Schlagwort: Genting

„Global Dream II“ wird verschrottet

Nun ist es sicher. Für den zweiten Neubau der Global-Klasse von den MV Werften gibt es keine Zukunft. Der im Dock der Warnemünder Werft der MV Werften im Dezember 2019 auf Kiel gelegte Neubau ist erst im unteren Rumpfbereich fertig. Die Maschinen und viele Anlagen waren aber bereits vor Ort.

Wie Insolvenzverwalter Christoph Morgen am Freitag bei einer Pressekonferenz mitteilte, versuche man jetzt einen Teil der Anlagen und Motoren wieder zu verkaufen. Der halbfertige Rumpf soll dann zum Schrottpreis verwertet werden.

Der Fokus des Insolvenzverwalters liegt jetzt voll auf der Global Dream, die inzwischen schwimmfähig im Dock in Wismar liegt. Die Werft in Wismar war am Donnerstag an die Kieler ThyssenKrupp Marine Systems verkauft werden. TKMS will dort ab 2024 U-Boote, Korvetten und Fregatten bauen.

Bis Ende 2023 soll das große Baudock dann frei sein. Alle Pläne zur Fertigstellung der Global Dream am Standort Wismar hätten sich zerschlagen. Es gab zwar zahlreiche Interessenten, doch 21 Wochen nach dem Start des Insolvenzverfahrens ist kein Plan mit Perspektive beim Insolvenzverwalter eingetroffen.

Der einzige echte Interessent war Stena AB aus Schweden. Zusammen mit den drei anderen Genting-Schiffen in Asien wollte Stena AB ein Kreuzfahrtprodukt aufbauen. Ende Mai ist Stena aber abgesprungen, als der ehemalige Genting-Eigner Lim Kok Thay im Mai die Gründung einer neuen Kreuzfahrtmarke in Singapur bekanntgab und gleichzeitig China kein Ende der strikten Reisebeschränkungen bekanntgab. Regulärer Kreuzfahrtverkehr ist damit in weiten Teilen Asiens auf absehbare Zeit nicht denkbar.

Zugleich entwickeln sich rund um das südchinesische Meer die Konflikte zwischen den Anrainern.

Die Global Dream ist aber genau für dieses Kreuzfahrtrevier konstruiert worden. Vor einem Einsatz in Europa oder Nordamerika müssten die Kabinen-, Decks- und das Antriebskonzept grundlegend umgestaltet werden, was ebenfalls erhebliche Investitionen mit sich bringen würde.

Die Global Dream ist inzwischen auch so weit fertig, dass sie als Anhang eines Hochseeschleppers an jeden beliebigen Ort der Welt geschleppt werden könnte. Jedenfalls wenn ein Käufer den gewünschten Betrag bezahlt, der auch die Bürgschaften des Landes Mecklenburg-Vorpommern decken soll.

Wenn sich in den kommenden Wochen kein Käufer mit einem ernsthaften Angebot findet, wird der Insolvenzverwalter die Veräußerung in einem Bieterverfahren wählen müssen. Dann dürfen auch Schiffsmakler mit Kontakt zu Abwrackwerften ihre Gebote abgeben. Der Schrottwert des Schiffes ist angesichts der gestiegenen Schrottpreise auf gestiegen. FB

Unsere Meldung vom 09. Juni: MV Werften: TKMS übernimmt Wismar

Genting-Kreuzfahrer wird Missionsschiff

Für ein weiteres Schiff aus dem Genting-Imperium gibt es eine Zukunft. Die 1991 von der Flender Werft in Lübeck gebaute Kreuzfahrtyacht The Taipan wechselt in einen Missionsauftrag in Richtung Afrika.

„The Taipan“ hieß zeitweise „Genting World“ und ist künftig als „Doulos Hope“ im Einsatz.
Im Foto als „Genting World“ in Penang, 2013.
(Archiv), Foto: enapress.com

Das christliche Hilfs- und Missionswerk OM Ships möchte das Schiff im kommenden Winter für seine Zwecke zum Einsatz bringen. Neuer Name des in Penang liegenden Schiffes ist Doulos Hope. Damit setzt die Organisation neben der Logos Hope bald noch ein zweites Schiff für die christliche Hilfe in Afrika ein.

Die The Taipan soll nach der Übernahme in Asien umgebaut werden. Das 3370 BRZ große Schiff ist Dank seiner Abmessungen mit 85 Metern Länge und 14 Metern Breite auch für kleinere Häfen und Flussmündungen geeignet, wo die größere Logos Hope nicht einlaufen kann.

Das Schiff wurde 1988 als Lady Sarah bei der Flender Werft in Lübeck auf Kiel gelegt und zusammen mit der Schwester Lady Diana gebaut. Die Schiffe sollten unter britischer Flagge auf dem britischen Markt für eine Zielgruppe mit Nähe zum Königshaus zum Einsatz kommen. Die Namenswahl nach den beiden Prinzessinnen gehörte dabei zum Konzept. Doch die Pläne platzten 1991 und beide Schiffe lagen fast zwei Jahre in Travemünde auf.

„Logos Hope“, Foto: Frank Behling

1994 kaufte Star Cruises von Lim Kok Thay die beiden Schiffe und setzte sie als Megastar Taurus und Megastar Aries in Asien ein. Die Megastar Taurus wurde schließlich Crystal Esprit und fährt seit dem vergangenen Jahr als National Geographic Islander II. Aus der Megastar Aries wurde die The Taipan of Genting, die für kleine Gruppen von bis zu 80 Passagieren eingesetzt wurde.  

Die geplante Umbauzeit zur Doulos Hope soll zwölf bis achtzehn Monate dauern. Danach startet sie in dem traditionsreichen Bereich der Missions- und Entwicklungshilfefahrten bei OM Ships.

„Wir danken Gott für seine Treue in den vergangenen 51 Jahren, in denen fast 50 Millionen Menschen in über 150 Ländern eines der OM-Schiffe besuchten und von der Liebe Gottes hörten“, fügt Seelan Govender an.

