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Reise durch die Zeit

Natur pur: Mit den ältesten Kabinenschiffen der Welt durch das Herz Schwedens zu fahren ist ein echtes Erlebnis. Peggy Günther berichtet.

Für manche Frauen ist das Alter kein Reizthema. Die JUNO ist eine von ihnen. Topfit und gutaussehend liegt sie in Göteborg am Packhuskajen und lässt die Herzen von Schiffsliebhabern höherschlagen. 1874 gebaut ist sie das älteste noch fahrende Passagierschiff mit Kabinen. Ihre jüngeren Geschwister – WILHELM THAM, Baujahr 1912, und DIANA, Baujahr 1931, sind nicht weniger beliebt. Während jüngere Einheiten bereits im Museumshafen landen, kreuzen diese drei Götakanalschiffe während der Sommermonate noch immer über die schwedischen Wasserwege. Oftmals sind die Reisen über Jahre im Voraus ausgebucht.

Innerhalb von vier oder sechs Tagen fahren sie über die größten Seen Schwedens und durch Kanäle nach Stockholm, wo ein Passagierwechsel stattfindet, bevor sie wieder nach Göteborg zurückkehren. Bei dieser langen Reise gönnen die Seniorinnen sich lediglich einen Schönheitsschlaf: In Motola liegen sie für eine Nacht, damit auch der Kapitän seine Ruhezeit einhalten kann. Im Alter braucht man eben weniger Schlaf.

Zwischen 25 und 29 Kabinen verteilen sich bei den drei Schiffen auf drei Decks. Zugegeben: Der Begriff „Kabine“ ist ein Euphemismus. Eigentlich erinnert der persönliche Rückzugsraum eher an ein Schlafwagenabteil in der Eisenbahn. Zu zweit ist es eine logistische Herausforderung, sich auf den drei Quadratmetern zu bewegen. Neben dem kleinen Waschtisch und einem etwa 25 Zentimeter tiefen Kleiderschrank, sind zwei kleine Etagenbetten an der Wand angebracht. Wer größer als 1,75 Meter ist, wird gebeten, dies bei der Anmeldung anzugeben, da manche Kojen etwas länger sind. Tapeten und Accessoires aus den 1920er-Jahren verleihen dem gemütlichen Rückzugsort einen ganz eigenen Charme.

Duschen und Toiletten werden gemeinschaftlich genutzt. Spätestens nach der ersten Begegnung im Bademantel stellt sich ein Gefühl der Vertrautheit zwischen den Reisenden ein.

Die Reise ist ein Outdoorerlebnis: Auf den beiden oberen Decks öffnen sich die Kabinentüren direkt zur Promenade hin. Der Lieblingsplatz ist die Lounge auf dem Brückendeck mit ihren gemütlichen Korbstühlen. Dank des entspannten Reisetempos kommt der Geist zur Ruhe. Es gibt nicht viel zu tun: Die Passagiere betrachten das grüne Wasser, auf dessen Oberfläche sich Vogelschwärme spiegeln. Sie winken Radfahrern zu, die auf ihrer Tour entlang des Kanals Halt machen, um das Schiff zu fotografieren. Und sie registrieren, dass jede Brücke auf dem Weg anders aussieht. Manchmal besuchen sie auch den Kapitän. Man findet an Bord Zeit zum Lesen und tauscht sich mit Gästen aus aller Welt aus. Für die Getränkewünsche gibt es einen Kühlschrank mit Strichliste – die Honesty Bar. Die Crew ist auf ein Minimum reduziert: Kapitän und Steuermann, Reiseleiter, vier Matrosen, die auch mittags die Bettdecken ordnen, sowie zwei Stewardessen im Service und zwei Köche. Es ist erstaunlich, welche Köstlichkeiten in der Miniküche entstehen und wie diese immer warm und parallel serviert werden…

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Fotos: Peggy Günther, enapress.com

Kurzcruise ins Nirgendwo

Die Schiffe von Dream Cruises bieten eine fast unerschöpfliche Vielfalt von Möglichkeiten für ihre fast ausschließlich asiatischen Gäste. Restaurants, Casinos, Discos, Live-Musik, Karaoke und Spiele ohne Ende. Die Reisen sind kurz, oft nur mit einer Destination: das Schiff ist das Ziel. Und wer will, findet auch himmlisch ruhige Rückzugsorte an Bord mit Meerblick wie auf der schönen Heckpromenade. Michael Wolf checkte in Singapur auf der Genting Dream ein.

Das Spektakel ist schon von weitem zu sehen: eine Symphonie von Farben. Es blinkt, Schriften spulen sich über die gesamte Schiffslänge, illuminieren auch die riesigen Schiffsbemalung des chinesischen Pop-Artisten Jacky Tsai. Die Farben wechseln ständig, reflektieren sich in der Bucht vor dem ultramodernen Marina Bay Cruise Center, das fast vollständig hinter dem leuchtenden Schiffsgiganten verschwindet.

Der schnellste Passagiertausch, den man sich vorstellen kann, ist bereits voll im Gang: Nach Fahrplan sind es gerade mal sechs Stunden, in denen alle 3360 Gäste ausgeschifft und die neuen an Bord gebracht werden.

Foto: enapress.com

Die Check-in Formalitäten sind am gut konzipierten Terminal schnell erledigt. Zwar gibt es an einigen Schaltern Warteschlangen, aber Mitarbeiter der Cruiseline mit einem Handschild sammeln schnell und effizient die Premiumgäste ein, die im „The Palace“ eingebucht sind. Für die geht es im Express-Verfahren durch die Kontrollen und anschließend in eine Warte-Lounge, in der bereits die Riege der Butler bereit steht, die sich um die Gäste in diesem separaten Wohnbereich des Schiffes kümmern.

