Kategorie: Allgemein

Ausgabe 05-2019

Für Sie auf anbord.de:

Auszüge aus den Artikeln der neuen Ausgabe.
Die vollständigen Artikel und weitere spannende Beiträge finden Sie – wie gewohnt – in der neuen Printausgabe von AN BORD bei Ihrem Zeitschriftenhändler oder hier:
AN BORD bestellen

Abenteuer Franz-Josef-Land

Renate Scheiper reiste mit der SEA SPIRIT zu den Eisbären, Walrossen und Seevögeln im Fanz-Josef-Land. Eine Reise mit Zodiac-Touren, Polar-Plunge, viel Geschichte und Abenteuer-Charakter.

Mit vereinten Kräften ziehen Expeditionsleiter Ryan aus England und Historiker Andreas aus Deutschland das Zodiac im seichten Wasser über die Kiesel. Es ist die erste Anlandung der Gäste des komfortablen Expeditionsschiffes Sea Spirit in Franz-Josef-Land. Drei weitere der insgesamt elf Zodiacs sind bereits unterwegs in die Geographers Bucht der Prinz Georg Insel. Plötzlich kommt ein Anruf von der Brücke: „Anlandung sofort abbrechen. Ein Eisbär ist unterwegs!“ Oh ja – da steht er hoch oben am Abhang eines Schneefeldes. Wir sind begeistert, auch wenn nun alle Zodiacs zurück müssen zum Schiff. Zwei Männer der russischen Eisbärpatrouille, welche die Sea Spirit begleiten und jeweils vor den Passagieren an Land gehen, hatten ihn entdeckt. Jetzt ist klar, weshalb am Vortag die fünf mit Gewehren ausgestatteten Russen nebst zwei Wissenschaftlern zustiegen, als die Sea Spirit nach zwei Seetagen, von Longyearbyen auf Spitzbergen kommend, auf Alexandra Land in russisches Gewässer einklarierte.
Das war der Erste unseres täglichen Eisbären. Die gescheiterte Anlandung wird nachmittags in einer anderen Bucht ersetzt durch eine Zodiac-Fahrt entlang gigantischer Gletscherfronten. Walrossfamilien schwimmen auf Eisschollen vorbei, teilweise so gequetscht, dass mancher Po halb im Wasser hängt. Doch sie scheinen sich wohl zu fühlen, räkeln sich, gähnen, wedeln mit den Flossen.

Gourmet-Dinner und Naturspektakel
Täglich informieren die vierzehn internationalen Lektoren durch Vorträge und Filme (auf Englisch, von Andreas simultan übersetzt) über Inseln, Tiere, Vegetation und die spannende Geschichte der Entdeckung von Franz-Josef-Land durch die österreichisch-ungarische Expedition 1872 – 1874 mit dem Segelschiff Admiral Tegetthoff, die den Archipel nach ihrem Kaiser „Franz-Josef“ benannte. Der ukrainische Kapitän Oleg bedauert, dass wir wegen des starken Eises Kap Tegetthoff nicht anlaufen können, wo das Schiff der Expedition damals vom Eis eingeschlossen wurde. Das soll uns besser nicht passieren. Dafür dröhnen Lachsalven durch die Oceanus Lounge, als er persönlich jeden seiner Offiziere vorstellt mit witzigen Einfällen. Zudem begeistert er alle 92 Passagiere aus 15 Ländern durch seine Politik der „offenen Brücke“, die manchmal regelrecht belagert ist. …

Fotos: Renate Scheiper, Sergey Gorshkov, Poseidon Expeditions, Dietmar Denger

Taufe in Türkis

Sie lagen in Bremerhaven nur einen Steinwurf voneinander entfernt: die Amera bei ihrer Taufe und die Albatros im Werftdock für Arbeiten. Sie sind Schwesterschiffe und fahren jetzt beide für Phoenix. Michael Wolf berichtet.

Es war eine Taufe, wie man sie von Phoenix Reisen kennt: Familiär, feierlich, ohne großen Pomp und Feuerwerk. Fast 1000 Gäste waren zu diesem Event gekommen, von denen 800 anschließend auf Taufreise nach Norwegen auf dem voll ausgebuchten Schiff gingen.
Zuvor war das Schiff in der Hamburger Werft Blohm + Voss einer 40 Millionen Euro teuren Renovierung unterzogen worden, bei der alle Kabinen und die Restaurants und Bars erneuert wurden. Mit dem ehemaligen Casino wurde ein Loungebereich vergrößert, der mittige Pool der Amera dient nun als Eventfläche für Veranstaltungen mit großem LED-Außenscreen und eigener Bühne. Der Heckpool in der Nähe des Spabereiches blieb erhalten. Und natürlich gibt es jetzt den Phoenix-typischen Außenlook mit dem Schornstein und der Bauchbinde in Türkis. Bis zu 1500 Werftmitarbeiter arbeiteten an dieser Schönheitskur, auch am Tauftag werkelten noch etliche von ihnen auf dem Schiff. Bei dieser Größenordnung von Renovierung nicht ungewöhnlich, auch die Crew beteiligte sich intensiv an den Arbeiten und der Endreinigung. Über die Geschichte des ungewöhnlichen Schiffes mit seinen schönen Deckflächen hatte „an Bord“ bereits ausführlich in der letzten Ausgabe berichtet. Das Hoteldepartment liegt wieder in den bewährten Händen von seachefs.

