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Wasserstoff in der Schifffahrt: Vielversprechendes Zukunftspotenzial

Die Kreuzschifffahrt bekennt sich zum Ziel der IMO, bis 2050 CO2-Neutralität zu erreichen; einige Reedereien haben noch ambitioniertere Ziele entwickelt und planen eine Umsetzung bereits zum Jahr 2040.

Derzeit werden verschiedene Möglichkeiten für den Einsatz von Wasserstoff erforscht: Einige Reedereien sind dabei, Prototypen von Wasserstoff-Brennstoffzellensystemen für den Energiebedarf an Bord zu testen, wie zum Beispiel mit dem am 21. Juli letzten Jahres von der Papenburger Meyer Werft abgelieferten Expeditionskreuzer Silver Nova, der über das bisher weltgrößte auf einem Kreuzfahrtschiff installierte Brennstoffzellensystem für die Bordstromversorgung verfügt.

Auch für den Schiffsantrieb bietet Wasserstoff vielversprechende Nutzungsmöglichkeiten beispielsweise in der Produktion von grünem Methanol und ist damit – neben anderen Energieträgern – ein wichtiger Baustein auf dem Weg in die emissionsneutrale Kreuzschifffahrt.

Foto: EEHH

In Hamburg prägt Wasserstoff zunehmend die maritime Industrie, besonders durch innovative Projekte und umweltfreundliche Technologien. So plant beispielsweise die Fairplay Towage Group die Beschaffung von zwei bis sechs neuen Schleppern mit wasserstoffbereiten Dual-Fuel Motoren bis Juli 2025.

Im Jahr 2025 wird Wasserstoff als Treibstoff genutzt, wobei die Mabanaft GmbH die Schlepper mit grünem Wasserstoff versorgen soll. Mabanaft spielt als Schiffskraftstoff-Lieferant im Hamburger Hafen eine Schlüsselrolle.

Vierte Cross Cluster-Konferenz in Hamburg

Vor diesem Hintergrund haben die Hamburger Industriecluster Erneuerbare Energien Hamburg (EEH), Hamburg Cruise Net, Logistik-Initiative Hamburg, Maritimes Cluster Norddeutschland und Hamburg Aviation am 13. Februar zum vierten Mal ein gemeinsames Informations- und Austauschevent zur „Rolle des Wasserstoffs im Energiesystem der Zukunft“ durchgeführt, in dem branchen-übergreifend über den Entwicklungs- und Projektstand von Wasserstoffanwendungen in der Industrie und bei den unterschiedlichen Verkehrsträgern zu Lande, zu Wasser und in der Luft informiert und diskutiert wurde.

Zudem ging es um die künftige Versorgung mit Wasserstoff und die Rolle Hamburgs als Drehscheibe. Damit sollte dem großen Informations- und Vernetzungsbedarf der lokalen Akteure zu rechtlichen, technischen und wirtschaftlichen Fragestellungen Rechnung getragen werden. Die Resonanz war beachtlich: Mehr als 200 Gäste aus Wirtschaft und Politik besuchten die Veranstaltung im Hotel Hafen Hamburg.

„Hamburg hat auf dem Weg zum erfolgreichen Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft bereits vor Jahren die Weichen gestellt. In der Logistik, Luftfahrt und Schifffahrt finden wir hier vor Ort viel Innovation und Engagement für Entwicklung und Einsatz von Wasserstofftechnologien. Die Bedeutung als Industriestandort, die Abnehmerstruktur und Nachfrage im Zusammenspiel mit den Erneuerbaren Energien macht Hamburg zum wichtigsten deutschen Standort für die Wasserstoffwirtschaft. Wenn es einen geeigneten Ort für ein Wasserstoffökosystem entlang der gesamten Wertschöpfungskette gibt, so ist es Hamburg“, betonte Senatorin Dr. Melanie Leonhard, Behörde für Wirtschaft und Innovation, in ihrem Grußwort.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien bildet die Basis der Wasserstoffwirtschaft – als Energieträger kann grüner Wasserstoff grünen Strom speichern und ihn zeit- und nutzbar machen. So können auch nicht-elektrifizierbare Prozesse und Anwendungen in den Sektoren Industrie und Verkehr dekarbonisiert werden. Die Erneuerbare Energien-Branche wird damit zunehmend zum Enabler für Sektorenkopplung und die Defossilierung des Transportsektors. Die Vernetzung der Akteure und den Anschub neuer Projekte treibt das Erneuerbare Energien Hamburg-Cluster aktiv voran, etwa mit dem Forum Wasserstoff.

Auch Luftfahrt und Hafen im Fokus des Hamburger Wasserstoff-Engagements

In Hamburg richtet sich der Fokus der Luftfahrtindustrie auf Wasserstoff zur Dekarbonisierung. Unternehmen und Forschungseinrichtungen arbeiten an der Entwicklung von Wasserstoffantrieben, darunter hybride Brennstoffzellen und Motoren für direkte Wasserstoffverbrennung. Parallel entsteht eine Infrastruktur für das Wasserstofftanken von Flugzeugen. Ein markantes Projekt ist die Partnerschaft der Flughäfen Hamburg und Rotterdam, die eine Wasserstoffinfrastruktur aufbauen.

Geplant ist, bis 2026 eine wasserstoffbetriebene Flugroute zu etablieren. Diese Initiativen sind Teil eines ganzheitlichen Ansatzes, der die Kooperation von Industrie, Wissenschaft und Politik voraussetzt, um bis 2050 Klimaneutralität in der Luftfahrt zu erzielen.

Hamburgs Engagement zielt darauf ab, ein führendes Zentrum für nachhaltige Luftfahrttechnologien zu werden, wobei Wasserstoff eine Schlüsselrolle spielt. Für die erfolgreiche nationale Energietransformation der Wirtschaft spielt der Hamburger Hafen eine besondere Rolle und die Initiative “Sustainable Energy Hub” der Hamburg Port Authority (HPA) bildet einen wichtigen Kern.

Zusammen mit den im Energiehafen angesiedelten Unternehmen soll die Flächenstrategie an den Bedürfnissen der Unternehmen ausgerichtet werden, um u.a. auch Platz für die Ansiedlung aller an der Wertschöpfung des Wasserstoffs beteiligten Playern in Hamburg zu bieten. Dabei ist die HPA offen für alle nachhaltigen Wasserstofftransportformen und Derivate (Wasserstoff gasförmig/flüssig, Ammoniak, Methanol, LOHC usw.).

Bei Querschnittsthemen mit Standortbezug wie z. B. Fragen der Verkehrsinfrastruktur, der zukünftigen Energieträger oder beim Thema Fachkräfte arbeiten die Hamburger Clusteragenturen eng zusammen. Die jährliche Wasserstoff-Konferenz ist nur eines ihrer gemeinsamen Formate, bei dem sie die gesamte Wertschöpfungskette des Wasserstoffs von der Erzeugung, über die Verteilung bis zum Verbrauch in Schifffahrt, Luftfahrt und Schwerlastlogistik abbilden. Nachdem bei den drei vorangegangenen Konferenzen stärker die Projekte und Technologien in den Fokus gestellt und diese mit Anwendungsbeispielen flankiert wurden, wurde dieses Jahr stärker der Status quo beim Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft mit den bestehenden Herausforderungen – wie potenzielle Liefergebiete und das Verhältnis von verfügbaren und benötigten Mengen – in den Fokus gestellt. JPM

 

Großes Foto: Silver Nova, Bild: enapress.com