Kategorie: Allgemein

Das neue Flaggschiff bei Costa

Auf dem Datenblatt sind es Schwestern. Die neue Costa Smeralda ist das zweite Schiff der Helios-Klasse. Der Serie von LNG-Kreuzfahrtschiffen, die im Dezember vorigen Jahres mit der AIDAnova startete. Schwesterschiffe sind sie aber nur so halb. Beim Innenleben kommt Costas neues Flaggschiff mit einer Vielzahl von Neuerungen daher. Frank Behling berichtet.

Der Herbst war keine schöne Zeit für alle Freunde und Mitarbeiter von Costa Crociere. Erst die Nachricht, dass gleich vier liebgewonnene Schiffe den Abschied nehmen und in andere Märkte verlegt werden, dann die Nachrichten aus der finnischen Werft Meyer Turku. Gleich zweimal musste die Werft die Ablieferung verschieben. Jetzt wird das neue Schiff zum vierten Advent in Savona erwartet. „Es wird ein Schiff sein, das es so auf dem Markt noch nicht gab“, sagt Neil Palomba, Präsident von Costa Crociere.

337 Meter lang, 183900 BRZ groß und 20 Decks misst dieser Neubau der Helios-Klasse. Die neuen Schiffe sind mit einem Auftragswert von rund 9 Milliarden Euro der größte Auftrag eines US-Konzerns in Europa. Die Meyer Werften in Papenburg und Turku bauen sie. Drei für Aida und je zwei für P&O, Carnival sowie Costa. Die neun Schiffe haben eine baugleiche Plattform. Rumpf, Technik und Decksstruktur sind exakt identisch.
Zwei Azipod-Elektromotoren mit Propellern treiben die Schiffe an. Vier Generator-Sets von Caterpillar mit großen MaK-Motoren sorgen für die Energie. Drei Tanks für Flüssigerdgas (LNG) sowie neuartige Klimatechnik und das Energiemanagementsystem sind bei allen Schiffen gleich.

Oberhalb von Deck 5 werden die Passagiere sehr unterschiedliche Schiffe vorfinden. In dem Bereich, wo Kulinarik, Kunst und Lifestyles das Sagen haben, werden von Architekten sehr unterschiedliche Urlaubswelten geschaffen.
Ein Team aus Architekten unter Führung von Adam Tihany hat der COSTA SMERALDA ein völlig neues Innenleben gegeben. Der fetzig-schrille Stil der Costa-Neubauten nach der Jahrtausendwende ist ruhigerem Ambiente gewichen. Stolz, Haltung, Stil und guter Geschmack sind die Säulen für die Brücke zur „Bella Italia at Sea“ bei Costa.
„Das Beste aus Made in Italy“ verspricht der Designer, der bei den Arbeiten auch das Team von Partner-Ship Design aus Hamburg an seiner Seite hatte. Herausgekommen sind Bauwerke, die maritime Nachbildungen von Bauwerken an Land sind. Da ist am Heck über drei Decks der Spanische Platz aus Rom, der als Piazza di Spagna ein Platz an der Sonne mit Ruhezone ist. Der Brunnen wurde als Wasserelement auf Deck 16 ans Heck gebaut.
Was bei der AIDAnova als Theatrium zentraler Bestandteil der Unterhaltung ist, ist auf der COSTA SMERALDA zum Colosseo geworden, dass von Deck 6 bis 8 ganztägig genutzt werden kann. Zusätzlich bietet die COSTA SMERALDA noch ein klassisches Theater mit etwa 1000 Plätzen auf Deck 6 und 7 im Vorschiff. Das Theater San Remo bietet die volle Palette der Unterhaltung und wird – anders als früher auch tagsüber genutzt. …

Fotos: Frank Behling, Costa Crociere

Glanz zum Jubiläum

Im Februar wird bei Regent Seven Seas Cruises gefeiert. Die amerikanische Luxusmarke wird 30 Jahre alt. Zum Jubiläum beschenkt sich das Unternehmen mit einem neuen Flaggschiff. Die SEVEN SEAS SPLENDOR wird im Januar die Fincantieri Werft in Ancona verlassen. Es kommt ein Schiff für das oberste Segment der Luxus-Reisen, berichtet Frank Behling.