Zur Taufe bei schönstem Sonnenschein am Columbus Cruise Center stand natürlich das bordeigene Kreuzfahrt- und Entertainmentteam Spalier, ein Shanty Chor, die „Hamburger Perlen“, drei Sängerinnen und eine Feuershow mit Akrobaten unterhielt die Gäste vor der Zeremonie. Dem bordeigenen Team der philippinischen Stewards gelang es in der Zwischenzeit, das Phoenix-Logo mit grünen und gelben Cocktailflaschen nachzubauen.
Bremerhavens Bürgermeister Melf Grantz überreichte die Plakette für den Erstanlauf der Amera in seiner Stadt und das gesamte Phoenix-Führungsteam mit Johannes Zurnieden, Benjamin Krumpen und Jörg Kramer zeigte sich auf der Bühne mit Kapitän Jens Thorn, sein Kollege Morten Hansen, bundesweit bekannt aus der TV-Serie „Verrückt nach Meer“, hatte zuvor schon mit dem Shanty Chor geübt. Als Überraschungsgast war auch der Chef der Meyer Werft-Gruppe, Bernard Meyer mit seiner Frau präsent, natürlich Anlass für Überlegungen von Insidern, ob nicht doch ein Neubau von Phoenix in dieser Werft geplant sei. Der Direktor Schiffsreisen, Michael Schulze, konnte dann nach einem historischen Rückblick den eigentlichen Star des Tages ansagen: Taufpatin Petra Kaiser. Sie kam, wie bei Phoenix üblich, aus den eigenen Reihen. Als langjährige Mitarbeiterin war sie die rechte Hand von Firmengründer Johannes Zurnieden und absolvierte den Taufspruch und den Flaschenwurf mit Bravour.

Passend zum Event übrigens die Cocktails des Tages: „Royal Viking Sun“ (Vodka, Apricot Brandy, Grenadine, Maracujasaft und Zitronensaft und der unalkoholische „Prinsendam“ (Kokosnusscreme, Ananassaft, Grenadine, Orangensaft, Grapefruit-, Orangen- und Maracujasaft), die ehemaligen Namen der Amera. Und passend zur Phoenix-Philosophie die preiswerten Kosten: 3,70 Euro bzw. 2,50 Euro.

Fotos: enapress.com

Wo das Feuer hinzeigt

Wer glaubt, dass die digitale Epoche sämtliche Leuchttürme abschaltet, irrt. Viele sind viel zu großartig, um übersehen zu werden. Roland Mischke hat seine schönsten ausgesucht.

Es begann mit den Leuchtfeuern bereits vor langer Zeit. Sie sollten Schiffen den richtigen Weg signalisieren. Eines der ersten als Turm gebautes Leuchtfeuer stand in der Antike in der berühmten ägyptischen Hafenstadt Alexandria. Von Sklaven errichtet auf der Insel Pharos, weshalb der Begriff für den Leuchtturm im Französischen „phare“ heißt, im Portugiesischen „pharol“ und im Spanischen „faro“. Der Turm von Alexandria war weithin zu sehen, er hatte bereits eine Feuerhöhe von fast 100 Metern. Ein antikes Weltwunder.
Leuchttürme sind als Motiv der Populärkultur auf Millionen Postkarten verbreitet. Sie gelten als ein herausragendes Sujet der maritimen Romantik, sind inzwischen Museen, exklusive Hotels oder gar Standesämter. Manche sind aus dem Verkehr genommen, aber längst nicht alle. Allein an deutschen Küsten von Nord- und Ostsee werden noch rund 90 Leuchtfeuer betrieben.

Cape Byron Lighthouse

Westerheversand
Der 40 Meter hohe, schlanke Leuchtturm mit neun Etagen ist das Wahrzeichen der Halbinsel Eiderstedt in Schleswig-Holstein an der Nordsee. Er wurde 1908 auf einem Betonsockel erbaut und gilt als bekanntester deutscher Leuchtturm. Zuvor hatte man dem rotweiß geringelten Gebäude eine eigene Warft aufgeschüttet, einen Hügel im Wattenmeer. 127 massive Eichenpfähle wurden in den weichen Boden gerammt, um ein Gewicht von 130 Tonnen zu tragen. Hinter dem Backstein wurde in eine Hohlkammer Stahlbeton eingefügt. Besucher dürfen sich zwischen Ostern und Ende Oktober anmelden, um die 157 schmalen Stufen zu erklimmen, dorthin laufen sie 2,5 Kilometer durch die Salzwiesen.
Der Hausmeister Hans Günther wurde auch als Poet HaGü bekannt, er bietet literarische Wattwanderungen an. In Stockwerk vier des Turms gibt es ein Hochzeitszimmer für Heiratswillige, doch mehr als elf Personen dürfen sich nicht gleichzeitig im Gebäude aufhalten. 50 Kilometer weit über die Ostsee strahlt der Leuchtturm seit 110 Jahren.