Foto: enapress.com

Auch so kann Sicherheitskontrolle sein: Charmante junge Damen (der Jahreszeit entsprechend mit einem kleinen Weihnachtsmützchen auf dem Kopf) kümmern sich um die Security Kontrolle am Eingang des Schiffes. Das asiatische Lächeln und die Höflichkeit können nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie einen guten Job machen – ihren scharfen Augen entgeht kein verbotener Gegenstand im Handgepäck. Aber wie viel angenehmer ist es nun mal, ein Nein mit einem Lächeln zu hören, als mit bösem Blick – zumal im Urlaub.

Der ist knapp bemessen: Nur zwei Nächte dauert diese Cruise, eine der zahlreiche Kurzreisen mit heute nur einer Destination (Port Dickson in Malaysia), die in Asien äusserst beliebt sind.

Die GENTING DREAM ist „Made in Germany“, das wird auch stolz auf den Hochglanz-Schiffsbroschüren vermerkt – und die deutsche Qualitätsarbeit zählt auch heute noch in Asien. Schon zu Beginn konnte sie mit Superlativen aufwarten. Sie war das einzige Kreuzfahrtschiff mit einem millionenteuren MRT-Scanner an Bord, dazu gab es zwei Mini-U-Boote, die allerdings mittlerweile abgebaut wurden.

Foto: enapress.com

Den besten Überblick über die zahllosen Möglichkeiten und vor allem das Essensangebot hat der indische Hoteldirektor Mithun Shetty. Er kennt Struktur und Abläufe auf den Schiffen von Genting perfekt, fing als Rezeptionist an. Nach verschiedenen unterschiedlichen Stationen wie Front Office Manager oder Food and Beverage Manager herrscht er heute über 1100 Mitarbeiter, das ist der Großteil der 1800 Personen starken Crew der GENTING DREAM. Sie kommen aus mehr als 30 verschiedenen Nationen…

Interview mit Dream Cruises Präsident Michael Goh: „Wir bieten eine Schnittstelle zwischen den Welten“

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Very Shiok in Singapore

Singapur ist eine Stadt der Lichter, vor allem zu Weihnachten und über die Festtage.
Vor allem aber ein Mekka der multi-ethnischen Gastronomie. Michael Wolf recherchierte.

Es glitzert und funkelt an allen Ecken und den Strassen. Girlanden blinken, Weihnachtssterne leuchten, Boutiquen, Shops und Restaurants sind liebevoll dekoriert, Weihnachtsmann-Zipfelmützen omnipräsent. Die Advents- und Weihnachtszeit gehört in Singapur zu den Highlights des Jahres – trotz für europäische Naturen ungewöhnlicher schwüler Temperaturen mit häufigem Regen.

Foto: enapress.com

Der dauert aber meist nicht lange – das Weihnachtsvergnügen bleibt. Von frischgeschlagenen Import-Weihnachtsbäumen in den Shopping-Malls bis zum Weihnachtstollen in den Luxusbäckereien gibt es so ziemlich alles, was mit dieser Zeit assoziiert wird. Und wer hätte gedacht, dass es sogar einen echten „deutschen“ Weihnachtsmarkt mit Holzbuden, Bratäpfeln, Glühwein und einer Eisfläche zum Schlittschuhlaufen gibt? Das alles hat das 5-Sterne-Hotel Capitol Kempinski direkt vor der Haustür eingerichtet, dazu gibt es im hauseigenen Theater farbenprächtige Christmas-Shows.

Aber während Happy Christmas nur zwei Monate regiert, hat rund um das Jahr etwas ganz anderes Hochsaison in der Löwenstadt. Denn wahrscheinlich nirgendwo auf der Welt dreht sich alles so sehr ums Essen wie hier. Die multi-­ethnische Kultur des Stadtstaates hat zu den verschiedensten Geschmacksrichtungen geführt.

Atlas Bar, Foto: enapress.com

Das Mekka für Liebhaber der Satay-Spiesse (Fleischspiesse mit Erdnusssauce) liegt am Telok Ayer Markt, im Herzen von Singapur Downtown. Inmitten von Wolkenkratzern mit ihren Glasfassaden liegt rund um eine viktorianische Markthalle der Lau Pa Sat Festival Market mit seinen Dutzenden von Grillständen und Hunderten von Tischen. Die eigentlich hier liegende Strasse wird abends einfach für den Autoverkehr geschlossen. Im Erfolgs­roman „Crazy Rich Asians“ liest man, dass auch die Milliardäre nicht nur in sündhaft teure Restaurants und In-Kneipen gehen (gibt es in Singapur zuhauf), sondern sich gerne auch an ihren Streetfood-Lieblingsständen unters Volk mischen.

Weihnachtsmarkt des Capital Kempinski Hotels, Foto: enapress.com

Unzählbar sind auch die Food-Märkte, vor allem in China­town. Es sind unübersehbare Alleen von kleinen Ständen, die köstlichste kulinarische Kleinigkeiten aus den verschiedensten Küchen zaubern – ob indisch, thai, chinesisch oder malaysisch – es ist alles im Überfluss vorhanden. Die langen Schlangen vor bestimmten Stationen geben schnell über die Beliebtheit und Qualität Auskunft, die aus den Garküchen dringenden Essen­gerüche machen Appetit.