Als sich 1990 Manager aus dem Umfeld der noblen Hotelmarke Radisson mit norwegischen Reedern zusammentaten und die Ausweitung des Hotelprodukts aufs Meer besiegelten, wurde der Grundstein für das gelegt, was jetzt unter dem Namen Regent Seven Seas zu den exklusivsten Angeboten im Kreuzfahrtmarkt gehört.
An den ersten Neubau erinnert dabei jedoch nur noch ein wenig das Logo. Das 1992 in Dienst gestellte Doppelrumpfschiff RADISSON DIAMOND hat längst seinen Platz als Spielkasino vor Hongkong gefunden. Das neue Flaggschiff SEVEN SEAS SPLENDOR wurde weniger als Hotel, sondern mehr im Stil einer Megayacht mit exklusivem Service gebaut.

Seit 2014 die Reederei als Luxus-Marke unter das Dach von Norwegian Cruise Line kam, wird am Ausbau der Flotte gearbeitet. Die im Februar 2019 aufgeschwommene SEVEN SEAS SPLENDOR wird nach der Auslieferung bei Fincantieri als fünftes Schiff in Fahrt kommen und am 6. Februar von Barcelona aus die Transatlantikreise nach Miami antreten.
Die Fincantieri Werft in Ancona ist bekannt für die yachtähnlichen Produkte. Ein Schiff mit 55000 BRZ und 377 Suiten für rund 800 Passagiere ist auf dem Papier schon eine Besonderheit im Markt. Alle Suiten haben Balkone. Das Raumangebot in den Suiten reicht von 24 bis 413 Quadratmetern.
Für die Zahlenfreunde: Ein Passagier hat rechnerisch 68 BRZ zur Verfügung – das ist glatt das Doppelte im Vergleich zu einem der vergleichbaren großen Schiffe der Vier-Sterne-Kategorie.
Mit 560 Crewmitgliedern ist der Buttler-Service ein Standard auf dem 223 Meter langen Neubau. Die SEVEN SEAS SPLENDOR folgt der drei Jahre älteren SEVEN SEAS EXPLORER. Mit nur sieben Passagierdecks ist das Schiff fast familiär.
Und dennoch werden Freunde der Regent-Flotte den Luxus der vier kleineren Schiffe SEVEN SEAS EXPLORER, SEVEN SEAS NAVIGATOR, SEVEN SEAS MARINER und SEVEN SEAS VOYAGER nicht vermissen. Reisen mit Regent ist in der Wertigkeit eines der besten internationalen Produkte: In den Reisepreis sind nicht nur alle Angebote an Bord inkludiert – sondern auch die Landprogramme.
Zum Preis von 400 Euro pro Person und Tag bekommt der Gast das Gefühl eines exklusiven Urlaubs auf einer Luxusyacht. Für jeden Gast wird ein individualisiertes Reiseambiente geschaffen.
Die neue SEVEN SEAS SPLENDOR setzt besonders auf Großzügigkeit. Die Decks sind geräumig und traditionell. Nicht nur der Infinity-Pool am Heck auf Deck 5 ist eine der extravaganten Ideen der Schiffs-Designer. Die Restaurants, Bars und auch die Pool-Bereiche sind dezent und ruhig gestaltet. Wer Regent Seven Seas bucht, der feiert keine Poolparty, sondern interessiert sich für Destinationen, gutes Essen oder testet edle Weine und Whiskeys. …

Fotos: Regent Seven Seas Cruises

Auf den Spuren der Rheinromantik

Der mittlere Rhein zwischen Loreley und Drachenfels zieht seit Jahrhunderten Schiffstouristen an. Peggy Günther geht dem Mythos an Bord der RHEIN SYMPHONIE auf den Grund.

