Brand auf „World Legacy“: Ein totes Crew-Mitglied und vier verletzte Passagiere
Um die vor 44 Jahren von der Bremerhavener AG Weser Seebeckwerft für die Hamburger Fährreederei Olau Line erbaute ehemalige Olau Britannia handelt es sich bei der World Legacy. Auf dem seit Ende letzten Jahres von dem in Singapur ansässigen Start-up World Cruises betriebenen Schiff, das mit 271 Passagieren und 388 Crewmitgliedern ist in den frühen Morgenstunden des 20. Februar bei der Ansteuerung von Singapur in eine Lounge auf Deck 9 ein Feuer ausgebrochen, bei dem ein 23-Jähriger indonesischer Wäschereimitarbeiter trotz sofort eingeleiteter Reanimierungsmaßnahmen nicht mehr gerettet werden konnte.
Wie die singapurische Maritime and Port Authority (MPA) mitteilt, konnte der gegen 04.00 Uhr ausgebrochene Brand an Bord des schnell von der Crew unter Kontrolle gebracht und von dem Löschboot-Personal der Singapore Civil Defence Force (SCDF) gelöscht werden. Alle Passagiere, darunter 139 Staatsbürger aus Singapur, und bis auf eine Rumpfcrew auch die Besatzung von dem zunächst in Raffles Reserved Anchorage nahe Pulau Semakau und Pulau Senang vor Anker gegangenen Schiffes evakuiert werden. Vier der Passagiere wurden zur medizinischen Weiterbehandlung ins Krankenhaus eingeliefert. Am 24. Februar nahm die World Legacy Kurs auf die Sebawang Shipyard, wo sie einen Tag später eintraf. Zur Ursache des Brandes und dem Umfang der Schäden sowie die Dauer des Werftaufenthaltes waren auf Anfrage bisher keine Angaben von MPA und Betreiber zu erhalten.


Wechselvolle Geschichte
Die 1982 in Bremerhaven für die Hamburger Olau Line erbaute und von ihr nach der Taufe durch die englische Prinzessin Margaret auf den Namen Olau Britannia unter deutscher Flagge mit Heimathafen Hamburg zwischen Vlissingen und Sheerness eingesetzte Ro-Ro/Passagierfähre hatte eine wechselvolle Vergangenheit. Nach zahlreichen Eigner-, Charterer- und Namenswechseln – wie u.a. Bayard, Christian IV, und Julia– hatte die italienische Reederei Moby Lines das 153 m lange 2.2161-BRZ-Schiff, das u.a. 2014 von seinem damaligen Eigner unter dem Namen Wind Perfection als Hotelschiff in der Nähe von Hoek van Holland genutzt worden war, 2015 erworben und nach Neumotorisierung als Moby Zaza eingesetzt, bevor sie es am 27. März 2025 an die in Majuro auf den Marshall Island registrierte Atlantis Maritim SA weiter veräusserte. Zwei Monate später wechselte das Schiff erneut seinen Eigner, den Private Equity-Finanzinvestor Turn Capital des asiatischen Internet-Unternehmers Joseph Phuan, der es für die Dragon 1 Pte in Singapur registrieren ließ. Nach Umbenennung in Zaza verließ das Schiff Mitte Mai letzten Jahres. den italienischen Hafen Livorno und nahm via Suezkanal zunächst Kurs auf Malaysia. Nach Umbenennung in World Legacy, Umflaggung nach Liberia und ersten Umbauarbeiten sowie schwarzem Außenanstrich traf das Schiff zur weiteren Vorbereitung auf seinen neuen Einsatz durch das von Joseph Phuan gegründete Start-up World Cruises am 7. Oktober in Singapur ein.
Das in Singapur ansässige und auch in Kuala Lumpur vertretene Unternehmen setzt das renovierte Schiff als schwimmenden „Lifestyle-Playground“ zu Übernachtungen und Kurzkreuzfahrten auch für Familien ein. „Wir wollen ein Erlebnis schaffen, bei dem die Gäste das Beste aus Nachtleben, Gastronomie und Unterhaltung genießen können. Sie können an Bord kommen, sich entspannen, verwöhnen lassen und sogar die ganze Nacht durchfeiern, um dann auszusteigen, wann immer sie möchten“, erläutert Martin Blanar, Vice President of Hotel Operations von World Cruises, das Konzept. Nach seiner Umgestaltung verfügt das Schiff über 300 Kabinen, darunter Kabinen für zwei Personen und Familienkabinen, die Platz für drei bis vier Personen bieten sowie über exklusive VIP-Suiten. Die Einschiffung erfolgt über einen speziellen Fährtransfer vom Singapore Cruise Centre im Harbour Front Centre oder vom malaysischen Hafen Johor. Die Preise für Tages- oder Rundreisen schließen die Fähr-Transfers für beide Häfen ein.
Der ursprünglich für den 18. Dezember geplante erste Einsatz des Schiffes, dessen technisches Management von der Venture Ship Management Europe wahrgenommen wird,musste allerdings wegen technischer Mängel – u.a defekte Aufzüge und unzureichende Klimatisierung – um einige Tage verschoben werden. JPM