Hier gibt es von Laksa, der köstlichen Kokos-Curry-Suppe­ mit Shrimps und Nudeln, über jede Art von Currys (besonders bekannt der Fischkopf-Curry, in dem der Namensgeber schwimmt) bis zum Chili-Crab (Krabben in Chilisauce) und verschiedensten Reisgerichten so ziemlich alles. Die Preise sind niedrig – nirgendwo anders bekommt man so gutes und preiswertes Essen. Auch wenn hier alles durcheinander wuselt, wie es scheint, und die Gerichte in einfachsten Küchen entstehen, sind die Hygiene-­Regeln streng. Dafür sind die Gesundheitsbehörden von Singapur bekannt – kleine Kennzeichnungen an den Ständen weisen auf die Ergebnisse der jeweiligen Kontrollen hin.

Eine der zahllosen guten kleinen Restaurants ist der Coconut Club, eine erste Adresse für Nasi lemak. Das malaysische Gericht besteht aus in Kokosnussmilch gedämpften Reis, der mit Sambal (Chilisauce), Gurkenscheiben, Erdnüssen, getrockneten Sardellen und einem harten Ei serviert wird, oft auch mit Hühnerfleisch. In dem kleinen Restaurant mit Terrasse gibt es jede Menge unterschiedlicher Reisgerichte wie verschiedene Gorengs, die schon zum Frühstück bereitstehen.

Singapur ohne Streetfood wäre nicht denkbar – und geht in der Löwenstadt bis zum vom Guide Michelin vergebenen Stern für das Hawker Chan. „Die preiswerteste Küche mit Michelinstern“ verheisst das Plakat aussen an dem einfachen Restaurant, das von dem Strassenhändler Chan Hong Meng gegründet wurde. 2016 gab es vor allem für das berühmte geröstete Chicken mit Sojareis-Gericht den begehrten Stern, mittlerweile gibt es schon Filialen in London, Melbourne und Bangkok. Innen warten auf den Besucher einfache Plastiktische, eine Theke zum Bestellen und eine Lichttafel, die die Nummer des Gastes aufruft, wenn das Gericht fertig ist – selfservice ist angesagt.

Die Gäste sind gemischt – viele Einheimnische, junge Backpacker, neugierige Gourmets. Dekorativ hängen die gerösteten Hühnchen hinter der Theke, in der Küchen wird mit Volldampf gearbeitet.

Als die Ziffer 888 aufleuchtet, ist unser Essen bereit. „Für ein Autokennzeichen mit so vielen Achten muss man in Singapur sicher 100.000 Dollar hinblättern“ kichert die nette Chinesin an unserem Tisch. Heute waren es für das wirklich leckere Hühnchen nur wenige Dollar.

Als Kontrastprogramm dient später ein anderes Sternerestaurant in Singapur, das Table 65 im Hotel Michael auf Sentosa Island. Im ultramodernen Look kocht Yoran Jakobi in einer Schauküche, um die die Esstische gruppiert sind. Auf der Karte stehen Kreationen wie Mangrowenkrabben aus Sri Lanka (mit einem kleinen Süppchen, Stangenbohnen und Vadouvan, einer indischen Gewürzmischung), Langustinen aus Mozambique (pochiert in Entenfett mit Kaffee- und Zitronendashis nach Albufeira Art) oder Seeteufel (serviert mit einer Terrine seiner Leber, einer Zwiebelsoubise und einer geräucherten Shao-hising Sauce).

Foto: enapress.com

Mit seinem Mut zum Experimentieren und der Entwicklung neuer Geschmacksrichtungen hat sich der junge Holländer seinen ersten Stern erkocht, eine interessante kulinarische Erfahrung in einem luxuriösen Rahmen. Der Preis ist an diesem Tag entsprechend fast zwanzigmal teurer als bei Hawker Chan.

Beim Essen wird man in Singapur schnell die Sprache der Kulinarik lernen. Hat es sehr gut geschmeckt, war es „shiok“.

Unsere Reportage entstand vor dem Ausbruch der Pandemie. Die Website des Tourismusoffice von Singapur www.VisitSingapore.com bietet beste Informationen, darunter auch in der Rubrik „Virtuelle Erlebnisse“ etliche Eindrücke, die man in Pandemie-Zeiten auch von zuhause­ aus sammeln kann.

Hoteltipps:

The Capitol Kempinksi: Das 1904 im spätviktorianischen Stil erbaute Warenhaus „Stamford House“ wurde in den letzten Jahren zu einem der besten Luxushotels Singapurs umgebaut. Die Lage in Downtown ist ideal, das renovierte bekannte Capitol Theatre liegt im selben Gebäudekomplex. Die großen Zimmer und Suiten bieten jeden Komfort, Spa mit Salzwasser-Pool, raffinierte Bars und Restaurants sowie eine Amex-Platinum-Lounge. Mitglied der Leading Hotels of the World. Charmanter Service der rotgekleideten Brand-Botschafterinnen, der „Ladies in red“, 15 Stamford Road, Singapore, 178906, Singapore

J.W. Marriott Hotel Singapore South Beach:In Gehweite zu beliebten Shopping Malls, zwei Restaurants, drei Bars (eine mit einer aussergewöhnlichen Gin-Kollektion), dazu ein historischer Nebenbau. Witzig sind die LED-animierten Fahrstühle – mal fühlt man sich in einem Aquarium, mal im Himmel. 30 Beach Road, Nicoll Hwy, Access Via, Singapur 189763

La vie est belle

Alte Platanenalleen, Weinberge, historische Steinbrücken und schöne Restaurants – der Canal du Midi ist eine ganz besondere Erfahrung. Eile ist nicht gewollt, befand Holger Leue.

Einmal sein eigener Kapitän sein. Einmal den Fahrtwind auf dem legendären Canal du Midi spüren. Einmal die Herausforderung meistern, ein schickes Boot durch einen engen Kanal zu steuern – was, geglückte Manöver vorausgesetzt, am Ende richtig stolz macht.

