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Gourmets an der Überseebrücke

Gastronomisch und technisch auf Top-Niveau – so präsentierte sich „Europas Beste“ in Hamburg in einer Zeit, in der bedeutende Updates des Schiffes anstehen. Michael Wolf berichtet.

„Die Seele der Europa bleibt, wir werden sie aber in die Moderne führen.“
Karl J. Pojer, Chef von Hapag-Lloyd Cruises, nahm das alljährliche kulinarische Treffen „Europa’s Beste“ von führenden Köchen, Winzern, Chocolatiers und Fromagiers in Hamburg zum Anlass, etwas in die Zukunft für das Luxusschiff zu schauen. Ein idealer Anlass, denn diese Art von Veranstaltung, die 2019 zum 15. Mal stattfand, macht auch die Besonderheit des Schiffes aus, das wieder an der Überseebrücke angelegt hatte. Spitzengastronomie ist eines der wichtigsten Bestandteile des Formates der Europa. Und die will ständig erneuert und aktualisiert werden. So gab es auch eine „Wachablösung“ im 3-Sterne-Bereich: Kochlegende Dieter Müller, der seit vielen Jahren sein eigenes Restaurant an Bord hatte, wurde auf an diesem 2. August sichtlich gerührt von Pojer verabschiedet – u.a. mit einer MS-Europa-Uhr als Präsent. Nachfolger wird der seinerzeit jüngste Dreisternkoch Deutschlands sein, Kevin Fehling.
Für Fehling ist die Europa keine Unbekannte: Er arbeitete bereits drei Jahre nach Ende seiner Ausbildung im Jahr 1997 erstmalig als Küchenchef im Restaurant Venezia. Im kleinen Travemünde an der Ostsee erkochte er sich die höchste Michelin-Auszeichnung und wurde zum jüngsten Drei-Sternekoch Deutschlands. Im Oktober wird er auf die Europa zurückkommen und sein erstes Restaurant auf einem Kreuzfahrtschiff eröffnen: THE GLOBE by Kevin Fehling. Zwanzig Tage im Jahre wird er selbst an Bord sein.

Und an diesem schönen Augusttag gab er, wie bereits einige Male schon bei Europa’s Beste, einen Beweis seines außergewöhnlichen Könnens, diesmal mit tiefroten köstlichen Carabineros (einer Riesengarnele) mit Aubergine, Olive, Krustenbraten und Chorizo Hollandaise. Ein gutes Dutzend Spitzenköche waren ebenfalls auf der kulinarischen Mall vertreten, darunter bekannte Gesichter wie Karl-Heinz Hauser (Sülberg Hamburg), Stefan Heilemann aus Zürich (mit einer Jakobsmuschel und
Fenchel-Kreation) oder den Trüffelpapst Ralf Bos, der mit einer gebratenen Entenstopfleber mit Selleriepüree und natürlich australischen Trüffeln aufwartete. Markus Rüsch vom Altonaer Kaviar Import Haus servierte seinen Kaviar aus der Aquitaine in diesem Jahr auf einer gelierten Consommé vom Steinbutt. Deftiger mundeten dagegen die Käsespätzle von Florian Rohrmoser, dessen tonnenschwerer Foodtruck „Heisser Hobel“ eigens mit einem Kran an Bord gehievt wurde. Unter den Winzern waren die Stände von Bollinger-Champagner oder natürlich das Weingut von Othegraven des TV-Moderators Günther Jauch gut umlagert, der mit dem Kauf der Weinberge seiner Vorfahren eine neue Karriere begann. Originell auch die Buttermilch Margaritas von Bettina Kupsa (Chug Club).
Passend zu den moderneren und neuen Formaten für die Europa „Europa Refresh“, ein ganzheitliches Fitness- und Wellbeing Konzept, bei dem „Fitness, Gesundheit und Entspannung Hand in Hand gehen“, so Europa Produktmanagerin Gabi Haupt, wurde auch Europa’s Beste modernisiert. So konnte die Gastmoderatorin und Köchin Cornelia Poletto (kam mit ihrem Ehemann, dem Ex-Bahn Chef Rüdiger Grube) diesmal den Chefredakteur eines Feinschmecker-Magazins begrüßen, der den Award „Kulinarischer Newcomer 2019“ an den jungen Koch Gal Ben Moshe vom Berliner Restaurant Prism verlieh.

