Jungfernreise der „Sea Cloud Spirit“ verschoben

Foto: Sea Cloud Cruises

Als Folge der Corona-Krise kann der Hamburger Segelkreuzfahrtveranstalter Sea Cloud Cruises seinen dritten Windjammer, die Sea Cloud Spirit, später in Dienst stellen als zuletzt geplant. Der Kasko des 138 Meter langen Dreimast-Vollschiffes, das bereits 2008 bei der zwischenzeitlich insolvent gewordenen Werft Factoria des Naval Marin in Vigo als Sea Cloud Hussar auf Kiel gelegt wurde, war nach mehrjähriger Aufliegezeit und Zwischenverkauf an einen Finanzinvestor im Herbst vorigen Jahres von der im spanischen Vigo ansässigen Metalships & Docks erworben worden. Dies erfolgte im Auftrag und für Rechnung einer Hamburger Eignergruppe um den Sea Cloud-Gründer und Reeder Hermann Ebel, um in modifizierter Form und unter dem neuen Namen schlüsselfertig komplettiert zu werden. Dort musste die Arbeit aufgrund der staatlichen Ausgangssperre in Spanien mehrere Wochen komplett eingestellt werden. Zwar durfte der Betrieb inzwischen in kleinen Gruppen unter Beachtung von verstärkten Hygiene- und Abstandsregelungen wieder aufgenommen werden. Doch dürfen die an dem Projekt beteiligten europäischen Subunternehmen und Zulieferer wegen der weiter bestehenden Einreisebeschränkungen noch nicht nach Spanien zurückkehren.

Klar zum aufriggen: Die SEA CLOUD SPIRIT
In der Halle auf Warteposition: der aus Polen zugelieferte 57,70 m hohe Hauptmast

Die Corona-Krise traf Werft und Reederei wenige Monate vor der Fertigstellung des Großseglers, der am 20. August dieses Jahre getauft und am 29. August unter dem Kommando des Flensburger Kapitäns Gerald Schöber von Lissabon zur Jungfernreise nach Civitavecchia starten sollte. Die in Polen gefertigten Masten waren gerade auf der Werft eingetroffen und sollten wenige Tage später aufgestellt werden, als die Arbeiten wegen der in Spanien besonders dramatischen Pandemie abgebrochen werden mussten. Unter Deck lief zudem der Innenausbau des 138 m langen und für 138 Gäste sowie 85 Crewmitglieder ausgelegten Schiffes. „Bis dahin lag das gesamte Projekt so exakt im Zeitplan, dass wir guten Gewissens seit Jahresbeginn feste Buchungen für alle Reisen entgegennehmen konnten”, berichtet Sea Cloud Cruises-Geschäftsführer Daniel Schäfer und bedauert, dass die Verschiebung der Jungfernfahrt und der unmittelbar folgenden Reisen aufgrund der Corona-bedingten Bauverzögerung unvermeidbar sei. Neue Termine sollen nach Bekanntwerden des geänderten Ablieferungsdatums des Neubaus bekanntgegeben werden. Anders als ursprünglich geplant, wird die Sea Cloud Spirit nunmehr Mitte November nicht den Atlantik in Richtung Karibik überqueren, sondern die Saison bis April 2021 im Revier rund um die Kanarischen Inseln bleiben. Wer im Winter eine Fernreise unternehmen möchte, kann mit den seit April wegen der Corona-Pandemie derzeit noch in Las Palmas aufliegenden beiden anderen Schiffen der Reederei weiterhin die Karibik erkunden.

Feiert 2021 ihren 20. Geburtstag: Die SEA CLOUD II, Foto: enapress.com

Anfang Juni soll der Hauptkatalog 2021 für alle Reisen der drei Schiffe erscheinen. Das kommende Jahr gibt der Hamburger Reederei gleich mehrfach Grund zum Feiern: Das Flaggschiff – die 1931 in Kiel erbaute legendäre Viermastbark Sea Cloud (110 m, 2532 BRZ, 64 Gäste) – wird 90 Jahre alt, ihre jüngere „Schwester“, die 117 m lange und mit 3849 BRZ vermessene Bark Sea Cloud II (94 Gäste) wurde nach der im Februar 2001 erfolgten Ablieferung von ihrer spanischen Bauwerft Astilleros Condan SA vor 20 Jahren in Dienst gestellt und der jüngste – ebenfalls über iMasten verfügende – Flottenzuwachs Sea Cloud Spirit wird dann seine erste volle Saison auf den Weltmeeren unterwegs sein. JPM

Text: Jens Meyer, Fotos: enapress.com, Sea Cloud Cruises