Mit dem Sonnenuntergang im Rücken fahren die kleinen Barkassen in Richtung Dunkelheit. Der Loreleyfelsen erhebt sich im roten Schein bengalischer Fackeln gespenstisch in die laue Sommernacht. Auf dem Rhein formieren sich mehr als 40 Schiffe, viele geschmückt mit roten Lichterketten, ebenso wie die Häuser am Ufer. Es herrscht gespannte Vorfreude auf den Außendecks. Um 21:30 Uhr versinken die historischen Gebäude von Oberwesel plötzlich in der Dunkelheit. Böllerschüsse ertönen und die Stimme der Weinhexe hallt zwischen den Bergen wieder. Dann beginnt das halbstündige Feuerwerk. Die Passagiere der RHEIN SYMPHONIE sind begeistert – besser kann eine Flusskreuzfahrt auf dem Rhein nicht beginnen.

Erst am Tag zuvor waren sie in Köln eingestiegen und Kreuzfahrtdirektor Carsten Münnichow hatte sich mit den Worten vorgestellt: „Kennen Sie die Fernsehserie ‚Das Traumschiff‘? Ich bin Ihre Beatrice.“ Nach diesem Startschuss für eine gute Urlaubsstimmung setzt Münnichow gleich noch eine englische Begrüßung hinterher. Auf unserer soliden Mittelrheinkreuzfahrt gibt es nämlich Gäste, die weiter gereist nicht hätten sein können – eine Gruppe Freundinnen, von denen drei in Australien leben. Die vierte im Bund kommt aus Deutschland und hat die Reise organisiert. „Wir haben uns in den 70er-Jahren in Papua-Neuguinea kennengelernt, als unsere Männer Entwicklungsarbeit leisteten“, verrät sie und setzt dazu: „Das war eine aufregende Zeit. Ich würde es immer wieder tun.“

Schnell ist das Flussschiff erkundet: Die ehemalige VIKING HELVETIA punktet mit einer gemütlichen kleinen Bibliothek und Kabinen mit französischen Balkonen auf dem Oberdeck, die Kabinen bieten ausreichend Stauraum und sind zweckmäßig eingerichtet. Kreuzfahrdirektor Münnichow verrät, dass internationale Gäste nicht mehr die Ausnahme sind bei nicko cruises. Die Reederei arbeite inzwischen auch mit ausländischen Agenturen zusammen. Außerdem sinke das Durchschnittsalter langsam, allerdings nicht auf Reisen mit Haustürabholung. Dank einer derart bequemen Anreise trauen sich auf dieser Reise auch 17 Alleinreisende auf den Fluss, für sie gibt es einen Kennenlerncocktail. Meine 78-jährige Tischnachbarin gönnt sich zum ersten Mal eine Solo-Flussreise und raunt beim ersten Frühstück: „Gestern Abend war sogar das Bett aufgeschlagen. Hoffentlich machen die die Kabine jetzt nicht wieder so piekfein.“ So viel Service sei ihr unangenehm, da sie doch immer diejenige gewesen sei, die für ihre Familie all das gemacht habe. Doch auch sie lernt, den guten Service an Bord ein wenig zu genießen….

Fotos: Peggy Günther, Ake1150/stock.adobe.com, Adrian72/stock.adobe.com, dudlajzov/stock.adobe.com

Ausguck auf SAIL Bremerhaven 2020

Die SAIL Bremerhaven gehört zu den größten Windjammertreffen der Welt.
Roland Mischke stellte eine Vorschau zusammen, was Besucher im nächsten Jahr erwartet.

Dabei sein, wenn die strahlenden Segel der „Königinnen der Meere“ über das Wasser jagen. Wenn mehr als 250 moderne oder historische Schiffe in die Häfen einfahren. An Bord gehen, wenn sie vor Anker liegen. Mit Seeleuten lockere Gespräche führen, auf den Planken oder im Unterdeck eines Drei- oder Viermasters. Ihren Stolz auf die attraktiven Schiffe wahrnehmen. Herumlaufen, staunen. Die SAIL ist ein Ereignis für die Augen, aber auch andere Sinne. Es wird einfach hoch spannend sein, dieses Festival auf den Wellen und in der Stadt mitzuerleben.
Bremerhaven liegt am Elbe-Weser-Dreieck, das in die Nordsee übergeht. Sie gehört zur Freien Hansestadt Bremen. Neun Mal gab es hier seit 1986 die SAIL Bremerhaven, und jedes Mal wuchs der Anteil der Schifffahrt. Nächstes Jahr werden wieder neue Rekorde erwartet, darauf bereitet sich die Stadt bereits vor.
Ein extragroßes Magazin mit dem Titel „Ausguck 2020“ gewährt ab sofort Einblick in die ganze bunte Segelwelt in Bremerhaven auf 124 Seiten. Mit Sachtexten und großformatigen Bildern von Seglern, Dampf- und Motorschiffen, die bereits zugesagt haben, werden Interessenten angewärmt für das Großereignis SAIL vom 19. bis 23. August.