Fotos: enapress.com

Kleines Schiff auf den Großen Seen

Die HAMBURG ist eines der wenigen Kreuzfahrtschiffe, dass die Großen Seen auf der Grenze zwischen den USA und Kanada befahren kann. Peggy Günther war für uns zur Zeit des Indian Summers an Bord.

„Nüscht, alles schon kahl.“ Anneliese schnauft gegen ihre Enttäuschung an. Die Lektorin hatte doch gesagt, in den Laurentian Mountains sei die Chance auf den Indian Summer am höchsten. Doch die sanfte Hügellandschaft zeigt bis an den Horizont kein rotes Laub. „Ihr seid ein bisschen zu spät dran“, gibt Pierre-Alexandre Legault, Kommunikationschef des Tremblant Resorts unumwunden zu. „Der Peak der Laubfärbung ist etwa um unser kanadisches Thanksgiving herum, also Anfang Oktober. Manchmal sind die Nadelbäume weiter oben dann schon verschneit und unten am See leuchten die roten Blätter – ein Wahnsinnsbild“, berichtet der Manager begeistert. „Doch in den letzten Tagen war es windig und regnerisch, da hat es kaum ein Blatt an den Bäumen gehalten.“

Anneliese tröstet sich unterdessen mit einer heißen Kürbissuppe im höchstgelegenen Restaurant des Ortes, der an das französische Wintersportrefugium Megève erinnern soll. Kalt genug wäre es ja für das rote Laub, das für seine Verfärbung einige Frostnächte benötigt. Doch stehen hier überhaupt genug Zuckerahornbäume, die für ihr besonders intensives Rot bekannt sind? Immerhin gibt es als Hauptgang Hähnchen in Zuckerahornsoße. „Haben Sie das von der Frau gehört, die acht Monate an Bord ist“, raunt sie ihrer Sitznachbarin zu, um sich von ihrer Enttäuschung abzulenken. Anneliese ist eine von fast 40 allein reisenden Passagieren auf der 18-tägigen Plantours-Kreuzfahrt über die Großen Seen. Zehn Prozent der Passagiere sind also ohne Kabinennachbarn unterwegs – das ist erstaunlich viel. Doch wenn man bedenkt, dass auch zwei Drittel der Gäste auf dieser Reise schon einmal mit diesem Schiff unterwegs waren, wird schnell klar, dass die HAMBURG ohnehin kein gewöhnlicher Cruiseliner ist.

Weniger als drei Meter Platz in den Schleusen

Das Schiff für maximal 400 Passagiere hat eine bewegte Geschichte. Vor zwanzig Jahren auf der MTW Schiffswerft für die Conti Reederei gebaut, fuhr es bis 2012 unter dem Namen C. COLUMBUS für Hapag-Lloyd Kreuzfahrten. Als die Hamburger Reederei sich auf Luxus und Expedition spezialisierte, nutzte der Bremer Veranstalter plantours & Partner seine Chance, die zehn Jahre ältere VISTAMAR zu ersetzen. Obwohl die HAMBURG ein wenig größer war, zählt sie dennoch zu den wenigen Schiffen, die auf den Großen Seen zwischen den USA und Kanada kreuzen können. Als sie für Hapag-Lloyd Cruises geplant wurde, gab nämlich der Wellandkanal die Abmessungen des Schiffes vor: Mit seinen 21,5 Metern Breite passt es ziemlich exakt in die 24,4 Meter breiten Schleusen.

1,5 Meter Spielraum bleiben also auf jeder Seite, keine einfache Aufgabe für Kapitän Vladimir Vorobyov. Schon Tage vor der Kanalpassage beobachtet er die Wettervorhersage. Bei mehr als 25 Knoten Wind wird der Kanal gesperrt. „Die Frachtschiffe machen es sich einfach, sie rutschen im Zweifelsfall einfach in die Schleuse“, lacht der 67-jährige Ukrainer. Kein Wunder, dass manche Tanker so zerschrammt aussehen. „Sie wurden extra so gebaut. Für uns kommt das nicht infrage.“ Ruhig und konzentriert steuert er den Schiffsbug auf die erste Schleuseneinfahrt zu. Wer vom Palmgartenbalkon auf dem obersten Deck ganz vorn aus zusieht, dem wird ein wenig mulmig zumute. Denn es macht nicht den Anschein, als würde die HAMBURG zwischen die Betonmauern passen. …

Fotos: Peggy Günther, enapress.com, DenisTangneyJr/istock, Rainer Lesniewski/istock, Orchidpoet/istock