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Die Wiege der Kreuzfahrt

Wer auf seiner Schiffsreise mal zur Ruhe kommen möchte, sollte sich für eine Transatlantikpassage entscheiden. Peggy Günther stellt Vorteile, Routen und Preise vor.

Die Transatlantikpassage gilt als die reinste Form der Seereise. Lange bevor der Kreuzfahrtstress mit täglich neuen Häfen begann, bereisten die Luxuspassagiere vergangener Jahrhunderte bereits gediegen den zweitgrößten Ozean der Erde. Sie genossen das reiche kulturelle und kulinarische Angebot an Bord und inhalierten frische Seeluft. Auch heute hat diese spezielle Form der Kreuzfahrt noch viele Fans. Insbesondere auf den großen Passagiersegelschiffen, wo Wind und Wellen das Tagesprogramm bestimmen, sind die Atlantiküberquerungen oft Jahre im Voraus ausgebucht.
Wer das Glück einer Transatlantikpassage einmal erlebt hat, weiß, worin der besondere Reiz der Reise liegt: An einigen Tagen wechselt die Farbe des Meeres stündlich – von sanftem Türkis über ein sattes Grün bis hin zu tiefem Blau. Manchmal geht der Blick meilenweit bis zu der schnurgeraden Linie, die Himmel und Wasser am Horizont trennt. An anderen Tagen wird man vom Nebelhorn geweckt und hat beim Blick aus dem Fenster das Gefühl, das Schiff fahre wie durch Wolken. Und in einer Nacht richten sich alle Fotoapparate auf das schwarze Meer: Knapp vier Kilometer unter dem Bug liegt die TITANIC.
Ob man von Ost nach West oder von West nach Ost reist, ist eine Glaubensfrage und hängt von der Jahreszeit ab, denn schließlich fahren die Schiffe immer dem Sommer hinterher. Wer im Herbst in der alten Welt startet, bekommt dank Zeitverschiebung jeden Tag eine Stunde geschenkt und folgt dem klassischen Auswanderertraum. Wer hingegen im Frühling in Amerika startet, kann dem Shopping ohne Gewichtsbegrenzung beim Gepäck frönen und kommt ausgeruht statt mit Jetlag nachhause.
Reine Transatlantikpassagen dauern in der Regel zwischen sieben und neun Tagen, es gibt aber immer öfter auch längere Routen, die Stopps in verschiedenen Ländern am Wegesrand beinhalten. Als Repositionierungsfahrten zwischen den Sommer- und den Winterfahrtgebieten sind sie bei manchen Anbietern zum Schnäppchenpreis zu haben. Andere Reedereien stricken ein besonderes Themenprogramm rund um die Tage auf See und laden spannende Referenten für Vorträge oder Künstler an Bord ein. Wir haben die interessantesten Angebote des kommenden Jahres für Sie ausgewählt:

Queen Elizabeth II, Foto: enapress.com

Am 26. August 2020 startet die AIDALUNA auf eine Atlantiküberquerung in westliche Richtung. Das Schiff legt auf seiner 17-tägigen Reise von Kiel nach New York acht Stopps in Norwegen, Schottland, Island, Grönland und Kanada ein. Trotzdem kommen Meerfans bei sieben Seetagen voll auf ihre Kosten. Kostenpunkt laut Internet: ab 1.899 Euro pro Person in der Doppelkabine.
www.aida.de

Auch TUI Cruises bietet eine Transatlantikpassage mit Mehrwert an – nämlich vier Stopps in Kanada. Die MEIN SCHIFF 1 startet am 31. August 2020 in Hamburg und fährt über Zeebrügge und Le Havre nach Neufundland, auf die Prince Edward Inseln, zur Kap-Breton-Insel und nach Halifax, bevor sie am 15. September im Hafen von Bayonne anlegt, wo ein Übernachtaufenthalt genügend Zeit zur Erkundung von New York bietet. Tagesaktueller Internetpreis: 1.995 Euro pro Person.
www.tuicruises.com

ARTANIA, Foto: O.Asmussen/www.oceanliner-pictures.com

Gleich zwei Transatlantikpassagen in einer Reise gibt es ab 1. September 2020 bei Phoenix Reisen an Bord der ARTANIA. Die Fahrt bietet viele Stopps in Island, Grönland und Kanada bis hin zu einer Fahrt auf den Sankt-Lorenz-Strom. Wer 38 Tage Zeit hat kann ab 4.999 Euro den nördlichen Atlantik ohne Flug ab und bis Bremerhaven intensiv kennenlernen.
www.phoenixreisen.com

Wer lieber nach Südamerika reisen möchte, kann mit dem WORLD EXPLORER von nicko cruises am 13. Oktober 2020 von Lissabon nach Rio de Janeiro reisen. Zwischenstopps sind in Funchal (Madeira), Praia (Kapverden) und Salvador de Bahia geplant. Und als zusätzliches Schmankerl findet natürlich eine echte Äquatortaufe statt. Die 14-tägige Reise ist im Internet ab 3.699 Euro buchbar. www.nicko-cruises.de

Foto: filipefrazao/istockphoto.com
Le Havre, Foto: enapress.com

Mehr als 6.500 Seemeilen liegt die MSC PREZIOSA auf ihrem Weg von Hamburg nach Santos zurück. Die Fahrt beginnt am 25. Oktober 2020 und führt zunächst rund um Europa mit Stopps in Le Havre, Southampton, La Coruña und Lissabon sowie auf Madeira und den Kanaren, gefolgt von fünf Tagen auf See. Dann lernen die Passagiere noch drei brasilianische Häfen kennen, bevor sie am 15. November in Rio de Janeiro aussteigen. Die 20-tägige Transatlantikpassage ist ab 1.229 Euro im Internet buchbar.
www.msccruises.de

