„AIDAcosma“ – Das neue Flaggschiff ist fertig

Mit einem Treffen auf der Elbe meldete sich Deutschlands größte Kreuzfahrtreederei am 25. Februar zurück. Die neue AIDAcosma passierte auf der Elbe vor Blankenese die AIDAprima. Zwei der größten Schiffe der Kussmundflotte zusammen auf der Elbe. Das Symbol für den Aufbruch.

Foto: Frank Behling

Die AIDAcosma ist das neue Flaggschiff der Rostocker Reederei. Mehr Platz, mehr Kabinen und auch mehr Effizienz sind die Maßstäbe. Mit 2732 Kabinen in 21 Kategorien ist die AIDAcosma das Schiff mit der größten Kapazität im Seereisemarkt der Bundesrepublik.

20 Decks, 17 Restaurants und 23 Bars & Cafés sind nur einige Eckdaten aus der Werftbroschüre des 900 Millionen Euro teuren Schiffes. Dazu ein sich über zwei Decks erstreckender Wellnessbereich.

Das zweite Schiff der „Helios“-Klasse hat nach der 2018 in Dienst gestellten AIDAnova einige Veränderungen aufzubieten. Die mit Abstand wichtigste Neuerung ist am Heck. Erstmals hat ein AIDA-Schiff ein Pooldeck direkt am Heckspiegel. Auf Deck 16 ist das Ocean Deck der dritte Poolbereich. Das „Four Elements“ bei den anderen Schiffen musste dafür weichen.

Damit knüpft AIDA auch etwas an das an, was bei klassischen Kreuzfahrtschiffen früher Standard war. Rund um einen Infinity-Pool wurde eine terrassenartige Outdoor-Arena gebaut. Mit Bar, Bühne und Bade-Areal.

Foto: Frank Behling

Kulinarisch ist mit dem Mamma Mia ein Restaurant für italienische Spezialitäten geschaffen worden. Ganz aufs Meer ausgerichtet ist das „Beach House Restaurant“ mit der Gourmet-Patin Felicitas Then. Im Stil eines skandinavischen Strandhauses ist das Beach House ganz auf Meeresspezialitäten ausgerichtet.

Das Brauhaus hat auf der AIDAcosma auch einen Außenbereich bekommen. Ein sehr maritimes Flair hat auch das Yachtclub-Restaurant. Die fünf Buffet-Restaurants setzen den soliden Kurs der Vorgängerin fort.

Kapitän Tommy Müller, Foto: Frank Behling

Kapitän Tommy Müller ist stolz auf sein großes Schiff. Zwar sind bei den Sturmfahrten seit der Übernahme im Dezember noch keine Passagiere an Bord, dennoch hat er sein Schiff testen können. „Sie hat die Feuertaufe überstanden. Das Schiff hat sich in den Stürmen sehr gut bewährt“, so Müller. Mehrmals musste das Schiff auf der Nordsee abwettern. Das war ein Grund, weshalb das Schiff auch nach Kiel kam und hier die Ausrüstung bekam. Mehr als 20 Lastwagen mit Proviant und Ersatzteilen kamen an Bord.

Die Überfahrt von Kiel nach Hamburg nutzte die Crew am 23. bis zum 25. Februar für das Training. „Wir sind im Dezember mit 300 Crewmitgliedern hier an Bord angefangen. Jetzt sind 1400 Crewmitglieder an Bord und alle freuen sich auf die ersten Passagiere“, sagt General-Managerin Heidi Rothe. Sie kennt die Flotte und war bereits bei der AIDAnova dabei.

In Hamburg sind für die erste Reise 3000 Passagiere gebucht. „Die Nachfrage nach Reisen ist riesig“, sagt Hansjörg Kunze, Sprecher von AIDA Cruises. Im Markt sei ein Bedarf nach Urlaubsreisen zu spüren.