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http://www.sail-bremerhaven.de


Alt und neu
Bei den Schiffen geht es von ehrfürchtig bis kurios zu. Das sind die Blockbuster 2020:
Das Segelschulschiff El Mellah („Der Matrose“) der algerischen Marine ist ein hochmoderner Neubau nach dem Entwurf des Danziger Konstrukteurs Zygmunt Choren. Das Achterdeck ist gewaltig, die Segelfläche riesig, unterwegs ist es mit einer 222-Mann-Besatzung.
Im Old Style kommt El Galeón aus Spanien daher, die Replik eines königlich-spanischen Handelsschiffs aus dem Jahr 2009. Mit dem 50 Meter langen Dreimaster wird die Tradition einer großen Seefahrernation hochgehalten. Man sieht Kanonen im Schiffsbauch, bleiverglaste Fenster, die Möbel sind handgeschreinert.
Die norwegische Christian Radich sorgt wieder für einen großen Auftritt. Das stählerne Vollschiff wurde vom Namensgeber, einem Unternehmer, bereits Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt. Seit 1937 ist es als Schulschiff auf den Meeren unterwegs.
Ganz anders ist der Zweimaster Zénobe Gramme aus Belgien, fast 30 Meter lang und ein schnittiges früheres Forschungsschiff unter Segeln. Es trägt den Namen eines Wissenschaftlers der Meeresforschung, ist seit 1960 im Dienst und ab 1970 unter Regie der belgischen Marine mit einem voluminösen Vordersegel.
Zum ersten Mal nach Bremerhaven kommt der Dreimaster Earl of Pembroke aus England. 1925 in einer schwedischen Werft gebaut, seit 1980 in englischem Privatbesitz und aufwändig restauriert. Sein Name erinnert an den Weltentdecker James Cook, der 1770 mit einem ähnlich gebauten Schiff erstmals Australien anlief. Halle Berry, Tom Hanks und andere Hollywood-Stars diente es als Kulisse für mehr als 20 Filme.

Spaß und Unterhaltung
Der Hamburger Uwe Bahn ist ein bekannter Moderator und Produzent. Der Entertainer erzählt die Stories der See so, dass sie für die Zuschauer zum Erlebnis werden. In Bremerhaven wird sein „Ship Happens – Eine rockige Reise durch die Kreuzfahrt“ zu hören und zu sehen sein. Da geht es wild durcheinander um die Andrea Doria, die Titanic, den ersten Kreuzfahrt-Stapellauf auf der Meyer Werft in Papenburg und in andere turbulente maritime Geschichten. Sein Motto für die abwechslungsreiche Show: „Kreuzfahrt ist auch für alle, die es noch nicht im Kreuz haben.“

Informationen:
www.sail-bremerhaven.de, www.bremerhaven.de

Fotos: Scarlet Sails, Kathrin_Leverentz, TSC_Erlebnis Bremerhaven

Legerer Luxus

Das traditionelle Hapag Lloyd-Flaggschiff EUROPA fährt nach seinem Werftaufenthalt in eine moderne Zukunft. Peggy Günther berichtet.

„Seit 5:22 Uhr liegt die EUROPA an der Pier des Cruiseterminals“, sagt Gabi Haupt beim Empfang in der mit Blautönen neu gestalteten Lobby des Schiffsklassikers. Die Produktmanagerin bei Hapag-Lloyd Cruises hat gerade einen der aufwändigsten Werftaufenthalte seit Indienststellung des Schiffes abgeschlossen. Neben zahlreichen technischen Neuerungen standen auch viele Umbauten im Passagierbereich auf der To-Do-Liste mit 1.500 Punkten.