Ein Schnäppchen ist die 21-tägige Transatlantik-Kreuzfahrt der COSTA MAGICA mit Abfahrt am 3. April 2021 ab Pointe-à-Pitre (Kleine Antillen) bis Savona. Die Reise beinhaltet Stopps in der Dominikanischen Republik, auf den Britischen Jungferninseln und den Kleinen Antillen, gefolgt von sechs Seetagen, einem Halt auf Teneriffa und zwei weiteren Seetagen. Auf dem europäischen Festland werden noch Barcelona und Marseille angesteuert, bevor die Passagiere in Savona das Schiff verlassen. Im Internet buchbar ab 869 Euro pro Person.
www.costakreuzfahrten.de

Martinique, Foto: enapress.com

Bei Oceania Cruises bekommen Passagiere einer Transatlantikreise das Beste aus beiden Welten: Die RIVIERA startet am 20. März 2021 in Miami, um nach zwei Seetagen noch einmal über Nacht auf den Bermudas anzulegen. Anschließend geht es in vier Tagen über den großen Teich nach Ponta Delgada auf den Azoren und weiter nach Lissabon sowie Cadiz. Ausschiffung ist nach 14 Tagen in Barcelona. Die Reise kostet inklusive acht Landausflügen aktuell ab 2.339 Euro pro Person.
www.de.oceaniacruises.com

Cunard ist der einzige Anbieter, der ganzjährig Atlantiküberquerungen anbietet – auf dem letzten echten Transatlantikliner, der QUEEN MARY 2. Sie bietet besonders viel Raum pro Passagier und hat neben der größten schwimmenden Bibliothek auch ein Planetarium an Bord. Wie wäre es mit einer neuntägigen Reise von New York über Southampton nach Hamburg? Buchbar beispielsweise am 26. April 2021 ab 1.386 Euro pro Person. www.cunard.com

Eine Atlantiküberquerung mit einem Windjammer ist etwas ganz Besonderes: Man braucht vielleicht etwas länger, dafür hört man aber auch an manchen Tagen nichts als das Rauschen des Windes in den Segeln. Die STAR FLYER startet am 27. März 2021 eine ostwärts gerichtete Transatlantikpassage auf St. Maarten und kommt nach 20 Tagen und einem Stopp auf den Azoren Mitte April im spanischen Malaga an. Buchbar ab 2.195 Euro pro Person. www.starclippers.com

STAR FLYER, Foto: enapress.com

Beitragsaufmacher-Foto: Byelikova_Oksana/istockphoto.com

Regent’s neues Flaggschiff

Als 2016 die SEVEN SEAS EXPLORER auf den Markt kam, bezeichneten sie die Marketing-Manager als „the most luxury ship ever built“. Jetzt wurde ihre Schwester, die SEVEN SEAS SPLENDOR, in Miami getauft. „Luxury perfected“ heißt ihr Slogan. Michael Wolf konnte sich den Neubau schon einmal auf einer kurzen Fahrt ansehen und die beiden Schiffe vergleichen.

Schon beim Betreten des Schiffes fällt es auf: Die SEVEN SEAS SPLENDOR hat bis auf die Strukturen wenig mit ihrer älteren Schwester gemeinsam. Das Innendesign ist frischer und moderner. Die dunklen Töne und Materialien sind an den meisten Stellen verschwunden und durch helle Farben sowie Elementen aus Glas und Metall ersetzt. Besonders sichtbar ist es an der Metamorphose der Freitreppe, die auf der SEVEN SEAS EXPLORER aus schwerem Marmor war. Die Treppe der SEVEN SEAS SPLENDOR präsentiert sich dagegen fast fragil aus hellem Holz, ein Design der Leichtigkeit. Und sie öffnet scheinbar noch mehr Raum: Statt knapp vor den Boutiquen und Aufzügen endet sie unten auf der großzügigen Promenade zwischen Casino und Splendor Lounge, die dann direkt zum Hauptrestaurant der SEVEN SEAS SPLENDORführt.
Auch hier, im Compass Rose, hat sich etliches verändert. Nicht nur gastronomisch (komplettes Update von Vielfalt und Exklusivität der angebotenen Speisen), auch das Ambiente ist neu und heller: Weiß ist die dominante Farbgebung, statt des blauen monumentalen Lüsters aus Muranoglas hängt hier heute ein nicht weniger spektakulärer Kronleuchter aus Edelstahl mit seinen 870 beleuchteten Glasscheiben, nur eben wesentlich dezenter.
Fällt während einer Cruise ein Sonntag mit einem Seetag zusammen, wird im Compass Rose auf spektakulärste Weise aufgetischt: ein endloses Gala-Buffet mit besten Zutaten, unter ihnen Luxusprodukte wie Kaviar und Hummer, Austern, feinste Pasteten, aber auch warme Speisen und eine riesige Dessert-Auswahl.

Cabanas am Heck
In helleren Farben präsentiert sich auch das Buffet-Restaurant La Veranda. Neu und heiß begehrt sind hier die (leider wenigen) Tische, die sich an den Panoramafenstern auf einer Art Balkon befinden – mit freiem Blick aufs Meer und auch auf die Schiffsseite. Auf dem Außenbereich laden nun neben den normalen Tischen auch einige Cabanas zum windgeschützten Essen und Entspannen. An den Buffets wird jetzt ebenfalls Service geboten: An jeder Food-Station stehen meist mehrere Stewards bereit, um die Teller nach den Wünschen der Kunden zu füllen. Eine sicherlich gute Maßnahme, zum einen aus hygienischen Gründen, zum anderen sicher auch um Food-Verschwendung zu vermeiden.
Die anderen Restaurants wie das Prime 7, das französische exzellente Chartreuse oder das asiatische Pacific Rim (vor dessen Eingang ein monumentaler und 250.000 US-Dollar teurer Bronzedrachen steht), erhielten kleinere Fresh-Ups mit stark überarbeiteten Speisekarten. Kristallgläser und Porzellan von bekannten Designhäusern wie Bernardaud oder Versace sind in den meisten Restaurants selbstverständlich.
Ein besonders guter Wurf ist den Architekten mit der Coffee Connection gelungen, wo den ganzen Tag über je nach Zeit verschiedene Snacks und Kaffeespezialitäten geboten werden. Sie verfügt jetzt über einen schön gestalteten kleinen Außenbereich mit bequemen Sitzgelegenheiten. Die Culinary Arts Kitchen, eine vollausgestattete Kochschule, hat bei Regent schon Tradition. Auf der SEVEN SEAS SPLENDOR sind es bis zu acht Köchen, von denen viele bereits Bücher oder Web-Rezepte verfasst haben oder für ihre Leistungen ausgezeichnet wurden, die für Kurse, Fragen oder Austausch mit den Gästen zur Verfügung stehen.
Spezielle kulinarische Ausflüge bieten Wissen von historischen Hintergründen zu Essen oder bestimmten lokalen Gerichten, Besuche von Märkten, Sterne-Restaurants oder auch Bio-Bauernhöfen, immer begleitet von einem der SEVEN SEAS SPLENDOR-Köche.
Die Bandbreite ist groß – es kann von Kochlektionen in einer griechischen Taverne bis zu einem Tapas-Kurs in Spanien gehen….

