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Lockruf der Wildnis

Eine Seereise nach Alaska steht bei vielen Kreuzfahrern auf der Bucket List. Wer die Natur liebt, sich für Wildlife und den rauen Charme eines wilden Landes begeistert, wird nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil: Dieser Trip könnte zu einem der schönsten im Leben werden. Susanne Müller war mit der EURODAM in Alaska unterwegs.

Die Sonne ist längst untergegangen in Icy Strait Point. Dort, wo kein Nordwind weht. Für dieses Sprichwort ist der winzige Ort in Alaska bekannt. Er liegt rund 30 Meilen westlich von Juneau. Tausende von Jahren waren hier nur die Huna unterwegs, ein Tlingit-Stamm. Inzwischen steuern immer mehr Kreuzfahrtschiffe den Hafen in der Wildnis an. Und geben ihren Gästen die Chance, eine völlig andere Welt kennenzulernen.

Im Schatten der Hemlocktannen hört man die Lachse im Fluss springen. Unermüdlich kämpfen sie gegen die Strömung an. Alle fünf Pazifiklachsarten werden in den glasklaren und eiskalten Gewässern Alaska geboren. Dann machen sie sich auf eine mehrjährige Reise durch den Pazifik und kehren an ihren Geburtsort zum Laichen und zum Sterben zurück. Das Wasser glitzert silbern im letzten Licht des Spätsommertages. Bedächtig tappt ein Bär durch die Stromschnellen. Es ist ein Schwarzbär, einer von den geschätzt 100.000, die hier in Alaska leben. Mehr gibt‘s nirgendwo sonst auf der Welt. Der Bär lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Ein Hieb mit seiner mächtigen Pranke und einer der vielen Lachse aus dem Fluss haucht sein Leben aus. Gemächlich kehrt Meister Petz ans Ufer zurück und verspeist seine Abendmahlzeit. Endlich ein Bär! Die Sichtung des Raubtiers zählt zu den vielen Abenteuern, die Urlauber während einer Alaska-Kreuzfahrt erleben können.

Wale und Gletscher

Bären, Wale, Adler und Gletscher – die Passagiere, die in Seattle an Bord der EURODAM von Holland America Line gehen, sind so gespannt wie Kinder unter dem Weihnachtsbaum. Welche Erlebnisse wird ihnen diese­ Kreuzfahrt bescheren? Bilder vom Goldrausch, der ab 1897 die Glückssucher an den Klondike lockte, geistern durch ihre Köpfe. Bücher wie Jack Londons „Wolfsblut“ und „Ruf der Wildnis“ beflügelten die Träume. Weckten die Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer. Kein Zweifel: Die Erwartungen sind hoch und vielen schlägt das Herz schneller, als die EURODAM den Hafen von Seattle verlässt und sich auf den langen Weg in Richtung Norden macht. Die Strecke der Goldsucher. Nur wenige wurden reich. Viele verloren ihr Leben schon auf dem beschwerlichen Weg zu den viel gepriesenen Claims.

Die Passagiere der EURODAM sind da wesentlich komfortabler unterwegs. Kaum hat das Schiff die ersten­ Seemeilen hinter sich gelassen, plantschen einige Gäste schon in den Pools, zocken im Casino oder gönnen sich einen Cocktail auf dem Sonnendeck oder an einer der zahlreichen Bars. Über Nacht passiert die EURODAM die Inside Passage an der Küste Kanadas. Schon am nächsten Morgen werden die ersten Wale gesichtet. Buckelwale. Sie kommen jeden Sommer nach Alaska, um hier so viel zu fressen,­ wie sie nur können. Den Winter verbringen sie in den Gewässern um Hawaii, wo sie ihre Jungen zur Welt bringen. Im nächsten Frühling kehren sie nach Alaska­ zurück.

Wer sich von dem Schauspiel auf See losreißen kann, wird an Bord aufs Feinste auf die Reise eingestimmt. Dafür gibt‘s die Wildlife-Expertin Emryn, die an der Reling Rede und Antwort steht und im Theater inspirierende Vorträge über die Tiere Alaskas hält. Vor allem­ aber versteht es Kreuzfahrtdirektorin Valerie ihr Publikum auf diese ganz besondere Destination einzustimmen. Ihre Vorträge über die Wale und über die Ureinwohner Alaskas hallen nach und öffnen den Blick für die Ziele, die vor den Passagieren liegen, noch ein wenig mehr…

Lesen Sie weiter in AN BORD 1/2026.

Fotos: Susanne Müller, enapress.com, Holland America Line