Cape Hatteras Lighthouse

Neuer Leuchtturm in Lindau
Der einzige Leuchtturm am Bodensee steht in Lindau, das zum Freistaat Bayern gehört. Auf einem 24 Meter breiten Sockel reckt er sich seit 1856 33 Meter empor. Seine Besonderheit ist eine Uhr in der Fassade, damit am Ende der Westmole an der Hafeneinfahrt jeder weiß, welche Stunde es geschlagen hat. Zuvor stand dort bereits seit 1230 ein Leuchtfeuer im Mangturm, den der Neue Leuchtturm ersetzte. Ihm gegenüber hockt der Bayerische Löwe auf seinem Sockel, das Ensemble flankiert die Hafeneinfahrt.
Bis 1936 hatten Leuchtfeuerwärter das Ölfeuer in Gang zu halten, die Flammen stiegen aus großen Pfannen empor. Das Nebelhorn wurde über einen Blasebalg betätigt. Inzwischen wird der Turm elektrisch betrieben, seit den 1990er Jahren vollständig automatisiert. Das Feuer wird bei Bedarf von Schiffen aus per Funkt aktiviert und funktioniert als Blitzfeuer, das alle drei Sekunden durch drehbare Parabolscheinwerfer aufflackert. Der Leuchtturm kann von Interessenten über eine Holzwendeltreppe bestiegen werden, im Innern ist die Geschichte der Bodenschifffahrt dokumentiert.

Eldred Rock Lighthouse, Skagway, Alaska, USA

Roter Sand
Der Leuchtturm in der Deutschen Bucht ist 28 Meter hoch und sehr beliebt. 1885 wurde das erste auf dem Meeresgrund aufgestemmte Bauwerk auf halbem Weg zwischen Bremerhaven und Helgoland errichtet. Der Offshore-Bau war eine Sensation des Ingenieurswesens, das seit mehr als 130 Jahren Wellen, Stürmen und Gezeiten trotzt. Von Menschenhand auf offener See in einer Untiefe aus Treibsand verankert. Das Herablassen des riesigen eisernen Senkkastens gilt bis heute als technische Pioniertat. Angeblich gibt es auf Matrosenarmen keine häufiger gewählte Tätowierung als die des Roten Sandes. Der Leuchtturm war für Millionen Auswanderer das letzte Gebäude, das sie sahen – danach sichteten sie die New Yorker Freiheitsstatue.
Der rotweiß gestreifte Turm mit seinen drei neugotischen Erkern weckt Emotionen. Als er 1964 außer Dienst gestellt wurde verhinderten Proteste der Küstenbewohner seinen geplanten Abriss. 1987 erhielt er Denkmalschutz, das verrottete Fundament wurde überstülpt mit einer 110 Tonnen schweren Stahlmanschette. Die Innenräume sind restauriert und originalgetreu eingerichtet. Ein Veteran als markantes Bild.

Huisduinen
Der zweithöchste Leuchtturm der Niederlande steht in Nordholland bei Den Helder, er ist der höchste gusseiserne Turm Europas in sechzehneckiger Grundform. Er wiegt 506 100 Kilo, die Gusseisenplatten sind miteinander verschraubt. Der Entwurf stammt von Quirinus Harder. Der „Lange Jaap“, wie Holländer ihn nennen, steht seit 1988 unter Denkmalschutz. Fertiggestellt wurde der 56 Meter hohe Turm 1878, anfangs mit Öllampen betrieben, später mit Spiegeln in einem Linsensystem. Das Leuchtfeuer ist 30 Kilometer weit zu sehen. Im ehemaligen Küstenwacheturm können sich Touristen einmieten…..

Fotos: Jan Miko/shutterstock.com, Niall_Majury/istockphoto.com, Richard Vandewalle/shutterstock.com, wbritten/istockphoto.com, enapress.com

„Greg Mortimer“ nach Übergabe getauft

Es ist nicht nur der erste in China für den Export-Markt fertiggestellte Neubau eines Kreuzfahrtschiffes und Typschiff einer geplanten Zehner-Serie des Infinity-Typs CX-103, sondern auch das erste mit dem patentierten X-Bow von Ulstein ausgestattete Kreuzfahrtschiff der Welt: Das vertragskonform am 29. August von der zur China Merchant Heavy Industry (CMHI) gehörenden Haimen-Werft in Jiangsu an die in Miami ansässige und von dem Dänen Niels-Erik Lund geführte Reederei Sun Stone Ships Inc. abgelieferte Expeditionskreuzfahrtschiff Greg Mortimer ist am Donnerstag (5.9.2019) in seine Langzeitcharter bei dem australischen Expeditionsreisen-Veranstalter Aurora Expeditions angeliefert und einen Tag später, am Freitag (6.9.2019), am Ausrüstungskai seiner Bauwerft getauft worden. Als Taufpatin fungierte Margaret Mortimer, die Ehefrau des 1952 geborenen Namensgebers Greg Mortimer, der nicht nur 1984 als erster Australier den Mount Everest ohne Sauerstoffmaske bezwungen hatte, sondern 1991 auch Aurora-Expeditions gegründet hat. Am kommenden Freitag soll der Täufling die Werft verlassen und Kurs auf Ushuaia nehmen, wo am 30. Oktober die Jungfernreise, eine 12-tägige Antarktis-Rundreise, beginnt.

