Overtourism: Färöischer Lösungsansatz für globales Problem
Für Passagiere von Kreuzfahrtschiffen gibt es zahlreiche Reiseziele, die mit hohen Besucherzahlen zu kämpfen haben. Der Druck auf eine Handvoll beliebter Orte wächst. Während Destinationen wie z. B. Venedig, Amsterdam, Santorin, Nizza, Villefranche-sur-Mer sowie bestimmte Regionen der norwegischen Fjorde – und ab dem nächsten Jahr auch Cannes – die Anzahl bzw. die Größe der sie ansteuernden Kreuzfahrtschiffe limitieren, um durch weniger Besucher die negativen Auswirkungen des Massentourismus zu reduzieren und den Schutz der Umwelt zu verbessern, verfolgen die zu Dänemark gehörenden Färöer-Inseln – auf den 18 Inseln des im Nordatlantik zwischen Island, Norwegen und Schottland gelegenen Archipels leben 54 000 Menschen und mehr als 100 000 Schafe – einen neuen Ansatz.
Statt die Größe der Schiffe oder Anzahl der Anläufe und die Besucherzahl zu begrenzen, sollen selbstnavigierende Autos die Tourismusströme auf der jährlich von rd. 25 Kreuzfahrtschiffen angelaufenen und über eine Fährverbindung von Hirtshals oder per Flugzeug vom dänischen Festland in zwei Stunden erreichbaren Inselgruppe gleichmäßiger verteilen und den Gästen helfen, authentische Orte abseits der ausgetretenen Touristenpfade zu entdecken. Die meisten Einwohner des Archipels leben in der Hauptstadt Torshavn, die über Liegeplätze bzw. Terminals für Kreuzfahrt- und Fährschiffe verfügt.

„Wir haben uns darauf konzentriert, andere, ebenso magische Orte ausfindig zu machen, die selten besucht werden – Orte, die unsere Gäste höchstwahrscheinlich nie auf eigene Faust gefunden hätten“, erläutert die Direktorin von Visit Faroe Islands, Guðrið Højgaard,
Systematische Verteilung von Besucherströmen
Das System ist so konzipiert, dass es die selbstfahrenden Autos automatisch verteilt und sie an Orte schickt, die normalerweise nicht auf dem Reiseplan von Touristen stehen. Die Routen werden von Einheimischen kuratiert und umfassen unbekannte Aussichtspunkte, kleine Restaurants und versteckte Attraktionen, die in Reiseführern kaum erwähnt werden. Wer sich für eine vorgegebene Route entscheidet, unterschreibt eine Verzichtserklärung und erklärt sich bereit, die Navigation des Autos zu akzeptieren – ohne zu wissen, wo es hingehen wird.
„Wir bitten unsere Gäste im Grunde, die Kontrolle für eine Weile loszulassen“, sagt Marta Káradóttir, Projektleiterin bei Visit Faroe Islands. „Denn wenn man nicht weiß, was einen hinter der nächsten Ecke erwartet, öffnet man sich auch für etwas anderes. Vielleicht etwas Schöneres. Vielleicht etwas, das realer ist.“ Da die Inseln, von denen nur eine unbewohnt ist, durch Tunnel, Brücken und Fährdienste miteinander verbunden sind, können Reisende per Mietwagen nahezu das gesamte Archipel erkunden.
Kooperation mit Google Maps
Drei spezielle Fahrzeuge befinden sich bereits in der Testphase, aber alle Mietwagen auf den Färöern sind technisch bereit, das System zu übernehmen. Die Teilnahme an dem Pilotprojekt ist für Touristen kostenlos – die einzige Bedingung ist, der vom Wagen vorgegebenen Route die gesamte Fahrt über zu folgen. Das System basiert auf Google Maps, kombiniert mit lokalen Tipps und eingepflegten Routenvorschlägen. Das Projekt Self-Navigating Car Rentals baut auf der früheren Zusammenarbeit zwischen den Färöern und Google auf: Im Rahmen der 2017 initiierten Tourismus-Kampagne Google Sheep View halfen Schafe, die Straßen und das teils unwegsame Gelände der Inseln detailliert zu kartieren. Die selbstnavigierenden Autos stehen seit dem 8. Juli 2025 zum gleichen Preis wie normale Mietwagen für interessierte Reisende zur Verfügung. JPM
Weitere Informationen unter visitfaroeislands.com
Fotos: Visit Faroe Islands, Port of Torshavn