Mit der AIDAcosma sind jetzt elf der 13 Schiffe von AIDA wieder in Fahrt. Nur die AIDAvita und AIDAaura liegen weiter auf. Die AIDAmira und die AIDAcara haben die Flotte in der Pandemie verlassen.

Foto: Frank Behling

Für den Mecklenburger Kapitän ist sein neues Schiff aber auch eine kleine Umstellung. Die Kommandobrücke seines 42 Meter breiten Schiffes ist so weitläufig, dass der Kapitän aus der Brückennock brüllen müsste, um dem Steuermann in der Mitte Kommandos zu geben. „Wenn wir uns hier unterhalten, haben wir dafür spezielle Headsets. Dann muss man nicht so brüllen“, so Müller.

Auf der komplett mit Teppich ausgestatteten Brücke gibt es auch einen besonderen Kameraden für Kapitän Müller. Es ist der Saugroboter Kobold 300, der seine Garage beim Kartenraum hat. „Er hat aber ein Nachtfahrverbot“, sagt er. Wegen der Stolpergefahr für die Brückencrew.

Die ersten Reisen bis zur Taufe am 9. April wird das Schiff jetzt auf der Nordsee und im Ärmelkanal absolvieren. Danach geht es südwärts. „Die AIDAcosma ist mit den größeren Außenbereichen das perfekte Schiffs fürs Mittelmeer. Besonders mit dem Ocean Deck im hinteren Teil“, so AIDA-Präsident Felix Eichhorn. Mit Bühne, Bar und LED-Wand gibt es dort einen der schönsten Treffpunkte an Bord. Bis Oktober wird die AIDAcosma in Palma de Mallorca bleiben, danach geht es dann nach Dubai für den Winter.

Die Ablieferung der AIDAcosma markiert bei AIDA auch eine Wende. Erstmals seit 2004 hat die Rostocker Reederei kein neues Schiff mehr in einer Werft im Bau. Die Pandemie hat dafür gesorgt, dass die Pläne der Reederei jetzt andere Schwerpunkte haben.

Foto: Frank Behling

Das Thema Nachhaltigkeit ist auf allen Decks zu finden. Im Maschinenraum sind es die effizienten Dual-Fuel-Motoren von Caterpillar. Daneben ist der Landstromanschluss, der bereits fertig ist. „Wir werden ihn in Southampton erstmals nutzen“, so Gordon Bergler, Chefingenieur und Herrscher über die vier MaK-Motoren mit 61760 Kilowatt (83900 PS) im Maschinenraum. In Kiel hatte es eine Stellprobe mit dem Anschluss gegeben. In Southampton soll nun erstmals ein Stecker zum Anschluss kommen.

Wert auf Nachhaltigkeit legte die Reederei auch beim Kauf der Fahrräder für die Landausflüge der Passagiere in den Häfen. 120 Bambusfahrräder des Kieler Herstellers MyBoo gibt es an Bord.

Foto: Frank Behling

Die Nachhaltigkeit ist das große Ziel bei AIDA. Die Flotte soll klimaneutral werden. Die nächsten Schritte sind der Einbau von Batterien bei der Damen-Werft in Rotterdam in die AIDAprima sowie der Einbau von Brennstoffzellen in die AIDAnova.

Die Neubauabteilung der Reederei hat jetzt erstmal Pause. Die Crew in Rostock ist jetzt als „Decarbonisation Unit“ mit der Anpassung der fahrenden Flotte an neue Klimaziele der Branche beschäftigt. Dazu gehören Landstromanschlüsse, Brennstoffzellen und Batterien.

Gleichzeitig bereitet die Reederei den Neubau des ersten klimaneutralen Kreuzfahrtschiffes vor. Das Schiff soll in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts Konturen annehmen. Zunächst müsse jetzt aber der Betrieb wieder hochgefahren werden. Der Bau neuer Schiffe mit klimaneutraler Technologie kostet viel Geld. Geld, das jetzt erstmal mit dem Betrieb der Flotte nach der Pandemie wieder verdient werden muss. FB