Der im Juni 2018 als erstes Kreuzfahrtschiff mit der höchsten Eisklasse 1A bzw. PC6 in China auf Kiel gelegte, am 12. März dieses Jahres zu Wasser gebrachte und jetzt unter Bahamas-Flagge in Fahrt gekommene Neubau (IMO-Nr. 9834648) wird von Aurora Expeditions von November d.J. bis März 2020 zunächst in der Antarktis eingesetzt. Schon bei der Unterzeichnung des Chartervertrages für den rd. 65 Mio. US-Dollar teuren Neubau hatte sich Aurora-Chef Halfpenny die Optionen zur Eincharterung von drei weiteren Einheiten gesichert, von denen er inzwischen mit der im September 2022 als fünftes Schiff in Fahrt kommenden Ocean Discoverer die erste Option genutzt hat. Als zweites Schiff kommt im Oktober 2020 die Ocean Victory in Fahrt, für die am 12. März dieses Jahres der Brennstart erfolgt ist. Sie wird zunächst von dem dänischen Veranstalter Albatros Expeditions in der Antarktis und in den Sommermonaten von dem US-Veranstalter American Steamboat Company in Alaska eingesetzt. Das dritte Schiff der Serie, die im Januar 2021 zu liefernde Ocean Explorer, sicherte sich die zur 1983 gegründeten Vantage DeLuxe World Travel gehörende amerikanische Reederei Vantage Cruise Line, die den Neubau langfristig in Ostasien, dem Mittelmeerraum und Skandinavien einsetzen will. Das vierte Schiff kommt im März 2022 als Ocean Odyssey in Fahrt, während die als Ocean Albatros im Oktober 2022 folgende sechste Einheit vom Albatros Expeditions – als zweites Charterschiff neben der Ocean Victory – für den Einsatz in der Arktis und Antarktis in Langzeit-Charter genommen wird. Das siebte Schiff der Serie wurde am 29. Mai mit der Vertragsunterzeichnung in Hongkong zur Lieferung im September 2021 fest bestellt, nachdem auch hierfür ein Langzeitcharterer gefunden werden konnte. Damit sind alle sieben von SunStone getätigten Festbestellungen durch Charterverträge unterlegt, die übrigen drei Optionen sollen bis Jahresende in Festaufträge zur Lieferung bis 2023 umgewandelt werden.

Der von der norwegischen Firma Ulstein Design & Solution in Kooperation mit SunStone entwickelte Infinity-Typ CX103 zeichnet sich u.a. durch seine ungewöhnliche Vorschiffsgestaltung, den bei Offshore-Schiffen bewährten und nun mehr erstmals auf einem Kreuzfahrtschiff realisierten Ulstein-X-Bow aus, der für gute See-Eigenschaften auch unter rauesten Bedingungen sorgen soll. Die 104,4 m langen, 18,4 m breiten und 5,1 m tiefgehenden Expeditionsschiffe mit einer Vermessung von 7892 BRZ mit höchster Eisklasse 1A bzw. PC6 und Safe Return to Port (SrtP) Auslegung – werden nach den Vorschriften und unter Aufsicht der französischen Klassifikationsgesellschaft Bureau Veritas gebaut. Die norwegische Ulstein-Gruppe liefert neben dem Design nicht nur die Ausrüstungspakete für die Neubauten, sondern übernimmt auch die Bauaufsicht für die Serie. Die 15,5 kn schnellen Neubauten werden bis zu 95, zu 80 Prozent mit Balkonen ausgestattete, Suiten und Kabinen für 130 bis 200 Passagiere aufweisen. Das für 120 bis 160 Gäste sowie 74 Crew-Mitglieder ausgelegte Typschiff verfügt auf vier seiner zehn Decks über 80 Kabinen bzw. Suiten. Darüber verfügen die Schiffe über eine 180-Grad-Panorama-Lounge auf Deck 8, Jacuzzi, Boutique und auf beiden Seiten jeweils zwei Seitenpforten nahe der Wasserlinie für die bordeigenen Zodiac-Schlauchboote sowie eine für unterschiedliche Wassersportaktivitäten nutzbare Marina am Heck und zwei hydraulisch ausklappbare Aussichtsplattformen in der Außenhaut des Vorschiffes auf Deck 5. Die Innenausstattung wird von Mäkinen geliefert, für das Innendesign zeichnet Tomas Tillberg Design International verantwortlich. Die vier mit HFO betriebenen Hauptmotoren und Abgasreinigungsanlagen – 2 x 6 Zyl. und 2 x 8 Zyl-Motoren der L20-Baureihe – der dieselelektrischen Maschinenanlage wurden vom Wärtsilä zugeliefert. Zur Ausrüstung des Schiffes gehören u.a. auch eine dynamische Positionierungs-Anlage und Zero-Speed-Stabilisatoren. JPM