Lesen Sie weiter in der aktuellen Ausgabe.

Fotos: enapress.com

Eine Bildergalerie mit weiteren Fotos finden Sie hier:

In neuem Fahrwasser

Während einer normalen Kreuzfahrt wurde das erste LNG-Schiff von Costa Crociere in einer glanzvollen Zeremonie getauft, ohne dass die meisten Gäste davon wussten. Die „travelling smart city“, wie die COSTA SMERALDA von ihren Machern genannt wird, wartet mit neuesten Standards für Umweltschutz und Technik auf. Auf 19 Decks finden sich 15 Restaurants, 20 Bars und 4 Pools. Michael Wolf berichtet von der Taufe.

21.2.2020: In Savona wird das erste LNG-Schiff für Costa Crociere getauft. Das Entertainment-Herz des Schiffes, das Colosseo, ist auf allen Decks gefüllt, auf den Mega-Screens funkeln Feuerwerke. Die Taufpatin trägt schwarz: ein elegantes Kleid mit modischem Halsteil. Die spanische Filmschauspielerin und Oscar-Preisträgerin Penelope Cruz überzeugt bei diesem Taufakt allerdings mehr durch ihre (leider nur sehr kurze) Präsenz, als durch große Reden. Nach guten Wünschen für das neue Schiff löst sie mit einem mit einem kleinen Hammer den Mechanismus aus, der am Bug des Schiffes die Taufflasche zerschellen lässt – ein Konfettiregen ergießt sich über die Szene.
Zuvor hatten einige Redner aus der lokalen italienischen Politik und der großen Carnival-Familie bereits ihre Grüße übermittelt. Deren CEO Arnold Donald, hatte auch die Chefin von Carnival Cruise Lines, Christine Duffy, mitgebracht, was einige Gäste aus der Branche vermuten ließ, dass auch dort möglicherweise LNG-Schiffe geplant seien.

Michael Thamm, CEO der Costa-Gruppe und Carnival Asia, ließ seiner Freude über diesen „Meilenstein“ in seiner Rede freien Lauf. Frei im wahrsten Sinne des Wortes – zur Überraschung der Simultan-Dolmetscher hatte er seine vorbereite Rede in letzter Sekunde beiseite gelegt und frei gesprochen. Zu groß, so Thamm, seien die Emotionen am heutigen Tag, als er die COSTA SMERALDA offiziell in der Flotte begrüsste. „Sie ist die ideale Verbindung aus italienischer Kreation als Erbe der traditionellen Costa-Marke und nachhaltiger Innovationen. Wir waren das erste Unternehmen, das in LNG investiert hat, und wir arbeiten derzeit an der Entwicklung anderer nachhaltiger Technologien wie Batteriespeicher, Brennstoff­zellen und Flüssiggas aus erneuerbaren Energiequellen“, so Thamm.

Während im Colosseo die Haupt-Zeremonie stattfand, waren die Taufaktivitäten, Moderationen und Reden in Lounges auf dem ganzen Schiff verteilt. Die Riege der Offiziere defilierte dann von einem Ort zum nächsten, begleitet und übertragen vom Bord-TV.
Unter den Gästen war auch Nico Costa, einer der letzten Vertreter der Gründerfamilie der traditionsreichen Reederei.
Abends große Party im Colosseo – ausgelassen tanzen Arnold Donald, Adam D. Tihany und Costa-Chef Neil Palomba auf der Bühne mit den Mitgliedern des Show-Ensembles. Donald gilt als begeisterter Partygänger – und machte auch heute seinem Ruf alle Ehre.
Auf der COSTA SMERALDA („an Bord“ berichtete in der letzten Ausgabe ausführlich) stand das Museum für italienisches Design im Mittelpunkt des Interesses, das CoDe (Costa Design Museum). Hier führte der bei einigen Brands der Carnival Corporation (wie beispielsweise Seabourn, Costa, HAL, Cunard) omnipräsente Innenarchitekt und Designer Adam D. Tihany Ehrengäste sogar persönlich.
Unter den fast 500 Ausstellungsstücken finden sich von der Vespa bis zu stylishen Möbeln, von der Espressomaschine bis zu den ersten Jahren der italienischen Kreuzfahrt mit Modellen wie von der ACHILLE LAURO oder den feuerroten Ferraris so ziemlich alles, was für Italien steht.
Auch neu: Lab, ein Restaurant, in dem fast spielerisch das Kochen unter Anleitung von Köchen für mehrere teilnehmende Gruppen gelernt wird – inklusive Schwerpunkt auf Resteverwertung inklusive Preisverleihung für Kreativität und Geschmack, fast wie eine TV-Show.
Die laufen übrigens als Quiz-Shows im Theater, mit Studio-Charakter inklusive Fernsehkameras.
Ein langes Feuerwerk abends vor der Festung vor Savona nach dem Auslaufen des Schiffes. Ein historischer Tag für Costa Crociere, von dem allerdings die meisten der Gäste kaum etwas mitbekommen haben.

Fotos: enapress.com

Die Magie des Ganges

Indien ist ein Land voller Farben und Kontraste. Maik Günther fuhr mit der KATHA PANDAW auf der „Lebensader Indiens“, dem Ganges.