850 Arbeiter haben während des 14-tägigen Werftaufenthaltes bei Blohm & Voss in Hamburg 5.000 Quadratmeter Teppich verlegt und 3.500 Liter Farbe verpinselt. Aus dem Multifunktionsraum „Atelier“ ist eine reine Sportlocation geworden, passend zum neuen Gesundheitsprogramm EUROPA REFRESH – mit gesunden kulinarischen Alternativen von Dr. Anne Fleck und dem Fitnessprogramm LES MILLS. Manche kleinen Verbesserungen zogen große Arbeiten nach sich: Für die Espressomaschinen in den Suiten mussten erst einmal zusätzliche Stromleitungen gezogen werden. Und im Hauptrestaurant wurden zwei Wände versetzt, um mehr Platz in den Spezialitätenrestaurants zu schaffen.

Foto: Hapag-Lloyd Cruises / Christian Wyrwa

So wuchs das italienische Venezia – jetzt in moderner rot-schwarz-weißer Optik – von 30 auf 50 Sitzplätze. Und das neue Restaurant „The Globe by Kevin Fehling“ bietet 26 Passagieren am Abend erlesenen Sterne-Genuss. Gleichzeitig ist es aber auch gelungen, dem Wunsch vieler Stammgäste nach mehr Zweier-Tischen im Hauptrestaurant nachzukommen: Die Anzahl hat sich von 20 auf 50 erhöht. Insgesamt bietet das Europa-Restaurant nun 265 Sitzplätze in stylischen weißen Ledersesseln. Sie sind mit zwei praktischen Features ausgestattet: einem Griff im Rücken, der es der Crew erleichtert, den Sessel für die Passagiere zurechtzurücken und einem Knopf an der Seite, an dem die Dame ihre Handtasche aufhängen kann. Das ist Liebe zum Detail!

Doch zurück zum neuen Stern am kulinarischen EUROPA-Himmel: „The Globe by Kevin Fehling“. Mit strahlenden Augen kredenzt der 42-Jährige zum ersten Mal Auszüge aus seiner weltoffenen Kreativküche, inspiriert von all seinen Reisen als Küchenchef an Bord der EUROPA zwischen 2000 und 2003. Dazu zählen eine Neuinterpretation von Egg Benedict mit weißem Alba-Trüffel oder ein Carabinero, sous-vide gegart und begleitet von einer feinen Gurkenrelish sowie einem Exotic-Chutney und Tandoori-Hollandaise. Fein abgestimmte Entdeckungsreisen für dem Gaumen aus den besten Zutaten. Selbst beim Interieur hat der Sternekoch selbst Hand angelegt: Von der Decke hängen runde Lampen, die an beleuchtete Globen erinnern, an den schlicht-grauen Wänden erscheint am Abend eine Sternenprojektion….

Fotos: enapress.com, Hapag-Lloyd Cruises / Christian Wyrwa, Peggy Günther

Ausgabe 05-2019

Für Sie auf anbord.de:

Auszüge aus den Artikeln der neuen Ausgabe.
Die vollständigen Artikel und weitere spannende Beiträge finden Sie – wie gewohnt – in der neuen Printausgabe von AN BORD bei Ihrem Zeitschriftenhändler oder hier:
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Abenteuer Franz-Josef-Land

Renate Scheiper reiste mit der SEA SPIRIT zu den Eisbären, Walrossen und Seevögeln im Fanz-Josef-Land. Eine Reise mit Zodiac-Touren, Polar-Plunge, viel Geschichte und Abenteuer-Charakter.