„Logos II“, Foto: Frank Behling

OM steht für Operation Mobilisation, einem christlichen Verbund, der 1957 seine Arbeit in Mexiko aufnahm. 1971 wurde in Deutschland ein Ableger gegründet, der sich um eine maritime Erweiterung kümmerte. Von Mosbach aus wird seitdem immer ein Schiff betreut. Nach der Logos (1971), der Doulos (1977) und der Logos II (1988) kam 2009 die ehemalige Island-Fähre Logos Hope in Fahrt. Die Logos Hope war in den vergangenen zwölf Jahren überwiegend in Westafrika im Einsatz.

Ziel ist medizinische, christliche und technische Hilfe in Häfen der dritten Welt. „Wir möchten durch unsere Arbeit dauerhafte, qualitativ hochwertige Beziehungen bauen, uns stärker in der Gesellschaft engagieren und gleichzeitig neue Regionen erreichen“, erklärt Seelan Govender, Direktor der OM-Schiffsarbeit. „Deshalb müssen wir unsere Flotte dringend erweitern. Wenn wir mehrere Schiffe betreiben, können wir länger bleiben und früher wiederkommen.“

Aktuell liegt die Logos Hope nach einer Werftüberholung in Sevilla und wird auf die nächsten Einsätze in Afrika vorbereitet. Die Logos Hope besucht in der Regel jährlich 15 bis 18 Hafenstädte. Dabei werden an Bord Einrichtungen zur Betreuung und Zusammenarbeit mit Organisationen vor Ort angeboten.

Bei der Suche nach einem geeigneten Schiff begutachteten Mitarbeiter von OM-Ships in den vergangenen Monaten mehrere Schiffe, die gerade zu einem guten Preis auf dem Markt sind. 

Die The Taipan wurde bereits im Februar angeboten. Im April fiel dann die Entscheidung. „Wir durften erleben, wie Gott uns bei der Suche nach einem Schiff Türen schloss, neue öffnete und uns die einmalige Möglichkeit schenkte, dieses Schiff zu einem günstigen Preis zu kaufen“, erklärt Govender. Die finanziellen Mittel für den Kauf des Schiffes kommen von Spendern aus Deutschland.

Es wird mit vollständig eingerichtetem Mobiliar verkauft, darunter eine komplett Kombüse, Meetingräume, eine Klinik, Gäste- und Besatzungskabinen sowie Büros. Mit ihren 85 Metern ist die Doulos Hope knapp 50 Meter kürzer als die Logos Hope und kann somit auch kleinere Hafenstädte besuchen.

Unter dem Motto ‚Bildung, Hilfe und Hoffnung für Menschen weltweit‘ fahren die OM-Schiffe seit 1970 Häfen dieser Welt an. Auf jedem Schiff gab und gibt es einen Buchladen, in dem Literatur, von Fach- und Sachbüchern über Kinderbücher bis hin zu Bibeln und andere christliche Literatur, zu einem günstigen Preis verkauft wird. Gleichzeitig unterstützt die größtenteils ehrenamtlich tätige Mannschaft die Bevölkerung bei praktischen Dingen, indem sie zum Beispiel beim Bau von Brunnen, Einrichten von Bibliotheken oder nach Katastrophen hilft. FB

MV Werften: Stena will die „Global Dream“ nicht mehr

Die Bemühungen zur Rettung der Arbeitsplätze der MV Werft in Wismar haben einen schweren Rückschlag erlitten. Nach zwei Monaten intensiver Gespräche ist der Investor für das Kreuzfahrtschiff Global Dream abgesprungen. Der schwedische Schifffahrtskonzern Stena wollte das Schiff als Kern einer neuen Kreuzfahrtmarke in Asien übernehmen.

„Wir hatten mehrere ernsthafte Interessenten für das Schiff. Am Ende haben sich die Gespräche auf einen Interessenten konzentriert, der das Schiff zusammen mit den anderen Schiffen aus der Genting-Reederei übernehmen und betreiben wollte“, so Insolvenzverwalter Christoph Morgen.

Bei dem Kaufinteressenten handelte es sich um Stena. Der schwedische Konzern wollte in Asien selbst  ins Kreuzfahrtgeschäft einsteigen. Dafür sollte die Global Dream zusammen mit den Schiffen World Dream, Genting Dream und Explorer Dream zum Einsatz kommen. Stena wollte außerdem die Vertriebsstruktur der Dream Cruises übernehmen.

Das hat aber der ehemalige Eigner der Dream Cruises, der malaysische Unternehmer Lim Kok Thay, in der vergangenen Woche erfolgreich verhindert. Lim Kok Thay gründete in Singapur die Reederei Resorts World Cruises und sicherte sich von einem Konsortium chinesischer Leasing-Banken die Genting Dream.

Dieser Schachzug habe das Interesse des Investors aus Schweden gestoppt. „Der einzige Kunde hat deshalb auch kein Interesse mehr an der Fertigstellung des Neubaus hier in Wismar“, so Insolvenzverwalter Morgen am Montag.

Auch mit den anderen Kunden, gebe es keine Perspektiven mehr. Da die Global Dream in der jetzigen Form mit ihrem Antrieb und der Ausrüstung eigentlich nur noch in Asien eingesetzt werden kann, werde es schwer, einen Käufer zu finden.  

Die Reederei Stena Line hatte im März ein Konzept präsentiert, dass auch Unterstützung der Banken und der Bundesregierung fand. Die Bauzeitfinanzierung für die Fertigstellung wurde bereits gesichert.

Doch nun ist alles wieder auf Null. Für die Belegschaft ist es ein schwerer Schlag. „Das Schlimmste was jetzt passieren kann, ist der Moment, wenn das Schiff hier rausgeschleppt wird und nicht mehr fertiggestellt wird“, sagte Daniel Friedrich von der Gewerkschaft IG Metall.

Die Gewerkschaft IG Metall und auch die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern sprachen sich für eine Verlängerung der Transfergesellschaft aus. „Es muss gelingen, die Arbeitsplätze am Standort zu sichern“, so Friedrich.