Kreuz und quer folgt die Gruppe ihrem Reiseleiter Debu durch die engen, verwinkelten Gassen von Varanasi. Auf keinen Fall dürfen sie ihn oder jemand anderen aus der 14-köpfigen Reisegruppe aus den Augen verlieren. Die Gefahr ist groß, sich in diesem chaotischen Durcheinander der Altstadt mit seinen vielen Tempeln zu verlieren. Eine abendliche Tour zu den Ghats soll das Highlight einer Kreuzfahrt von Kolkata nach Varanasi werden. Auf diesen Terrassen am Fluss verabschieden jeden Abend Priester mit imposanten Zeremonien den Ganges für die Nacht. Schon in der Ferne sind die Glocken und Gesänge der Priester hören. Am Ufer stehen die Menschenmassen mit flackernden Kerzen in der Hand und Feuer lodern an zahlreichen Verbrennungsplätzen am Manikanika Ghat. Ein leicht süßlicher Duft von verbranntem Fleisch steigt in die Nase. Die Hindus glauben fest daran: wer in Varanasi stirbt, verbrannt und dessen Asche in den heiligen Fluss gestreut wird, durchbricht den Kreislauf der Wiedergeburt und gelangt dadurch ins Nirvana. Während die Sonne den Ganges in dunkles Rot verwandelt, kann man das Treiben der unzähligen Menschen entlang der endlos wirkenden Ghats beobachten. Wer nach Indien reist, muss Varanasi besuchen. Nur dort, in dieser über 3.000 Jahre alten Stadt, dem heiligsten Ort des Hinduismus, kann man der traditionellen Kultur und Wissenschaft, dem Spiritismus der Menschen des Landes so nahe kommen. Doch erstmal zurück zum Anfang dieses kleinen Abenteuers.
Kolkata, Hauptstadt des indischen Bundesstaates Westbengalen. Hier begann 1690 mit der Gründung eines Stützpunktes der Britischen Ostindien-Kompanie der Einfluss der späteren Kolonialherren. Noch heute zeugen unzählige, größtenteils verfallene Kolonialhäusern von der Pracht der einst so reichen Industriestadt. Mit dem Hauptstadtumzug nach Neu-Dehli ging es mit der Millionenmetropole am Ganges stetig bergab. Günter Grass bezeichnete die Stadt verächtlich als „ein Haufen Scheiße, wie Gott ihn fallen ließ und Kalkutta nannte“. Hier startet die 14-tägige Flusskreuzfahrt auf dem Ganges.

KATHA PANDAW

Kolkata ist voller Widersprüche. Lärm, Dreck, Gedränge und Gestank, aber es gibt auch die ruhigen, schönen Viertel. In der Lobby des ehrwürdigen „The Grand Oberoi“ Hotels lernen sich die Mitreisenden der anstehenden Flussreise kennen. Brett, Country Manager von Pandaw Expeditions, begrüßt die Gäste und stellt ihnen Debu, den sympathisch-kompetenten Reiseleiter vor. Die Passagiere, meist im Alter zwischen 50 und 80, kommen aus den USA, Großbritannien, Hong Kong und Deutschland. Der Start dieser Flussreise kann aufgrund des aktuellen Niedrigwassers nicht in Kolkata stattfinden, so dass ein Bus die Gäste ins 50 Kilometer entfernte Chandannagar bringt. Die Fahrt vermittelt einen perfekten Einstieg in das Reiseland Indien: holprig, chaotisch, dreckig und doch unglaublich spannend. Am Straßenrand spielen sich tausende Szenen ab und nach zwei Stunden erblicken wir endlich unser Schiff, die KATHA PANDAW. Mit dem hölzernen Beiboot und dessen laut knatternden, stinkenden Dieselmotor, erreichen wir das recht kleine Zweideck-Flachbodenschiff. Maximal 28 Passagiere finden in den knapp 17 qm großen Kabinen Platz. Auf zwei Decks verteilen sich die 14 Kabinen, welche sich in Größe und Einrichtung im Wesentlichen gleichen. Die Wände und auch die Möbel sind mit viel Teakholz und Messing gefertigt und vermitteln dadurch den prächtigen Charme der Kolonialzeit in Kombination mit zeitgemäßen Komfort. Ein umbaufähiges Doppelbett, ein Schreibtisch, ein knapp drei Quadratmeter großes Bad mit Dusche/WC und genügend Stauraum im Kleiderschrank sowie in Schubfächern unter den Betten, sollten aber ausreichen, um das Abenteuer Indien komfortabel zu genießen. Bei der traditionellen Begrüßung durch den Kapitän bekommen die Passagiere neben erfrischenden Welcome-Cocktails auch eine gut duftende Blumenkette um den Hals gelegt. Indien ohne Blüten wäre wie Deutschland ohne Wurst. Die KATHA PANDAW legt ab und ca. 1.000 Kilometer Flussreise sind zu bewältigen.

Die Reise findet im Januar statt und anfangs sind auch die Temperaturen recht angenehm. Knapp 20 Grad Celsius, dazu ein paar Sonnenstrahlen. Die meisten Passagiere habe es sich auf den Liegen und in den Sesseln auf dem überdachten Sonnendeck am Heck oder vorne am Bug bequem gemacht. Gelegentlich tauchen seitlich des Schiffes Flussdelfine aus dem trüben Ganges empor. Am Ufer lassen sich Menschen bei ihrem alltäglichen Ritual beobachten. Sie tauchen ein in den heiligen Fluss, waschen sich, trinken gar das Wasser. Ein paar hundert Meter flussaufwärts werden indes tote Körper bei feierlichen Zeremonien verbrannt. Asche und auch nicht komplett verbrannte Reste des Leichnams werden anschließend in den Fluss gestreut. Den darin Badenden stört es nicht. Mutter Ganges gibt, Mutter Ganges nimmt. Skurril, vielleicht gar ein weniger makaber, bei diesen Beobachtungen einen kühlen Caipirinha zu genießen. Flussaufwärts führt die Reise zunächst nach Kalna mit seinen Tempelanlagen. Einige Stunden später wird in Mayapur, eine kleine Stadt, die als Hauptsitz der Hare-Krishna-Bewegung berühmt geworden ist, angelegt. Zehntausende Gläubige strömen jeden Tag nach Mayapur. Gigantische Ausmaße nimmt der noch in Bau befindliche „Temple of the Vedic Planetarium“ an. 2020 soll dieser, in seiner Dimension sogar den Vatikan übertrumpfende, Tempel nach vielen Jahren Bauzeit endlich eröffnet werden. Was für gigantische Geldsummen werden hier geflossen sein? Der Glaube macht’s möglich.