Foto: Holger Leue / www.leue-photo.com

Vorkenntnisse, profundes Technikverständnis oder einen Führerschein braucht man für das Abenteuer Canal du Midi nicht. Zum Auftakt gibt es eine einstündige Einführung beim Bootsverleiher. Der Rest kommt von allein – nach dem „learning by doing“-Prinzip. Na gut, Fingerspitzengefühl sollte man mitbringen, dazu ein Gefühl für Tempo und Abstände, eine Prise Selbstbewusstsein – und plötzlich ist man selbst Kapitän der knapp 15 m langen Horizon 5, dem Flaggschiff des Hausbootvermieters.

Mit großzügigem Deckbereich und fünf Kabinen (samt fünf Nasszellen) ist sie perfekt für große Familien oder kleine Gruppen geeignet. Wir sind im Freundeskreis unterwegs und lassen uns vom Charme des Canal du Midi im Süden von Frankreich verzaubern. Gemächlich schippern wir mit maximal 8 km/h durch eine liebliche Landschaft, eingebettet in die Weinberge des Languedoc. Der Weg ist das Ziel, so heißt es auch hier. Ohne Stress, ohne Druck. Ein Weg mit hohem Erholungswert. Für uns heißt es „Leinen los“ an der Basis in Homps – dann kann der siebentägige Hausbooturlaub beginnen. Die wichtigsten Stationen unserer Strecke werden Paraza, Capestang und Bezier sein. So ein Urlaub ist die perfekte Kombination aus Entspannung, Erlebnissen und Teamwork. Denn man muss als Crew zusammenarbeiten, um durch die Schleusen zu manövrieren. Und auch das Anlegen erfordert aufgrund der Bootsdichte an einigen Liegeplätzen Präzisionsarbeit, bei der jedes Auge und jede leinenhaltende Hand zählt…

Foto: Holger Leue & Lars Böhnke / www.leue-photo.com

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Genuss mit allen Sinnen

Seit Ende Oktober ist die SILVER MOON offiziell ein Flottenmitglied von Silversea Cruises. Peggy Günther über das neue Flaggschiff der monegassischen Reederei.

Grazil liegt die SILVER MOON an der Pier von Civitavecchia. Das jüngste Flottenmitglied von Silversea Cruises wartet nach der Übergabe durch die Fincantieri-Werft in Ancona am 30. Oktober geduldig auf seine Erweckung. Noch hat kein Passagier das Innere des Luxusschiffs mit 298 Suiten gesehen, noch ist das Schiff ungetauft. Die monegassische Reederei Silversea Cruises hofft auf einen glanzvollen Start mit Mittelmeerrouten, die perfekt zum Schiffskonzept passen würden.

Foto: Silversea Cruises

Denn wo lassen sich kulinarische Genüsse besser zelebrieren als im Mittelmeer? Und das lukullische Erlebnis steht im Zentrum der SILVER MOON. Kein anderes Schiff dieser Größe bietet eine derartige Vielfalt für Gourmets: Acht Restaurants laden zu unterschiedlichsten Erlebnissen ein – vom japanisch-inspirierten Kaiseki über Pizza und Pasta im Spaccanapoli bis hin zum The Grill. Hier können sich die Passagiere am Abend neben dem Pool auf heißen Lavasteinen Fisch, Fleisch und Gemüse selbst auf den Punkt garen.

Das gastronomische Herz des Schiffes pulsiert auf Deck 4 – hier ist der neue S.A.L.T.-Hub angesiedelt. Das Akronym steht für „Sea And Land Taste“ und das Konzept dahinter ist genauso naheliegend wie innovativ: Das gastronomische Angebot richtet sich nach den Destinationen, in denen das Schiff unterwegs ist.

An einem Seetag vor der Küste Italiens könnte das Programm im S.A.L.T.-Hub wie folgt aussehen: Mittags lernen die Passagiere im S.A.L.T. Lab das Geheimnis der perfekten Pizza. In der großzügigen Testküche hat jeder Teilnehmer des Kochkurses einen guten Blick auf das runde Zentrum, wo ein Koch aus Napoli sein Familienrezept teilt. Die Gäste kneten den Teig und schnuppern am frischen Oregano…

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Dunkle Wolken über Genting und MV Werften

Wie geht es mit den MV Werften und dem großen Neubauten für die Genting Gruppe weiter? Ende August hat sich die Lage bei den Werften in Wismar, Warnemünde und Stralsund so dramatisch zugespitzt, das inzwischen auch eine Insolvenz der Werften und ein Stopp des Bauprogramms möglich erscheinen. Frank Behling recherchierte*.

In einer Börsenmitteilung am 17. August kam die Dramatik auf. Die beiden Genting-Gesellschaften Dream Global One Limited und Dream Global Two Limited können fällige Kreditgebühren in Höhe von insgesamt rund 3,7 Millionen EUR für die Finanzierung der beiden in Wismar und Warnemünde in den Docks liegenden Kreuzfahrtschiffe der „Global“-Klasse nicht zahlen.

Der einzige Rettungsanker für die Werften-Gruppe ist der Wirtschaftsstabilisierungsfond der Bundesregierung. Durch ihn könnte der Betrieb an den Standorten Wismar und Warnemünde neu ausgerichtet und die Krise überbrückt werden, so die Hoffnung in der Landesregierung und der Werftführung.

Am 28. August dann die nächste Hiobsbotschaft. In einer Telefonkonferenz mit Vertretern der Landesregierung und der Banken sollen Vertreter von Genting der Bundesregierung den Verkauf von bis zu 51 Prozent der Anteile angeboten haben.

Der Mecklenburg-Vorpommersche Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) bestätigte am 28. August im Landtag, dass dieses Angebot geprüft werde. „Das sind Dinge, wie wir sie in 30 Jahren Schiffbau nach der Wende noch nie so hatten“, sagte Glawe.