Mit vereinten Kräften ziehen Expeditionsleiter Ryan aus England und Historiker Andreas aus Deutschland das Zodiac im seichten Wasser über die Kiesel. Es ist die erste Anlandung der Gäste des komfortablen Expeditionsschiffes Sea Spirit in Franz-Josef-Land. Drei weitere der insgesamt elf Zodiacs sind bereits unterwegs in die Geographers Bucht der Prinz Georg Insel. Plötzlich kommt ein Anruf von der Brücke: „Anlandung sofort abbrechen. Ein Eisbär ist unterwegs!“ Oh ja – da steht er hoch oben am Abhang eines Schneefeldes. Wir sind begeistert, auch wenn nun alle Zodiacs zurück müssen zum Schiff. Zwei Männer der russischen Eisbärpatrouille, welche die Sea Spirit begleiten und jeweils vor den Passagieren an Land gehen, hatten ihn entdeckt. Jetzt ist klar, weshalb am Vortag die fünf mit Gewehren ausgestatteten Russen nebst zwei Wissenschaftlern zustiegen, als die Sea Spirit nach zwei Seetagen, von Longyearbyen auf Spitzbergen kommend, auf Alexandra Land in russisches Gewässer einklarierte.
Das war der Erste unseres täglichen Eisbären. Die gescheiterte Anlandung wird nachmittags in einer anderen Bucht ersetzt durch eine Zodiac-Fahrt entlang gigantischer Gletscherfronten. Walrossfamilien schwimmen auf Eisschollen vorbei, teilweise so gequetscht, dass mancher Po halb im Wasser hängt. Doch sie scheinen sich wohl zu fühlen, räkeln sich, gähnen, wedeln mit den Flossen.

Gourmet-Dinner und Naturspektakel
Täglich informieren die vierzehn internationalen Lektoren durch Vorträge und Filme (auf Englisch, von Andreas simultan übersetzt) über Inseln, Tiere, Vegetation und die spannende Geschichte der Entdeckung von Franz-Josef-Land durch die österreichisch-ungarische Expedition 1872 – 1874 mit dem Segelschiff Admiral Tegetthoff, die den Archipel nach ihrem Kaiser „Franz-Josef“ benannte. Der ukrainische Kapitän Oleg bedauert, dass wir wegen des starken Eises Kap Tegetthoff nicht anlaufen können, wo das Schiff der Expedition damals vom Eis eingeschlossen wurde. Das soll uns besser nicht passieren. Dafür dröhnen Lachsalven durch die Oceanus Lounge, als er persönlich jeden seiner Offiziere vorstellt mit witzigen Einfällen. Zudem begeistert er alle 92 Passagiere aus 15 Ländern durch seine Politik der „offenen Brücke“, die manchmal regelrecht belagert ist. …

Fotos: Renate Scheiper, Sergey Gorshkov, Poseidon Expeditions, Dietmar Denger

Taufe in Türkis

Sie lagen in Bremerhaven nur einen Steinwurf voneinander entfernt: die Amera bei ihrer Taufe und die Albatros im Werftdock für Arbeiten. Sie sind Schwesterschiffe und fahren jetzt beide für Phoenix. Michael Wolf berichtet.

Es war eine Taufe, wie man sie von Phoenix Reisen kennt: Familiär, feierlich, ohne großen Pomp und Feuerwerk. Fast 1000 Gäste waren zu diesem Event gekommen, von denen 800 anschließend auf Taufreise nach Norwegen auf dem voll ausgebuchten Schiff gingen.
Zuvor war das Schiff in der Hamburger Werft Blohm + Voss einer 40 Millionen Euro teuren Renovierung unterzogen worden, bei der alle Kabinen und die Restaurants und Bars erneuert wurden. Mit dem ehemaligen Casino wurde ein Loungebereich vergrößert, der mittige Pool der Amera dient nun als Eventfläche für Veranstaltungen mit großem LED-Außenscreen und eigener Bühne. Der Heckpool in der Nähe des Spabereiches blieb erhalten. Und natürlich gibt es jetzt den Phoenix-typischen Außenlook mit dem Schornstein und der Bauchbinde in Türkis. Bis zu 1500 Werftmitarbeiter arbeiteten an dieser Schönheitskur, auch am Tauftag werkelten noch etliche von ihnen auf dem Schiff. Bei dieser Größenordnung von Renovierung nicht ungewöhnlich, auch die Crew beteiligte sich intensiv an den Arbeiten und der Endreinigung. Über die Geschichte des ungewöhnlichen Schiffes mit seinen schönen Deckflächen hatte „an Bord“ bereits ausführlich in der letzten Ausgabe berichtet. Das Hoteldepartment liegt wieder in den bewährten Händen von seachefs.