Die Schleuse Farakka trennt den unteren vom oberen Teil des Ganges. Für den Kapitän und seine Crew bedeutet die Weiterfahrt nun höchste Konzentration. Nur bei Tageslicht und mit Begleitung eines erfahrenen Lotsen lassen sich die zahlreichen Sandbänke bei recht niedrigem Wasserstand umfahren. Gelegentlich setzt die KATHA PANDAW dennoch auf, kann sich aber durch geschicktes Manövrieren selbst aus der misslichen Lage befreien. Der Service der ausschließlich mit Männern besetzten Crew ist nicht zu beanstanden. Neben der täglichen Reinigung der Kabinen gehört auch am Abend das Aufschlagen der Betten zur Selbstverständlichkeit. Nach den Landgängen werden sogar die Schuhe der Gäste geputzt und blitzblank wieder vor die Kabinentür gestellt. Auch das Essen, welches außer zum Frühstück immer am Tisch als 4-Gänge-Menü serviert wird, ist abwechslungsreich, sehr schmackhaft und nur auf speziellen Wunsch entsprechend scharf. Wenn es das Wetter zulässt, werden im Freien auf dem Oberdeck indische Speisen wie das bekannte Dhal (Linsensuppe mit verschiedenen Gemüsen) oder als Hauptgang kräftige Mughal-Curries mit Lamm oder Hühnchen serviert. Immer dabei ist das Fladen-Brot Pooris, welches auf speziellen Wunsch einiger Passagiere sogar in der Variante mit gebratenen Knoblauch angeboten wird. Eine umfangreiche Getränkekarte mit unerwartet guten Weinen aus Indien, regionalen Biersorten, zahlreichen Cocktails und natürlich einer großen Auswahl alkoholfreier Getränke lassen keinen Wunsch offen. Mineralwasser wird kostenlos angeboten. Getränke- oder Weinpakete können kostenpflichtig gebucht werden.

Weitere Höhepunkte dieser Flussreise sind die in Hinterhöfen untergebrachten Textilwebereien in Bhagalpur und auch die am Flussufer gelegenen Tempelanlagen von Sultanganji. Alle Ausflüge mit englischsprachigem Guide sind übrigens bei Pandaw Cruises im Reisepreis inkludiert. Der geschulte Reiseleiter Debu kennt sich in dieser Region bestens aus und dank seiner fröhlich-charmanten Art werden die Landgänge für die Passagiere immer zu einem besonderen Erlebnis. An Bord sorgen kultur­elle Darbietungen einheimischer Musiker, Vorträge und Filme über die indische Geschichte für abwechslungsreiche Unterhaltung.

In einem Seitenarm des Ganges, nur wenige Kilometer von Mokama entfernt, endet am 11. Tag unerwartet die Reise auf dem heiligen Fluss. Dichter Nebel und zu geringe Wassertiefe machen eine Weiterfahrt nach Varanasi unmöglich. Dem engagierten Team von Pandaw gelingt es aber in kürzester Zeit, ein Alternativprogramm zu organisieren. Mit einem Bus geht es weiter nach Nalanda. Die alte Universitätsstadt war einst ein buddhistisches Zentrum und zog vor vielen Jahrhunderten chinesische, nepalesische und tibetische Gelehrte aus aller Welt an. Leider zeugen nur noch Ruinen der vielen Backsteinklöster und Bibliotheken von den einst glanzvollen Zeiten. Bereits am Abend erreicht die kleine Reisegruppe Bodh Gaya, eine der heiligsten Stätten des Buddhismus. Hunderte Gläubige haben sich hinter dem großen Tempel unter dem Baum des Lebens, dem Bodhi-Baum, versammelt und suchen in Meditation und Selbstprüfung die erfüllende Erleuchtung für ihr Leben. Leider vergehen auch hier die Tage viel zu schnell und die letzte Etappe der Reise durch Nordindien steht an. Per Flugzeug geht’s weiter nach Varanasi.

In der Heimat der hinduistischen Götter endet die zweiwöchige Reise. Die kleine internationale Gästeschar hat diese Pilgerreise unternommen und sich von der Magie des Ganges und seiner dort lebenden Menschen und ihrer­ Kultur verzaubern lassen.

Fotos: Maik Günther

Großer TV-Auftritt

Die ARD-Serie „Verrückt nach Meer“ setzt auf umweltfreundliche Kreuzfahrten und startet zehn neue Folgen als „Sehnsucht Segeln“

Die ARD bringt Segel-Kreuzfahrten in deutsche Wohnzimmer. Unter dem Titel „Sehnsucht Segeln“ auf dem Sendeplatz des erfolgreichen Doku-Formats „Verrückt nach Meer“ starten ab dem 20. April zehn neue Folgen. Schauplätze sind die beiden Viermast-Großsegler STAR CLIPPER und STAR FLYER auf ihren Routen zu den Britischen Jungferninseln in der Karibik und zu den Nationalparks vor Thailands Küste.
Nach zehn Jahren „Verrückt nach Meer“ auf klassischen Kreuzfahrtschiffen sind die Abenteuer auf den beiden imposanten Großseglern der Reederei Star Clippers eine komplett neue Kreuzfahrt-Welt: 70 Crewmitglieder nutzen mit 16 Segeln wie vor Jahrhunderten die Antriebskraft des Windes, gleichzeitig genießen die maximal 170 Passagiere den Luxus von Marmorbädern, feinen Speisen, ein BBQ unter Palmen am Strand und Ausflüge zu exotischen Zielen.

