Kategorie: Allgemein

Ausgabe 1/2020

Auf zu neuen Zielen

Am 21. Dezember fand das Roll-out für die Crystal Endeavor statt. Michael Wolf berichtet über die Entwicklung des Schiffes und die Routings.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die höchstpersönlich bei der Kiellegung des Expeditionsschiffes Crystal Endeavor auf der MV-Werft in Stralsund anwesend war, hatte in ihrer launigen Ansprache gemeint, dass sie sich durchaus vorstellen könne, einmal auf einem solchen Schiff zu reisen.
Von der Reederei wird sie sich wohl nicht einladen lassen, aber eine mögliche (wenn auch unwahrscheinliche) Buchung ist jetzt etwas näher gerückt: Am 21.Dezember wurde der Neubau aus der Halle auf den Schiffslift verfahren und am Folgetag zu Wasser gebracht. Die ersten Reisen könnten nach den jüngsten Informationen nunmehr im August beginnen.

Die neuesten Animationen zeigen ein elegantes, zeitloses Design für die Luxusyacht auf, die sich nach Aussagen der Reederei durch Ausstattung, Platz und Luxus an die Spitze der bestehenden Expeditionsschiffe und neue Standards setzen soll. Sechs Restaurants, darunter das Umi Uma & Sushisbar des berühmten peruanisch-japanischen Sushi-Meisters Nobu Matsuhisa, ein zweistöckiges Sonnendeck am Heck mit Pool, eine ausfahrbare Marina sowie bordeigene Helikopter. Ein kleines U-Boot, das bis zu sieben Gästen Platz bietet und Entdeckungsfahrten bis in eine Tiefe von etwa 300 Metern unternehmen kann, ist im Heck untergebracht. Mit einem weiteren ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug sollen unter anderem versunkene Schiffswracks erkundet werden.
Die Crystal Endeavor soll, so die Reederei, ein Schiff der Superlative werden. Führend in der Branche ist bereits das Crew-Gast Verhältnis von 1,03, es kommen auf maximal 200 Gäste 206 Crewmitarbeiter. Dazu ist das Raumangebot von 100 BRZ, das jedem Gast zur Verfügung steht, für Luxus-Expeditionsyachten einmalig. Mit etwa 350 Millionen Euro soll der 20.000 BRZ große Neubau, der über die Eisklasse PC 6 verfügt, zu Buche schlagen.
Die 200 Suiten an Bord der Crystal Endeavor werden zwischen 28 und 105 qm groß sein.
Für die Expeditionen hat Crystal drei Kategorien festgelegt. „Remote Expedition“ soll in ferne, abgelegene und unbewohnte Gegenden führen. „Cultural Discovery“ wird Wissen über Regionen und ihre Bewohner vermitteln. „Destination Exploration“ führt zu Naturwundern und besonders ausgewählten landschaftlichen Schönheiten.
Die Fahrten, die bereits gebucht werden können, decken die unterschiedlichsten Gebiete ab. Die Polargebiete wie Arktis und Antarktis oder Grönland und Island stehen ebenso auf dem Programm wie tropische Destinationen wie Bora Bora, die indonesische Inselwelt, die Elfenbeinküste, Chilenische Fjorde und Patagonien sowie Westeuropa, das Great Barrier Reef und Neuseelands Sub-antarktische Inseln. Ein Team von Wissenschaftlern und Lektoren wird alle Reisen begleiten.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=9iA7AchCXZI&feature=youtu.be
Roll-out CRYSTAL ENDEAVOR, Video: Crystal Cruises

Fotos/Video: Crystal Cruises, Aufmacherfoto: Christian Uecker – Oceanliner-Pictures

Zwischen Vulkanen und Voodoo

Die französische Reederei Ponant kooperiert seit kurzem mit National GeographicExpeditions. Peggy Günther entdeckte auf einer der ersten Reisen die Kapverden und das Bissagos-Archipel.

