Kategorie: Maritime Welt

Das neue Flaggschiff der Seefahrtsschulen auf den Philippinen

Der Bedarf an gutem Personal wächst bei den Kreuzfahrtreedereien von Jahr zu Jahr. Da die Zahlen beim Seemanns-Nachwuchs in Deutschland auf Talfahrt sind, übernehmen große Seefahrtsschulen in Asien die Aufgabe. Die Magsaysay-Gruppe auf den Philippinen hat dafür den modernsten Campus des Landes gebaut. Frank Behling schaute sich vor Ort um.

Es mangelt nicht an Horrorgeschichten über Ausbeutung und Leid von Seeleuten aus Asien. Oft erinnern die Geschichten aus den Seemannsmissionen an die moderne Form des globalen Menschenhandels. Gegen dieses Image kämpfen die Seefahrtschulen und Crew-Agenturen auf den Philippinen jetzt an. Sie wollen weg vom Ausbeuter-Image.

Foto: Frank Behling

„Wir haben hier eine sehr lange Tradition in der Schifffahrt. Die soziale Verantwortung für die Menschen ist für uns sehr wichtig. Das Ziel ist deshalb auch eine nachhaltige Zusammenarbeit mit unseren Kunden“, sagt Doris Magsaysay-Ho. Sie ist Inhaberin und Präsidentin der Magsaysay-Gruppe, einem der führenden Unternehmen bei der Ausbildung von Seeleuten.
Anders als andere Agenturen sucht sich Magsaysay ihre Kunden aus. Es ist ein kleiner Kreis aus Reedereien, mit denen das 1946 gegründete Unternehmen bereits seit Jahrzehnten zusammenarbeitet. Die kanadische Fairmount-Gruppe ist genauso Teil davon wie die große japanische Reederei MOL mit ihren Gastankern und Containerschiffen oder norwegischen Tankerreeder Odfjell und Skaugen.
„Die Kreuzfahrt kam erst später dazu“, sagt Magsaysay-Ho. Es war Ende der 90er Jahre, als die norwegische Skaugen-Gruppe an Magsaysay herantrat. „Das war bei der Seatrade-Messe in Miami. Dort suchte man nach einem Crewkonzept für das Kreuzfahrtschiff PEAL OF SCANDINAVICA in Asien“, erinnert sich die Präsidentin.

Mit diesem Schiff begann der Einstieg ins Kreuzfahrtgeschäft. Der Kreuzfahrtsektor hat inzwischen deutlich an Bedeutung gewonnen. Weitere Kunden von Magsaysay sind Saga Cruises, Ponant, Costa, P&O und seit 2003 auch Aida.
Zunächst wurde Personal für die klassischen Dienstgrade an Deck und im Hotelbereich gesucht. Nach und nach kamen weitere Berufe hinzu. Seit 2014 bildet das Unternehmen auch für die Security-Crew beim Check-in aus.

2018 dann der nächste Sprung: Auf dem brandneuen Magsaysay-Campus in Cavite werden die ersten Offizier- und Ingenieur-Anwärter ihr vier Jahre dauerndes Studium starten. Die Abschlussprüfung als Bachelor of Science in Marine Transportation erfüllt die Standards des international gültigen STCW-Codes. Ziel der jungen Kadetten ist der Offiziers-Rang mit dem Posten als Kapitän am Ende der Karriere-Leiter. Der erste Jahrgang von 30 Offiziersanwärtern hat für Carnival Maritime im August das erste Jahr auf dem neuen Campus von Magsaysay beendet.
In dem Vorort Cavite wurde von Magsaysay zusammen mit der japanischen Großreederei MOL der modernste Campus für die Ausbildung von Schiffsoffizieren entworfen und gebaut. Nebenan ist das seit 30 Jahren erfolgreich arbeitende Magsaysay Institute of Shipping, das Matrosen und Maschinisten für den Einsatz an Deck und an der Maschine ausbildet….

