Mit Windkraft ins Paradies
Fast lautlos gleitet die “Royal Clipper” durch das Mittelmeer – nur begleitet vom Knarzen der Takelage und dem Rauschen der Wellen. Gäste erleben eine Kreuzfahrt, die Tradition und Nachhaltigkeit vereint. Till Bartels ist mitgesegelt.
Diese Geräuschkulisse kann man nie an Bord eines modernen Kreuzfahrtschiffes erleben, sondern nur an Deck eines Großseglers, wenn er abends seinen Liegeplatz auf Reede verlässt: Es beginnt mit dem Rasseln der schweren Metallglieder der Ankerkette auf dem Vorschiff. Bei dem minutenlangen Vorgang entstehen Laute, die an einen wiehernden Esel erinnern. Gleichzeitig beginnt die Crew mit dem Setzen der Segel. Zunächst die Klüver- und Stagsegel. Dabei knarzen die gespannten Taue, die von Hand über die elektrisch angetriebenen Winschen und Umlenkrollen laufen.
Ohne Maschinengeräusche und Vibrationen nimmt die Royal Clipper in der Bucht vor Portofino Fahrt auf. Dazu ertönt aus den Lautsprechern die theatralische Melodie „Conquest of Paradise“, der Ohrwurm von Vangelis aus Ridley Scotts Historienfilm „1492 – Die Eroberung des Paradieses“. Das Auslaufritual endet mit dem Setzen der Bramsegel, die sich automatisch aus den Rahen ausrollen, ohne dass einer der zwölf Seeleute in die Masten klettern muss.


Wortlos stehen die Gäste auf dem Sonnendeck, beobachten die routinierten Handgriffe der Crew und schauen immer wieder nach oben: Vom vorderen Fock- bis zum Besanmast achtern greift der Wind in die Segel. Der Moment wird zum kollektiven Erlebnis einer kleinen Gemeinschaft, das die Gäste vom ersten Abend an Bord in den Bann zieht.
Bei diesem Segeltörn von Cannes nach Civitavecchia geht es zum nächsten Etappenziel nur mit der Kraft des Windes. Mit gerafften Segeln wird tagsüber im Hafen von Monaco und in den Buchten vor Lerici oder Portoferraio auf Elba geankert; das Tenderboot bringt die Passagiere an Land. Nachts werden nie mehr als 90 Seemeilen zurückgelegt.
Seit 25 Jahren steuert die ROYAL CLIPPER in den Sommermonaten meist kleine Häfen im Mittelmeer an, im Winter kreuzt der Großsegler in der Karibik. Der Schwede Mikael Krafft ließ den Clipper nach dem Vorbild der legendären PREUSSEN, eines Rahfünfmaster der Hamburger Reederei F. Laeisz, der bereits 1910 im Ärmelkanal nach einer Kollision sank, auf einer Werft in Danzig nachbauen.
Die Maße des 134 Meter langen Schiffkörpers mit einer Segelfläche von 5200 Quadratmetern und fünf Masten bis zu 54 Metern Höhe sind beeindruckend. Auf den vier Decks reisen maximal 227 Gäste mit, nur so viele wie auf einem Flussschiff….
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Fotos: Till Bartels, Star Clippers (1), enapress.com (1)