„Die Null-Covid-Politik in China ist auch für die anderen Interessenten an dem Schiff ein starker Aspekt“, so Christoph Morgen. Das Konzept von Stena Line aus Schweden sah vor, die drei aktuellen Schiffe aus der Genting-Flotte zu übernehmen und damit in China ein Kreuzfahrtprojekt aufzubauen. Zusätzlich wollte Stena die Global Dream in Wismar fertigstellen. Die Reederei kennt die Werft, da sie dort bereits die Jumbo-Fähren Stena Hollandica und Stena Britannica gebaut hat.

Diese Planungen wurden aber am Freitag komplett aufgegeben. Die Null-Covid-Politik in China zusammen mit der Abschottung des Landes erlaubt auch auf absehbare Zeit keine Planungen für ein Kreuzfahrtprojekt.

Für die Übernahme der Werft in Wismar durch die Kieler Werft TKMS gibt es eine Bedingung.

„TKMS möchte hier in Wismar Schiffe bauen. Dafür braucht man eine leere Halle“, so Christoph Morgen. Jetzt will der Insolvenzverwalter ein Konzept ausarbeiten, die Werft „benutzbar zu liefern“ und dazu gehöre ein leeres Dock.

Der zu 75 Prozent fertiggestellte Kreuzfahrtneubau Global Dream soll nun noch einmal an Interessenten angeboten werden, die das Schiff in Wismar abholen und anderswo fertig bauen lassen. Ziel sei es, bis Ende 2023 das Dock leer zu haben. Danach könnte TKMS dort mit dem Bau von U-Booten, Fregatten oder Spezialplattformen zu beginnen. Dafür sollen 900 bis 1500 Mitarbeiter in Wismar erhalten bleiben.

Im Moment droht 1500 Mitarbeitern der MV Werft in Wismar am 1. Juli der Gang zum Arbeitsamt. Die Transfergesellschaft endet zum 30. Juni. Die Verlängerung der Transfergesellschaft war an den Auftrag der Stena Line gebunden. Dieser Traum ist jetzt geplatzt. FB

Das Comeback von Lim Kok Thay

Totgesagte leben länger. Dieser Filmtitel lässt sich auch auf die Kreuzfahrt übertragen. Im Fall des malaysischen Unternehmers Lim Kok Thay trifft es auf jeden Fall zu. Obwohl eigentlich seine Genting-Gruppe sich aus dem Touristikmarkt verabschiedet hat, keimt jetzt wieder eine neue Pflanze auf. Am Kreuzfahrtterminal in Singapur wird die Genting Dream auf den Neustart vorbereitet. Die Genting Dream wurde dafür mit Einwilligung der Gläubiger aus der Bucht vor Hongkong nach Singapur überführt. Unter dem neuen Namen Resorts World Cruises wagt Lim Kok Thay am 15. Juni den Neustart.

Die Genting Dream wurde zusammen mit der World Dream 2015 bis 2016 in Papenburg gebaut. Es war der erste Neubau seit Jahren für die Reederei Star Cruises von Lim Kok Thay. Noch in der Bauphase wurde für dieses Schiff aber eine neue Marke geschaffen: Die Dream Cruises. Die Tochter von Genting Hong Kong sollte als neue Marke in Asien eine führende Kreuzfahrtadresse werden.

Nach dem Zusammenbruch der Genting Hong Kong kamen die Schiffe im Winter unter Insolvenzverwaltung. Wie die Strait Times in Singapur berichtet, wurde am 9. März bereits die Resorts World Cruises in Singapur beim Registergericht durch die Firma Two Trees Family Holdings angemeldet. Hinter dem Unternehmen steht die Familie von Lim Kok Thay.

Foto: Frank Behling

Der Grund, warum die Genting Dream für dieses Vorhaben extra aus Hongkong nach Singapur verlegt wurde und die bereits in Singapur ankernde Schwester World Dream nicht genutzt wird, dürfte an den Eigentumsverhältnissen liegen.

Die Genting Dream wurde bereits im Januar 2020 zum Preis von 900 Millionen Euro an vier chinesische Leasing-Banken verkauft. Damit ist dieses Schiff nicht Teil der Insolvenz von Genting. Eigner der Genting Dream ist deshalb eine Tochter der in Monaco ansässigen V-Ships Management-Gruppe. Sie führt im Auftrag der Banken den Betreib des Schiffes.

Bei der World Dream sind noch Banken aus Deutschland im Gläubigerausschuss, darunter auch die KfW Ipex, die Investitionsbank des Bundes. Die KfW Ipex hatte fast zeitgleich mit der Eintragung der neuen Kreuzfahrtgesellschaft Resorts World Cruises die World Dream in Singapur unter Arrest legen lassen. Es wird der Verkauf oder eine Versteigerung des Schiffes geplant.  

World Dream, (Archiv) Foto: Frank Behling

Der neue Veranstalter hat auch sofort für alle von Stornierungen der Reisen der World Dream betroffenen Passagiere die Möglichkeit zur Umbuchung der Reisen bis zum 31. August auf die Genting Dream angeboten.

„Wenn ein Passagier 1.000 Dollar für die World Dream bezahlt hatten, geben wir ihnen 1000 Dollar Kreuzfahrtguthaben, und er kann an Bord kommen und zwischen dem 15. Juni und März 2023 kreuzen“, sagte Michael Goh, Präsident und Leiter des internationalen Vertriebs von Resorts World Cruises in der Strait Times.

Rund 13.000 Buchungen der World Dream sollen betroffen sein. CEO der neuen Reederei ist Colin Au, der von Genting wechselte. Er kündigte auch die Erweiterung des Fahrplans in der Region an. Alle geleisteten Zahlung für Tickets sollen jedoch auf ein Treuhänderkonto fließen und so für die Passagiere sicher bis zum Reiseantritt aufbewahrt werden.

Das neue Unternehmen rekrutiert 1600 Crewmitglieder und 70 von rund 100 ehemaligen Mitarbeitern aus den Bereichen Vertrieb und Marketing von Genting Hong Kong.

Die Zukunft der Flotte von Dream Cruises mit der World Dream und der Explorer Dream soll kurzfristig entschieden werden. Ein Treffen der Gläubiger am 20. Mai soll hier die Weichen stellen. Ein Einsatz der beiden weiteren Schiffe ist ab Sommer möglich.

