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„Global Dream II“ wird verschrottet

Nun ist es sicher. Für den zweiten Neubau der Global-Klasse von den MV Werften gibt es keine Zukunft. Der im Dock der Warnemünder Werft der MV Werften im Dezember 2019 auf Kiel gelegte Neubau ist erst im unteren Rumpfbereich fertig. Die Maschinen und viele Anlagen waren aber bereits vor Ort.

Wie Insolvenzverwalter Christoph Morgen am Freitag bei einer Pressekonferenz mitteilte, versuche man jetzt einen Teil der Anlagen und Motoren wieder zu verkaufen. Der halbfertige Rumpf soll dann zum Schrottpreis verwertet werden.

Der Fokus des Insolvenzverwalters liegt jetzt voll auf der Global Dream, die inzwischen schwimmfähig im Dock in Wismar liegt. Die Werft in Wismar war am Donnerstag an die Kieler ThyssenKrupp Marine Systems verkauft werden. TKMS will dort ab 2024 U-Boote, Korvetten und Fregatten bauen.

Bis Ende 2023 soll das große Baudock dann frei sein. Alle Pläne zur Fertigstellung der Global Dream am Standort Wismar hätten sich zerschlagen. Es gab zwar zahlreiche Interessenten, doch 21 Wochen nach dem Start des Insolvenzverfahrens ist kein Plan mit Perspektive beim Insolvenzverwalter eingetroffen.

Der einzige echte Interessent war Stena AB aus Schweden. Zusammen mit den drei anderen Genting-Schiffen in Asien wollte Stena AB ein Kreuzfahrtprodukt aufbauen. Ende Mai ist Stena aber abgesprungen, als der ehemalige Genting-Eigner Lim Kok Thay im Mai die Gründung einer neuen Kreuzfahrtmarke in Singapur bekanntgab und gleichzeitig China kein Ende der strikten Reisebeschränkungen bekanntgab. Regulärer Kreuzfahrtverkehr ist damit in weiten Teilen Asiens auf absehbare Zeit nicht denkbar.

Zugleich entwickeln sich rund um das südchinesische Meer die Konflikte zwischen den Anrainern.

Die Global Dream ist aber genau für dieses Kreuzfahrtrevier konstruiert worden. Vor einem Einsatz in Europa oder Nordamerika müssten die Kabinen-, Decks- und das Antriebskonzept grundlegend umgestaltet werden, was ebenfalls erhebliche Investitionen mit sich bringen würde.

Die Global Dream ist inzwischen auch so weit fertig, dass sie als Anhang eines Hochseeschleppers an jeden beliebigen Ort der Welt geschleppt werden könnte. Jedenfalls wenn ein Käufer den gewünschten Betrag bezahlt, der auch die Bürgschaften des Landes Mecklenburg-Vorpommern decken soll.

Wenn sich in den kommenden Wochen kein Käufer mit einem ernsthaften Angebot findet, wird der Insolvenzverwalter die Veräußerung in einem Bieterverfahren wählen müssen. Dann dürfen auch Schiffsmakler mit Kontakt zu Abwrackwerften ihre Gebote abgeben. Der Schrottwert des Schiffes ist angesichts der gestiegenen Schrottpreise auf gestiegen. FB

Unsere Meldung vom 09. Juni: MV Werften: TKMS übernimmt Wismar

MV Werften: TKMS übernimmt Wismar

Die Entscheidung ist gefallen. Die Kieler Großwerft ThyssenKrupp Marine Systems übernimmt den Standort Wismar der MV Werften. Die Kieler Werft will den Standort in ihre Zukunftsplanungen einbinden. Statt Kreuzfahrern sollen dort jetzt Marine- und Spezialschiffe gebaut werden. Für 1500 der einst rund 2000 Mitarbeiter soll es so eine Zukunft geben. Eine Verlängerung der Transfergesellschaft ist bereits in Planung.

Der Vorstand der Kieler Werft TKMS will am Freitag (10.06.) weitere Details zur Übernahme geben. Mit dem Standort Wismar wird TKMS seine Position nicht nur in Deutschland weiter ausbauen. Mit 3600 Mitarbeitern ist TKMS in Kiel heute der größte deutsche Werftkonzern, gefolgt von der Meyer Werft. Weltweit hat TKMS über 6000 Mitarbeiter. 