Quelle: Jens Meyer

Ice Cold Cruising

Eine schneeweiße Decke bis zum Horizont, an den Küsten zerfetzt, das ist Grönland. Die größte Insel der Welt – zwei Millionen Quadratkilometer Fläche, so groß wie Westeuropa. Grönland mit einer kleinen Fähre entdecken macht Sinn, stellten Kiki Baron (Text) und Paul Spierenburg (Fotos) fest.

Die erste Begegnung mit arktischer Kultur verblüfft. Denn beim Blättern im Bordbuch von Air Greenland stechen Bandnudeln aus Buchstaben ins Auge. Worte so lang, dass nur zwei in die Zeile passen. Reiht man murmelnd die hundert Silben eines dreizeiligen Satzes aneinander, ergibt das Schnappatmung. Atemberaubend auch der Blick aus dem Flugzeugfenster. Weiß und noch mal weiß, ein paar knallblaue Rinnsale darin und schwarze Aschestreifen. Wieso eigentlich Grönland? Kein Grün zu sehen. Kalaallitnunaat, „Land der Menschen“ heißt die Insel in der Landessprache. Grønland auf Dänisch. Namensgeber war um das Jahr 982 Wikinger Erik der Rote. Er landete am südlichen Zipfel, wo offensichtlich Gras wuchs. Seit 1. Mai 1979 autarke „Nation innerhalb Dänemarks“, erhielt Grönland 2009 eine Selbstverwaltungsordnung. Ein Schritt zur Unabhängigkeit vom Königreich. Auf diese Weise wurde die Übernahme von Eigentumsrechten an immensen Bodenschätzen gewährleistet. So könnte sich in Zukunft aus dem finanzschwachen Staat eine der reichsten Regionen auf unserem Planeten entwickeln. Denn unter dem schmelzenden Eis schlummern Öl, Gas und Uran sowie Seltene Erden. Wird Grönland also ein Gewinner des Klimawandels sein?

Foto: Paul Spierenburg

Eine Reise in diese Polarregion ist schon etwas ganz Besonderes. Immerhin begibt man sich, wenn daheim endlich die Grillsaison läuft, freiwillig in Eiseskälte. Zudem sind die Möglichkeiten der Fortbewegung mehr als spärlich. Außerhalb der wenigen Dörfer gibt es so gut wie keine Straßen. Auch Unterkünfte sind rar gesät. Auf bequeme Art und Weise lässt sich Grönland eigentlich nur auf einer Kreuzfahrt erleben. Wir haben allerdings noch eine weitere Lösung gefunden, bei der man freilich auf internationalen Luxus verzichten muss: Ein 6-tägige Kombination von Flug-, Schiffs – und Landprogramm. Für Passagen entlang der Westküste ist MS Sarfaq Ittuk die ideale Fähre. Sie verkehrt im siebentägigen Takt zwischen Hauptstadt Nuuk und Illullissat an der Disko Bay. Auf der knapp 400 Meilenstrecke läuft das Küstenschiff kleine Häfen wie Katuaq und Sisimut an. Es macht lange genug an der Pier fest, um die Dörflein per pedes zu erkunden und hautnah am Leben der Grönland-Inuits zu schnuppern.
Das Flugzeug aus Kopenhagen landet in Kangerlussuaq, nicht viel mehr als ein zusammengewürfeltes Konglomerat von rostbraunen Barracken. Kurz vorm Aufsetzen entdecken wir, warum die Wikinger von grünem Land sprachen. Jetzt, am Ende des kurzen Sommers, leuchtet es sogar in roten und gelben Herbstfarben. Wollgras, Heide und arktische Weidenröschen blühen. Kangerlussuaq ist die einzige Siedlung an der Westküste, von der aus man im Geländewagen zum Eispanzer holpern kann. Überlandstraßen gibt es in dieser Region sonst keine. Die 60 Kilometer-Tour ist zudem einzige Gelegenheit Tiere auf freier Wildbahn zu beobachten. Man könnte sogar meinen, die Viecher stellen sich extra in stolze Pose. Jedenfalls solange sie unser Vehikel noch nicht gewittert haben. Kaum die Auspuffgase in der Nase und Motorblubbern im Ohr ergreift die achtköpfige Herde kolossaler Moschusochsen (warum eigentlich Ochsen?) unter wallenden Zotteln die Flucht. Und auch Rentiere stieben mit merkwürdig gespreizten Hinterbeinen hinter bunt bemoosten Felsen. Kein Wunder, beide Arten stehen neben Meeresgetier auf dem Speisezettel der Einheimischen.