Resorts World Cruises, dessen Muttergesellschaft Two Trees Family ist, ist eine Marke von Resorts World. Dieser Hotelkonzern hat weltweit über 46 Hotels mit mehr als 30.000 Mitarbeitern. Die neue Tochtergesellschaft Two Trees führt Lim Kok Thay und seinen Sohn Lim Keong Hui als Direktor. FB

Weitere Kreuzfahrtschiffe landen bei den Abwrackwerften

Ehemalige „Norwegian Dream“ war mit dem Klappschornstein ein Unikat

In den vergangenen Tagen sind gleich vier weitere, über 30 Jahre alte Kreuzfahrtschiffe an Abwrackwerften verkauft worden, bzw. schon am Strand einer türkischen Abwrackwerft gelandet.

So ist am 22. April die gerade bei deutschen Urlaubern sehr beliebte Delphin nach mehreren Jahren Aufliegezeit auf einer Werft in Kroatien auf einer türkischen Abwrackwerft eingetroffen. Nachdem erst kürzlich das Schwesterschiff Salamis Filoxenia (Bauname Gruziya) im pakistanischen Gadani auf den Strand gesetzt wurde, trifft es mit der Delphin nun das letzte Schiff aus der bekannten Belorussiya-Klasse. Dies war eine Reihe von fünf Schiffen, die in den 1970er-Jahren bei Wärtsilä in Turku, (heute Meyer Turku) als kombinierte Fähr- / Kreuzfahrtschiffe für die damaligen staatlichen Reedereien der Sowjetunion gebaut worden waren. In den 80er Jahren wurden diese Schiffe mehrfach auf der Bremerhavener Lloyd Werft zu reinen Kreuzfahrtschiffen umgebaut.

Gleich drei Kreuzfahrtschiffe von Star Cruises gehen an die Abwracker

Aus der Insolvenzmasse der Genting-Gruppe wurden nun die drei ältesten Schiffe von Star Cruises an Abwrackwerften verkauft, wobei es hier noch keine genauen Angaben über den Ort der Abwrackwerft gibt. Die älteste Einheit ist die 1990 ebenfalls in Turku erbaute ehemalige Auto-/Passagierfähre Star Pisces, die als Kalypso für den Ostseeeinsatz für die schwedische Rederi AB Slite gebaut wurde. Doch schon 1993, nach der Insolvenz der Rederi AB Slite, wurde das 176,75 Meter lange Schiff von Star Cruises erworben und seitdem für Fahrten in Fernost eingesetzt, zuletzt für Casino-Kreuzfahrten ab Hongkong.

„Dreamward“ und „Norwegian Wind“, Foto: Chr. Eckardt

Weiterhin gehen die beiden Schwesterschiffe Superstar Aquarius und Superstar Gemini den Weg in Richtung Abwrackwerft. Beide Schiffe wurden zwischen 1991 bis 1993 nach den Plänen vom Bremer Vulkan auf der französischen Werft Chantiers de l’Atlantique in Saint Nazaire als Windward bzw. Dreamward für die Norwegian Cruise Line mit einer Länge von 190 Metern gebaut.

1998 erhielt die Bremerhavener Lloyd Werft den Auftrag, zur Vergrößerung der Passagierkapazität, beide Schiffe um 40 Meter zu verlängern. Als erstes traf im Januar 1998 die Windward in Bremerhaven ein. Innerhalb von nur 60 Tagen wurde das Schiff im Dock in zwei Teile geschnitten und anschließend wurde eine von der Seebeck-Werft vorgefertigte Sektion im Dock dazwischengesetzt. Nach der Ablieferung am 12. März 1998 traf das in Norwegian Wind umbenannte verlängerte Kreuzfahrtschiff an der Columbuskaje auf das Schwesterschiff Dreamward das auf den freien Dockplatz bei der Lloyd Werft wartete.

Foto: Chr. Eckardt

Im Jahr 2007 wurde die Norwegian Wind von Star Cruises, der damaligen Muttergesellschaft von Norwegian Cruise Lines, übernommen. Seitdem verkehrte es in fernöstlichen Gewässern unter dem Namen Superstar Aquarius.

„Norwegian Dream“ sorgt neun Jahre für Unterhaltung am Nord-Ostsee-Kanal

Ab März 1998 erfolgte dann auch die erfolgreiche Verlängerung der Dreamward bei der Lloyd Werft Bremerhaven, wobei das Schiff eine Besonderheit erhielt, einen klappbaren Schornstein. Denn das nach dem Umbau in Norwegian Dream umbenannte und nun 230 Meter lange Kreuzfahrtschiff sollte in den Sommermonaten für die Norwegian Cruise Line regelmäßig von Dover kommend im Rahmen von Ostseekreuzfahrten den Nord-Ostsee-Kanal quer durch die norddeutsche Tiefebene passieren. Damit das Schiff dort die niedrigen Eisenbahn- und Straßenbrücken passieren konnte, musste die Schornsteinspitze jedes Mal vor der Einfahrt in den Kanal umgeklappt werden. Die erste Passage des bislang größten Kreuzfahrtschiffes das den NOK regelmäßig passierte erfolgte am 14. Mai 1998.

Foto: Chr. Eckardt

Doch schon lange bevor die Queen Mary 2 später in Hamburg für volle Deiche entlang der Elbe sorgte, zog die Norwegian Dream schon damals regelmäßig die Menschenmassen an den Nord-Ostsee-Kanal. Die vornehmlich amerikanischen Gäste liebten die Passage und vor allem die Begrüßung durch die vielen Schaulustigen mit Fahnen, Fackeln, Plakaten und Hupkonzerten auf der rund 8-stündigen Passage des Kreuzfahrtschiffes. Regelmäßig, alle 12 Tage zur gleichen Zeit mit bis zu 1.700 Passagieren an Bord, wurde die Norwegian Dream in Brunsbüttel erwartet. 

