber – wie beim Bau oder der Reparatur und Wartung von luxuriösen Megayachten und sensiblen Marineschiffen nicht unüblich – besondere Diskretion wünschen, kann dies durch eine zusätzliche interne Einhausung temporär sichergestellt werden. JPM