Fotos: Frank Behling

Kleines Meer von Größe

Ein Standardwerk: In „Die Ostsee. Berichte und Geschichten aus 2000 Jahren“ erzählen mehr als 100 Wissenschaftler, Forscher, Kaufleute und Dichter von der Baltischen See. Roland Mischke hat sich durch den Wälzer gegraben und lauter Schätze gehoben.

Die Strände sind mattweiß, gelb und pflanzendunkelgrün, von sand- und gischtgrau dominierenden Farben durchsetzt. Mit Macht rollen die Wellen heran, sie treiben einen sanften Salzgeschmack auf die Lippen, in den Ohren röhrt der Wind. Es ist eine besondere Stimmung, in der sich festlich gekleidete Menschen an einem kühlen Tag über den Strand bewegen. Es sieht aus wie eine Prozession. Es sind Musiker aus dem gesamten Ostseeraum, die am Meeresrand Atmosphäre aufnehmen, bevor sie ihre Hörerschaft mit Klassikmusik begeistern.

Usedom hat im Herbst und Winter viele Besucher, die relativ kleine Insel ist inzwischen ein Magnet. Aber zum Usedomer Musikfestival im Herbst, 2018 zum 25. Mal ausgetragen, reisen nicht übliche Stadttheaterkonzert-Abonnenten an, sondern solche, die das Regionalspezifische suchen, das Ostseegefühl. Orchester und Musiker spielen in Sälen auf, in Herrenhäusern der Kaiserbäder, im riesigen Kraftwerk der einstigen NS-Heeresversuchsanstalt Peenemünde, bei gutem Nachmittagswetter sogar auf Seebrücken. Die Kulisse ist stets die Ostsee, klein im Vergleich mit anderen Meeren, aber mit Größe, weil die Künstler unterschiedliche Nationen vertreten und völkerverbindend agieren.
Bis zu 85 Millionen Menschen sind Ostsee-Anrainer. Die meisten leben in Städten wie Rostock, Danzig, Kaliningrad, Klaipeda, Riga, Tallinn, St. Petersburg, Oulu, Stockholm, Malmö und Kopenhagen. Die Städte grenzen an Flensburger Börde, Kattegat, Skagerrak, Bottnischen Meerbusen oder Stettiner Haff. Eigenständige Staaten mit territorialem Ostseeanschluss sind Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland, Russland, Estland, Lettland, Litauen und Polen. Im Englischen wird das Meer „Baltic Sea“ genannt, im Litauischen „Baltas“ (Weiß), die Römer sprachen einst vom „Mare Suebicum“, benannt nach den an den Südküsten lebenden Sueben.

Foto: enapress.com

Ein Buch mit Erzählungen
Klaus-Jürgen Liedtke ist als Herausgeber bemüht, die „Ostsee-Natur und Ostsee-Zivilisation lesbar zu machen“. Der freie Schriftsteller und Übersetzer ist gelernter Skandinavist und Germanist, er übersetzt vor allem aus dem Schwedischen. Er hat Preise aus Ostseeländern erhalten und das deutsche Bundesverdienstkreuz. Er war bemüht, die Fülle der Aussagen und Texte zur Ostsee breit aufzublättern. Dabei hat er auch Mythen und Legenden mitaufgenommen. Die Ostsee, das Binnenmeer von 55 Metern mittlerer Tiefe, die riesige Badewanne aus der letzten Eiszeit vor etwa 12 000 Jahren, verbindet ihre Anrainer.
Der vor fast 2000 Jahren geborene Cornelius Tacitus war ein römischer Senator und vielreisender Historiker. „Nur bis dort“, der Ostsee, „erstreckt sich die Welt“, schrieb er. Seine Uferbewohner trügen „Eberamulette mit sich herum“ und „verehren eine Muttergottheit“. Er registrierte, dass die „Barbaren“ Bernstein sammeln und hart auf ihren Feldern arbeiten. Ihre Mentalität erscheint ihm skurril, sie hätten „sich des Allerschwersten versichert: niemals von einem Wunsche belästigt zu werden.“
Auch andere Reisende, wenige in den Jahrhunderten, die Ostsee lag abseits, beschreiben das „Barbarenmeer“, an dem rückständige Völker wohnen. Die Frauen seien Amazonen, schreibt Adam von Bremen, ein Chronist im 11. Jahrhundert. Sie lassen sich von Männern schwängern, um sie danach zu vertreiben. Lange Zeit waren Bewohner der Ostseeregionen isoliert von der Welt, was in der Antike, dem Mittelalter oder in der Renaissance geschah, bekamen sie nicht mit. Nur langsam brachte die Christianisierung die Bauern und wilden Krieger mit Menschen außerhalb ihresgleichen zusammen. Sie litten unter den Wikingern, den nordgermanischen Räubern des Frühmittelalters. Olaus Magnus, ein schwedischer Theologe und Geograph, lieferte im 16. Jahrhundert eine erste „Beschreibung der Völker des Nordens.“….