„Zum ersten Mal kann ich die Ergebnisse meiner Arbeit an dem Ort vorstellen, wo ich sie gesammelt habe. Und ich werde in einem Bett schlafen!“ Die Biologin Lucy Hawkes freut sich. Bei ihrem letzten Aufenthalt auf den Kapverden schlief sie unter einem einfachen Bretterdach mit Moskitonetz, frischmachen konnte sie sich nur im Meer. Nun freut sich die 40-jährige Britin auf ihre Kreuzfahrtpremiere an Bord der LE DUMONT D’URVILLE. Sie begleitet eine der ersten National Geographic-Reisen in Kooperation mit Ponant. In den USA arbeitet die Marke mit Lindblad zusammen. Gemeinsam mit der französischen Reederei soll nun der europäische Markt erschlossen werden. „Wir wollen Menschen ermöglichen, die Welt zu erforschen, um sie besser verstehen und bewahren zu können. Ponant ist dabei der perfekte Partner, weil sie eine der jüngsten und umweltfreundlichsten Flotten auf einer Vielfalt von Expeditionsrouten einsetzen“, sagt Nathan Philpot, Travel Director von National Geographic Partners. Er begleitet die Kreuzfahrt von den Kapverden zum Bissagos-Archipel und testet neue Ideen, wie etwa das „Beach Clean up“: Einmal pro Reise sollen die Passagiere am Strand Plastikmüll einsammeln, der dann von der Reederei fachgerecht entsorgt wird.

Expeditionsleiter Christophe Bassous will den Gästen diese Idee möglichst schonend beibringen. Schließlich sind sie in erster Linie Luxusurlauber, die eine fünfstellige Summe dafür bezahlt haben, eines der am wenigsten besuchten Länder der Welt kennenzulernen. Neben den mächtigen vulkanischen Bergen auf den Kapverden stehen nämlich auch drei Inseln des Bissagos-Archipels auf den Fahrplan. Mehrere Anbieter haben großes Interesse an diesem neuen Expeditionsrevier, doch aktuell ist allein Ponant hier unterwegs. Dieses Privileg verdankt die Reederei ihrem Kontakt zu Laurent und Sonia Durris. Das Ehepaar unterhält seit sechs Jahren im Nordwesten des Archipels ein kleines Hotel für Sportfischer und hat gute Beziehungen zu den Oberhäuptern vieler Inseln. Und die haben das Sagen in dem kleinen Land, das seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1973 keine komplette Amtsperiode unter ein und derselben Regierung erlebt hat.

„Eine Reise nach Guinea-Bissau ist wie eine Reise in eine vergangene Zeit“, sagt Sonia Durris, um die wenigen englischsprachigen Gäste auf den ersten Besuch in einem Dorf der Bijagos vorzubereiten. „Das Tanzen ist das Wertvollste, was die Menschen hier haben“, sagt Sonja, „deswegen zeigen sie es uns.“ Schon von weitem können die Passagiere die traditionellen Trommeln hören. Stolz bewegen die Männer und Frauen ihre Körper im Rhythmus der Musik. Sie sind eines der wenigen Völker Afrikas, das niemals versklavt wurden, da sie sich bei einer Gefangennahme „schneller umgebracht haben, als der Teufel die Augen schließt“, wie Sonia erzählt.Sie glauben nämlich, dass ihre Seele niemals Ruhe findet, wenn sie außerhalb ihres Landes sterben. Die Verbindung zum Land und zur Natur scheint über allem zu stehen. Voodoozauber und Tieropfer gehören zum täglichen Leben der Bijagos. Es ist wichtig, die Götter bei Laune zu halten. Vom Meer hielten sich die Menschen traditionell eher fern, zu groß ist der Respekt vor den Naturgewalten. Erst seit kurzem versuchen sich die Männer auch als Fischer….

… Lesen Sie weiter in AN BORD.

Zum Ende der Welt

Fünf Tage lang waren Caroline Verstraete (Text) und Mike Louagie (Fotos) mit der VENTUS AUSTRALIS unterwegs – durchfuhren die chilenischen Fjorde und entdeckten Patagonien.

Es gibt noch einen Ort, an dem keine Menschen sind, es keine Gebäude gibt. Wo die Natur, die Luft und das Wasser noch rein sind, die Tiere noch ihren eigenen Weg gehen können. Es ist der Ort, an dem Darwin seine ersten Schritte als Forscher machte. Wo man Gletscher sieht, durch Fjorde fährt und wo Pinguine die Besucher neugierig mustern.
Um dies zu erleben, muss man ‘bis zum Ende der Welt’ reisen, nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt. Die Stadt wird sicherlich keinen Architekturpreis gewinnen, aber ihre Geschichte ist faszinierend. Ein Guide erzählt uns, wie am Ende des 19. Jahrhunderts die Argentinier hier auf ‘Feuerland’ ein Gefängnis errichtet haben. Der ideale Ort, fernab von der bebauten Welt. Eben diese Gefangenen bauten schließlich die Stadt. Das alte Gefängnis ist immer noch da und wurde als Museum eingerichtet. Seine ehemaligen Zellen sind heute Ausstellungsfläche und geben eine perfekte Einführung in die Geschichte der Ureinwohner. Ein idealer Ort, um eine Expeditionskreuzfahrt zu beginnen.