Herzstück der Werft in Wismar ist das 340 Meter lange und 67 Meter breite Baudock, das zu den größten in Deutschland gehört. In der Bauhalle mit Dock liegt gerade das Kreuzfahrtschiff Global Dream. Es war im Auftrag des ehemaligen Werftbesitzers Genting Hongkong gebaut worden du ist zu etwa 70 Prozent fertig. Wie es mit diesem Schiff weitergeht, ist noch unklar.

Nach dem Insolvenzantrag im Januar befindet sich die Werftengruppe der MV Werften jetzt in der Abwicklung. Während in Wismar die Kieler TKMS die Führung übernimmt, wird in Warnemünde an einer Übernahme durch die Bundeswehr gearbeitet. Die Dockanlage in Warnemünde soll zukünftig durch das Marinearsenal der Rüstungsbehörde Baainbw geführt werden.  FB

Werften satteln auf Refit um

Der Neubaumarkt für Kreuzfahrtschiffe wird auf absehbare Zeit nicht wieder wachsen. Die drei großen europäischen Kreuzfahrtwerften Fincantieri, Chantiers de l’Atlantique und Meyer sind deshalb auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern.

Eine große Bedeutung hat deshalb jetzt das sogenannte After-Sale-Geschäft. Gemeint ist die Betreuung und Bindung der Reedereien über den Zeitpunkt hinaus, wenn die vereinbarte Gewährleistungsfrist endet.

Dieses Geschäft beinhaltet nicht nur die Wartung der Flotte im Rahmen der Werftintervalle. Es geht auch um die Anpassung der Schiffe an die technologisch neuen Konzepte. Ein Beispiel sind die Auflagen durch strengere Umweltvorschriften, wie die Annahme von Landstrom oder die Umstellung auf saubere Treibstoffe.

350 Kreuzfahrtschiffe sind derzeit weltweit im Einsatz. Ein jährliches Auftragsvolumen im dreistelligen Millionen-Bereich wartet auf die Werften. Die Meyer Werft hat deshalb jetzt die neue Tochter Meyer RE zu ihrem Kerngeschäft erklärt. Mit dem Ziel einer „lebenslangen Betreuung“ der Kreuzfahrtflotte will die Werftgruppe mit ihren Standorten in Papenburg, Rostock und Turku in Zukunft neue Aufträge generieren. Werftchef Bernard Meyer bezeichnet diese Firma als „wichtigen Baustein für unsere Zukunft“.

Neben der Erneuerung von Kabinen im Rahmen des Refurbishments sollen auch „innovative Engineering-Projekte“ angeboten werden. Damit will die Werft ihr Knowhow für den Einbau neuer Antriebsanlagen oder Anlagen zur Steigerung der Effizienz anbieten. Dabei sollen die Entwürfe und Ingenieurarbeit an den Meyer-Standorten erfolgen.

Eine Rückkehr der Schiffe zur Meyer Werft selbst ist dabei nicht geplant, was auch die Umweltschützer an der Ems aufatmen lässt. Für die Umbauarbeiten will die Meyer Werft Kapazitäten bei Partnerwerften mit Docks und Pieranlagen nutzen. Diese Werften sollen in der Nähe der jeweiligen Fahrtgebiete der Schiffe liegen.

Ein Beispiel für die Nachrüstung von Kreuzfahrtschiffen liefert AIDA Cruises. Bei zwei Pilotprojekten werden Batterien und Brennstoffzellen nachgerüstet. Die AIDAprima wird in diesem Sommer eines der größten Batteriepakete der Schifffahrt bekommen. Die 2018 von Meyer abgelieferte AIDAnova soll im Sommer mit moderner Brennstoffzellentechnologie nachgerüstet werden. Beide Projekte werden im laufenden Betrieb umgesetzt.

IONA, Foto: Frank Behling

Diese Projekte könnte auch die Meyer Werft für andere Schiffe aus ihrer Produktion vollziehen. Die Werft hatte 2020 mit der Iona das 50. Kreuzfahrtschiff abgeliefert. Ein Großteil der Flotte ist jünger als 20 Jahre.

Die Abkürzung RE wurde mit Bezug auf die Kernbegriffe „Rethink“ und „Revalue“ gewählt. Das Angebot umfasst komplette Wartungsverträge für Reedereien. Das neue Konzept präsentierte die Werft auf der Fachmesse Seatrade Cruise Global 2022 in Miami.

