Auch im Bau von Kreuzfahrtschiffen für den Export auf Erfolgskurs: Chinesische Werft erhält Anschlussauftrag von Mystic Cruises für innovative Segel-Cruiser
Die von China als weltgrößter Schiffbaunation in den letzten Jahren erfolgte Fokussierung auf den Bau von Kreuzfahrtschiffen wird – nicht zuletzt auch durch die damit verbundenen Finanzierungsangebote – zu nehmend auch von europäischen Kunden honoriert. Jüngstes Beispiel ist der Auftrag der im portugiesischen Porto ansässigen Reederei Mystic Cruises an die China Merchants Cruise Shipbuilding Co., die nur sieben Tage zuvor einen Auftrag über acht Kreuzfahrtschiffe von United Waterways hereinnehmen konnte. Durch die jüngsten Bestellungen hat sich der weltweite Auftragsbestand für Kreuzfahrtschiffe nach Angaben von Experten auf rd. 80 bis 2036 zu liefernde Einheiten mit einer Gesamtkapazität von ca. 200.000 Betten im Wert von ca. 70 Mrd. Dollar erhöht.
Anlässlich der Marintec China 2025 in Shanghai wurde am 2. Dezember im Rahmen einer gemeinsamen Unterzeichnungszeremonie von China Merchants Cruise Shipbuilding Co. Ltd. und Mystic Cruises ein Vertrag über den Bau eines Segelkreuzfahrtschiffes und die Option für drei Nachbauten von Mario Ferreira, Präsident von Mystic Cruises, und Mei Zhonghua, stellvertretender Generaldirektor von China Merchants Shipbuilding Industry und Generaldirektor von China Merchants Cruise Shipbuilding, in Anwesenheit zahlreicher Führungskräfte der beteiligten Unternehmen unterzeichnet.
Bei den für ca. 200 Gäste ausgelegten und ab 2028 zu liefernden Neubauten handelt es sich nach Informationen des mit einer eigenen Niederlassung in Shanghai vertretenen britischen Schifffahrtsdienstleistungs- und Maklerhauses Clarkson um ca. 8.000 BRZ große Einheiten. Sie sollen mit einem auf erneuerbare Energien wie u.a. Windkraft setzendes Dreifach-Hybrid-Antriebssystem ausgerüstet werden. Auf der Basis der jetzt erfolgten Vertrags-Unterzeichnung wollen beide Parteien ihre Zusammenarbeit vertiefen und gemeinsam daran arbeiten, diese Serie von windbetriebenen Kreuzfahrtschiffen als“ globalen Maßstab für umweltfreundliche Kreuzfahrten zu etablieren und der hochwertigen Entwicklung der Kreuzfahrtindustrie neue Impulse zu verleihen“.


Mystic Cruises gehört auch wie u. a. auch die Flusskreuzfahrten-Reederei Douro Azul und der deutsche Kreuzfahrtveranstalter nicko cruises zu der von dem portugiesischen Touristik-Unternehmer Mario Ferreira gegründeten Mystic Invest Holding Group. Die Reederei hat sich auf Polarexpeditionen und umweltfreundliche technologische Innovationen fokussiert und bietet immersive Expeditionserlebnisse an Bord ihrer kleineren Expeditionskreuzfahrtschiffe an. Das Unternehmen betreibt derzeit neben der im Oktober 2020 im Zuge einer Versteigerung als Second-hand Schiff erworbenen und anschließend umfassend modernisierten und von nicko cruises vermarkteten Vasco da Gama (55.450 BRZ) mit der World Voyager, der World Navigator, World Traveller und World Explorer vier von der West Sea Estaleiros Navais in Viana do Castelo erbauten und seit 2019 abgelieferte Expeditionskreuzfahrtschiffe der 9.300 BRZ-großen Explorer-Klasse, von denen die fünfte Einheit, die vor der Ablieferung stehende World Seeker (siehe auch https://anbord.de/windstar-cruises-names-libby-anschutz-godmother-of-star-seeker/ oder https://anbord.de/windstar-cruises-welcomes-two-new-ships-to-fleet-including-first-star-class-newbuild/), die gerade ihre Endausrüstung und Erprobung erledigt.
In einem Interview mit Cruise Industry News vom September hatte Ferreira, der u.a. anlässlich der Seatrade-Awards 2020 als „Cruise Industry Personality of the Year“ ausgezeichnet worden war, erklärt, dass Mystic Cruises aufgrund der vollständigen Auslastung einiger großer portugiesischer und europäischer Werften mit begrenzten Ressourcen und der mangelnden Qualifikation anderer Werften für den Bau solcher Kreuzfahrtschiffe plane, eine Serie neuer 20.000-BRZ-Schiffe an eine Werft in Asien zu vergeben. Gleichzeitig wolle man sich bei portugiesischen, deutschen, französischen und italienischen Unternehmen um Unterstützung für dieses Vorhaben bemühen.
Der im Vorspann erwähnte United Waterways-Auftrag umfasst – wie bereits berichtet vier Küstenkreuzfahrtschiffe für je 260 Passagiere und vier Expeditionskreuzfahrtschiffe für je 180 Gäste, für die neue White Label-Marke Ocean Advice der in Basel ansässigen Unternehmensgruppe, wobei für es für drei ab 2028 abzuliefernden Neubauten bereits feste Charterverträge gibt. Nach Angaben von United Waterways habe man sich für die China Merchants Jiangsu Heavy Industry als Bauwerft entschieden weil sie über umfangreichen Erfahrung im Bau von Expeditionskreuzfahrtschiffen für andere renommierte Expeditionsmarken ausgewählt wurde. Bekanntlich hatte der in Haimen ansässige CMHI-Werftbetrieb am 9. September dieses Jahres mit der Douglas Mawson (BRZ:8076) die letzte Einheit einer Serie von sieben Polar-Expeditikonskreuzfahrtschiffen der Infinity-Klasse an die SunStone Maritime Group A/S abgeliefert. Da sich die dänischen Eigner und auch die Charterer sehr positiv über die Qualität und Abwicklung der Neubauten äußerten, ist nicht auszuschliessen, das man sich auch bei der geplanten „Boundless“-Nachfolgeklasse für die chinesischen Schiffbauer entscheidet. JPM
Einzelheiten wurden auf AN BORD-Anfrage noch nicht bestätigt.
Foto: iMarine/CMHI



