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Wie eine Krabbe den Norden veränderte

Wer einer Königskrabbe unter Wasser begegnet, glaubt für einen Moment, in einem Albtraum gelandet zu sein. Meterlange Stelzenbeine tasten sich über den Meeresboden, harte Scheren knacken Muscheln mit brutaler Präzision. Der Körper wirkt fremd, fast außerirdisch. Und dabei ist dieses Wesen eine der begehrtesten Delikatessen der Welt. Wolfgang Siesing berichtet.

Dass es heute vor Norwegens Küsten lebt, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines politischen Experiments. In den 1960er-Jahren lässt die Sowjetunion tausende von Königskrabben aus dem Nordpazifik in die Barentssee umsiedeln – es ist der Versuch einer wirtschaftlichen Starthilfe für den strukturschwachen Norden. Das von Nikita Chrustschow angestoßene Großprojekt soll zur Win-Win-Situation für die Seemänner im russischen Norden werden: Zum einen möchte man neben der Kriegsflotte in Murmansk eine schlagkräftige, russische Fischereiflotte aufbauen. Und zum anderen sollen die sterbenden Dörfer und die schwache Infrastruktur mit Investitionen in die Fischereiwirtschaft angekurbelt werden. Schnell werden große Mengen an Riesenkrabben von Wladiwostok in den äußersten Norden Russlands umgesiedelt. Die Tiere finden hier ideale Bedingungen vor. Kaum Fressfeinde, reichlich Nahrung – und eine enorme Fortpflanzungsrate.

Ein Weibchen kann im Laufe seines dreißigjährigen Lebens Hunderttausende von Eiern legen. Innerhalb weniger Jahrzehnte breitet sich die Art entlang der Küsten explosionsartig aus. Sie überschreitet Grenzen und erreicht bei ihren Wanderungen schließlich die Küsten Norwegens. Zunächst unbemerkt. Bis Fischer beginnen, von merkwürdigen Beifängen zu berichten. In Honningsvåg, einem kleinen Ort nahe dem Nordkap, verfolgt ein Mann diese Geschichten aufmerksam: Der Fischereikaufmann Bjørn-Ronald Olsen.

Der Kaufmann fühlt sich der Region verpflichtet, der Ort wie viele im hohen Norden – rau, abgelegen und von breiter Abwanderung geprägt. Rote Häuser ducken sich gegen Kälte und Sturm, und die Zukunft scheint ungewiss. Olsen entscheidet sich trotzdem zu bleiben. Er kauft 1991 eine marode Fischfabrik. Freunde halten ihn für verrückt und Banken winken ab…

… Lesen Sie weiter in der Ausgabe 2/26.

Fotos: Wolfgang Siesing

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