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Kreuzfahrtschiff „Crystal Symphony“ wird vor erstem Karibikeinsatz auf Lloyd Werft überholt

Auf der Lloyd Werft Bremerhaven traf jetzt das Kreuzfahrtschiff Crystal Symphony für einen rund 14-tägigen Werftaufenthalt ein. Das Schiff lag die letzten Monate beschäftigungslos in Südostasien auf, und nahm am 25. Mai von Malaysia Kurs auf Nordeuropa. Nach der Passage des Suez-Kanals und eines Bunkerstopps in Limassol auf Zypern, machte das Kreuzfahrtschiff am Donnerstag im Kaiserdock II der Werft fest. Wie Friedrich Norden, Prokurist der Lloyd Werft auf Anfrage erklärte geht es bei diesem Auftrag vor allem um typische Wartungs- und Klassearbeiten mit dem Hauptaugenmerk auf das Unterwasserschiff, da es hier durch die lange Liegezeit wohl zu einem verstärkten Algenbewuchs gekommen ist. Größere Umbauarbeiten im Gästebereich stehen nach Auskunft von Norden an dem Kreuzfahrtschiff zunächst nicht an.

Nach Abschluss der Wartungsarbeiten wird das 848 Passagiere fassende Luxus-Kreuzfahrtschiff vermutlich noch ein paar Tage an der Pier der Werft liegen blieben, bis es dann Mitte Juli von der Seestadt in Richtung Karibik geht. Von St. Maarten wird Crystal Cruises ab Anfang August wieder mit den ersten regulären Kreuzfahrten starten. Die Crystal Symphony wird dabei aber mit einer reduzierten Passagierkapazität verkehren. Schon im Frühjahr gab Crystal bekannt, dass Gäste mindestens 14 Tage vor Beginn der Reise vollständig mit einem COVID-19-Impfstoff geimpft sein müssen. Diese Anforderung gilt zusätzlich zu den bestehenden, umfassenden Crystal Maßnahmen, einschließlich negativen COVID-19-Tests für Gäste und Besatzung, reduzierte Kapazität, soziale Distanzierung, Maskenpflicht und Fragebögen zur Gesundheitsvorsorge.

Die 1995 in Finnland erbaute Crystal Symphony ist bei der Lloyd Werft keine Unbekannte, dort wurde das 238 Meter lange Kreuzfahrtschiff im Herbst 2017 zuletzt für mehrere Millionen Euro umfangreich umgebaut. Dabei handelte es sich seinerzeit um den ersten direkten konzerninternen Auftrag der beiden zur Genting-Gruppe, Hong Kong, gehörenden Unternehmen Lloyd Werft Bremerhaven und Crystal Cruises. Bekanntlich gehört die Lloyd Werft seit 2016 zu 100 % zur Genting-Gruppe, bereits ein Jahr zuvor übernahm Genting die amerikanische Luxusreederei mit zwei Hochseekreuzfahrtschiffen von der japanischen Reederei Nippon Yusen Kaisha.

Wie Norden weiter erklärte stehen aktuell keine weiteren festen Buchungen von Wartungsarbeiten von Kreuzfahrtschiffen im Auftragsbuch, wobei es schon diverse Anfragen hierzu gibt. Als nächstes erwartet die Lloyd Werft das deutsche Polar-Forschungseisbrecher Polarstern des AWI am kommenden Montag (28.06.) aus der Arktis zurück, der anschließend für rund fünf Montage im Kaiserdock I überholt wird. Fünf Monate sind für den Werftaufenthalt eingeplant, wesentlich länger als üblich. Einer der größten Aufträge dabei ist die Erneuerung der elektrischen Leitungen auf dem mittlerweile fast 40 Jahre alten Schiff. Mit diesem Auftrag ist die Lloyd Werft zumindest in den nächsten Monaten gut ausgelastet.