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„Die Ostsee. Berichte und Geschichten aus 2000 Jahren.“
Hgb. Klaus Jürgen Liedtke, Galiani Verlag, Berlin, 656 S., 39 €
ISBN: 978-3-86971-175-1, www.galiani.de

Kreuzfahrterlebnis für den Gaumen

Silversea Cruises plant für den Neubau Silver Moon ein kulinarisches Rundumprogramm passend zu den Destinationen. Die Idee besticht mit ausgewogenen Komponenten und ist exzellent abgeschmeckt, findet Peggy Günther, die auf der ersten Testreise dabei war.

„Ihr rollt den Reis erst zwischen euren Fingern zu einer Kugel und steckt diese dann einfach in den Mund“, sagt Nicole Ponseca und lächelt in einige panische Gesichter an der mit Palmenblättern ausgelegten Tafel. Handsanitizer? Fehlanzeige. Die Gäste haben ihre Hände in einer Schale mit Zitronenwasser gewaschen, das muss reichen. Auf dem Tisch türmen sich frische Früchte, gegrillter Oktopus, gesottener Schweinebauch, frittierte Garnelen. Gegessen wird all das mit den Händen, wie es bei einer traditionellen philippinischen Feier üblich ist. Nur der Nachtisch – selbstgemachtes Eis – wird zum Glück in einem Becher gereicht.

„Klar würde ich da mitmachen“, sagt ein deutscher Silversea-Stammgast, als er von diesem Ausflugsangebot hört, das zum S.A.L.T.-Programm gehört. Das Akronym steht für „Sea and Land Taste“ und startet mit der Jungfernfahrt der Silver Moon im August 2020. Das Schiff bekommt eine Showküche und ein Restaurant, in denen die Spezialitäten der Region, in der sich das Schiff gerade befindet, an Bord präsentiert werden. Außerdem sind kulinarische Landausflüge geplant, die den Passagieren die Destinationen auf authentische Weise nahebringen sollen.

„Wir haben in den letzten 18 Monaten S.A.L.T. entwickelt, weil wir einen demografischen Wandel verzeichnen“, erklärt Barbara Muckermann, Chief Marketing Officer von Silversea Cruises. Zwar gehören rund 60 Prozent der Passagiere weiterhin zur Generation der Babyboomer mit einem Durchschnittsalter von 64 Jahren, aber der Anteil der jüngeren Passagiere mit einem Durchschnittsalter von 46 Jahren liege auch schon bei 20 Prozent, Tendenz steigend. Über alle Altersklassen hinweg lieben Silversea-Passagiere die gastronomische Kultur und das Essen wird als Schlüssel angesehen, um die Seele einer Destination zu erfassen.

S.A.L.T. ist ein Programm für Kreuzfahrt-Repeater: Wer schon einmal in Rom war, möchte vielleicht nicht wieder zum Kolosseum, sondern fährt auf den Markt. Wenn das Programm gut ankommt, ist auch eine Ausweitung auf den älteren Schiffen Silver Muse und Silver Spirit denkbar. Muckermann schätzt, dass bis zu zehn Prozent der Gäste das Programm intensiv nutzen werden. Sie entscheiden sich für die kulinarischen Ausflüge, gehen in das Spezialitätenrestaurant mit lokaler Küche und besuchen die Kochkurse an Bord. Prinzipiell soll das Angebot kostenlos sein, nur wenn der Andrang zu groß wird, könnte es sein, dass die Kurse mit einer Gebühr versehen werden. Denn es wird nur 22 Plätze im S.A.L.T. Lab geben.