„Das Ziel der Landesregierung ist unverändert, dass die MV Werften unter den Rettungsschirm des Bundes kommen. Daran arbeiten alle Beteiligten intensiv weiter“, teilte das Wirtschaftsministerium von Mecklenburg-Vorpommern mit. Es geht um die Rettung von 3100 Arbeitsplätzen auf den Werften und die Zukunft von 600 Zulieferern.

Die Aussetzung der Zahlung erfolgte mit Hinweis auf die Gesamtverschuldung der Genting-Gruppe, die am 31. Juli die Marke von 3,37 Milliarden US-Dollar erreicht hat.

Der Genting-Eigner Tan Sri Lim Kok Thay hat fast den gesamten Anteil seiner Aktien als Sicherheit für Kredite abgetreten. Der Unternehmer hielt zuletzt 76 Prozent der an dem umkämpften Kreuzfahrtunternehmen Genting Hong Kong Ltd. Seit der Übernahme der Werften durch seinen Konzern wurden in Mecklenburg-Vorpommern 1,6 Milliarden** Euro in den Ausbau der Werftstandorte investiert.

Es wird immer wahrscheinlicher, dass der Bau der beiden großen Kreuzfahrtschiffe der „Global“-Klasse in Deutschland auch im Winter nicht wieder anlaufen wird. Gerüchte, die einen Rückbau des ersten Global-Schiffes und eine Verschrottung der Sektionen des zweiten Global-Schiffes in Warnemünde für denkbar halten, wurden umgehend von der Werft dementiert.

Die 342 Meter lange und für 9500 Passagiere ausgelegte Global Dream liegt seit November in Wismar im Trockendock zur Endausrüstung. Sie war zuvor von Warnemünde nach Wismar gebracht worden. Eigentlich sollte sie 2021 zur Überführungsfahrt nach Asien aufbrechen. Das zweite Global-Schiff liegt derzeit noch in Einzelteilen im Baudock in Warnemünde.

Sollten die MV Werften unter den Rettungsschirm des Bundes kommen, könnte mit dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds 570 Millionen Euro zur Sicherstellung des Betriebs und der weiteren Fertigung fließen. Das Land und der Bund haben den Bau der Global-Schiffe mit Bürgschaften über 750 Millionen Euro abgesichert.

Schiffen im Explorer-Bereich und auch im gehobenen Segment mit maximal 2000 Passagieren wird eine Perspektive zugeschrieben. Das gilt auch für die Neubauten der „Explorer“-Klasse in Stralsund für die Genting-Tochter Crystal Cruises. Die Crystal Endeavor sollte eigentlich bei den Olympischen Spielen im August in Tokio vorgestellt werden. Inzwischen wurde die Jungfernfahrt von Tokio nach Osaka auf den 15. Mai 2021 verschoben.

*Stand am Redaktionsschluss 30. August 2020. Für alle aktuellen Entwicklungen informieren Sie sich bitte unter www.anbord.de oder registrieren Sie sich für unseren Newsletter.

** Fälschlich gedruckte Zahl aus dem Printheft 4/20 korrigiert.

Elegant & umweltfreundlich

Premiere für die Kaiserin

Die Twerenbold-Gruppe hat mit der neuen Excellence Empress eines der umweltfreundlichsten Flusskreuzfahrtschiffe der Welt in Betrieb genommen. Markus Weber war auf der Donau an Bord.

„An diesem Projekt wollte ich unbedingt mitwirken.“ Als dem 34-jährigen Niederländer Popke Dillingh zu Ohren kam, dass die Schweizer Twerenbold­-Gruppe ein neues Schiff mit einer revolutionären Umwelttechnologie plante, war für ihn klar: bei diesem bahnbrechenden Vorhaben will er dabei sein. Es sei für ihn ein Glücksfall gewesen, dass er zum ersten Kapitän der Excellence Empress ernannt wurde. Im Juni nahm Dillingh seine Tätigkeit in der Werft der TeamCo Shipyard im niederländischen Heusden auf, um die letzten eineinhalb Monaten der Fertigstellung der Excellence Empress zu begleiten.

„Dem Engagement der Badener Unternehmerfamilie Twerenbold ist es zu verdanken, dass wir heute das erste Flussschiff der Welt mit einem neuartigen Katalysator-System betreiben“, erklärt Dillingh bei der Begrüßung an Bord. Dass interessierte Gäste deshalb zuerst einen Blick in den Maschinenraum werfen möchten, um den ökologischen „Zauberstab“ zu begutachten, ist allerdings auch für den Kapitän eine Premiere. Der Unterschied zu einer konventionellen Einrichtung sticht sofort ins Auge: Große, in silberfarbene, wolkenartige Isolationsdecken eingehüllte Abgasrohre prägen ein Bild, das an die Figuren­welt der Schweizer Künstlergruppe Mummenschanz erinnert. Ein Maschinenraum als Kunstwerk? Da hätte auch der Maler Jean Tinguely seine Freude daran gehabt. Kapitän Dillingh richtet die Aufmerksamkeit auf die Technik: „In unserem Katalysatorsystem werden Stickoxide des Abgases zu Wasserdampf und Stickstoff umgewandelt, daneben sorgt ein Rußpartikelfilter bei den Dieselmotoren für eine Reduktion des Feinstaubes – ein Novum im Passagier-Flussschiffbau. Über 95 Prozent der Feinstaubpartikel werden aufgefangen, die Reduktion­ der Stickoxid-Emissionen beträgt mehr als 75 Prozent.“ Der Lärm im Maschinenraum ist derart ohrenbetäubend, dass wir die interessanten Ausführungen kaum verstehen. Aber soviel wird klar: Hier wird also doch Kunst gemacht – die Kunst, die Umwelt mit neuer Technologie zu schützen.

