Schlagwort: Excellence Adria

Ahoi Excellence!

Vor Kroatiens Küste kreuzt durch türkise Wasser ein Schiff, das die Zukunft der Kreuzfahrt einläutet: die EXCELLENCE ADRIA – klein, elegant, familiär. Szenen aus dem Logbuch. Anita Lehmeier berichtet.

Wir schreiben das Jahr eins von Corona. Die ganze Kreuzfahrtbranche liegt am Boden beziehungsweise im Hafen. Die ganze Kreuzfahrtbranche?
Nein! Die Cruisejacht EXCELLENCE­ ADRIA,­ im Mai 2020 werftneu zu Wasser gelassen,­ war auf ihrer Jungfernfahrt im Juni 2020 vor der Küste Kroatiens unterwegs. Während einwöchiger Inselhoppings schippert sie Passagiere – maximal 37 bei voller Auslastung – zu den schönsten Badebuchten und Städten. Die EXCELLENCE ADRIA punktet in der neuen­ Ära des Reisens mit ihrer Kleinheit.

Foto: Gordan Ukic

Mit 54 Metern Länge, 8,6 Metern Breite und drei Decks erinnert das Schiff mit seiner eleganten Halbbogenkonstruktion an die Privatjachten von Bond-Bösewichten. An Bord wird aber nicht die Übernahme der Weltherrschaft geplant, man geniesst vielmehr, der Weltherrschaft des bösen Virus für eine Weile entfliehen zu können.

In den Innenräumen und an Deck bietet die Cruisejacht den drei Dutzend Passagieren sogar Platz genug, die Abstandsregeln einzuhalten. Im Hafen von Rijeka, wo wir nach 90-minütigem Flug nach Zagreb und knapp zweistündigem Bustransfer eintreffen, ist die EXCELLENCE ADRIA der Selfie-Hotspot für die einheimischen Touristen. Sie sind wegen der Veranstaltungen in die diesjährige Kulturhauptstadt Europas gekommen. Die Events wurden alle abgesagt – jetzt schiessen sie dafür Familienfotos vor dem blütenweissen Schiffsrumpf mit den tiefschwarzen Tauen. Für unsere Gruppe folgt der einzige unangenehme Moment der Reise, der sich nach allen Landgängen wiederholen wird: Wir gehen über die Gangway an Bord, die neidvollen Blicke der Zaungäste im Rücken und die Denkblasen „Geldsäcke!“ über der Mole. Wenn die wüssten, wie erschwinglich Ferien auf der EXCELLENCE ADRIA tatsächlich sind.

Foto: Gordan Ukic

Während wir die Kabinen beziehen, sticht unser kleines Traumschiff in See Richtung Insel Krk. Beim ersten Apéro­ auf dem Sonnendeck wird das familiäre Du an Bord etabliert und die zehnköpfige Crew vorgestellt. Erst jetzt checke ich, dass der gutaussehende Herr mit den silbernen Schläfen, der meinen Koffer in die Kabine gebracht hat, unser Kapitän ist! Und der Eigner dieser sowie zwei weiterer Cruisejachten. Er entstammt einer langen Reihe von Käptens, sein ältester Sohn hat neulich das Patent gemacht. Während wir gemächlich dem Sonnenuntergang entgegengleiten, kreisen die Gespräche nur um ein Thema: die so elegante wie funktionale Ausstattung der Kabinen.

Foto: enapress.com

Die Damen kriegen sich kaum ein über die begehbaren Schränke. „Wir haben sogar zu zweit drin Platz“, schwärmt das Mutter-Tochter-Duo aus der Ostschweiz, das mit zwei Jass-Freundinnen unterwegs ist. Beim Nachtessen outet sich der Grossteil unserer Gruppe als Kreuz- und Flussfahrt-Habitués. Alle sind sich einig: Die EXCELLENCE ADRIA ist das schönste Schiff, auf dem sie je gecruist sind. Ein Paar, das die gleiche Reise eine Woche zuvor gemacht hatte, verlängerte spontan die Ferien, um nochmals mitzuschippern. Eine sportive Alleinreisende lobt die Barfussqualität der Marmor-, Holz- und Teppichböden; sie wird ihre Schuhe nur für die Landgänge aus dem Schrank holen. Das Rentnerpaar aus Solothurn verliebte sich in das Modellbild des Schiffes im Prospekt von Mittelthurgau, buchte und feiert gleich am ersten Abend am Bord seine Goldene Hochzeit.

Natürlich ist Ivica Mazar auf solche Events vorbereitet. Der Küchenchef ist der zweitwichtigste Mann an Bord. Schliesslich ist Essen ein zentraler Aspekt jeder Kreuzfahrt. Von früh bis spät sorgt er mit vielfältigen Frühstücksbuffets und meist zweimal am Tag mit fantasie­vollen Mehrgängern für das leibliche Wohl der Gäste. Sobald die Märkte morgens öffnen, holt der Sohn einer Fischerfamilie das Beste aus dem Meer. Aufs Budget achten müsse­ er nicht, erzählt der Bord-Neuling stolz. Kapitän Jure lasse ihm freie Hand. Das habe er schon bei der Ausstattung der Küche so gehalten: Ivica durfte die Kombüse frei nach seinen Wünschen einrichten. Mitunter ein Grund, seinen Job in einem Luxushotel aufzugeben, die Familie den Sommer über an Land zurückzulassen und fortan auf schwankendem Boden zu arbeiten. Jure habe ihn drei Jahre lang bekniet, in seine Crew zu kommen. Jetzt brilliert Ivica, assistiert von seiner Gehilfin Dada, und interpretiert die klassische kroatische Küche auf moderne leichte Art. Das Ganze auf Wunsch selbstverständlich auch veggie, vegan und glutenfrei.

Zu den täglichen Ritualen an Bord gehören die Badestopps. Kapitän Jure steuert auf seinen Wegen von Insel zu Insel die schönsten einsamen Buchten an. Hier baden die Gäste fernab vom touristischen Rummel der kroatischen Strände.

Foto: Reisebüro Mittelthurgau

Matrose Andelo, dreifacher kroatischer Lifeguard-Meister, schwimmt mit Tauen ans Ufer, vertäut das Schiff und wacht dann mit Adleraugen über die Sicherheit der Passagiere. Dank fehlender Industrie ist das Wasser von verblüffender Klarheit und einem Türkisblau, das man sonst nur auf den Malediven sieht. Wer bei Tisch zu oft zugelangt hat oder einfach mal Ruhe will, zieht sich auf eines der beiden Sonnendecks zurück, geniesst die herbe Schönheit der Küstenlandschaften oder schaut den Matrosen zu, die von morgens bis abends sorgsam den vielen Chromstahl der schwimmenden Schönheit polieren, als wärs ihr eigenes Schiff.

Mit Land, Leuten und Kultur in Kontakt kommen „Excellence“-Kreuzfahrer bei den Landgängen – begleitet von regionalen, Deutsch sprechenden Guides. In Krk, Rab, Zadar und Mali Losinj vereint sich das historische Erbe mit dem Flair moderner Tourismusdestinationen. In Mali Losinj gibt es übrigens den schönsten Mann Kroatiens zu besichtigen: den Athleten Apoxyomenos. Der griechischen Bronzestatue in Lebensgrösse – 1997 von einem Taucher zufällig entdeckt und sechs Jahre lang aufwendig restauriert – wurde ein eigenes, spektakuläres Museum gewidmet, nachdem der Jüngling im Louvre, im British Museum und im Getty Museum für Aufsehen gesorgt hatte.