„Da die Silver Muse bereits die größte Anzahl an Restaurants für diese Schiffsgröße hat, besteht Luxus für uns nicht darin, ein weiteres Restaurant hinzuzufügen, sondern Gastronomie erlebbar und verstehbar zu machen“, ergänzt Muckermann. Für die Kriegsgeneration bedeute Luxus, dass sie einen gleichbleibenden Standard an Qualität und Gerichten vorfinde – vom Kaviar über den Hummer bis hin zum Beef Wellington. Das liege einfach an ihrem Erfahrungshorizont, der sie in dieser Hinsicht konservativer hat werden lassen….

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Maritime Events

Windjammer und Traditionssegler haben eine Zukunft – nicht allein an den Küsten von Nord- und Ostsee. Auch in unseren Nachtbarländern und in Übersee sind sie beliebt. Lothar Lorenz hat eine Auswahl unterschiedlicher „maritimer Events“ zusammengestellt.

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Alles für alle

Ein altes Menschheitsgeheimnis ist entschlüsselt worden: Die Moai, markante Steinfiguren auf der Osterinsel, wurden mit genauer Bestimmung platziert. Roland Mischke hat Rapa Nui bereist.

Schon Babys wollen Gerechtigkeit. Aus Studien ist bekannt, dass die Kleinsten mit dem Wunsch auf die Welt kommen, zu teilen. Selbst beim Spielzeug achten sie, die weder sprechen noch gehen können, darauf dass es gerecht verteilt ist. Dieses Empfinden liegt offenkundig in unserer Natur.

So auch auf der Osterinsel. Den einsamsten Ort der Erde. Nach Osten hin fast 4000 Kilometer von der chilenischen Küste und nach Südwesten hin, zur nächsten Inselgruppe, den Marquesas-Inseln, ebenso 4000 Kilometer entfernt. Auf der Osterinsel wohnen etwa 4000 Menschen, die Rapa Nui, wie sie sich und gleichzeitig ihre Insel nennen. Sie gehört zum Staat Chile, aber die Einheimischen kommunizieren in einem polynesischen Dialekt. Rapa Nui heißt: Großer Stein. Wie das abgelegene Eiland besiedelt werden konnte, ist unklar. Und unklar war auch bis vor kurzem, nach welchem System auf der 166 Quadratkilometer großen Insel 638 vermessene Moai verteilt wurden.

Unglaubliches ist über die bis zu knapp zehn Meter hohen und tonnenschweren Steinskulpturen mit den wuchtigen Körpern ab der Taille und den riesigen Köpfen berichtet worden. Jetzt haben US-amerikanische Forscher das Geheimnis gelüftet. Die Kolosse wurden immer dort aufgestellt, wo sich eine Süßwasserquelle befand. Alle Insulaner sollten wissen, wo es Wasser gibt. Selbst in der Weite des Stillen Ozeans funktioniert das menschliche Gerechtigkeitsempfinden.

Die Moai, maskuline Figuren, galten als Darstellungen von Häuptlingen oder populären Ahnen. Diese Ansicht ist nun widerlegt. Die Anthropologen Carl Lipo und Terry Hunt von der Universität Binghamton in New York erklärten: „Je mehr wir die Zusammenhänge geprüft haben, desto mehr bestätigte sich das Muster, das wir sahen. An Orten ohne Statuen gab es kein Süßwasser.“ Moai stehen nur an Wasserstellen. Die Ahnenreihe beschwört die Tradition des Teilens, das Wasser ist kollektives Gut…..

Fotos: Wolfgang Siesing, Mrvisual/AdobeStock, Tero Hakala/shutterstock.com