Foto: Paul Spierenburg

Nun denkt man bei Grönland erst mal an kalbende Gletscher, Eisberge und Eisbären. Wem käme schon kreative Gourmetkost in den Sinn wie man sie vielleicht aus Kopenhagens Spitzenküchen kennt. Umso erstaunlicher, wenn genau das auf den Tisch kommt. Im „Sarfalik“ nämlich, Toprestaurant in der Hauptstadt Nuuk. Das 7-Gänge Menü ist sternwürdig. Nicht nur des Hummers wegen, der vor wenigen Stunden noch in eiskalten Polargewässern herumkrebste. Happen von Seesaibling, Heilbutt oder Makrele, alles frisch aus dem Fjord, gruppieren sich mit heimischen Wildkräutern und Blüten penibel arrangiert auf den Tellern. Anschließend eine Scheibe auf den Punkt gegartes Filet. So delikat schmeckt also Moschusochse. Die Abfahrt der Sarfaq Ittuk sollten wir allerdings nicht verpassen, sie legt nur einmal pro Woche um 21.00 Uhr ab….

Fotos: Paul Spierenburg

Flusskreuzfahrt mit Rollstuhl

Nach einer jahrelangen Planungsphase stellt Phoenix Reisen im Juni 2019 das als Herzensprojekt angekündigte Flusskreuzfahrtschiff MS Viola in Dienst. Johannes Zurnieden, Gründer des Bonner Kreuzfahrtveranstalters Phoenix Reisen, realisiert damit einen großen Traum. Gästen denen es aufgrund ihrer körperlichen Konstitution nicht ganz so einfach ist auf Reisen zu gehen, steht in 34 barrierefreien Kabinen ein bedarfsgerechter Komfort zur Verfügung. Oliver Asmussen berichtet.

Bei herrlichem Sommerwetter wurde die 96,30 Meter lange, 11,4 Meter breite und 1996 als J. Henry Dunant für das niederländische Rote Kreuz gebaute MS Viola am Bonner Rheinufer getauft. Taufpatin war die bekannte Paralympics-Goldmedaillengewinnerin Annika Zeyen. Bevor das auf maximal 122 Passagiere ausgelegte Flusskreuzfahrtschiff unter seinem neuen Namen bei Phoenix Reisen zur Jungfernreise aufgebrochen ist, wurde es im Winter auf einer niederländischen Werft komplett entkernt und völlig neu aufgebaut. Erneuert wurden dabei nicht nur das gesamte Mobiliar, die Matratzen in den Kabinen und alle Wandverkleidungen, sondern auch die dahinter liegenden Rohrleitungen, Wassertanks, Klimaanlagen und Kabelverbindungen.

Insgesamt stehen 60 Kabinen auf zwei Kabinendecks an Bord zur Verfügung. Die Größe der 34 barrierefreien Kabinen variiert zwischen 15-17 Quadratmeter. Die Bäder in diesen Kabinen bieten höhenverstellbare Waschbecken, welche mit dem Rollstuhl unterfahren werden können. Die Zugänge zu den Duschen innerhalb der Bäder sind ebenfalls barrierefrei. Einige Kabinen teilen sich ein Bad mit der Nachbarkabine. Es stehen auf dem Unterdeck Zweibett-Kabinen der Kategorie A und B mit einer Größe von ca. 10 Quadratmeter zur Verfügung. Die Kabinen auf dem Unterdeck sind in erster Linie Reisenden vorbehalten, die sich ohne Rollstuhl fortbewegen können. Auf dem Unterdeck steht eine begrenzte Anzahl an Einzelkabinen der Kategorie E für Alleinreisende bereit.

Willkommen an Bord
Die komplett renovierte Viola beeindruckt gleich nach dem Durchschreiten der großen Glastüren mit einem herausragenden Raumgefühl. Das Foyer zeigt sich in zurückhaltend dezent, in ansprechendem Farbdesign. An Bord der Viola sind keine Teppiche verlegt. Der Kunststoff-Bodenbelag im Restaurant und in der Lounge ist täuschend echt dem eines Teppichs nachempfunden.
Die Rezeption der Viola kann in einem Bereich mit dem Rollstuhl unterfahren werden.
Ein großer Treppenabgang verbindet alle drei Decks miteinander. Gleich zwei große Fahrstühle sorgen für einen reibungslosen Transport der Rollstuhlfahrer zwischen den Decks. Einer davon führt bis auf das Sonnendeck hinauf, was eine große Besonderheit auf einem Flusskreuzfahrtschiff darstellt.
Im direkten Vergleich zu anderen Flusskreuzfahrtschiffen sind auf der Viola alle wichtigen, öffentlichen Bereiche auf einem einzigen Deck platziert. Ein umständlicher und mühevoller Deckwechsel zwischen der Panoramalounge und dem Restaurant an Bord entfällt auf der Viola.
Das Panorama-Restaurant überzeugt nicht nur durch eine Kombination aus wunderbarer Wohlfühlatmosphäre und Eleganz, sondern auch durch Helligkeit und freier Aussicht auf die vorbeiziehende Flusslandschaft. Von nahezu allen Plätzen aus ist ein guter bis sehr guter Blick durch die großen Panoramafenster möglich. Auch Reisende, die sich nicht mit dem Rollstuhl fortbewegen, kommen in den Genuss dieses üppigen Raumgefühls. Gespeist wird in einer einzigen, offenen Tischzeit an fest reservierten Tischen. Nach Absprache werden Gerichte für spezielle Diäten gereicht (Diabetiker, Glutenfrei, Laktosefrei usw.). Als besonderes Highlight ist das Kapitäns-Dinner zu nennen (keine Abendgarderobe Pflicht).
Zwischen Foyer und Restaurant befindet sich ein Frisör, selbstverständlich ebenfalls barrierefrei. Am Eingang zum Restaurant können die Reisenden in einer kleinen Lounge verweilen….