Um die Mittagszeit lief das Schiff die Schleuse und wurde dabei auch vom dem Feuerwehrmusikzug des Amtes Hanerau-Hademarschen begrüßt. Dieser stieg dann jedes Mal mit an Bord und sorgte so bis zum Ausstieg in Kiel-Holtenau für zünftige deutsche Unterhaltung. Dazu wurden auf dem Außendeck Weißwurst, Brezel und Fassbier an Bord ausgeschenkt und somit ein kleines deutsches Volksfest gefeiert, für viele amerikanische Gäste einer der Höhepunkte der Reise. Sie wollten vor allem die Mitglieder des „Norwegian Dream Fan Club Albersdorf“ sehen, die das Schiff auf jeder Passage mit Fahnen und Bannern begrüßten. Auch die Schiffsführung spielte immer wieder mit und erwiderte die Begrüßung mit dem betätigen des Schiffshorns. Dies ging so bis in den Herbst 2007, auf insgesamt 91 Passagen, immer von West nach Ost. Bei keinem weiteren Kreuzfahrtschiff danach gab es ähnliche Begrüßungen wie die zu Zeiten der Norwegian Dream.

Foto: Chr. Eckardt

Noch einmal kehrte der Cruiser in dieser Zeit zurück zur Lloyd Werft, denn am 24. August 1999 rammte es nachts im Ärmelkanal den taiwanesischen Containerfrachter Ever Decent. Wie durch ein Wunder gab es an Bord beider Schiffe keine Schwerverletzten, aber einen Schaden in Millionenhöhe. Nach dem Unfall wurde die Norwegian Dream zur Lloyd-Werft nach Bremerhaven verholt, um dort umfangreich repariert zu werden. Dazu erhielt das Schiff innerhalb von nur fünf Wochen ein komplett neues Vorschiff.

Schon im April 2008 wollte sich die Norwegian Cruise Line von der Norwegian Dream trennen und verkaufte es zunächst an die griechische Louis Cruise Lines, die dann aber im Oktober den Ankauf wieder stornierte. Nach einer längeren Aufliegezeit in griechischen Gewässern lief das Schiff ab 2012 dann unter dem neuen Namen Superstar Gemini für Star Cruises in fernöstlichen Gewässern.

Nun erfolgt für alle drei derzeit in Malaysia aufgelegten Schiffe der von Branchenkennern schon seit längerer Zeit erwartete Weg zur Abwrackwerft. Chr.Eck

Auch „Crystal Serenity“: Zweites Crystal-Schiff wegen Arrest-Drohung nach Bimini umdirigiert

Die durch Umroutung in den Bahamas-Hafen Bimini einem im Bestimmungshafen Miami drohenden Arrest entkommene Crystal Symphony hat hauseigene Gesellschaft bekommen: Mit der Crystal Serenity liegen seit Montag nunmehr bereits zwei Schiffe der zum in finanzieller Schieflage befindlichen Genting Hong Kong-Konzern gehörenden Reederei Crystal Cruises auf Warteposition in Bimini, wo ein dem Konzern nahestehendes Unternehmen über ein eigenes Resort verfügt.

Crystal Serenity, Foto: enapress.com

Alle Passagiere wurden per Schnellfähre nach Port Everglades gebracht und Montagnacht in einem Hotel in Fort Lauderdale untergebracht. Sie sollen nach Reedereiangaben für die angefallenen Flugumbuchungskosten entschädigt werden. Das 2003 in St. Nazaire erbaute 68870-BRZ-Schiff war am 17. Januar von Miami zu einer Reise ausgelaufen, von der es planmäßig erst im Mai in Kalifornien zurückerwartet wurde. Allerdings wurden die Gäste schon wenige Tage später darüber informiert, dass Hafenanläufe kurzfristig abgesagt werden müssten. Nachdem am Freitag überraschend auch der Anlauf von Aruba von den dortigen Behörden verweigert wurde, obwohl die Reederei nach eigenen Angaben zuvor die Bezahlung aller anfallenden Abfertigungskosten sichergestellt hatte, wurde die Crystal Serenity ebenfalls nach Bimini geschickt, wo die beiden Schiffe zunächst den Ablauf des von Genting auf den Bermudas beantragten Insolvenzverfahrens abwarten dürften.

Wie berichtet, hatte der mit Hauptsitz in Singapur ansässige Bunkerlieferant Peninsula Petroleum Far East Pte. Ltd. am 19.01.2022 beim United States District Court Southern District of Florida eine Klage gegen das 27 Jahre alte 51044-BRZ-Schiff Crystal Symphony und die Reedereien Crystal Cruises und Star Cruises wegen unbezahlter Rechnungen für Treibstoff in Höhe von insgesamt 4,6 Mio. Euro erhoben, von denen 2,104 Mio. Dollar auf Crystal Cruises entfallen, deren Crystal Symphony zwischen Dezember 2021 und Januar 2022 zwei Mal und Crystal Serenity sechsmal in Miami bebunkert wurden, ohne dass die dafür fälligen Kosten beglichen wurden.

Am Folgetag ordnete dann District-Richter Darrin P. Gayles an, dass das Gericht einen Vollstreckungsbeschluss für die Arretierung der unter Bahamas-Flagge betriebenen Crystal Symphony erteilt, die zwar am 22.01.2022 in Miami zurückerwartet wurde, stattdessen aber nach Bimini auswich, um dort die Reise zu beenden.

Mit der vorzeitigen Stilllegung der Crystal Serenity schmilzt die Hoffnung auf eine Weiterführung der unter den Marken Crystal Cruises Star Cruises und Dream Cruises betriebenen Kreuzfahrtaktivitäten, die sowohl Genting Hong Kong mit seinem am 18. Januar 2022 vor dem Supreme Court of Bermuda gestellten Antrag auf vorläufige Insolvenz als auch Jack Anderson, Präsident der Genting-Tochter Crystal Cruises, mit seiner Entscheidung zur Auflegung aller drei Seeschiffe bis Ende April und Verschiebung des Saisonstarts der fünf Flusskreuzer auf Ende Mai verbunden hatten.