Zur Taufe bei schönstem Sonnenschein am Columbus Cruise Center stand natürlich das bordeigene Kreuzfahrt- und Entertainmentteam Spalier, ein Shanty Chor, die „Hamburger Perlen“, drei Sängerinnen und eine Feuershow mit Akrobaten unterhielt die Gäste vor der Zeremonie. Dem bordeigenen Team der philippinischen Stewards gelang es in der Zwischenzeit, das Phoenix-Logo mit grünen und gelben Cocktailflaschen nachzubauen.
Bremerhavens Bürgermeister Melf Grantz überreichte die Plakette für den Erstanlauf der Amera in seiner Stadt und das gesamte Phoenix-Führungsteam mit Johannes Zurnieden, Benjamin Krumpen und Jörg Kramer zeigte sich auf der Bühne mit Kapitän Jens Thorn, sein Kollege Morten Hansen, bundesweit bekannt aus der TV-Serie „Verrückt nach Meer“, hatte zuvor schon mit dem Shanty Chor geübt. Als Überraschungsgast war auch der Chef der Meyer Werft-Gruppe, Bernard Meyer mit seiner Frau präsent, natürlich Anlass für Überlegungen von Insidern, ob nicht doch ein Neubau von Phoenix in dieser Werft geplant sei. Der Direktor Schiffsreisen, Michael Schulze, konnte dann nach einem historischen Rückblick den eigentlichen Star des Tages ansagen: Taufpatin Petra Kaiser. Sie kam, wie bei Phoenix üblich, aus den eigenen Reihen. Als langjährige Mitarbeiterin war sie die rechte Hand von Firmengründer Johannes Zurnieden und absolvierte den Taufspruch und den Flaschenwurf mit Bravour.

Passend zum Event übrigens die Cocktails des Tages: „Royal Viking Sun“ (Vodka, Apricot Brandy, Grenadine, Maracujasaft und Zitronensaft und der unalkoholische „Prinsendam“ (Kokosnusscreme, Ananassaft, Grenadine, Orangensaft, Grapefruit-, Orangen- und Maracujasaft), die ehemaligen Namen der Amera. Und passend zur Phoenix-Philosophie die preiswerten Kosten: 3,70 Euro bzw. 2,50 Euro.

Fotos: enapress.com

Wo das Feuer hinzeigt

Wer glaubt, dass die digitale Epoche sämtliche Leuchttürme abschaltet, irrt. Viele sind viel zu großartig, um übersehen zu werden. Roland Mischke hat seine schönsten ausgesucht.

Es begann mit den Leuchtfeuern bereits vor langer Zeit. Sie sollten Schiffen den richtigen Weg signalisieren. Eines der ersten als Turm gebautes Leuchtfeuer stand in der Antike in der berühmten ägyptischen Hafenstadt Alexandria. Von Sklaven errichtet auf der Insel Pharos, weshalb der Begriff für den Leuchtturm im Französischen „phare“ heißt, im Portugiesischen „pharol“ und im Spanischen „faro“. Der Turm von Alexandria war weithin zu sehen, er hatte bereits eine Feuerhöhe von fast 100 Metern. Ein antikes Weltwunder.
Leuchttürme sind als Motiv der Populärkultur auf Millionen Postkarten verbreitet. Sie gelten als ein herausragendes Sujet der maritimen Romantik, sind inzwischen Museen, exklusive Hotels oder gar Standesämter. Manche sind aus dem Verkehr genommen, aber längst nicht alle. Allein an deutschen Küsten von Nord- und Ostsee werden noch rund 90 Leuchtfeuer betrieben.

Cape Byron Lighthouse

Westerheversand
Der 40 Meter hohe, schlanke Leuchtturm mit neun Etagen ist das Wahrzeichen der Halbinsel Eiderstedt in Schleswig-Holstein an der Nordsee. Er wurde 1908 auf einem Betonsockel erbaut und gilt als bekanntester deutscher Leuchtturm. Zuvor hatte man dem rotweiß geringelten Gebäude eine eigene Warft aufgeschüttet, einen Hügel im Wattenmeer. 127 massive Eichenpfähle wurden in den weichen Boden gerammt, um ein Gewicht von 130 Tonnen zu tragen. Hinter dem Backstein wurde in eine Hohlkammer Stahlbeton eingefügt. Besucher dürfen sich zwischen Ostern und Ende Oktober anmelden, um die 157 schmalen Stufen zu erklimmen, dorthin laufen sie 2,5 Kilometer durch die Salzwiesen.
Der Hausmeister Hans Günther wurde auch als Poet HaGü bekannt, er bietet literarische Wattwanderungen an. In Stockwerk vier des Turms gibt es ein Hochzeitszimmer für Heiratswillige, doch mehr als elf Personen dürfen sich nicht gleichzeitig im Gebäude aufhalten. 50 Kilometer weit über die Ostsee strahlt der Leuchtturm seit 110 Jahren.