Fotos: Oliver Asmussen/www.oceanliner-pictures.com

Das neue Flaggschiff der Seefahrtsschulen auf den Philippinen

Der Bedarf an gutem Personal wächst bei den Kreuzfahrtreedereien von Jahr zu Jahr. Da die Zahlen beim Seemanns-Nachwuchs in Deutschland auf Talfahrt sind, übernehmen große Seefahrtsschulen in Asien die Aufgabe. Die Magsaysay-Gruppe auf den Philippinen hat dafür den modernsten Campus des Landes gebaut. Frank Behling schaute sich vor Ort um.

Es mangelt nicht an Horrorgeschichten über Ausbeutung und Leid von Seeleuten aus Asien. Oft erinnern die Geschichten aus den Seemannsmissionen an die moderne Form des globalen Menschenhandels. Gegen dieses Image kämpfen die Seefahrtschulen und Crew-Agenturen auf den Philippinen jetzt an. Sie wollen weg vom Ausbeuter-Image.

Foto: Frank Behling

„Wir haben hier eine sehr lange Tradition in der Schifffahrt. Die soziale Verantwortung für die Menschen ist für uns sehr wichtig. Das Ziel ist deshalb auch eine nachhaltige Zusammenarbeit mit unseren Kunden“, sagt Doris Magsaysay-Ho. Sie ist Inhaberin und Präsidentin der Magsaysay-Gruppe, einem der führenden Unternehmen bei der Ausbildung von Seeleuten.
Anders als andere Agenturen sucht sich Magsaysay ihre Kunden aus. Es ist ein kleiner Kreis aus Reedereien, mit denen das 1946 gegründete Unternehmen bereits seit Jahrzehnten zusammenarbeitet. Die kanadische Fairmount-Gruppe ist genauso Teil davon wie die große japanische Reederei MOL mit ihren Gastankern und Containerschiffen oder norwegischen Tankerreeder Odfjell und Skaugen.
„Die Kreuzfahrt kam erst später dazu“, sagt Magsaysay-Ho. Es war Ende der 90er Jahre, als die norwegische Skaugen-Gruppe an Magsaysay herantrat. „Das war bei der Seatrade-Messe in Miami. Dort suchte man nach einem Crewkonzept für das Kreuzfahrtschiff PEAL OF SCANDINAVICA in Asien“, erinnert sich die Präsidentin.

Mit diesem Schiff begann der Einstieg ins Kreuzfahrtgeschäft. Der Kreuzfahrtsektor hat inzwischen deutlich an Bedeutung gewonnen. Weitere Kunden von Magsaysay sind Saga Cruises, Ponant, Costa, P&O und seit 2003 auch Aida.
Zunächst wurde Personal für die klassischen Dienstgrade an Deck und im Hotelbereich gesucht. Nach und nach kamen weitere Berufe hinzu. Seit 2014 bildet das Unternehmen auch für die Security-Crew beim Check-in aus.

2018 dann der nächste Sprung: Auf dem brandneuen Magsaysay-Campus in Cavite werden die ersten Offizier- und Ingenieur-Anwärter ihr vier Jahre dauerndes Studium starten. Die Abschlussprüfung als Bachelor of Science in Marine Transportation erfüllt die Standards des international gültigen STCW-Codes. Ziel der jungen Kadetten ist der Offiziers-Rang mit dem Posten als Kapitän am Ende der Karriere-Leiter. Der erste Jahrgang von 30 Offiziersanwärtern hat für Carnival Maritime im August das erste Jahr auf dem neuen Campus von Magsaysay beendet.
In dem Vorort Cavite wurde von Magsaysay zusammen mit der japanischen Großreederei MOL der modernste Campus für die Ausbildung von Schiffsoffizieren entworfen und gebaut. Nebenan ist das seit 30 Jahren erfolgreich arbeitende Magsaysay Institute of Shipping, das Matrosen und Maschinisten für den Einsatz an Deck und an der Maschine ausbildet….

Fotos: Frank Behling

Kleines Meer von Größe

Ein Standardwerk: In „Die Ostsee. Berichte und Geschichten aus 2000 Jahren“ erzählen mehr als 100 Wissenschaftler, Forscher, Kaufleute und Dichter von der Baltischen See. Roland Mischke hat sich durch den Wälzer gegraben und lauter Schätze gehoben.