Auch Dream Lines insolvent

Ein weiteres Indiz für die Erosion des Genting-Imperiums ist auch die Tatsache, dass inzwischen auch die 2015 von Genting gegründete Reederei Dream Cruises in Bermuda einen Insolvenzantrag gestellt hat. Die Reederei war Auftraggeber des bei dem 2016 von Genting übernommenen und seit Januar dieses Jahres insolventen MV Werften-Verbund zu 75 Prozent fertiggestellten Neubaus Global Dream. Für das für rd. 10 000 Gäste ausgelegte 1,5 Mrd. Euro-Schiff werden derzeit nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters der Bauwerft Käufer gesucht. Angeblich soll es vier Interessenten geben. Erste Gespräche seien schon geführt worden. Ob sich die von Genting gehegten Hoffnungen erfüllen, dass nach der kurzfristig erwarteten Einberufung eines vorläufigen Insolvenzverwalters für Dream Cruises eine Lösung zur Weiterführung statt Zerschlagung der Reederei erfüllen und wie es um die Zukunft von Star Cruises bestellt ist bleibt ungewiss. JPM

Crystal Cruises stellt Betrieb bis Ende April ein

MV Werften werden überprüft – „Superstar Libra“ liegt weiter in Wismar

Die unklare Lage bei der angeschlagenen Genting-Gruppe trifft auch die Premium-Kreuzfahrtmarke Crystal Cruises. Bis Ende April werden die drei Schiffe der Marke stillgelegt. Die Flusskreuzfahrtschiffe werden den Saisonstart auf Ende Mai verschieben. Eigentlich sollten die Flussschiffe im April starten.

In einer Mitteilung der Reederei heißt es, die Einstellung des Betriebs biete dem Managementteam von Crystal die Möglichkeit, den aktuellen Geschäftsstand zu bewerten und verschiedene Optionen für die Zukunft zu prüfen.

Dabei ist auch eine Lösung aus dem Genting-Konzern die Möglichkeit. In erster Linie geht es aber um die Sicherstellung der Liquidität für den Betrieb der Schiffe. Auch müsse geklärt werden, ob durch Ansprüche von Gläubigern eine Arretierung der Crystal-Schiffe möglich ist. Die in Los Angeles ansässige Marke Crystal Cruises ist eine Tochter der Genting Hong Kong.

Crystal Endeavor, Foto: enapress.com

Crystal betreibt drei Hochseeschiffe und fünf Flusskreuzfahrer. Die beiden großen Premium-Schiffe Crystal Serenity und Crystal Symphony sind aktuell in der Karibik. Die Crystal Symphony wird nach dem regulären Ende der aktuellen Reise am Sonnabend in Miami aufgelegt. Die Crystal Serenity beendet am 30. Januar in Aruba (Niederländische Antillen) ihre aktuelle Reise.

Das erst im Juni von den MV Werften abgelieferte Expeditionsschiff Crystal Endeavor wird nach der Antarktis-Reise am 4. Februar in Ushuaia die Wintersaison beenden und Kurs auf Nordeuropa nehmen.

„Dies war eine äußerst schwierige Entscheidung, aber angesichts des aktuellen Geschäftsumfelds und der jüngsten Entwicklungen bei unserer Muttergesellschaft Genting Hong Kong eine umsichtige Entscheidung“, sagte Jack Anderson, Präsident von Crystal.

Genting Hong Kong ist durch die Zahlungsunfähigkeit der MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern in ein Insolvenzverfahren gerutscht. In der Folge kam es auch bei Genting zu Liquiditätsengpässen und der Handel mit Genting-Aktien wurden eingestellt.

„Crystal ist seit mehr als 30 Jahren ein Synonym für Luxuskreuzfahrten und wir freuen uns darauf, unsere geschätzten Gäste wieder willkommen zu heißen, wenn wir den Betrieb wieder aufnehmen. Wir möchten unseren Gästen und Reiseberatern für ihre unglaubliche Unterstützung in diesen anhaltend herausfordernden Zeiten danken“, so Anderson.

Alle gebuchten Passagiere bekommen den vollen Reisepreis erstattet. Crystal erstattet nach eigenen Angaben den bezahlten Kreuzfahrtpreis vollständig zurück, der automatisch mit der ursprünglichen Zahlungsweise verarbeitet wird, sodass seitens des Gastes keine weiteren Maßnahmen erforderlich sind.

SuperStar Libra im Wismarer Westhafen,
Foto: enapress.com

Superstar Libra“ bleibt in Wismar

Durch das Insolvenzverfahren hat sich auch die Verschleppung des Kreuzfahrtschiffes Superstar Libra von Wismar zu einem Abbrecher in der Türkei verschoben. Das Kreuzfahrtschiff hatte Genting 2018 nach Wismar geschickt, damit es dort als Hotelschiff für die am Projekt Global Dream beteiligten Mitarbeiter und Crewmitglieder genutzt zu werden.

Im November war bekannt geworden, dass Genting das Kreuzfahrtschiff zum Abbruch in die Türkei verkaufen wollte. Dabei hatte Genting aber die Rechnung ohne die Export-Auflagen für Abwrackschiffe in Deutschland gemacht. Die Prüfung der zuständigen Behörden dauerten noch an, als der Insolvenzantrag gestellt wurde. Der bereits im November nach Wismar beorderte Hochseeschlepper Fairplay 33 hat Wismar am Freitag nach sechs Wochen Liegezeit ohne die Superstar Libra verlassen.

Die geplante Verschleppung des Kreuzfahrtschiffes wurde abgesagt, da das Schiff jetzt Teil des Insolvenzverfahrens ist. Wann es Wismar verlassen wird, ist weiter unklar.

Foto: Frank Behling

MV Werften werden weiter durchleuchtet

Bei den MV Werften geht die Suche nach einem Ausweg weiter. Insolvenzverwalter Christoph Morgen versucht weiter eine Lösung für die Werft und das unfertige Kreuzfahrtschiff Global Dream zu bekommen.

Das Schiff liegt im Baudock in Wismar und ist inzwischen schwimmfähig. Der Verwalter und sein Team sind weiter bei der Sichtung der Unterlagen. Verwiesen wird bei Fragen auf den 1. März. Dann soll eine Transfergesellschaft stehen und Teile der Belegschaften mit dem Start des Insolvenzverfahrens übernehmen.

Erste Abwanderungen von Ingenieuren gibt es bereits. In Schleswig-Holstein sucht die Werft ThyssenKrupp Marine Systems händeringend Ingenieure für Rüstungsprojekte. So wird gerade ein Team für Fregatten der Marine Brasiliens zusammengestellt.