Wie es danach mit der Werft und den rund 300 Mitarbeitern und die 42 Auszubildenden weiter geht, ist weiterhin ungewiss, denn der Eigner der Werft, die Genting-Gruppe hatte im Winter erklärt die Werft zum Jahresende zu schließen. Interesse an einer Übernahme der Werft hatte schon mehrfach die Rönner-Gruppe aus Bremerhaven betont. ChEck

„Crystal Endeavor“ – Arbeiten wieder gestartet

In dem Kampf um die Zukunft der MV Werften ist ein Projekt etwas ins mediale Hintertreffen geraten. Das Expeditionsschiff Crystal Endeavor wurde zuletzt kaum noch erwähnt. Das exklusive und innovative Zukunftsprojekt lebt aber wieder. Die Reederei ließ jetzt aber anklingen, dass auch der zweite Start des Schiffes nicht gehalten werden kann.

Zum Jahresbeginn wurden jetzt die Kurse für die 20000 BRZ große Explorer-Yacht neu abgesteckt. Da das Schiff wegen der Betriebsunterbrechung bei den MV Werften monatelang untätig an der Pier in Stralsund lag, ist das Frühjahrsprogramm nicht zu halten.

Eigentlich sollte der Neubau ab dem 6. Januar von Tasmanien aus durch die Antarktis kreuzen. Daran ist aber nicht zu denken. Am 5. Januar hat Crystal die Reisen der Crystal Endeavor bis zum 1. Mai 2021 abgesagt. Gleichzeitig werden die „veröffentlichten Sommerrouten des Schiffes überprüft“, so heißt es aus der Reederei.

Große Hoffnungen setzt man bei Crystal auf das am 25. September in Tromsö (Norwegen) beginnende Europa-Programm des Schiffes. Höhepunkt ist dabei der Besuch am 28. September in London. So sieht es der Fahrplan vor.

Bei Crystal ist man trotz der inzwischen fast 12-monatigen Verzögerung optimistisch und glaubt weiter fest an den Neubau aus Stralsund. „Obwohl wir sicherlich enttäuscht sind, dass sich die Lieferung von Crystal Endeavor verzögert hat, sind wir von den Fortschritten und dem Engagement der Fachleute bei den MV Werften zuversichtlich und freuen uns auf dieses bemerkenswerte Schiff“, sagte Jack Anderson, Interimspräsident und CEO von Crystal.

Das neue Schiff soll Maßstäbe setzen. „Als das geräumigste und luxuriöseste Schiff auf dem Expeditionsmarkt bietet Crystal Endeavor unseren Passagieren neue Möglichkeiten, die Welt zu erkunden, um gleichzeitig das zu bieten, was Crystal am besten kann – ein Design, das die Bedürfnisse und den Komfort auf hohem Niveau bietet“, so Anderson.

Angesichts des gegenwärtigen Baufortschritts, des unklaren Pandemieverlaufs und der noch ausstehenden Probefahrten wird auch nicht ausgeschlossen, dass die Premiere in London im Spätsommer der Start für das Schiff unter Crystal-Flagge sein wird.

Die Muttergesellschaft von Crystal, die Genting Hong Kong (GHK) Gruppe, hat kürzlich mit den deutschen Kreditgebern einen Vertrag über 193 Millionen Euro für die Fertigstellung von Crystal Endeavor und die Unterstützung des Weiterbetriebs der Werftengruppe bis März 2021 abgeschlossen. Dabei ist auch der Rettungsschirm der Bundesregierung für die Werften ein wesentlicher Faktor.

Voraussetzung war auch die Kündigung des Sale-and-Leaseback-Vertrags von Genting und Crystal. So war es möglich, die Finanzierung des Neubaus auf ein neues Fundament zu stellen. Ziel ist es jetzt, das 160 Meter lange Schiff schnellstmöglich fertigzustellen und an Crystal auszuliefern.

Der Bau der für 200 Passagiere ausgelegten Crystal Endeavor wurde am 15. Januar 2018 begonnen. Am 21. Dezember 2019 erfolgte mit dem Lift der MV Werft in Stralsund der feierliche Stapelhub. Im März stoppte dann die Ausrüstung. Bedingt durch die Pandemie wurden alle drei Standorte der MV Werften mit einer Betriebspause stillgelegt.

Seit Dezember wird jedoch wieder an der Crystal Endeavor gearbeitet. Die Probefahrten sollen je nach Pandemie-Verlauf im Frühjahr starten. FB