MV Werften kämpfen um Marineschiffe

Wechseln die MV Werften in den grauen Sektor. Die Werften aus Mecklenburg-Vorpommern sind in einem aussichtsreichen Wettbewerb um den Bau von zwei Tankern für die deutsche Marine. Eine Entscheidung soll noch im Sommer fallen.

Wie jetzt durchsickerte, sind die MV Werften im Herbst tatsächlich in der engeren Auswahl des Bieterverfahrens des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr den großen Rüstungsauftrag gekommen.

Zwar wurde offiziell von allen Seiten Stillschweigen vereinbart, doch die Eckdaten der Tischgespräche im Verteidigungsministerium sickerten jetzt durch. Das Handelsblatt berichtete umfangreich.

Spessart, Foto: Frank Behling

Dabei geht es um den Bau von zwei Marinetankern mit einem Auftragsvolumen von 550 Millionen Euro. Fünf deutsche Werften waren angetreten und machten sich Hoffnungen. Darunter auch die Kieler German Naval Yards und die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft.

Wie das Handelsblatt berichtete, sind nur die Bremer Lürssen-Gruppe und die MV Werften jetzt mit ihren Entwürfen in der Endauswahl. Allerdings liegen deren Angebote noch um rund 300 Millionen Euro über dem Limit von 550 Millionen Euro vom Verteidigungsministerium.

Eine Anpassung der Kosten soll durch die Reduzierung der Bauvorgaben und der militärischen Ausrüstung der Schiffe erfolgen.

Für die MV Werften wäre der Auftrag die ersehnte Rettung aus der gegenwärtigen Krise beim Bau der Kreuzfahrtschiffe für die Genting-Gruppe. Zwar lassen sich beim Bau von 160 Meter langen Tankern weit weniger Menschen beschäftigen als beim Bau von gigantischen Kreuzfahrtschiffen, dafür ist die Wertschöpfung wegen des hohen Preises ähnlich.

Für die Vergabe des Auftrags müssen die beiden Werften auch Auflagen erfüllen, die Vergabe von militärischen Aufträgen erlauben. Die Lürssen Werft ist bereits seit 50 Jahren Produzent von Rüstungsprodukten. Bei der MV Werft wäre es eine Premiere. Die Werften hätten mit diesen Tankern wieder eine Auslastung für die kommenden zwei Jahre.

Bei dem Projekt handelt es sich um die Betriebsstofftransporter der neuen Klasse 707. Sie sollen 2024 die Tanker „Rhön“ und „Spessart“ bei der Marine ablösen. Diese beiden Tanker wurden Mitte der 70er Jahre bei der zur Lürssen-Gruppe gehörenden Kröger Werft in Schacht-Audorf (Schleswig-Holstein) gebaut.

„Rhön“ und „Spessart“ sind seit der Außerdienststellung der portugiesischen „Berrio“ im Juni 2020 inzwischen die ältesten Einhüllen-Versorgungstanker für Diesel und Flugzeugtreibstoff im Dienst einer Nato-Marine. FB