Foto: Holger Leue/Leue-Photo.com

Flussschiffe fahren meist mit Dieselöl. Dieses ist bei der Verbrennung deutlich weniger schädlich als das auf hoher See immer noch oft eingesetzte Schweröl, aber gleichwohl mit Emissionen verbunden. Die Hauptschadstoffe in der Binnenschifffahrt sind Feinstaub und Stickoxide. Mit einer effektiven Abgasreinigung kann die Austrittsmenge markant reduziert werden. Der CO2-Ausstoß wird damit aber nicht vermindert.

Dies ist auch dem Verwaltungsrats-Präsidenten der Twerenbold-Gruppe, Karim Twerenbold, klar: „Aus unserer Sicht ist Clean Air Technology der richtige Weg. Wir sind uns aber bewusst, dass wir damit das CO2-Problem noch nicht gelöst haben. Wir beobachten die technische Entwicklung und bleiben am Ball. Mit der drastischen Eindämmung von Stickoxid und Feinstaub machen wir einen bedeutenden, aber nicht den letzten Schritt.“

Foto: Holger Leue/Leue-Photo.com

So hat auch die Excellence Empress, eines der umweltfreundlichsten Kreuzfahrtschiffe auf den europäischen Flüssen, im Bereich der Nachhaltigkeit noch Luft nach oben. Gleichwohl ist das jüngste Juwel der Excellence-Schiffe für jeden umweltbewussten Flussfahrer ein „Must“. Aber nicht nur für sie: Das Schiff zielt mit seinem hochwertigen Angebot auf anspruchsvolle Genussreisende. Die Excellence Empress atmet Luxus, Stil und Klasse: Kapitän Dillingh, eigentlich ein cooler Seebär, kommt aus dem Schwärmen nicht heraus, wenn er von seinem Schiff spricht: „Die Excellence Empress steht für zeitgemäßen Luxus.“ Tatsächlich: Die Qualität des Schiffes lässt sich nicht nur am ästhetischen und großzügigen Erscheinungsbild, sondern an vielen Details erkennen. Die Korridore sind breiter als auf einem normalen Schiff. Anzahl (24) und Größe (20 qm) der Junior-Suiten sind auf europäischen Flüssen ebenso sehr selten. Die Excellence Empress bietet denn auch deutlich mehr Platz pro Gast als vergleichbare Schiffe. „Und nicht nur die Gäste haben es sehr komfortabel, auch das Steuerhaus, also mein Arbeitsort, ist sehr schön geworden“, frohlockt der Kapitän.

Foto: Holger Leue/Leue-Photo.com

Die frische Farbgebung und das Design tragen die unverkennbare Handschrift von Nazly Twerenbold. Die Basisfarbe ist Orange. „Das ist für mich die lebensbejahende Farbe des unbeschwerten Glücks“, sagt die Mutter des Verwaltungsratspräsidenten der Twerenbold-Gruppe, die bereits zahlreiche andere Excellence-Schiffe gestaltet hat. Empfangsbereich, Lounge, Restaurants, Kabinen – das ganze Schiff strahlt eine harmonische Gastlichkeit aus. Unsere Junior-Suite gefällt uns derart gut, dass wir sie gar nicht mehr verlassen möchten. Besonders einladend: Die Position des Bettes mit direktem Blick durch die großen französischen Balkonfenster auf die vorbeiziehenden malerischen Landschaften. Großzügigkeit und Stil prägen auch das Badezimmer. Die Junior-Suite erinnert uns eher an ein cooles Design-Zimmer in einem Fünfsterne-Hotel als an eine Schiffskabine. Und dann entdecken wir noch Innovationen: Ein Swimmingpool, der diesen Namen verdient. Und eine Sushi-Bar, die wir aber auf Grund der aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen nicht testen konnten. Dafür nutzen wir das gut ausgestattete Fitness-Center.

Begeistert vom Schiff ist auch die junge Schweizer Hotel-Managerin Irene Künzler aus Frauenfeld. Sie steht für die gelebte Swissness an Bord. Obwohl erst 31 Jahre alt, verfügt sie über große Erfahrung in der Luxushotellerie auf hoher See. Bei Hapag-Lloyd Cruises war sie auf der Europa und der Europa 2 in verantwortlichen Positionen tätig und auch im Tschuggen Grand Hotel in Arosa hat sie ihr Know-How im Luxusbereich vertiefen können. Irene Künzler war die erste Person, die auf der Excellence Empress übernachten durfte. „Wenn einem ein so wunderschönes Schiff in Obhut gegeben wird, ist man schon stolz.“

Foto: Holger Leue/Leue-Photo.com

Überzeugt hat uns auch der Koch. Stefan Sköries, Jahrgang 1982, war ebenfalls in der Luxus-Schifffahrt bei Hapag-Lloyd Cruises tätig. Er war Küchenchef auf der Hanseatic und der Bremen. Daneben stand er auch schon im spektakulären neuen Fünf-Sterne-Hotel Fontenay in Hamburg am Herd. Damit bringt er die besten Voraussetzungen mit, um die hohen kulinarischen Erwartungen der Excellence-Gäste zu erfüllen und sich als Teilnehmer für das alljährliche Excellence Gourmet Festival­ zu empfehlen. Sköries „frisches Gartengrün mit Artischockenherzen und Jalapeno-Vinaigrette“ sowie das gebratene Welsfilet auf Limettensauce mit Zuchettiröschen und Safranrisotto haben uns besonders gut geschmeckt. Stephan Frei, Gründer des Excellence Gourmet­festival und als Geschäftsführer des Reisebüros Mittelthurgau Betreiber der Excellence-Schiffe und damit auch der Chef von Sköries, wird die Kochkünste seines jüngsten Zugangs im Team mit Genugtuung zur Kenntnis genommen haben.

