„Liva“ soll neue Branchenstandards setzen: Bisher größte Megayacht von Abeking & Rasmussen abgeliefert
Im August 2019 auf Kiel gelegt, Dezember 2022 aus der Bauhalle in Lemwerder bei Bremen zu Wasser gebracht und nach der Endausrüstung in Bremerhaven Mitte April dieses Jahres zur Erprobung in die Nordsee geschickt ist die von der renommierten Werft Abeking & Rasmussen unter dem Projektnamen Celerius fertiggestellte Bau-Nr. 6507 der bisher größte Megayacht-Neubau in ihrer über 115-jährigen Geschichte.
Wie das Unternehmen am 11. August mitteilte, konnte das bemerkenswerte Schiff jetzt unter dem Namen Liva an seinen Auftraggeber abgeliefert werden, dessen Name und auch der Auftragswert – wie in der Branche üblich – nicht genannt wurden. Nach unbestätigten Angaben aus Insiderkreisen soll es sich bei dem Eigner um einen 1963 geborenen amerikanischen Milliardär mit Sitz in Dubai handeln. Er hatte in Glückstadt ansässige Firma Cornelsen & Partner als seinen Repräsentanten mit der Begleitung der Bauzeit beauftragt.

Für Abeking & Rasmussen-CEO Matthias Hellmann ist die Auslieferung dieser „prächtigen Superyacht“ ein wegweisender Moment für das Unternehmen: „Wir haben erneut erfolgreich eine außergewöhnliche Yacht gebaut. Indem wir unsere Werte von Innovation, Qualität und Kundenzufriedenheit hochhalten, haben wir eine Yacht geschaffen, die neue Branchenstandards setzt und unsere anspruchsvolle Kundschaft begeistert“. Das Design des Exterieurs und Interieurs stammen von Joseph Dirand Architecture in Paris. Es sei eine enorme Herausforderung für die Werft gewesen, alle technischen Notwendigkeiten so unsichtbar wie möglich umzusetzen, um dem anspruchsvollen ästhetischen Designkonzept strikt zu folgen.
„Ich wollte, dass diese Yacht zeitlos, elegant, rein, schlank, klassisch und gleichzeitig zeitgenössisch ist, mit viel Freifläche, um in die umgebende Landschaft einzutauchen. Genau das sehe ich heute, wenn ich sie betrachte – der schwarze Rumpf ist wirklich spektakulär und wirkt völlig monolithisch“, kommentierte Joseph Dirand, als er die Liva zum ersten Mal aus der Werfthalle kommen sah.

Der mit einem Stahlrumpf – für ihn wurden u.a. Teile von der ehemaligen Hamburger Pella Sietas-Werft zugeliefert – und Alu-Aufbauten nach den Vorschriften und unter Aufsicht der Klassifikationsgesellschaft Lloyd’s Register erstellte Neubau für bis zu 12 Gäste und 33 Crew-Mitglieder kommt bei einer Länge von 118,20 m, einer Breite von 16,8 m und einem Tiefgang von 4,00 m auf eine Vermessung von 5054 BRZ.
Für eine glatte Bugansicht wurde aus ästhetischen Gründen auf die üblichen Ankertaschen verzichtet. Stattdessen fallen die Anker bei Bedarf von der Rumpfunterseite aus an Grund. Für den Antrieb installierte A&R ein „ausgeklügeltes“ wie „außergewöhnlich leises“ dieselelektrisches System. Zum Einbau kamen zwei je 2240-KW-Haupt- und drei je 599 KW leistende Hilfsgeneratoren mit Caterpillar-Dieseln als Primärantrieb, die von Zeppelin Power Systems geliefert wurden. Die Propulsion erfolgt durch zwei von SER Schiffselektronik Rostock GmbH gelieferte je 2200 Kilowatt starke RAMME-E-Motoren, die über zwei sechsflügelige Propeller für 15 kn Dienstgeschwindigkeit und 18 kn Höchstgeschwindigkeit sorgen sollen.
Der Aktionsradius bei 15 kn wird mit 7100 Seemeilen angegeben. Für eine maximale Manövrierfähigkeit sorgen neben den beiden Rudern auch vier Voith Inline Truster des Typs VIT 1000-300, der Komfortverbesserung sollen vier Flossenstabilisatoren von SKF dienen.
Nach Angaben der Werft bestand eine der größten Herausforderungen darin, auf dem Unterdeck eine Garage für ein 16 Meter langes Dayboat zu schaffen. Ein zweiter Platz für Tender liegt auf dem vorderen Hauptdeck, wo drei weitere Beiboote und ein Tauchboot von Triton (für bis zu sieben Gäste) sowie eine Vielzahl von Wassersportausrüstungen, Fahrrädern und Tauchausrüstung untergebracht werden können. Insgesamt wurde versucht, alle technischen Einrichtungen so unsichtbar wie möglich umzusetzen, um dem anspruchsvollen ästhetischen Designkonzept strikt zu folgen.
Weitere herausragende Merkmale des u.a. mit Teakdecks, Aufzug, Beach-Club, Jacuzzis, Beauty-Salon und Unterwasser-Außenbeleuchtung ausgestatteten Neubaus sind die Neptune Lounge, die über ein massives 3,40 m x 1,30 m messendes Unterwasserfenster verfügt und ein 12 x 4 Meter großer Pool, dessen Boden auf das Oberdeck angehoben werden kann und mit einer Art „flüssigem Marmor“ verziert ist, wodurch eine Illusion entsteht, die an die Oberfläche des Meeres erinnert, wenn er angehoben wird, während die Poolwände und die Umgebung ebenfalls mit Marmor verkleidet sind.
Erwähnenswert ist auch das Krähennest, das am Fuß des Mastes positioniert ist und ein außergewöhnliches Beobachtungserlebnis bietet. Außerdem sorgt ein exquisit arrangierter großer, marmorverkleideter Kamin, der von einem großzügigen runden Sofa auf dem vorderen Sonnendeck ergänzt wird, für eine einladende Atmosphäre zum geselligen Beisammensein. Darüber hinaus verfügt der ikonische Neubau auch über eine voll zertifizierte Hubschrauberplattform, die nicht auf dem schlanken Vorschiff, sondern auf dem Sky-Deck an der Achterkante des Decksaufbaus angeordnet wurde. JPM



