GNV – Die Taufe der „GNV Virgo“ in Palermo
Die italienische Fährgesellschaft GNV – kurz für Grandi Navi Veloci – setzt konsequent auf Wachstum und Modernisierung ihrer Flotte. Das jüngste Mitglied der Flotte, die GNV Virgo, wurde am 11.12.25 bei einer feierlichen Zeremonie im Hafen von Palermo unter Anwesenheit von viel Prominenz aus Wirtschaft, Politik und Kultur getauft. Taufpatin war passenderweise wie schon beim Schwesterschiff GNV Orion die in Italien verehrte Schwimmerin Federica Pellegrini, vierfache Weltmeisterin und Olympiasiegerin 2008 in Peking über 200 Meter Freistil. Sie drückte den Knopf, um die Champagnerflasche am Schiffsrumpf zerschellen zu lassen, bei feierlicher Musik, Laserbeleuchtung und Goldregen-Fontänen.
Federica Pellegrinis Einsatz ist womöglich schon bald wieder gefragt, denn GNV nimmt so richtig viel Geld in die Hand und investiert im großen Stil: Die GNV Virgo ist das dritte von insgesamt acht baugleichen Schiffen, die GNV bis 2030 in Dienst stellen wird. Das Investitionsvolumen liegt laut Unternehmensangaben bei mehr als 1,2 Milliarden Euro und soll in den nächsten fünf Jahren zu einer erheblichen Steigerung von 60 Prozent der GNV-Flottentonnage führen. Es hat durchaus Vorteile, zur finanzstarken MSC-Gruppe zu gehören.


Für Sizilien, das sich von der Hauptstadt Rom und der EU allzu oft nicht genug wahrgenommen fühlt, ist der wachsende Fährverkehr ein Wirtschaftsmotor, der für Wachstum und Wohlstand auf der Insel sorgt, wie Roberto Lagalla, der Bürgermeister von Palermo, in seiner Laudatio betonte. 2024 erzielte GNV im Hafen von Palermo mit 750.000 Passagieren und circa 1,7 Millionen Laufmetern Fracht ein Wachstum von 16 Prozent.
Die Besonderheit der GNV Virgo ist es, dass sie die erste italienische Fernfähre ist, die mit LNG, also mit Flüssigerdgas, betrieben wird. Sie markiert für GNV den Eintritt in die Dekarbonisierung der italienischen Fährschifffahrt. „Die Taufe der GNV Virgo ist ein historischer Moment für unser Unternehmen und für die italienische Schifffahrt: Das erste mit Flüssigerdgas betriebene Schiff ist ein konkreter Fortschritt in Richtung nachhaltigerer und technologisch fortschrittlicherer Betriebsabläufe“, sagte Matteo Catani, der CEO von GNV, in seiner Festrede mit unverkennbarem Stolz in der Stimme. So sieht das auch Pierfrancesco Vago, Vorstandsvorsitzender von GNV und MSC Cruises: „Die Virgo ist heute die technologisch und ökologisch fortschrittlichste Fähre des Landes und ist dank der kürzlich erfolgten Betankung mit Bio-LNG bereits mit null Nettoemissionen gefahren, mehr als zwanzig Jahre vor den europäischen Zielen.“
Bio-LNG, das ist LNG, das etwa aus Gülle, Klärschlamm oder Bioabfällen gewonnen wird und dadurch anders als das fossile LNG nahezu CO₂-neutral ist. Bio-LNG wäre also das Mittel der Wahl, um CO₂-Neutralität zu erreichen. Das Problem liegt in seiner Verfügbarkeit: Bio-LNG ist ein noch knapperes Gut, als es das herkömmliche fossile LNG ohnehin schon ist. Gleichwohl ist LNG ein Fortschritt im Vergleich zum Schiffsdiesel: Bei der Verbrennung von LNG werden 95 Prozent weniger Feinstaub, 85 Prozent weniger Stickoxide und deutlich weniger CO₂ emittiert.


Die Virgo wird zwischen Palermo und Genua verkehren und verstärkt somit die maritime Nord-Süd-Verbindung des Landes, die GNV seit 1993 bedient. Die Fahrtzeit beträgt 20,5 Stunden. Das Schiff hat 420 Kabinen, darunter auch einige, in denen die Mitnahme von Haustieren erlaubt ist. Die meisten Kabinen bieten Platz für bis zu vier Personen. Die Passagierkapazität liegt bei 1785 Personen. Die Virgo ist 218 Meter lang, 29,60 Meter breit und kann mit einer Geschwindigkeit von bis zu 25 Knoten fahren. Die Bruttoraumzahl beträgt rund 52.300 Tonnen, die Frachtkapazität 2770 Lademeter. Gebaut wurde das Schiff in China, auf der Guangzhou Shipyard International (GSI) Werft in Kanton.
Die GNV-Flotte umfasst 26 Schiffe und steuert 33 Fährziele an, die das italienische Festland mit Sardinien, Sizilien, Spanien, Frankreich, Albanien, Tunesien, Marokko, Algerien und Malta verbinden. Die maritime Infrastruktur verstärkt die wirtschaftliche Zusammenarbeit und die Beziehungen der Mittelmeerländer untereinander. Nach dem Verständnis von GNV stiften die Fährverbindungen unter den Anrainern eine Art Mittelmeeridentität.
Die GNV ist seit 2010 Teil der Schweizer MSC-Gruppe mit Firmenzentrale in Genf, zu der unter anderem auch die Fährgesellschaft SNAV, die Kreuzfahrtgesellschaft MSC Cruises, die Luxuskreuzfahrtlinie Explora Journeys, die Cargo Gruppe MSC – Mediterranean Shipping Company – und der Betreiber von Hochgeschwindigkeitszügen Italo gehören.
Ingrid Brunner
Fotos: Ingrid Brunner
Weitere Informationen (Pressemitteilung): Vorstellung der GNV Virgo: Das erste Schiff der Flotte und Italiens erste Langstrecken-Fähre mit LNG-Antrieb