Foto: Holger Leue/Leue-Photo.com

Der Flusskreuzfahrt-Evergreen

2020 ist kein normales Kreuzfahrt-Jahr. Nur Flusskreuzfahrten sind hierzulande nahezu uneingeschränkt möglich – wenn man von den Hygienemaßnahmen in den öffentlichen Bereichen absieht. Ein Klassiker ist ein Törn über den Rhein. Christoph Assies war an Bord der INSPIRE, die in diesem und auch im kommenden Jahr an den Düsseldorfer Anbieter Viva Cruises verchartert ist.

Vier Nächte, eine kurze Auszeit, von Düsseldorf bis Mainz und zurück in die Rheinmetropole Düsseldorf – in diesen turbulenten Zeiten eine schöne Abwechslung für Kreuzfahrt-Liebhaber. Für Fluss-Neulinge an Bord der INSPIRE eine lohnende Schnuppertour. Der erst vor zwei Jahren gegründete Anbieter Viva Cruises setzt das 2013 gebaute 135 Meter lange Schiff auf Rhein, Mosel und im kommenden Jahr auch auf dem Ijsselmeer ein.

Gechartert ist die INSPIRE vom amerikanischen Anbieter Tauck. Durch die anhaltenden Reisebeschränkungen kann das Kernpublikum aus Übersee den Luxus an Bord derzeit nicht genießen. Deutschsprachige Gäste kommen dafür in den Genuss eines großzügigen und luxuriösen Flusskreuzfahrtschiffes, das über 22 Master-Suiten auf jeweils 28 Quadratmetern verfügt.

Die Sonne brennt an diesem Tag, als der Check-in für die INSPIRE unweit der Düsseldorfer Altstadt beginnt. Auch wenn in diesen Zeiten zunächst die Körpertemperatur gemessen werden muss, später einmal pro Reisetag, geht das Boarding schnell und unkompliziert. An Bord der klassisch eleganten INSPIRE stehen maximal 142 Passagieren vier Passagierdecks zur Verfügung. In Zeiten der Corona-Pandemie sind nur maximal 104 Gäste auf dem Schiff, das von der Schweizer Flusskreuzfahrt-Größe Scylla bereedert wird.

Foto: Christoph Assies

Stewards und Kreuzfahrtdirektorin Monica Prince bitten die Neuankömmlinge in der Lobby des Schiffes zunächst zum ausführlichen Desinfizieren der Hände, ehe die Bordkarten ausgehändigt werden und die Gäste zu den Kabinen geführt werden. Der Autor dieser Zeilen bewohnt eine Master-Suite auf Deck 3. In der luxuriösen Kabine mit zwei französischen Balkonen, einem vollwertigen Wohnbereich mit Couch und Sessel, einem begehbaren Kleiderschrank und einem sehr großzügigen Bad mit Regendusche fühlt man sich schnell wohl. Ein solches Platzangebot ist auf dem deutschsprachigen Markt auf einem Flusskreuzfahrtschiff nahezu einmalig. Gepäck lässt sich vollständig verstauen. Für das krause Hemd aus dem Koffer steht sogar ein Bügeleisen bereit.

Foto: Christoph Assies

Nach einem Willkommensdrink in der Panorama-Lounge am Bug legt die INSPIRE ab. Die Düsseldorfer Skyline mit dem prägnanten Rheinturm, dem Fernsehturm der Stadt, zieht langsam vorbei, der kühlende Fahrtwind lässt die schwüle Hitze der Innenstadt vergessen. Das entspannte Dahingleiten ist das, was eine Flusskreuzfahrt auszeichnet. Hier ist der Weg das Ziel.

Im „Compass Rose Restaurant“ bekommen Gäste ganz klassisch ihren festen Tisch. Auch wer nicht unmittelbar am Fenster sitzt hat dennoch einen guten Blick auf die vorbeiziehende Landschaft. Die Gerichte sind kreativ und schön angerichtet, die Qualität und Auswahl der Speisen bietet für Allergiker, Fisch-, Fleischfreunde und Vegetarier gleichermaßen eine solide Auswahl. Zum Essen werden täglich verschiedene hochwertige Weine gereicht, die während dieser Reise durchweg von guter Qualität waren….

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Abenteuer Wattenmeer

Die Quest, ein kleines Expeditionsschiff des norwegischen Reiseunternehmens Arctic Travel Company wäre jetzt eigentlich im Eis von Spitzbergen und Grönland unterwegs. Sie wurde spontan von der auf Sylt ansässigen Reederei Adler-Schiffe gechartert, ein mutiger Schritt. Bis Anfang Oktober sollen im fünftägigen Rhythmus kleine Abenteuer und große Erlebnisse auf den Inseln Helgoland, Sylt, Amrum und auf den Halligen geboten werden. Maik Günther begleitete eine Reise.

Fast könnte man das kleine Schiff im riesigen Kreuzfahrtterminal Steinwerder übersehen. Im Vergleich zu der direkt daneben liegenden AIDAperla ist die Quest ein Winzling. Betrachtet man allein die Bruttoraumzahl, so würde die Questca. 100x in das riesige Kreuzfahrtschiff passen. Dafür hat das 1992 in Dänemark gebaute und 2018 renovierte Expeditionsschiff für polare Kreuzfahrten andere Vorteile. Sie verfügt über die zweithöchste Eisklasse und fünf Zodiacs, stabile Schlauchboote mit denen auch Ausfahrten und Anlandungen in abgelegenen Gebieten möglich sind. Ok, die Eisklasse ist für eine Reise auf der Nordsee im Spätsommer nicht unbedingt notwendig. Eisberge tauchen im Wattenmeer nur selten auf, aber die Zodiacs werden sich auf dieser Kreuzfahrt noch als äußerst sinnvoll erweisen.