Das Land Mecklenburg-Vorpommern könnte möglicherweise im Frühling den unfertigen Neubau als „Sicherheit“ für die Bürgschaften bekommen. 300 Millionen Euro an Bürgschaften sind allein vom Land in dem Projekt eingebunden.

Einen Lichtblick gibt es für die 1900 Mitarbeiter der MV Werften. In der nächsten Woche sollen die Gehälter endlich ausgezahlt werden. Die Agentur für Arbeit zahlt die Gehälter aus dem Insolvenzgeld.

Für Verwunderung sorgte bei der Sichtung der Unterlagen in Wismar auch die Tatsache, dass die unfertige Global Dream bereits seit dem 1. Januar 2022 für die Genting Cruise Ship Management in Kuala Lumpur registriert ist. Dieser Schritt war möglich, weil Genting sowohl Eigentümerin der Werft und gleichzeitig des Auftrags ist. Normalerweise wird eine Reederei erst dann Eigentümerin eines Schiffes, wenn sie das von ihr bestellte Schiff nach der Fertigstellung und erfolgter Abnahmefahrt vollständig bezahlt hat. FB


Meldung vom 23.01.2022: Arrest-Beschluss für „Crystal Symphony“ erwirkt

Betriebsaussetzung

Crystal Cruises hat nach den finanziellen Problemen der Mutterfirma Genting Hong Kong vorerst den Betrieb eingestellt. Die Hochseeflotte (Crystal Serenity, Crystal Symphony & die Expeditionsyacht Crystal Endeavor) setzt bis Ende April (29.4.) und die Flussschiffssparte Crystal River Cruises bis Ende Mai aus.

Ausschnitt aus dem Statement vom 19. Januar 2022 auf der Crystal Cruises Website:

„Dies war eine äußerst schwierige Entscheidung, aber angesichts des derzeitigen Geschäftsumfelds und der jüngsten Entwicklungen bei unserer Muttergesellschaft Genting Hong Kong eine kluge Entscheidung“, sagte Jack Anderson, Präsident von Crystal.

„Crystal ist seit mehr als 30 Jahren ein Synonym für Luxuskreuzfahrten, und wir freuen uns darauf, unsere geschätzten Gäste bei der Wiederaufnahme des Betriebs wieder begrüßen zu dürfen. Wir möchten unseren Gästen und Reiseberatern für ihre unglaubliche Unterstützung in diesen schwierigen Zeiten danken.“, heißt es weiter.

Weitere Informationen finden Sie in unserem AN BORD-Newsletter am Freitag.


MV Werften: Es werden auch weiter Schiffe gebaut

Foto: Frank Behling

Es war die Woche der Weichenstellung. Die MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern haben Insolvenz angemeldet. Der Mann, der jetzt das Sagen über die Zukunft von knapp 1900 Frauen und Männern der MV Werften und die gewaltigen Werftanlagen in Wismar, Warnemünde und Stralsund hat, ist Insolvenzverwalter Christoph Morgen.

In einer ersten Stellungnahme machte er den Beschäftigten auch gleich Hoffnung. Das Insolvenzverfahren „ist nicht das Ende des Schiffbaus“ im Nordosten. Es ist vielmehr eine Standortbestimmung mit der Perspektive auf einen Kurswechsel. Weg von den großen Kreuzfahrtschiffen und hin zum Spezial- oder Marineschiffbau und auch zum Bau klassischer Handelsschiffe.

Wenn ein Mann mit so einer Aufgabe Erfahrung hat, ist es Christoph Morgen. Seit etwa 10 Jahren ist er auf deutschen Werften unterwegs und hat einige spektakuläre Insolvenzverfahren gemeistert. Den letzten Kraftakt hatte er 2020 in Schleswig-Holstein zu lösen.

Die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) hatte sich beim Wandel hin zur Spezialwerft für moderne Passagierfähren „verhoben“. Eine Fähre für Irland wurde mit einem dreistelligen Millionen-Verlust verspätet abgeliefert. Eine zweite Fähre für die Brittany Ferries in Frankreich lag seit 2018 an der Werftpier und bescherte der Werft die Zahlungsunfähigkeit.

Christoph Morgen, Foto: Frank Behling

Im April 2020 mitten in der ersten Corona-Welle meldete die Werft dann Insolvenz an und der norwegische Eigner zog sich zurück. Christoph Morgen trat nach der Sichtung der Bücher und der Bewertung der Werft dann mit einem Plan vor die Belegschaft.

Die unfertige Fähre Honfleur wurde wie Ballast abgeworfen. Christoph Morgen fand in Norwegen einen Abnehmer, der die Fähre fertigstellte und genug Geld bezahlte, damit die Werft den Neustart wagen konnte.

Der Investor Lars Windhorst stieg nach Hertha BSC auch bei der FSG ein und sorgte für die Sicherheit beim Neuaufbau des Betriebs. Inzwischen werden in Flensburg wieder Schiffe gebaut. Keine hochmodernen Fähren mit komplexen und klimaneutralen Antriebssystemen, sondern klassische Frachtfähren für den weltweiten Einsatz.

Ob es bei den MV Werften auch so gut läuft, wird Christoph Morgen erst im März wissen. Bis dahin sind die Gehälter durch das Insolvenzausfallgeld gesichert und die Werft kann von neuen Investoren besichtigt werden.

Wie es ab Anfang März mit den MV Werften weitergeht, bleibt also spannend. Gleich nach den ersten Sitzungen und Sichtungen der Unterlagen hat Christoph Morgen aber klargestellt, dass der unfertige Neubau Global Dream ein ganz wichtiger Bestandteil der Zukunftsperspektive sein wird.

Wird das Schiff in Wismar fertiggestellt, soll es 1,5 Milliarden Euro durch Bezahlung in die Kassen spülen und so die Kredite aus der Bauzeit ablösen. Ob der Käufer dann Genting heißen wird, wollte niemand aus dem Umfeld kommentieren.

Die zweite Alternative ist das Ausdocken des unfertigen Schiffes und ein Auflegen an einem kostengünstigen Platz. Danach könnte das Schiff dann „wie es ist“ zum Verkauf auf den Markt gebracht werden. Auch dabei dürfte es einen Erlös im oberen dreistelligen Millionenbereich einspielen.