Entdecker und viel Natur
Unter den Augen der vielen mutigen Entdecker, die heute hier als Statuen über das Wasser schauen, checken wir auf der Ventus Australis ein. Obwohl die historischen Expeditionen nicht mit dem heutigen Luxus verglichen werden können, gibt es, glaube ich, eine Gemeinsamkeit: die Aufregung, „das Unbekannte“ zu entdecken.
Die Reederei kennt die Gegend bestens. Australis ist ein chilenisches Unternehmen, das seit 25 Jahren Patagonien-Kreuzfahrten durchführt. Es hat zwei neue Schiffe, die speziell für diese Region gebaut wurden. Beide können 200 Passagiere mitnehmen und Orte ansteuern, zu denen keine andere Kreuzfahrtgesellschaft fährt.
Wir sind „auf Expeditionskreuzfahrt“ und nicht „auf Kreuzfahrt“. Das ist etwas anderes. Es bedeutet, dass man sich teilweise von der Natur, dem Wetter und den Umständen leiten lässt. Nicht immer perfekt, um Programmen zu folgen, aber es gibt ein Team an Bord, das mit viel Leidenschaft so viel wie möglich von dieser Region zeigen möchte. Das geschieht mit den Zodiacs. Denn in diesen Gebieten gibt es natürlich keine Häfen, das Schiff liegt auf Reede. Zodiacs bringen die Passagiere in kürzester Zeit an Land oder unternehmen eine „Zodiac-Kreuzfahrt“. Heißt: es gilt die Gegend von diesen Schlauchbooten aus zu entdecken. Das erfahren wir alle beim ersten Briefing, Sicherheit wird groß geschrieben. Vorträge und Briefings werden vor jeder Exkursion durchgeführt, übrigens alle gleichzeitig in drei verschiedenen Räumen und dreisprachig – Englisch, Deutsch und Spanisch. Auch für die Ausflüge werden wir nach Sprache und Schwierigkeitsgrad in Gruppen eingeteilt.

Legendäres Kap Hoorn und indigene Bevölkerung
Abends verlassen wir von Ushuaia Richtung Süden. Wir überqueren den Beagle-Kanal und landen so in argentinischen und chilenischen Gewässern. Unser Ziel ist die südlichste Spitze Südamerikas: Kap Hoorn. Ein Ort mit Blick auf die Drake-Passage, dem wildesten Gewässern der Welt. Denn hier treffen sich Pazifik und Atlantik. Ein Ort, an dem viele Skipper ihr Leben ließen. Das können wir uns am frühen Morgen genau vorstellen – unsere Zodiacs werden wieder verstaut: zu viel Wind und Dünung machen es an diesem Morgen zu riskant. Trotzdem versuchen wir mit dem Schiff den bestmöglichen Blick auf das Kap zu bekommen. Schade für den Mann, der im Leuchtturm lebt. Er hatte sich bestimmt auf einen Besuch gefreut …

…Lesen Sie weiter in AN BORD.

Mit Picasso in den Pazifik

Es gibt in diesen Tagen Reedereien, die schauen mit gebannter Sorge auf die Werften. Bei der Einhaltung der Ablieferungstermine sind angesichts übervoller Auftragsbücher einige Werften für Kreuzfahrtschiffe gerade am Limit. Nicht so in Ancona, wo die neue SEVEN SEAS SPLENDOR gebaut wird. Frank Behling berichtet.

Am 6. Februar soll der Neubau von Regent Seven Seas Cruises, die SEVEN SEAS SPLENDOR, von Barcelona aus nach Miami zur Jungfernfahrt starten. Der Termin war nie in Gefahr – die Werft hat pünktlich geliefert. Im März 2018 wurde der Bau begonnen und bereits am 15. September war das 224 Meter lange Luxuskreuzfahrtschiff im Hafen von Triest erstmals zu bewundern.

