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6. Cross-Cluster-Konferenz: „Die Zukunft ist elektrisch!?-Klares „Ja“ auch für die Schifffahrt

Zwar ist die Zukunft der Schifffahrt und der anderer Verkehrsträger zu Lande und in der Luft elektrisch, doch setzen der herausfordernde Stromnetzausbau und die mangelnde Verfügbarkeit von strombasierten Kraftstoffen der Elektrifizierung derzeit noch Grenzen. Das war das Fazit des abschließenden Experten-Panels der 6. Cross-Cluster-Konferenz, zu der die Ausrichter Erneuerbare Energien Hamburg, Hamburg Aviation, Hamburg Cruise Net, Hafen Hamburg Marketing, Logistik-Initiative Hamburg, Maritimes Cluster Norddeutschland und egw:wirtschaftsförderung am 4. Februar 2026 rd. 190 Teilnehmende im Hotel Hafen Hamburg begrüßen konnten.

Da die Hochseeschifffahrt und der internationale Flugverkehr deutlich schwieriger zu elektrifizieren sind als küstennahe Fährverbindungen und Kleinflugzeuge könnten nach Ansicht der Experten Energieträger wie e-Methanol und SAF potenziell die Lücke schließen, wenn die Produktion deutlich erhöht würde. Welcher alternative Kraftstoff oder ob Strom in ausreichendem Maße zur Verfügung stehe, sei stark abhängig von den Standortbedingungen, insbesondere dem Netzausbau und der vorhandenen Tankinfrastruktur. Es gelte, die Erzeugung und den Bedarf in eine Balance zu bringen, die Technologie auf den Schiffen sei vorhanden, betonte Martina Reuter von AIDA Cruises, die bei der Podiumsdiskussion über die „Herausforderungen und Chancen der strombasierten Mobilitätswende“ kurzfristig für die durch Krankheit ausgefallene Kollegin Lucienne Damm, Head of Sustainability bei TUI Cruises GmbH, eingesprungen war. Für die Reedereien sei vor allem die Verfügbarkeit und Technologieoffenheit von zentraler Bedeutung.

Kreuzfahrt und Hafen als Vorreiter

Bei den Kurzvorstellungen von Best-Practice-Projekten aus der Metropolregion Hamburg und Schleswig-Holstein in den Bereichen Schifffahrt, Güterumschlag und Logistik, bei denen u.a. Hanno Bromeis, Leitung Port Energy Solutions, Hamburg Port Authority, Martina Reuter, Senior Manager Communication & Sustainability, AIDA Cruises, und Maraike Pommer, Projektmanagerin, AG Reederei Norden-Frisia, jüngste Umsetzungserfolge und Entwicklungsperspektiven in ihren Bereichen präsentierten, wurde deutlich, dass die Elektrifizierung von Verkehren auf kurzen Strecken bereits gut funktioniert. In Hamburg trägt zudem die Verfügbarkeit von Landstrom für festgemachte Schiffe zur lokalen Dekarbonisierung bei. Als erster europäischer Hafen, der diese Technologie sowohl an Kreuzfahrt- als auch an Containerterminals anbietet, sieht sich die Elbmetropole als Vorreiter.

„Die fortschreitende Elektrifizierung in den Sektoren Energiewirtschaft, Industrie und Logistik der Metropolregion Hamburg ist ein zentraler Baustein für die Erreichung der ambitionierten Klimaschutzziele unserer Bundesländer. Wir werden damit unabhängiger von fossilen Energieimporten, schaffen neue nachhaltige Wertschöpfung und zukunftsfähige Arbeitsplätze, womit auch die überregionale Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaftsstandorte in der Metropolregion gestärkt wird. Natürlich sind verlässliche Rahmenbedingungen auf Bundes- und Landesebene eine essenzielle Voraussetzung für die weitere positive Entwicklung – daran arbeiten wir gemeinsam über die Landesgrenzen hinaus. Die Cross-Cluster Konferenz ist eine gute Gelegenheit für den Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft und unterstützt neue partnerschaftliche Kooperationen, so Joschka Knuth, Staatssekretär im Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur des Landes Schleswig-Holstein., in seiner Grußadresse zur Eröffnung der Veranstaltung.

