Mit Fjord-Wasser statt Champagner: „Havila Polaris“ in Hammerfest getauft
Obwohl die erste Reise auf der traditionellen norwegischen Küstenroute 1893 von Trondheim nach Hammerfest führte, wurde dort bisher noch nie ein Schiff getauft. Das wurde am 15. Oktober dieses Jahres nachgeholt: Marianne Sivertsen Næss, ehemalige Bürgermeisterin von Hammerfest und jetzige Ministerin für Fischerei und Meerespolitik goß Wasser aus dem Geirangerfjord mit einer Holzkelle an den Rumpf des letzten von vier für die Reederei Havila Kystruten in der Türkei erbauten Küstenkreuzfahrtschiffen und taufte es auf den Namen Havila Polaris. Damit ist nunmehr das gesamte Neubauquartett der zu der von Per Sævik als Eigner gegründeten familiengeführten Havila Holding AS gehörenden Reederei getauft.
Nach Feststellung von Ola Johannesse, einem geschichtsinteressierten Mitarbeiter von Hammerfest Havn, war es das erste Mal, dass ein Schiff der Küstenroute Bergen – Kirkenes in der Finnmark getauft wurde, wobei Havila Kystruten-Geschäftsführer. Bent Martini die Taufe in Hammerfest für besonders angemessen hielt: „Die Finnmark und Hammerfest sind neben unserem Mannschaftsbüro hier oben auch heute noch sehr wichtig für Kystruten“.

„Anstatt eine Champagnerflasche an der Bordwand zerschellen zu lassen haben wir uns für eine umweltfreundlichere Taufzeremonie entschieden“, erklärte Martini. „ Sie steht im Einklang mit unseren Nachhaltigkeitsbemühungen. Die Holzkelle, mit der Wasser das Wasser an das Schiff gegossen wurde, symbolisiert, dass wir sowohl auf die Natur als auch auf unsere Ressourcen achten müssen.“ Das unterstrich auch die Taufpatin: „Wenn die Küstenroute für 130 weitere Jahre eine Lebensader für die Küste sein soll, dann müssen die Schiffe, die sie befahren, nicht nur einen sicheren Weg über das Meer und zu allen Häfen finden, sondern auch den Weg zu umweltfreundlichen Lösungen weisen, wovon die Zukunft abhängt. Dieses Schiff tut genau das“, erklärt die Ministerin. Alle vier neuen Schiffe von Havila Kystruten, deren Wert mit je 150 Mio. Euro angegeben wird, sind mit den größten Batteriepaketen ausgestattet, die jemals auf einem Passagierschiff installiert wurden. Das bedeutet, dass die Schiffe vier Stunden lang „leise und sanft“ gefährdete Fjorde wie den zum Weltkulturerbe gehörenden Geirangerfjord durchfahren können, ohne CO2 auszustoßen.
Die 122,70 m lange, 22,26 m breite und mit einer BRZ von 15519 vermessene Havila Polaris war am 1.12.2019 bei der türkischen Tersan Werft in Yalova als Bau-Nr. 1103 bestellt worden, dort am 6.12.2021 vom Stapel gelaufen und wurde am 1. August 2023 zusammen mit der Schwester Havila Pollux abgeliefert. Beide Schiffe und auch die beiden Vorbauten Havila Capella und Havila Castor werden von der Havila Kystruten Operations AS betrieben. Die für die Havila Polaris AS unter norwegischer Flagge mit Heimathafen Fosnavag in Fahrt gekommene Havila Polaris, die am 18. August 2023 zu ihrer mehrfach verschobenen Jungfernreise von Bergen gestartet war, verfügt über neun Decks und kann in 179 Kabinen 468 Gäste unterbringen. Die Besatzungsstärke für das für maximal 640 Gäste ausgelegte Schiff wird mit 76 Personen angegeben. Zur Hybrid-Antriebsanlage gehört ein 86 Tonnen schweres Batterie-Pack mit einer Kapazität von 6,1 MWh, das einen vierstündigen vollelektrischen und emissionsfreien Betrieb erlaubt und während der Liegezeiten mit grünem Strom aufgeladen werden kann. Die installierten Verbrennungsmotoren des maximal 15,5 kn schnellen Schiffes werden mit verflüssigtem Naturgas (LNG) betrieben und sind nicht nur für den künftigen Einsatz von Biodiesel, sondern auch von alternativen Brennstoffen wie Wasserstoff und Ammoniak vorbereitet. JPM
Großes Foto: Eine norwegische Ministerin als Taufpatin: Marianne Sivertsen Næss vollzieht den ungewöhnlichen Taufakt, Foto: Havila Kystruten