Bei der Termintreue ist die Fincantieri-Werft in Ancona an der Adria bekannt. Das auf kleine und mittelgroße Kreuzfahrtschiffe fokussierte Unternehmen hat mit der SEVEN SEAS SPLENDOR das zweite von drei Schiffen der neuen „Explorer“-Klasse gebaut. 750 Passagiere und 542 Crewmitglieder sollen mit dem eleganten Schiff im Design einer Luxusyacht zukünftig entlang der Küsten Europas, der Karibik und bis in den Pazifik reisen.
Die ersten Ziele sind nach Florida die Karibik, Kalifornien und dann das westliche Mittelmeer. Auf den 14 Decks des Schiffes gibt es dabei nicht nur die klassische Einrichtung, die mit großzügiger Raumgestaltung glänzt.
Das offene Raumkonzept dient vor allem auch der Präsentation der Kunst. Die Reederei hat beim Design des Neubaus fünf Millionen US Dollar in eine kuratierte Kunstsammlung investiert. Diese Sammlung umfasst Werke von 200 Künstlern aus aller Welt. „Die Kunstsammlung ist eine der anspruchsvollsten Sammlungen musealer Kunst des 20. Und 21. Jahrhunderts auf See“, sagt Frank del Rio, Präsident von Norwegian Cruise Line Holding, zu der auch die Luxusmarke Regent Seven Seas Cruises gehört.
Höhepunkte sind dabei die beiden Werke „Le Taureau Noir“ und „Notre Dame de Vie“ von Pablo Picasso, die in der Regent Suite und dem Restaurant „Prime 7“ hängen. In dem Restaurant hängen auch Werke von Eduardo Arranz-Bravo. Weitere Künstler sind Juan Roberto Diago, Wifredo Lam, Joan Miro und Roberto Matta…

… Lesen Sie weiter in AN BORD.

Fotos: enapress.com, Regent Seven Seas Cruises

Brücken, Bouchons und Bouillabaisse

Eine Flusskreuzfahrt durch Südfrankreich klingt verheißungsvoll: Entschleunigung auf dem Sonnendeck, Genussradeln durch die Camargue, alles garniert mit französischer Cuisine und Lebensart. Christofer Knaak war unterwegs mit der AROSA LUNA auf der „Route Classique“ durch Burgund und Provence.

Die Handbreit Wasser unterm Kiel, die Seemänner sich sprichwörtlich einander wünschen, bleibt Kapitän Frederic Touzelet buchstäblich noch zwischen Schiffsrumpf und Schleusenmauern. Wie souverän der Schiffsführer in fünfter Generation immer wieder durch die engen Kammern auf Rhône und Saône manövriert, fasziniert die Passagiere der AROSA LUNA ein ums andere Mal. 25 Schleusen mit bis zu 23 Metern Fallhöhe zählt die 840 Kilometer lange „Route Classique“ von Arosa. Sie führt in acht Tagen von Lyon aus erst auf der kanalisierten Rhône gen Süden in die Provence, dann zurück in die Zwei-Flüsse-Stadt und von dort nordwärts auf der naturbelassenen Saône ins Burgund. Dazwischen liegen etliche Brücken, weshalb das erhöhte Achterdeck mit Swimmingpool und Sonnenliegen häufig gesperrt wird. Das Kopfeinziehen auf dem Vorderdeck amüsiert die Passagiere aber immer wieder.
Mit 153 Gästen ist die Reise ausgebucht – alle Passagiere haben sich für den Premium-Alles-inklusive-Tarif entschieden. Auf dem Sonnendeck sitzend einen „Arosa Spritz“, eine Aperol-Variante mit Rosensirup, bestellen ohne dabei auf den Preis schauen zu müssen – dieses Savoir-Vivre genießen die Gäste bei ihrem Frankreich-Urlaub auf dem Fluss in vollen Zügen.