Die Strände sind mattweiß, gelb und pflanzendunkelgrün, von sand- und gischtgrau dominierenden Farben durchsetzt. Mit Macht rollen die Wellen heran, sie treiben einen sanften Salzgeschmack auf die Lippen, in den Ohren röhrt der Wind. Es ist eine besondere Stimmung, in der sich festlich gekleidete Menschen an einem kühlen Tag über den Strand bewegen. Es sieht aus wie eine Prozession. Es sind Musiker aus dem gesamten Ostseeraum, die am Meeresrand Atmosphäre aufnehmen, bevor sie ihre Hörerschaft mit Klassikmusik begeistern.

Usedom hat im Herbst und Winter viele Besucher, die relativ kleine Insel ist inzwischen ein Magnet. Aber zum Usedomer Musikfestival im Herbst, 2018 zum 25. Mal ausgetragen, reisen nicht übliche Stadttheaterkonzert-Abonnenten an, sondern solche, die das Regionalspezifische suchen, das Ostseegefühl. Orchester und Musiker spielen in Sälen auf, in Herrenhäusern der Kaiserbäder, im riesigen Kraftwerk der einstigen NS-Heeresversuchsanstalt Peenemünde, bei gutem Nachmittagswetter sogar auf Seebrücken. Die Kulisse ist stets die Ostsee, klein im Vergleich mit anderen Meeren, aber mit Größe, weil die Künstler unterschiedliche Nationen vertreten und völkerverbindend agieren.
Bis zu 85 Millionen Menschen sind Ostsee-Anrainer. Die meisten leben in Städten wie Rostock, Danzig, Kaliningrad, Klaipeda, Riga, Tallinn, St. Petersburg, Oulu, Stockholm, Malmö und Kopenhagen. Die Städte grenzen an Flensburger Börde, Kattegat, Skagerrak, Bottnischen Meerbusen oder Stettiner Haff. Eigenständige Staaten mit territorialem Ostseeanschluss sind Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland, Russland, Estland, Lettland, Litauen und Polen. Im Englischen wird das Meer „Baltic Sea“ genannt, im Litauischen „Baltas“ (Weiß), die Römer sprachen einst vom „Mare Suebicum“, benannt nach den an den Südküsten lebenden Sueben.

Foto: enapress.com

Ein Buch mit Erzählungen
Klaus-Jürgen Liedtke ist als Herausgeber bemüht, die „Ostsee-Natur und Ostsee-Zivilisation lesbar zu machen“. Der freie Schriftsteller und Übersetzer ist gelernter Skandinavist und Germanist, er übersetzt vor allem aus dem Schwedischen. Er hat Preise aus Ostseeländern erhalten und das deutsche Bundesverdienstkreuz. Er war bemüht, die Fülle der Aussagen und Texte zur Ostsee breit aufzublättern. Dabei hat er auch Mythen und Legenden mitaufgenommen. Die Ostsee, das Binnenmeer von 55 Metern mittlerer Tiefe, die riesige Badewanne aus der letzten Eiszeit vor etwa 12 000 Jahren, verbindet ihre Anrainer.
Der vor fast 2000 Jahren geborene Cornelius Tacitus war ein römischer Senator und vielreisender Historiker. „Nur bis dort“, der Ostsee, „erstreckt sich die Welt“, schrieb er. Seine Uferbewohner trügen „Eberamulette mit sich herum“ und „verehren eine Muttergottheit“. Er registrierte, dass die „Barbaren“ Bernstein sammeln und hart auf ihren Feldern arbeiten. Ihre Mentalität erscheint ihm skurril, sie hätten „sich des Allerschwersten versichert: niemals von einem Wunsche belästigt zu werden.“
Auch andere Reisende, wenige in den Jahrhunderten, die Ostsee lag abseits, beschreiben das „Barbarenmeer“, an dem rückständige Völker wohnen. Die Frauen seien Amazonen, schreibt Adam von Bremen, ein Chronist im 11. Jahrhundert. Sie lassen sich von Männern schwängern, um sie danach zu vertreiben. Lange Zeit waren Bewohner der Ostseeregionen isoliert von der Welt, was in der Antike, dem Mittelalter oder in der Renaissance geschah, bekamen sie nicht mit. Nur langsam brachte die Christianisierung die Bauern und wilden Krieger mit Menschen außerhalb ihresgleichen zusammen. Sie litten unter den Wikingern, den nordgermanischen Räubern des Frühmittelalters. Olaus Magnus, ein schwedischer Theologe und Geograph, lieferte im 16. Jahrhundert eine erste „Beschreibung der Völker des Nordens.“….

Fotos: enapress.com, shutterstock, istock

„Die Ostsee. Berichte und Geschichten aus 2000 Jahren.“
Hgb. Klaus Jürgen Liedtke, Galiani Verlag, Berlin, 656 S., 39 €
ISBN: 978-3-86971-175-1, www.galiani.de