Cape Hatteras Lighthouse

Neuer Leuchtturm in Lindau
Der einzige Leuchtturm am Bodensee steht in Lindau, das zum Freistaat Bayern gehört. Auf einem 24 Meter breiten Sockel reckt er sich seit 1856 33 Meter empor. Seine Besonderheit ist eine Uhr in der Fassade, damit am Ende der Westmole an der Hafeneinfahrt jeder weiß, welche Stunde es geschlagen hat. Zuvor stand dort bereits seit 1230 ein Leuchtfeuer im Mangturm, den der Neue Leuchtturm ersetzte. Ihm gegenüber hockt der Bayerische Löwe auf seinem Sockel, das Ensemble flankiert die Hafeneinfahrt.
Bis 1936 hatten Leuchtfeuerwärter das Ölfeuer in Gang zu halten, die Flammen stiegen aus großen Pfannen empor. Das Nebelhorn wurde über einen Blasebalg betätigt. Inzwischen wird der Turm elektrisch betrieben, seit den 1990er Jahren vollständig automatisiert. Das Feuer wird bei Bedarf von Schiffen aus per Funkt aktiviert und funktioniert als Blitzfeuer, das alle drei Sekunden durch drehbare Parabolscheinwerfer aufflackert. Der Leuchtturm kann von Interessenten über eine Holzwendeltreppe bestiegen werden, im Innern ist die Geschichte der Bodenschifffahrt dokumentiert.

Eldred Rock Lighthouse, Skagway, Alaska, USA

Roter Sand
Der Leuchtturm in der Deutschen Bucht ist 28 Meter hoch und sehr beliebt. 1885 wurde das erste auf dem Meeresgrund aufgestemmte Bauwerk auf halbem Weg zwischen Bremerhaven und Helgoland errichtet. Der Offshore-Bau war eine Sensation des Ingenieurswesens, das seit mehr als 130 Jahren Wellen, Stürmen und Gezeiten trotzt. Von Menschenhand auf offener See in einer Untiefe aus Treibsand verankert. Das Herablassen des riesigen eisernen Senkkastens gilt bis heute als technische Pioniertat. Angeblich gibt es auf Matrosenarmen keine häufiger gewählte Tätowierung als die des Roten Sandes. Der Leuchtturm war für Millionen Auswanderer das letzte Gebäude, das sie sahen – danach sichteten sie die New Yorker Freiheitsstatue.
Der rotweiß gestreifte Turm mit seinen drei neugotischen Erkern weckt Emotionen. Als er 1964 außer Dienst gestellt wurde verhinderten Proteste der Küstenbewohner seinen geplanten Abriss. 1987 erhielt er Denkmalschutz, das verrottete Fundament wurde überstülpt mit einer 110 Tonnen schweren Stahlmanschette. Die Innenräume sind restauriert und originalgetreu eingerichtet. Ein Veteran als markantes Bild.

Huisduinen
Der zweithöchste Leuchtturm der Niederlande steht in Nordholland bei Den Helder, er ist der höchste gusseiserne Turm Europas in sechzehneckiger Grundform. Er wiegt 506 100 Kilo, die Gusseisenplatten sind miteinander verschraubt. Der Entwurf stammt von Quirinus Harder. Der „Lange Jaap“, wie Holländer ihn nennen, steht seit 1988 unter Denkmalschutz. Fertiggestellt wurde der 56 Meter hohe Turm 1878, anfangs mit Öllampen betrieben, später mit Spiegeln in einem Linsensystem. Das Leuchtfeuer ist 30 Kilometer weit zu sehen. Im ehemaligen Küstenwacheturm können sich Touristen einmieten…..

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