Und natürlich die Gastronomie insgesamt an Bord, die deutsche Küche und französische Cuisine miteinander kombiniert. Mittags und abends offeriert das Live-Cooking-Buffet Fisch, Fleisch und Gemüsesorten sowie Salate, Suppe und Desserts. Die Auswahl ist ausgezeichnet. Ab und an gibt das Küchenteam an Deck auch regionale Snacks aus, beispielsweise eine provenzalische Bouillabaisse. Die habe schon seit dem Vorabend in der Bordküche gesimmert, was für den hervorragenden Geschmack sorge, schwärmt Hotel-Manager Gerhard Schütz, selbst gelernter Koch.
Als „ein Schmankerl“ bezeichnet der Österreicher ein Dinner in der „Day Lounge“, die tagsüber Teil des Restaurants ist und bei dieser Reise zweimal für exklusive Abendessen in Menü-Form abgetrennt wird. 42 Euro kostet das Dining im Premium- und 69 Euro im Basic-Tarif. Serviert werden auf unserer Reise unter anderem Artischocke mit Bayonne-Schinken, confierter Kabeljau auf Marseiller Gemüse und Lucques-Oliven aus dem Languedoc. Dazu gibt es korrespondierende Weine….

… Lesen Sie weiter in AN BORD.

Fotos: Christofer Knaak, enapress.com

„Costa Smeralda“ – Start in eine neue Ära

Für Stammkunden der Reederei Costa hat der Start in eine neue Ära begonnen. Nach dem Jahrzehnt der glitzernden und gläsernen Schiffbaukunst italienischer Werften, startet das Jahrzehnt der eleganten Funktionalität. Die Costa Smeralda eröffnet diese Ära. Seit Weihnachten ist das neue Flaggschiff für Costa in Dienst. Frank Behling war an Bord.

„Die Costa Smeralda ist das, was ein neues Zeitalter ist“, so Neil Palomba bei der Präsentation des Neubaus am 18. Dezember im Barcelona. Auf den Tag hatte die gesamte Costa-Crew sehnlichst gewartet. Der Bau des Schiffes war auf der Meyer Turku Werft auf der Zielgeraden ins Stocken geraten und erst zwei Monate später als geplant beendet worden.
Das, was die finnischen und deutschen Konstrukteure der Meyer-Gruppe aber geliefert haben, verzückt Palomba. „Wir haben nicht nur irgendein neues Schiff, wir haben hier auch das Schiff mit der besten Nachhaltigkeit“, so der Costa-Präsident.
Der 337 Meter lange und 42 Meter breite Neubau ist ein Schiff der neuen Helios-Klasse der Carnival-Gruppe. Das deutsche Schwesterschiff ist die AIDAnova, die die gleiche Plattform hat. Das bedeutet, die Decks 1 bis 3 mit Maschinenräumen, Lagerräumen und den großen LNG-Tanks sind exakt baugleich.

Oberhalb von Deck 4 beginnt die neue Costa Welt. Und genau die wird Costa-Vielfahrer verzaubern. Die Aufzählung der 15 Restaurants und 17 Bars wäre das Eine. Es ist aber die Anordnung, die Aufteilung der Räume an Bord, die den besonderen Charme ausmacht. Die Architekten rund um Adam Tihany und die Hamburger Partnership Design-Crew haben den Schwerpunkt auf die Entdeckung der Räume gesetzt.
Die Zeiten gigantischer Atrien, großer Theater und langer Promenaden sind vorbei. Wer über die Costa Smeralda geht, der braucht Zeit und Ruhe. „Es ist ein komplett neues Konzept. Der Passagier wird in das Schiff eintauchen und es erkunden“, so Palomba.
Beispiel Außendeck. Mehrere Pools und ein großer Aquapark bestimmen das Zentrum. Von diesem Zentrum aus geht es zu den großen Ruhezonen am Heck und über dem Bug. Die Zahl der Sonnenplätze ist bei der Costa Smeralda so groß wie bei keinem anderen Costa-Schiff. Die Oberdecks-Architektur unterscheidet sich mit den weitläufigen und geschwungenen Brücken und Schrägen auch deutlich von der AIDAnova.
Einen großen Unterschied zum deutschen Schwesterschiff auch auf den Promenadendecks 6 bis 8. Durch den Verzicht auf die unteren Balkonkabinen bietet die Costa Smeralda die Lungomare Riviera – eine um das ganze Schiff verlaufende Promenade. Sie bietet auf Deck 8 auch einen unverbauten Blick nach vorn aufs Meer….

… Lesen Sie weiter in AN BORD.