Foto: Frank Behling

Die erfolgreiche Perspektive dieses Projekts zeigt der Rüstungsbereich. Die Werft ThyssenKrupp Marine Systems in Kiel bietet für die weltweit über 100 U-Boote seit Anfang der 70er Jahre dieses Angebot. Ein Großteil des Geschäfts erstreckt sich bis heute auf die Betreuung der Marinen von Peru bis Indien bei der Anpassung der ausgelieferten U-Boote mit neuer Technologie aus Kiel. Dazu gehört zum Beispiel neue Technologie für Batterien, Brennstoffzellen oder neue Elektronik.

Das Geschäft umfasst bei TKMS einen Bereich von mehreren hundert Millionen Euro. So hat die Werft aktuell Aufträge über die Modernisierung der in den 80er Jahren gelieferten U-Boote in Indien, Israel und Peru. Allein aus Peru bekam TKMS 2016 einen Auftrag über 40 Millionen Euro für die Modernisierung von U-Booten, Indien lässt gerade zwei Kieler U-Boote in Mumbai für 35 Millionen Euro modernisieren.

Bei den Kreuzfahrtreedereien schrumpfen die Bestellungen weiter. Bei Beginn der Pandemie waren über 100 Kreuzfahrtschiffe weltweit im Bau oder bestellt. Inzwischen ist das Orderbook auf 75 Schiffe zusammengeschmolzen. Signifikante Auftragseingänge werden angesichts der hohen Verschuldung der großen Kreuzfahrtgesellschaften nicht erwartet. Der Schwerpunkt liegt jetzt auf Konsolidierung und die Abnahme der bestellten Schiffe. Sie haben nach einer Übersicht der „Cruise Industry News“ ein Auftragsvolumen von 48,5 Milliarden Dollar. 169000 Betten sind allein im Zulauf. FB

Kieler Werft will Brennstoffzellen auch für Kreuzfahrer bauen

Die Kieler Werft ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) baut eine hochmoderne Fertigung für Brennstoffzellen der neuesten Generation auf. Ab 2023 sollen am Standort in Kiel sehr leistungsfähige Brennstoffzellen gefertigt werden. Seit 30 Jahren setzt die größte deutsche Schiffswerft Brennstoffzellen bereits bei U-Booten ein. Mit diesen Brennstoffzellen können die U-Boote der Werft mehrere Wochen unter Wasser operieren.  

Die hier bislang für TKMS-Kunden aus Deutschland, Griechenland, Israel, Italien, Südkorea und Portugal genutzten Systeme sind jedoch sehr kompakt und aufgrund der militärischen Anforderungen auch sehr klein. Die nächste Generation ist aber auch für andere Kunden vorgesehen. „Wir denken daran, unser im militärischen Bereich erworbenes Know-how auch für zivile Projekte einzusetzen“, so Alexander Orellano, der Chief Operating Officer und Produktionsleiter der Kieler Werft.

Auf dem Gelände entsteht die neue Fertigungshalle für Brennstoffzellen direkt neben dem Fähr- und Kreuzfahrtterminal Norwegenkai. Dort gibt es bislang auch bereits Teststände und Lagerstätten für Wasserstoff und Sauerstoff.

Als erstes Kreuzfahrtprojekt sei eine Kooperation mit einer Reederei zum emissionsneutralen betrieb von Flusskreuzfahrtschiffen in Arbeit, so Orellano. Namen nannte er dabei noch nicht. Bei einer Präsentation wurde ein symbolisches Kreuzfahrtschiff der Donau-Max-Klasse gezeigt. Die neuen Brennstoffzellen aus Kiel sollen aber auch bei anderen Schiffstypen zum Einsatz kommen.

Die Werft gehört seit 2010 zum ThyssenKrupp-Konzern. Vorher war das Unternehmen als Howaldtswerke-Deutsche Werft auch im Container- und Kreuzfahrtschiffbau tätig. Die Werft baute die Kreuzfahrtschiffe Berlin, Astor und Deutschland. Mit diesem Segment wirbt das Unternehmen auch wieder.

Der Neubau der Fertigungsanlage für Brennstoffzellen ist Teil einer Werfterweiterung in Kiel. Bis 2023 investiert ThyssenKrupp 250 Millionen Euro in den Ausbau des Standorts. Herzstück ist eine neue Schiffbauhalle. FB