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Insel mit schlafender Dame

Malta ist ein Staat mit wechselhafter Geschichte zwischen Orient und Okzident.
Die Insel hat viel Kultur zu bieten. Roland Mischke war dort.

„Game of Thrones“ war einer der größten Filmerfolge Hollywoods. Die Filmkulissen der Königreiche gibt es ganz real, sie befinden sich auf Malta, der äußersten Randinsel Europas. Der Inselstaat liegt 290 Kilometer vor der Küste Tunesiens und knapp 100 Kilometer vor Sizilien, aber er ist anders als Nordafrika­ und Europa.

Hollywood hat Malta für sich entdeckt und entsandte seine Mega-Stars dorthin. Brad Pitt war gleich zwei Mal für längere Zeit zu Dreharbeiten auf der Insel, für das Historienepos „Troja“ und den Blockbuster „World War Z“. Regisseure wie Steven Spielberg haben sich in Malta verliebt, denn dort finden sie alles, was sie für ihre aufwendig hergestellten Kultserien brauchen. Zum Beispiel das Stadttor von Königsmund, das in „Game of Thrones“ immer wieder erscheint.

Vor Jahrtausenden begann auf Mdina, wie das Land einst hieß, der Bau wuchtiger Anlagen. Es sind die ältesten freistehenden Sakralbauten im gesamten Mittelmeerraum, mit meterdicken Mauern, Wassergräben und Zugangsbrücken, gegen Feinde abgesichert. Gebaut wurde vor 5000 bis 7000 Jahren, noch vor den ägyptischen Pyramiden. Christen eroberten die Insel, wurden von Muslimen verdrängt und besetzten sie später wieder. Die mystischen Tempelanlagen mit ihren Skulpturen und Ornamenten stehen meist zwischen Felsen am Meer.

Aber schon zehntausende Jahre zuvor lebten auf der Insel Menschen, das haben zahlreiche archäologische Stätten belegt. Sie nutzten die Buchten als natürliche Häfen, es sind immer wieder Schiffswracks gefunden worden. Malta war ideal für menschliche Ansiedlungen, weil weder starke Strömungen noch Gezeiten das Leben beeinträchtigten, und das Klima ist fast das ganze Jahr über angenehm.

Der älteste Fundort liegt in der Hauptstadt Valletta, die Tempelanlage Hypogäum Hal-Saflieni. Erst 1903 hatte sie der Jesuitenpater Manwel Magri entdeckt, mitten in der Innenstadt und von Häusern überbaut. Über abgewetzte Stufen, spärlich flackerndes Licht und schemenhafte Umrisse geht es drei Stockwerke unter die Erde. An die Decke gemalte Spiral- und Rankenmuster, dazu die Ausdünstungen von Jahrtausenden. Mehr als 7000 Tote wurden hier bestattet, bis zurück in die Jungsteinzeit.

Foto: enapress.com

Die Attraktion ist eine winzige Terrakottafigur, die Sleeping Lady, in einer Kammer gefunden. Eine schlummernde Frau mit zierlichem Kopf, aber massigem Körper. Die Priesterin der Unterwelt ist im Heiligtum des National Museums von Valletta in einer Vitrine zu besichtigen. Die Malteser lieben dieses Figürchen.

Im Jahr 60 n. Chr. soll der Apostel Paulus vor der Küste Maltas Schiffbruch erlitten haben, an Land bekehrte er Bewohner zum Christentum, er ist der Schutzpatron der Insel. In den Jahrhunderten wechselten Herrscher einander ab. 800 Jahre vor Christus Phönizier, dann Römer, arabische Sarazenen, Normannen und Spanier. Ab 1525 baute der Ritterorden der Johanniter die Insel zur uneinnehmbaren Festung aus, sie gingen als “Malteser Ritter“ in die Geschichte. 1798 kamen die Franzosen unter Napoleon, 1814 wurden sie vertrieben – Britannien übernahm die Insel als Kronkolonie. Bis heute ist Englisch die zweite Sprache.

Foto: enapress.com

Malta war ein wichtiger strategischer Flottenstützpunkt, erst 1964 wurde es unabhängig, 2004 kam es zur EU. Die Wirtschaft floriert, ebenso der Tourismus, die Malteser haben ein beträchtliches Pro-Kopf-Einkommen (480.000 Ew.).

Anregend sind auch die beiden Nebeninseln Gozo – mit dem schönsten Sandstrand – und Comino. Auch dort gibt es Hinterlassenschaften früher Insulaner.

Die Landschaft ist karg, aber in den Wintermonaten blühen auf den Felsen bunte Blumenteppiche, die Zugvögel nutzen Malta als Zwischenstopp. Das Meerwasser ringsumher ist sauber und klar, optimal für Taucher. Malta ist ein Gewässerparadies.

Valletta hat Sehenswürdigkeiten, die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehören. Ein ganzer Stadtteil, der breite Felsen Mount Sciberras, steht unter Schutz, auch die beiden Häfen Marsamxett und Grand Harbour. Neben Festungen gibt es Paläste, Kirchen und andere beeindruckende Bauwerke. Die außen unscheinbare Kathedrale beherbergt den größten Kunstschatz, farbenfreudig verzierte, einmalige Freskomalerei des Italieners Mattia Preti.­ Der Großmeisterpalast ist prunkvoll, die Festung Fort St. Elmo aus dem 16. Jahrhundert, die dem Schutz vor Angriffen diente, massiv, und die Karmeliterkirche hat eine beeindruckende Kuppel, die auch UNESCO-Welterbe ist. Am schönsten ist, durch die verwinkelten Gassen der Altstadt zu spazieren, vorbei an Barockfassaden, Heiligstatuen und Brunnen.

Das Straßenleben geht Tag und Nacht, die Malteser gelten im Mittelmeerraum als Liebhaber des Nachtlebens. Tagsüber schlürfen sie Kinnie, das Nationalgetränk ist eine erfrischende Limonade aus Bitterorangen und Gewürzen ohne Alkohol, am Abend genießen sie Bier und Wein. Die Küche orientiert sich am Gemüse, von der Kolonialzeit blieben Würstchen mit Rührei und Schinken. Stark gewürzte Pasta ist im Angebot der Lokale, Pastizzi, Teigtaschen mit einer Füllung aus Ricotta, Spinat oder Erbsen. Und von großem Stellenwert ist das traditionelle Hauptgericht Fenek, Kaninchen.

Zentrum des Nachtlebens sind St. Julian’s und Paceville mit Bars und Tanzgelegenheiten, an Wochenenden gern bis in die frühen Morgenstunden. Weil Malta das Land der Sprachreisen ist, kommen viele junge Leute aus europäischen Ländern, die gern nachts mit um die Häuser ziehen.

Die Sonneninsel Malta ist reizvoll, es ist immer etwas los auf Straßen und Plätzen. Die Bewohner sind geschichtsbewusste Zeitgenossen, die auf ihre Inselgruppe nichts kommen lassen. Sie gelten als besonders gastfreundlich, sind erstaunlich sprachbegeistert und stolz auf die Vielfalt ihrer nur 27 Kilometer langen Insel.

Interview mit Carlo Micallef, Deputy CEO & Chief Marketing Officer von Malta Tourism Authority.