Fotos: Frank Behling, Costa Kreuzfahrten

Krieg der Sterne auf den Meeren

Ohne sie geht es gar nicht: Die gute Küche an Bord ist einer der Hauptvoraussetzungen für eine gelungene Kreuzfahrt. Michael Wolf trug zusammen, was sich die Reedereien heute so einfallen lassen, um den verschiedensten Geschmäckern gerecht zu werden und die damit einhergehenden Änderungen.

Eisstadien, Mega-Wasserrutschen, Achterbahnen oder Mega-Spas – jedes neue Kreuzfahrtschiff, das auf den Markt kommt, glänzt mit neuen Gadgets.
Was seit jeher ständig zum Programm gehört, ist die (gute) Gastronomie, ohne die eine Kreuzfahrt nicht vorstellbar ist.
Sie ist heute komplett reloaded, erfährt eine Renaissance in tausend Varianten. Im Hintergrund lassen die Reedereien ihre Gourmet-Berater und Meisterköche schon die Messer wetzen, um auf den großen kulinarischen Kampf vorbereitet zu sein: Natürlich den Kampf um den Kunden.
Vorhang auf für den Showdown der Innovationen, der neuen Ideen, der neuen Küche auf See und auf den Flüssen.

Hilfreich wie immer: Die Liebe zum Schiff geht vor allem durch den Magen. Deswegen überbieten sich die Reedereien mit exklusiven Restaurants, bekannten Sterneköchen, neuen Programmen oder Kreuzfahrten im Zeichen eines bestimmten Themas (Schokolade, Wein, regionale Küche).
Schon bei der ersten „echten“ Kreuzfahrt der Welt, organisiert vom legendären Reeder Albert Ballin auf der Augusta Victoria 1891, wurde unglaublich aufgetischt: Kaviar satt, Champagner und Austern gehörten zum kulinarischen Standardprogramm.
Aber auch später war in der klassischen Kreuzfahrt der Tag gastronomisch eng durchorganisiert. Early Bird Frühstück für die Frühaufsteher, großes Frühstück à la carte im Restaurant oder am Buffet, 11:00 Uhr die legendäre Bouillon, meist am Pool, die bis zum Mittagessen reichen musste. Nachmittags wurde ein Sandwich- und Kuchensortiment offeriert, oft verbunden mit einer englisch-inspirierten Tea time. Kleine Häppchen zum Aperitif läuteten später das Dinner ein.

Im Restaurant gab es feste Tischzeiten, oft in zwei verschiedenen Sitzungen. So konnte es schon mal vorkommen, dass die Kunden der zweiten Essenszeit sich anschließend beeilen mussten, um noch ein Foto des meist verschwenderisch aufgebauten wöchentlichen Mitternachtsbuffets mit seinen Eisfiguren und Hummerdekorationen zu machen. Und danach gab es natürlich noch auf den besten Schiffen den Room-Service für den kleinen Hunger in der Nacht.
Da hat sich bis heute einiges geändert: Freie Tischwahl, essen mit wem man möchte und zu verschiedenen Zeiten – das sind nur einige der Neuerungen. Auch auf die Mitternachtsbuffets haben die meisten Reedereien jetzt verzichtet – sie finden auf vielen Schiffen allerdings noch als Galabuffet statt, das dann ein Mittagessen oder Dinner ersetzt.
Die kulinarische Vielfalt ist nach wie vor noch eines der wichtigsten Standbeine im Kreuzfahrtgeschäft. Fast alle größeren Schiffe bieten mehrere Essens-Optionen und sprechen auch die unterschiedlichsten Gewohnheiten an. Von vegan, vegetarisch, glutenfrei bis zu den religionsbedingten Vorschriften wie Kosher oder Halal-Küche ist fast alles in der Küche parat. Auf der Vasco da Gama (TransOcean) fand im Sommer zum zweiten Mal eine Kreuzfahrt statt, auf der ausschließlich vegan gekocht wurde, auch auf Flusskreuzfahrtschiffen wird dies bisweilen praktiziert…..

Fotos: enapress.com

Ausgabe 6- 2019

Königin des Irrawaddy

Nach einem Vierteljahrhundert Wartezeit wurden die historischen Stätten von Bagan zum Weltkulturerbe erklärt. Mit der Anawrahta ist ein luxuriöses Schiff auf dem Irrawaddy erfolgreich in den Markt getreten. Die Reise führt hinauf bis nach Katha, jener historisch wichtigen Stadt, in der George Orwell seine Entscheidung fasst, Schriftsteller zu werden. Frank Dieter Sistenich berichtet.