Foto: Maik Günther
Foto: Maik Günther

Lediglich 12 Passagiere haben sich für die zweite offizielle Reise angemeldet. Vier Ehepaare, zwei Alleinreisende im Alter zwischen 50 und 70 und zwei junge Frauen, die sich mit voller Lebensfreude ins kleine Nordsee-Abenteuer stürzen. Einige Passagiere erkundeten bereits zuvor mit MS Quest Spitzbergen oder unternahmen Expeditionsreisen mit anderen Schiffen in die Antarktis. Sie alle suchen individuelle Entdeckungen und keine Pauschalreisen mit hunderten oder gar tausenden Mitreisenden. Das Angebot von Adler-Expedition kam zur rechten Zeit und die Entscheidung zur Buchung erfolgte spontan. Aber eine neue Idee muss halt erstmal bekannt werden. Sven Paulsen, Inhaber der seit 70 Jahren existierenden Reederei Adler-Schiffe, ist sich dieses Risikos bewusst. Die Corona-Zeit stellt besonders harte Herausforderungen an die Tourismusbranche dar. Auch die 25 Fahrgastschiffe, der in Westerland auf Sylt ansässigen Reederei, konnten in den letzten Monaten nicht im gewohnten Umfang für Ausflugsfahrten und dem Fährverkehr an der deutschen Nord- und Ostseeküste sowie in Hamburg eingesetzt werden. Den Kopf in den Sand stecken kam indes für ihn nicht in Frage. Er und sein Team nutzten die ruhige Zeit für die Entwicklung neuer Ideen und Konzepte. Schon lange hegte Paulsen den persönlichen Traum mit seiner Reederei nachhaltige und informative Expeditionsreisen in heimischen Gewässern anzubieten. Er selbst war bereits auf ganz besonderen Expeditionen unterwegs. Auf Skiern erreichte er den Nord- und Südpol, 2018 unternahm er die Pan Frisian Expedition und befuhr mit einer Dreimastbark Artemis die komplette Insel- und Halligwelt im Nationalpark Wattenmeer. 26 Stationen in 14 Tagen und knapp 500 Seemeilen von Dänemark bis in die Niederlande. Einen kleinen Auszug dieses einzigartigen Erlebnisses möchte Paulsen plus Team den Gästen an Bord der Quest innerhalb von fünf Tagen vermitteln….

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Ohne Stress und ohne Landgang

Passen Kreuzfahrt und Corona zusammen? Lange wurde diese Frage diskutiert. Die Reederei TUI Cruises wagte am 24. Juli als erstes Unternehmen den Start. Mit den Blauen Reisen rückt das Schiff in die bewährte Rolle zurück. Durch den Verzicht auf Landgänge wird der Kreuzfahrer zum Urlaubsziel. Frank Behling auf der ersten Blauen Reise ab Kiel dabei.

„Die Menschen haben heutzutage verlernt, wie man richtig entspannt. Der Blick aufs Meer ist dafür ideal“, erklärte der bekannte TV-Mediziner Dr. Johannes Wimmer im vergangenen Jahr während der TUI-Kampagne „Mach mal blau“. Was als Marketing-Idee zur Entschleunigung vom Berufsalltag konzipiert war, ist jetzt zur Erholung in Corona-Zeiten voll angesagt. 

Poolparty, Disko und Gedränge am Buffet stehen der Entschleunigung beim Neustart genauso im Wege wie Landausflüge und lange Bustouren. Dafür ist der Schiffsarzt jetzt mit seinem Team die wichtigste Person nach dem Kapitän an Bord. Die Gesundheit entscheidet über den Zutritt. Wer mehr als 37,5 Grad Körpertemperatur hat, wird bereits nach dem Betreten des Ostseekai-Terminals in einen Behandlungsraum geleitet. 

Foto: Frank Behling

Das Messen der Körpertemperatur ist nach der Seenotrettungsübung auch das tägliche Pflichtprogramm für Passagiere. In der sonst als Diskothek genutzten Abtanzbar müssen Passagiere sich zwischen 8 und 12 Uhr einmal einem Temperatur-Scan unterziehen. Leuchtet der Scanner grün ist alles okay. Die ersten Reisen liefen ohne Probleme. 

Und auch für den Fall X ist man gerüstet. Ein Testgerät kann im Bordhospital binnen 70 Minuten einen Covid-19-Test machen. Für den Fall der Fälle gibt es an Bord einen besonders abgeschotteten Bereich mit Balkonkabinen.

Foto: Frank Behling

Die Mein Schiff 1 ist in Corona-Zeiten zur Ruhe-Insel geworden. Wenn Schiffsarzt Dr. Carsten Müller abends über das Oberdeck der Mein Schiff 1 geht, kann er sich ganz normal unterhalten. Keine laute Musik kommt aus den Boxen, kein Hämmern der Bässe bringt Stahlplatten zum Vibrieren.

Auch im Schiff ist es deutlich ruhiger als früher. „Es ist schon eine ganz andere Atmosphäre als sonst. Ich habe den Eindruck, die Menschen erholen sich jetzt noch mehr“, so der Frankfurter Mediziner, der seit 20 Jahren auf Kreuzfahrtschiffen zur See fährt.

Bei den Blauen Reisen sind der Schiffsarzt zusammen mit General Manager Miriam Pospis die ranghöchsten Vertreter der Crew im Passagierbereich. Die beiden gehen deshalb regelmäßig über Deck und sind für Fragen offen….

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