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Pure Lebensfreude

Flottenerneuerung ist ein interessantes Spiel, denn nicht nur der Anbieter, der einen Neubau präsentiert, verbessert sich. Die Kette setzt sich fort bis zu jenen Reedereien, die mit großem Erfolg ältere Tonnage einsetzen. Die Pandemie hat diesen Vorgang beschleunigt. Oliver Schmidt war vor knapp zehn Jahren vom Angebot der damals neuen Celestyal Cruises nicht durchweg begeistert. Jetzt probierte er die CELESTYAL­ JOURNEY aus und erlebte eine große Überraschung.

Sie ist obercool: riesige Sonnenbrille, lederne Handschuhe, rechts ein Champagnerglas, und in der Schnauze … Wie bitte? Doch, es stimmt schon; in diesem Outfit ziert eine schwarze Bulldogge die Bildtapete im Atrium und bringt Urlaubsstimmung ins Schiff. Das drei Decks hohe Foyer glänzt in maritimem Blau und edlem Messing. Als die CELESTYAL JOURNEY 1994 gebaut wurde, hieß sie RYNDAM und gehörte zu einer neuen Serie der Luxusreederei Holland-America-Line. Das Atrium mit den ausladenden Treppen, Cafés und Shops war ein Vorläufer der bis zu zehn Decks hohen Lichtschächte, die man in den frühen 2000er Jahren baute­ und die gegenwärtig gerade wieder aus der Mode kommen.

Die CELESTYAL JOURNEY ist, als sie den Hafen von Piräus verlässt, mit 1.278 Passagieren fast ausgebucht, und diese Schiffsgröße macht sie angenehm und überschaubar. Natürlich ist das verschwenderisch-­luxuriöse Platzangebot der frühen Tage geblieben: Zwei völlig getrennte Poolbereiche, ein ruhiger am Achterdeck, und unter einem aufschiebbaren Glasdach vorm Schornstein ein weiterer mit Bühne, Bar und Eis-Salon. Kein Schiff dieser Größe (außer jenen, die mit der früheren RYNDAM vor über 30 Jahren in Dienst gestellt wurden, dazu gehört u. a. die VASCO DA GAMA) hat eine solche Vielfalt an Bars und Restaurants. Zum Beispiel das Buffet, das mit Regalen und Nippes verspielt eingerichtet ist, mit seinen nicht enden wollenden Stationen, an denen Pasta à la minute zubereitet, Braten frisch aufgeschnitten wird und auch exotische Geschmäcker zu ihrem Recht kommen. Im Hauptrestaurant hingegen, dessen frühere Emporen abgetrennt und in italienische bzw. asiatische Sonderrestaurants für die Suitengäste verwandelt wurden, überwiegt mediterrane Küche in all ihrer Vielfalt: Griechischer Salat, italienische Pasta, Hähnchen mit Zitrone in Weißweinsauce und zum Dessert eine Selektion türkischer Köstlichkeiten, während sich am Nachbartisch Mutter und Tochter aus Spanien redlich bemühen, eine Konversation auf Englisch hinzukriegen.

Die Weltsprache ist an Bord durchaus gefragt. Zum einen reisen Italiener und Griechen gern in großer Familie, und das schließt auch jene Generation ein, die in der Schule Fremdsprachen gelernt hat. Zum andern hatte das Schiff vor seinem Wechsel in die Celestyal-Flotte ein längeres Intermezzo bei P&O Australia, und ein pfiffiger Agent hat es geschafft, früheren Fans aus Australien und Japan eine Reise im Mittelmeer schmackhaft zu machen. So ist der Strauß der Quellnationen deutlich bunter als die Reihe der Zielländer: Griechenland, Italien, Montenegro und Kroatien….

… Lesen Sie weiter in der aktuellen Ausgabe.

Fotos: Oliver Schmidt, enapress.com (1)