Die Großsegler, Nachbauten historischer Clipperschiffe, wurden mehrfach mit dem „World Travel Award“ als „World´s Leading Green Cruise“ ausgezeichnet. „Sehnsucht Segeln“ ist eine Produktion der Vincent Productions GmbH im Auftrag der ARD unter Federführung des BR für Das Erste. Produzentin ist Sandra Maischberger.
Auch die HAMBURG von Plantours wird jetzt auf ihren Reisen begleitet.

Hinter den neuen Folgen stehen Produktionsfirmen, die jeweils über die Bremer Kommunikationsagentur John Will Kommunikation an Bord geholt wurden und die Drehplanungen, Drehbegleitungen während des laufenden Kreuzfahrtbetriebs arrangiert.

Sendetermine: 20. April bis 4. Mai 2020, Montag bis Freitag ab 16:10 Uhr, ARD

Bereits 2004 war die STAR FLYER Drehort für „Unter weißen Segeln“. Die damaligen Dreharbeiten haben fotografisch begleitet. Hier ein paar Aufnahmen aus dem Archiv.

Juraj KUKURA
Fritz Wepper mit Frau Angela
Schauspielerin Gerit Kling
Gideon SINGER

Fotos: enapress.com, Text: PM Will Kommunikation, Beitragsfoto: John Will

Auf zu neuen Zielen

Am 21. Dezember fand das Roll-out für die Crystal Endeavor statt. Michael Wolf berichtet über die Entwicklung des Schiffes und die Routings.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die höchstpersönlich bei der Kiellegung des Expeditionsschiffes Crystal Endeavor auf der MV-Werft in Stralsund anwesend war, hatte in ihrer launigen Ansprache gemeint, dass sie sich durchaus vorstellen könne, einmal auf einem solchen Schiff zu reisen.
Von der Reederei wird sie sich wohl nicht einladen lassen, aber eine mögliche (wenn auch unwahrscheinliche) Buchung ist jetzt etwas näher gerückt: Am 21.Dezember wurde der Neubau aus der Halle auf den Schiffslift verfahren und am Folgetag zu Wasser gebracht. Die ersten Reisen könnten nach den jüngsten Informationen nunmehr im August beginnen.

Die neuesten Animationen zeigen ein elegantes, zeitloses Design für die Luxusyacht auf, die sich nach Aussagen der Reederei durch Ausstattung, Platz und Luxus an die Spitze der bestehenden Expeditionsschiffe und neue Standards setzen soll. Sechs Restaurants, darunter das Umi Uma & Sushisbar des berühmten peruanisch-japanischen Sushi-Meisters Nobu Matsuhisa, ein zweistöckiges Sonnendeck am Heck mit Pool, eine ausfahrbare Marina sowie bordeigene Helikopter. Ein kleines U-Boot, das bis zu sieben Gästen Platz bietet und Entdeckungsfahrten bis in eine Tiefe von etwa 300 Metern unternehmen kann, ist im Heck untergebracht. Mit einem weiteren ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug sollen unter anderem versunkene Schiffswracks erkundet werden.
Die Crystal Endeavor soll, so die Reederei, ein Schiff der Superlative werden. Führend in der Branche ist bereits das Crew-Gast Verhältnis von 1,03, es kommen auf maximal 200 Gäste 206 Crewmitarbeiter. Dazu ist das Raumangebot von 100 BRZ, das jedem Gast zur Verfügung steht, für Luxus-Expeditionsyachten einmalig. Mit etwa 350 Millionen Euro soll der 20.000 BRZ große Neubau, der über die Eisklasse PC 6 verfügt, zu Buche schlagen.
Die 200 Suiten an Bord der Crystal Endeavor werden zwischen 28 und 105 qm groß sein.
Für die Expeditionen hat Crystal drei Kategorien festgelegt. „Remote Expedition“ soll in ferne, abgelegene und unbewohnte Gegenden führen. „Cultural Discovery“ wird Wissen über Regionen und ihre Bewohner vermitteln. „Destination Exploration“ führt zu Naturwundern und besonders ausgewählten landschaftlichen Schönheiten.
Die Fahrten, die bereits gebucht werden können, decken die unterschiedlichsten Gebiete ab. Die Polargebiete wie Arktis und Antarktis oder Grönland und Island stehen ebenso auf dem Programm wie tropische Destinationen wie Bora Bora, die indonesische Inselwelt, die Elfenbeinküste, Chilenische Fjorde und Patagonien sowie Westeuropa, das Great Barrier Reef und Neuseelands Sub-antarktische Inseln. Ein Team von Wissenschaftlern und Lektoren wird alle Reisen begleiten.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=9iA7AchCXZI&feature=youtu.be
Roll-out CRYSTAL ENDEAVOR, Video: Crystal Cruises

Fotos/Video: Crystal Cruises, Aufmacherfoto: Christian Uecker – Oceanliner-Pictures

Zwischen Vulkanen und Voodoo

Die französische Reederei Ponant kooperiert seit kurzem mit National GeographicExpeditions. Peggy Günther entdeckte auf einer der ersten Reisen die Kapverden und das Bissagos-Archipel.

„Zum ersten Mal kann ich die Ergebnisse meiner Arbeit an dem Ort vorstellen, wo ich sie gesammelt habe. Und ich werde in einem Bett schlafen!“ Die Biologin Lucy Hawkes freut sich. Bei ihrem letzten Aufenthalt auf den Kapverden schlief sie unter einem einfachen Bretterdach mit Moskitonetz, frischmachen konnte sie sich nur im Meer. Nun freut sich die 40-jährige Britin auf ihre Kreuzfahrtpremiere an Bord der LE DUMONT D’URVILLE. Sie begleitet eine der ersten National Geographic-Reisen in Kooperation mit Ponant. In den USA arbeitet die Marke mit Lindblad zusammen. Gemeinsam mit der französischen Reederei soll nun der europäische Markt erschlossen werden. „Wir wollen Menschen ermöglichen, die Welt zu erforschen, um sie besser verstehen und bewahren zu können. Ponant ist dabei der perfekte Partner, weil sie eine der jüngsten und umweltfreundlichsten Flotten auf einer Vielfalt von Expeditionsrouten einsetzen“, sagt Nathan Philpot, Travel Director von National Geographic Partners. Er begleitet die Kreuzfahrt von den Kapverden zum Bissagos-Archipel und testet neue Ideen, wie etwa das „Beach Clean up“: Einmal pro Reise sollen die Passagiere am Strand Plastikmüll einsammeln, der dann von der Reederei fachgerecht entsorgt wird.