Seit diesem Sommer ist es nun amtlich. Groß war der Jubel im ganzen Land, als im Sommer 2019 die UNESCO auf ihrer Jahrestagung in Baku die Entscheidung verkündete, dem Antrag der Regierung von Myanmar stattzugeben und Bagan mit in die Liste der Weltkulturerbestätten aufzunehmen. Seit dem Jahr 1995 lag dieser Antrag der Behörde vor und viele Prämissen im Sinne einer historisch gerechten Konservierung mussten über die Zeit erst erfüllt werden, bevor eine Zustimmung erfolgen konnte.
Über die letzten Jahre seit der touristischen Öffnung des Landes im Jahre 2012 sind zunehmend Schiffe auf dem Irrawaddy (und dem Chindwin, seinem Nebenfluss) unterwegs, zumeist im Vier- oder Fünf-Sterne-Segment. Mit der Anawrahta kam nun ein Schiff im Fünf-Sterne-Plus-Segment auf den Markt, das gewiss die Riege aller Flusskreuzfahrtschiffe vor Ort mit anführt. Der Grund hierfür ist in der Ausstattung des Schiffes und in seiner Größe zu sehen. Grundsätzlich ist es für Flusskreuzfahrtschiffe immer ein Vorteil, über Balkone bzw. Loggien zu verfügen. Die Ufer sind in Sichtweite und es gibt in kulturhistorisch interessanten Gebieten wie dem Flusslauf des Irrawaddy sehr viel zu sehen und zu erleben. Zudem gehören bereits die Standardkabinen des Schiffes mit 34 Quadratmetern zu den größten aller hier kreuzenden Schiffe. Die Balkone der Kabinen umfassen 6 Quadratmeter und sind alle mit Tischen, Sesseln oder Liegen ausgestattet.

Das Schiff ist benannt nach dem Gründer des Landes im 11. Jahrhundert. König Anawrahta baute die ersten und größten Pagoden von Bagan, wählte hier seine Hauptstadt und führte den Buddhismus ein. Die opulente Einrichtung des Schiffes ist eine Reminiszenz an die große Vergangenheit einschließlich der britischen Kolonialzeit. Die 23 sehr großzügig geschnittenen Kabinen sind über alle Decks verteilt, zwei Executive Suiten sind mit 56 Quadratmetern bemessen (plus 16 Quadratmeter Veranda), die beiden Royal Suiten verfügen gar über 86 Quadratmeter und einen Jacuzzi auf der anliegenden 29 Quadratmeter großen Veranda.

Alternative Routen auf dem Fluss der Könige
Für all jene mit knappem Zeitbudget ist eine Reise zu den Tempeln und Pagoden des Weltkulturerbes von Bagan empfohlen. Die Reisestrecke zwischen Bagan und Mandalay zählt zu den attraktivsten in ganz Südostasien. Allen voran der berühmte Ananda Tempel, der jüngst mit Hilfe von Spenden der indischen Regierung renoviert werden konnte. Unzählig sind die hier zu besichtigenden Monumente und ein jedes erzählt seine eigene Geschichte. Für jene, die etwas mehr Reisezeit kalkulieren können, ist der Weg stromaufwärts bis nach Katha und auf die Höhe der großen Schluchten zu empfehlen. Die Landschaft hier im nördlichsten Teil des noch beschiffbaren Flusses gleicht in etwa dem Mittelrheintal mit der Loreley, auch dies eine Weltkulturerbestätte. Acht Tage braucht die Anawrahta von Mandalay bis hinaus nach Katha und wieder zurück. Für diese längere Route ist Einschiffung in Mandalay, hier residierte bis zum Sieg der Engländer über Oberbirma im Jahre 1885 der letzte König (König Thibaw Min). Die meisten Gäste sind bereits einige Tage zuvor angereist, um auch die Sehenswürdigkeiten Mandalays in Ruhe besichtigen zu können, u.a. den Königspalast oder den Mahamuni Buddha Temple, nach der Shwedagon Pagode in Yangon (Rangun) das bedeutendste Sakralbauwerk des Landes….

Fotos: Heritage Line, enapess.com