Wie wichtig dabei insbesondere eine grenzen- und branchenübergreifende Zusammenarbeit ist unterstrich Staatsrat Dr. Christopher Schwieger von der Behörde für Wirtschaft, Arbeit und Innovation der Freien und Hansestadt Hamburg, in seinem Schlusswort: „Innovationen und Veränderungen gelingen oft nur oder meist besser im Zusammenspiel der Branchen. Die Cross-Cluster-Konferenz zeigt, wie fachübergreifend Ansätze miteinander verzahnt werden können – vom Landstrom im Hafen bis zu neuen Kraftstoffen für Luft und See. Hamburg verfolgt dabei keinen isolierten, sondern einen systemischen Ansatz, der verschiedene Kompetenzen zusammenführt und so die Zukunftsfähigkeit Norddeutschlands weiter stärkt.“ 

Staatsrat Dr. Christopher Schwieger, Foto: Jens Meyer

Hamburg stärkt Position als Kompetenzzentrum für klimaneutrale Zukunft
Jüngstes Beispiel für die Stärkung der Kompetenz Hamburgs als Wegbereiter für die klimaneutrale Zukunft von Schifffahrt und Luftfahrt ist der dieser Tage erfolgte Bezug des Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen (CML) des Fuel Cell Integration Center (FCIC) am ZAL TechCenter. Damit wächst an diesem Standort eine einzigartige Forschungsinfrastruktur, die Luftfahrt und maritime Wirtschaft erstmals systematisch zusammenbringt. Im Rahmen des Hanseatic Hydrogen Center for Aviation and Maritime (H2AM) bündeln das Fraunhofer CML und das ZAL Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung ihre Kompetenzen, um Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien unter realitätsnahen Bedingungen weiterzuentwickeln.

„Gemeinsame Wasserstoffforschung fördert Innovationen in Luftfahrt und Schifffahrt“, betont Prof. Dr.-Ing. Carlos Jahn, Leiter des Fraunhofer CML. Die Entscheidung, das neue Brennstoffzellenlabor am ZAL anzusiedeln, sei bewusst gefallen: Beide Branchen stünden vor vergleichbaren Herausforderungen – von Sicherheitsanforderungen über Betankungsinfrastruktur bis hin zu extremen Umweltbedingungen. Mit der Übergabe von Labor- und Büroräumen am ZAL an das Fraunhofer CML entstehe ein Ort, an dem diese gemeinsamen Fragestellungen erstmals interdisziplinär bearbeitet werden.
Vor dem Hintergrund ambitionierter Klimaziele gewinne die Wasserstoffforschung für die Schifffahrt erheblich an Bedeutung. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) strebt Klimaneutralität bis 2050 an. Alternative Energieträger wie Wasserstoff, Ammoniak oder Methanol sowie hocheffiziente Antriebssysteme sind dafür unverzichtbar. Brennstoffzellen bieten große Potenziale: Sie arbeiten lokal emissionsfrei, leise und mit hohem Wirkungsgrad. Insbesondere in hybriden Antriebskonzepten lassen sich an Bord von Schiffen erhebliche Effizienzgewinne erzielen.

Das geplante Fuel Cell Integration Center soll in den kommenden Monaten zu einem modularen, flexibel erweiterbaren Labor ausgebaut werden, in dem komplette Brennstoffzellensysteme und deren Balance-of-Plant-Komponenten für maritime Anwendungen systematisch getestet, analysiert und validiert werden können. Ein zentraler Meilenstein wurde bereits erreicht: Das Wasserstoff-Team des Fraunhofer CML hat erfolgreich eine Brennstoffzelle des Typs Nuvera E60 mit einer Nennleistung von 60 kW in Betrieb genommen. Im Fokus standen die Systemintegration, die Inbetriebnahme sowie die Regelungs- und Visualisierungskonzepte. Gemeinsam mit dem ZAL wurde ein umfassender Prüfstand aufgebaut, der alle für die Integration notwendigen Komponenten enthält – von der Wasserstoffversorgung über die Leistungselektronik bis hin zum vollständigen Kühlkreislauf.


Hamburg positioniere sich damit weiter als führender Standort für angewandte Wasserstoffforschung. Das ZAL werde zum Knotenpunkt, an dem Luftfahrt und maritime Wirtschaft gemeinsam die technologischen Grundlagen für eine klimaneutrale Zukunft legen – praxisnah, vernetzt und mit internationaler Strahlkraft, so Jahn. JPM

Fotos: Jens Meyer