Expeditionsleiter Christophe Bassous will den Gästen diese Idee möglichst schonend beibringen. Schließlich sind sie in erster Linie Luxusurlauber, die eine fünfstellige Summe dafür bezahlt haben, eines der am wenigsten besuchten Länder der Welt kennenzulernen. Neben den mächtigen vulkanischen Bergen auf den Kapverden stehen nämlich auch drei Inseln des Bissagos-Archipels auf den Fahrplan. Mehrere Anbieter haben großes Interesse an diesem neuen Expeditionsrevier, doch aktuell ist allein Ponant hier unterwegs. Dieses Privileg verdankt die Reederei ihrem Kontakt zu Laurent und Sonia Durris. Das Ehepaar unterhält seit sechs Jahren im Nordwesten des Archipels ein kleines Hotel für Sportfischer und hat gute Beziehungen zu den Oberhäuptern vieler Inseln. Und die haben das Sagen in dem kleinen Land, das seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1973 keine komplette Amtsperiode unter ein und derselben Regierung erlebt hat.

„Eine Reise nach Guinea-Bissau ist wie eine Reise in eine vergangene Zeit“, sagt Sonia Durris, um die wenigen englischsprachigen Gäste auf den ersten Besuch in einem Dorf der Bijagos vorzubereiten. „Das Tanzen ist das Wertvollste, was die Menschen hier haben“, sagt Sonja, „deswegen zeigen sie es uns.“ Schon von weitem können die Passagiere die traditionellen Trommeln hören. Stolz bewegen die Männer und Frauen ihre Körper im Rhythmus der Musik. Sie sind eines der wenigen Völker Afrikas, das niemals versklavt wurden, da sie sich bei einer Gefangennahme „schneller umgebracht haben, als der Teufel die Augen schließt“, wie Sonia erzählt.Sie glauben nämlich, dass ihre Seele niemals Ruhe findet, wenn sie außerhalb ihres Landes sterben. Die Verbindung zum Land und zur Natur scheint über allem zu stehen. Voodoozauber und Tieropfer gehören zum täglichen Leben der Bijagos. Es ist wichtig, die Götter bei Laune zu halten. Vom Meer hielten sich die Menschen traditionell eher fern, zu groß ist der Respekt vor den Naturgewalten. Erst seit kurzem versuchen sich die Männer auch als Fischer….

… Lesen Sie weiter in AN BORD.

Zum Ende der Welt

Fünf Tage lang waren Caroline Verstraete (Text) und Mike Louagie (Fotos) mit der VENTUS AUSTRALIS unterwegs – durchfuhren die chilenischen Fjorde und entdeckten Patagonien.

Es gibt noch einen Ort, an dem keine Menschen sind, es keine Gebäude gibt. Wo die Natur, die Luft und das Wasser noch rein sind, die Tiere noch ihren eigenen Weg gehen können. Es ist der Ort, an dem Darwin seine ersten Schritte als Forscher machte. Wo man Gletscher sieht, durch Fjorde fährt und wo Pinguine die Besucher neugierig mustern.
Um dies zu erleben, muss man ‘bis zum Ende der Welt’ reisen, nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt. Die Stadt wird sicherlich keinen Architekturpreis gewinnen, aber ihre Geschichte ist faszinierend. Ein Guide erzählt uns, wie am Ende des 19. Jahrhunderts die Argentinier hier auf ‘Feuerland’ ein Gefängnis errichtet haben. Der ideale Ort, fernab von der bebauten Welt. Eben diese Gefangenen bauten schließlich die Stadt. Das alte Gefängnis ist immer noch da und wurde als Museum eingerichtet. Seine ehemaligen Zellen sind heute Ausstellungsfläche und geben eine perfekte Einführung in die Geschichte der Ureinwohner. Ein idealer Ort, um eine Expeditionskreuzfahrt zu beginnen.

Entdecker und viel Natur
Unter den Augen der vielen mutigen Entdecker, die heute hier als Statuen über das Wasser schauen, checken wir auf der Ventus Australis ein. Obwohl die historischen Expeditionen nicht mit dem heutigen Luxus verglichen werden können, gibt es, glaube ich, eine Gemeinsamkeit: die Aufregung, „das Unbekannte“ zu entdecken.
Die Reederei kennt die Gegend bestens. Australis ist ein chilenisches Unternehmen, das seit 25 Jahren Patagonien-Kreuzfahrten durchführt. Es hat zwei neue Schiffe, die speziell für diese Region gebaut wurden. Beide können 200 Passagiere mitnehmen und Orte ansteuern, zu denen keine andere Kreuzfahrtgesellschaft fährt.
Wir sind „auf Expeditionskreuzfahrt“ und nicht „auf Kreuzfahrt“. Das ist etwas anderes. Es bedeutet, dass man sich teilweise von der Natur, dem Wetter und den Umständen leiten lässt. Nicht immer perfekt, um Programmen zu folgen, aber es gibt ein Team an Bord, das mit viel Leidenschaft so viel wie möglich von dieser Region zeigen möchte. Das geschieht mit den Zodiacs. Denn in diesen Gebieten gibt es natürlich keine Häfen, das Schiff liegt auf Reede. Zodiacs bringen die Passagiere in kürzester Zeit an Land oder unternehmen eine „Zodiac-Kreuzfahrt“. Heißt: es gilt die Gegend von diesen Schlauchbooten aus zu entdecken. Das erfahren wir alle beim ersten Briefing, Sicherheit wird groß geschrieben. Vorträge und Briefings werden vor jeder Exkursion durchgeführt, übrigens alle gleichzeitig in drei verschiedenen Räumen und dreisprachig – Englisch, Deutsch und Spanisch. Auch für die Ausflüge werden wir nach Sprache und Schwierigkeitsgrad in Gruppen eingeteilt.

