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Bürokratie verzögert Einsatz auf Gewässern in Berlin – Nach Hydrofoil-Elektrofähren-Auftrag aus Schweden weitere 20 Einheiten für Norwegen bestellt

Nachdem bereits im Oktober 2024 mit der Nova die erste von 10 von der Stadt Stockholm, bei der dort auch ansässigen Candela Technology AB bestellten Tragflügel-Elektrofähren des Typs P-12 erfolgreich in den Liniendienst eingestellt worden war, hat jetzt die norwegische Reederei Boreal Norway AS einen Anschlussauftrag über 20 ab 2027 zu liefernde Fähren dieses von Candela seit 2014 entwickelten Typs erteilt, der eigentlich bereits im vergangenen Jahr auch in Berlin als Shuttle auf der Spree eingesetzt werden sollte.

Geplant ist dort eine Verbindung von der East Side Gallery in der Nähe des Ostbahnhofs mit dem Kulturzentrum Funkhaus. Nach Angaben von Candela-Kommunikationsmanager Mikael Mahlberg, arbeitet das Unternehmen allerdings noch an der Überwindung einiger bürokratischer Hürden, um die Betriebsgenehmigung für die Spree zu erhalten. „Wir tun unser Möglichstes, aber es dauert etwas länger. Wir sind jedoch optimistisch, in den kommenden Monaten auch hier einen Durchbruch zu erzielen.“

Das Typschiff "Nova" ist bereits seit Oktober 2024 in Stockholm erfolgreich im Einsatz, Foto: Candela

Die dieser Tage von Boreal Norway bestellten 20 elektrischen Tragflügelfähren des Typs Candela P-12 sollen auf Strecken entlang der norwegischen Küste eingesetzt werden, die derzeit mit Diesel betriebenen Fähren bedient werden. Die ersten beiden Einheiten dieser Klasse werden 2027 an Boreal geliefert, die 18 Folgebauten sollen zwischen 2028 und 2030 in Fahrt kommen.

Nach Angaben von Candela ermöglicht die Fähigkeit der Tragflügel, das Schiff über das Wasser zu heben, eine drastische Reduzierung des Energieverbrauchs. Dadurch können die Schiffe mit herkömmlichen Schnellladegeräten, ähnlich wie bei Elektroautos, geladen werden, ohne dass eine umfangreiche Infrastruktur oder Megawatt-Ladegeräte erforderlich sind.

Die Candela P12 erreicht eine Reisegeschwindigkeit von 25 Knoten, bietet eine Reichweite von etwa 40 Seemeilen und Platz für bis zu 25 Passagiere. Die Technologie wurde bereits auf der längsten elektrischen Seereise der Geschichte zwischen Schweden und Norwegen unter Beweis gestellt, wobei das Schiff unterwegs mit einer mobilen Batterielösung aufgeladen wurde.

„Mit dieser Investition führen wir eine völlig neue Generation von Schnellfähren ein, die über die Wasseroberfläche „fliegen“. Die Technologie mit computergesteuerten Tragflügeln reduziert den Energieverbrauch im Vergleich zu konventionellen Schiffen um bis zu 80 Prozent und ermöglicht den elektrischen Betrieb auf Strecken, die bisher nicht zugänglich waren“, erläutert Boreal-CEO Nikolai Knudsmoen Utheim.

Die bereits im Oktober 2024 als erste elektrisch angetriebene Candela-Fähre mit Hydrofoil-Technik in Stockholm in Betrieb genommene Nova leitete eine Serie von insgesamt zehn P-12-Einheiten ein, die die dieselbetriebenen Fähren im Regelbetrieb ersetzen sollen. Stockholm besteht aus rund 30.000 Inseln und betreibt mit 70 Booten eine große Flotte öffentlicher Verkehrsmittel für Wasserstraßen. Zusammen verbrauchen sie mehr fossile Treibstoffe als sämtliche Busse und Bahnen der Stadt, obwohl sie nur einen sehr kleinen Anteil an Fahrgästen befördern. Die Candela-Elektrofähren könnten somit dazu beitragen, den innerstädtischen Schiffsverkehr ökologischer zu gestalten.

Es sei ein Paradigmenwechsel für den städtischen Verkehr und zugleich eine Wiederbelebung der Wasserstraßen in Stockholm, sagte Gustav Hasselskog, Gründer und CEO von Candela, bei der Indienststellung. Auf ihrer Jungfernfahrt legte die Elektro-Fähre von einem Anleger auf Ekerö, einem der schnell wachsenden Inselvororte Stockholms, ab und nahm Kurs auf die Innenstadt Stockholms. Die Strecke bis zum Stockholmer Rathaus ist rund 15 km lang und wird von der Fähre innerhalb von 30 Minuten absolviert. Eine dieselbetriebene Fähre benötigt für die gleiche Strecke etwa doppelt so lange. Die P-12 reduziert dabei die schädlichen CO₂-Abgasemissionen erheblich. Die Stromversorgung erfolgt dabei ausschließlich durch erneuerbare Energien. Zudem kann die Candela P-12 innerhalb der Stadtgrenzen auch deutlich schneller fahren als Fähren, die Bugwellen erzeugen. Ein nicht unwesentlicher Vorteil, denn Stockholm hat spezielle Kielwasserreglungen mit Geschwindigkeitslimits für Boote im innerstädtischen Betrieb erlassen, die herkömmliche Boote ausbremsen. JPM

Hydrofoil-Elektrofähre des Typs Candela P-12, die 2025 in Oslo, Trondheim und mehreren Städten in Ostnorwegens erfolgreich getestet worden war. Im Hintergrund die konventionelle Nesodd-Fähre „Queen“, Foto: Candela