Was die Zukunft der Werften angeht, wird aber von einer Perspektive im Schiffbau gesehen. Ähnlich wie in Flensburg ist auch jetzt sein Ziel der Neuanfang in einer neuen Gesellschaft. Dieser „Reset“ könnte mit einem Investor zeitnah beginnen. Hier ist auch die Gewerkschaft mit im Boot.

„Schiffe werden auch weiterhin im Nordosten gebaut“, so ist aus dem Umfeld des Insolvenzverwalters zu hören. Bis die Schweißgeräte wieder zünden, ist es aber noch ein Stück. Die Gewerkschaft IG Metall will sich mit den Betriebsräten ebenfalls einbringen.

Für die Angehörigen der Belegschaft gab es eine erste gute Nachricht. „Es sind alle Vorbereitungen getroffen worden, dass ab Montag die Löhne und Gehälter ausgezahlt werden können“, so Morgen.

Das ist der erste Punkt des Dreipunkte-Plan. Zweite Punkt ist die Fertigstellung der Global Dream. „Wir müssen alles daran setzen, dieses Schiff fertigzubauen“, so Morgen. Der dritte Punkt ist die Umstellung der Werften auf andere Schiffstypen. Kreuzfahrtschiffe sollen nach der Global Dream  nicht mehr gebaut werden.

Morgen hat auch bereits mit Genting gesprochen. Dabei geht es um die Perspektive für eine mögliche Übernahme des Schiffes 2023 durch Genting Hongkong zur Nutzung unter der Marke Dream Cruises.

Es wird aber auch ein „Plan B“ vorbereitet. Dazu gehört der Stopp des Neubaus für Genting und eine Anpassung für des Konzepts an Bedürfnisse eines anderen Interessenten. Fest steht, dass das ursprünglich für Asien bestimmte Schiffes nicht ohne Anpassungen für einen Kreuzfahrtkonzept eines anderen Reeders genutzt werden kann. FB

MV Werften und Lloyd Werft per Insolvenz in die neue Zukunft

Der Fall ist eingetreten. Die MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern und die Lloyd Werft in Bremerhaven haben bei Amtsgerichten in Schwerin und Bremerhaven Anträge auf Eröffnung von Insolvenzverfahren gestellt. Durch diese Schritte sollen jetzt die Perspektiven für einen Neuanfang beider Unternehmen geprüft werden. Beide Werften sind durch die Probleme ihrer Muttergesellschaft Genting Hongkong in Schwierigkeiten geraten und jetzt zahlungsunfähig.

(Archiv) Foto: Frank Behling

Die Geschäftsführung der Werften räumte am Montag ein, dass es keinen anderen Ausweg mehr gegeben habe. Nahezu zeitgleich wurden bei den Amtsgerichten Schwerin und Bremerhaven die Anträge auf Eröffnung der Insolvenzverfahren gestellt.

Bis zuletzt hatten Vertreter des Eigentümers sowie der Landesregierung, Bundesregierung und der Banken verhandelt und nach einem Ausweg aus der Krise gesucht. Die Perspektive auf Fertigstellung der Global Dream bei den MV Werften in Wismar besteht aber weiterhin. Nur der Zeitplan wird jetzt weiter nach hinten verschoben.

Vertreter der Politik und der Gewerkschaften zeigten sich zuversichtlich, dass es durch das Insolvenzverfahren auch einen Neustart für die Werften geben könne. In den vergangenen Jahren war beispielsweise die Werften FSG, Nobiskrug und Elsfleth in ein Insolvenzverfahren gerutscht. Die Elsflether Werft wurde von der Lürssen-Gruppe übernommen. Die Werften Nobiskrug und FSG sind als Teil der Tennor-Gruppe von Investor Lars Windhorst in neues Fahrwasser gekommen.

Lloyd Werft in Bremerhaven (Archiv) Foto: Frank Behling

Wie es aber für die MV Werften und die Global Dream jetzt konkret weitergeht, ist jedoch unklar. Der Neubau ist zu 75 Prozent fertiggestellt. Die Finanzierung der Bauzeit des Schiffes war gescheitert, da nicht mehr sicher ist, ob der Auftraggeber auch die Schlussrate zur Ablieferung des Schiffes zahlen kann. Die Kredite der Bauzeitfinanzierung werden am Ende mit der Schlussrate bei Ablieferung durch die Banken des Reeders beglichen.

Angesichts der strengen Wettbewerbsvorgaben in der EU sind direkte Subventionszahlungen an die Werft durch öffentliche Steuergelder verboten. Die Überbrückung der Finanzierung muss einzig durch Kredite erfolgen und kann nur durch Bürgschaften abgesichert werden. Angesichts der Lage des Tourismusmarktes sind Banken aber mit Krediten sehr zurückhaltend.

Einziger Rettungsanker war der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) der Bundesregierung. Die Werften hätten zwar etwa 600 Millionen Euro aus dem WSF für ihren Betrieb bekommen können. Die Verhandlungen zur Zahlung scheiterten aber, da die erforderlichen Eigenmittel von Genting nicht hoch genug waren. Laut einem Bericht der Ostsee-Zeitung hatte die Genting-Gruppe dem Bund vier Vorschläge zur Rettung gemacht. Sie seien jedoch alle als nicht tragfähig abgelehnt worden.

Für die Lloyd Werft in Bremerhaven gibt es bereits einen Interessenten. Die Bremerhavener Rönner-Gruppe hat bereits Interesse an dem Werftgelände und den Mitarbeitern. Rönner ist in Bremerhaven im Stahlbau und der Schiffsreparatur tätig. Erst Ende vorigen Jahres hatte Rönner auch die Stahlbau-Abteilung der Nobiskrug-Werft aus Rendsburg (Schleswig-Holstein) übernommen.

Wie es weitergeht, sollen entschieden werden, wenn die Insolvenzverwalter Einblicke in die Bücher haben. Danach soll dann nach Interessenten für den Kauf der Werften gesucht werden. Erwartungsgemäß dauert so ein Verfahren zwischen drei und sechs Monate. FB