Legendäres Kap Hoorn und indigene Bevölkerung
Abends verlassen wir von Ushuaia Richtung Süden. Wir überqueren den Beagle-Kanal und landen so in argentinischen und chilenischen Gewässern. Unser Ziel ist die südlichste Spitze Südamerikas: Kap Hoorn. Ein Ort mit Blick auf die Drake-Passage, dem wildesten Gewässern der Welt. Denn hier treffen sich Pazifik und Atlantik. Ein Ort, an dem viele Skipper ihr Leben ließen. Das können wir uns am frühen Morgen genau vorstellen – unsere Zodiacs werden wieder verstaut: zu viel Wind und Dünung machen es an diesem Morgen zu riskant. Trotzdem versuchen wir mit dem Schiff den bestmöglichen Blick auf das Kap zu bekommen. Schade für den Mann, der im Leuchtturm lebt. Er hatte sich bestimmt auf einen Besuch gefreut …

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Das große Fressen

Im Herbst mästen sich die Grizzlys des Great Bear Rainforest an der Fülle an Lachsen. Auf einer Segelboot-Safari sehen Menschen dem Spektakel staunend zu – auf möglichst schonende Weise. Ingrid Brunner war dabei.

Im Herbst kehren die Lachse nach einem Leben im Meer zurück in ihre Ursprungsflüsse. Sie kämpfen sich flussaufwärts, um abzulaichen – und zu sterben. Ihr Tod bedeutet Leben – für die Möwen, die Seeadler; die Fische düngen den Waldboden, sogar das Plankton im Wasser versorgt der Lachs mit Nährstoffen. Vor allem aber die Bären warten im Herbst auf den Salmon Run, wie dieses Naturschauspiel auf Englisch heißt. Die Fische sind so zahlreich, dass sie der Bärin, die mit drei Jungtieren am Flussufer entlang streift, direkt ins Maul zu springen scheinen. Wie im Naturfilm.
So hatte man sich das vorgestellt, davon haben die Teilnehmer der Segeltour in den Great Bear Rainforest in British Columbia geträumt: einmal einen Grizzly beim Lachsfang zu beobachten. Was man nicht erwartet hatte: Es riecht, nein, es stinkt am Fluss wie in einer Fischfabrik. All die verwesenden Fischkadaver rauben den Touristen schier den Atem. Es ist sehr still, die Motoren sind abgestellt, mit Rudern staken sich Kapitän Neil Shearar und Deckhand Rachel Muehlenberg lautlos immer näher an die Bärenfamilie heran. Und weil Niedrigwasser ist, gleitet Shearar wenig später in seinem wasserdichten Neoprenoverall ins Wasser und zieht die beiden Schlauchboote weiter. Zu Fuß, das Wasser reicht nur noch bis zu den Knien.

Keiner spricht. Kaum zu glauben, aber es fällt den Teilnehmern, die in ihrem Berufsleben gewohnt sind, den Ton anzugeben, gar nicht schwer, einfach mal zu schweigen. Man hört leises Plätschern, den Wind in den Zedern, das Gezeter der Möwen. Die Bärin holt einen Fisch aus dem Wasser. Mit einer Pranke reißt sie die Flanke des zuckenden Tiers auf, die orangefarbenen Fischeier spritzen heraus. „In wenigen Wochen nehmen sie 160 bis 200 Pfund zu“, erklärt Neil Shearar. Auch wenn das nordamerikanische Pfund nur rund 454 Gramm hat, ist das doch noch eine unglaubliche Zahl. Bis zu 20 000 Kalorien pro Tag müssen sich ja irgendwo niederschlagen. Am Ende des großen Fressens, wenn die Bären schon übersatt sind, lassen sich die geschickten Jäger nur noch auf die Beute plumpsen. Sie werden dann auch wählerisch und essen nur noch den Lachskaviar.
Es sind Tierbeobachtungen wie diese, für die Gäste aus aller Welt anreisen und viel Geld zahlen. Sie kommen, um im Great Bear Rainforest an der kanadischen Pazifikküste eine Safari mit dem Segelboot zu machen. Sie wollen Wale, Grizzlys, Schwarzbären, Wölfe sehen, mit ein wenig Glück vielleicht sogar einen Blick auf den geheimnisvollen, seltenen Kermode- oder Geisterbären erhaschen. Wenn man so will, sind das die Big Five des kanadischen Regenwalds und seiner Küstengewässer.
Der Südafrikaner Neil Shearar ist seit 20 Jahren in diesen Gewässern unterwegs. Er kennt das Gewirr aus großen und kleinen Inseln mit seinen Strömungen und Untiefen wie seine Westentasche. Und er weiß die besten Plätze, an denen Passagiere wilde Tiere ganz aus der Nähe beobachten können. Einen festen Fahrplan, wie auf Kreuzfahrtschiffen üblich, gibt es nicht. Es ist ein wenig wie in seine Heimat Afrika: Man muss Zeit und Geduld mitbringen. Und es gibt keine Garantie, Tiere zu sehen. Eines aber ist klar anders als in Afrika: Der Regenwald hat seinen Namen nicht ohne Grund. Es regnet oft. Und stark. Manche Bäche und Wasserfälle fließen nur bei Regen. Sie leiten die Niederschläge, die der Wald nicht aufnimmt, ins Meer und versiegen dann bis zum nächsten großen Guss. Neil bemerkt beiläufig, diesen Wasserfall habe er nicht gesehen, als er letztes Mal hier vorbeigekommen sei….

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Fotos: Ingrid Brunner, Bluewater Adventures/www.bluewateradventures.ca, Bobbushphoto/iStockphoto.com, Elissa Title – stock.adobe.com