„The Baltic Whale“: Erste batteriebetriebene Scandlines-Frachtfähre getauft
Sie gehört zu den größten batteriebetriebenen Fähren der Welt und kann den in Kürze beginnenden Regelbetrieb auf der Route Puttgarden – Rødby völlig emissionsfrei absolvieren: Der jüngste Neubau der deutsch-dänischen Fährreederei Scandlines ist am 7. Januar 2026 als erste batteriebetriebene Frachtfähre der Reederei in seinem Heimathafen Rødbyhavn auf den Namen The Baltic Whale getauft worden. In Anwesenheit von Scandlines-CEO Eric Gregoire und Scandlines COO Michael Guldmann Petersen sowie geladener Gäste, darunter der türkische Botschafter R. Hakan Tekin, die Bürgermeisterin von Lolland Kommune, Marie-Louise Brehm, und Guldborgsund Kommune-Bürgermeister Simon Hansen, ließ die als Taufpatin fungierende Think Tank Europa-Chefin Lykke Freiis die obligatorische Champagnerflasche am Rumpf ihres Täuflings zerschellen.

Die Reederei sieht den bereits im November 2021 bei der türkischen Cemre Shipyard in Yalova ursprünglich zur Lieferung 2024 bestellten 14.021-BRZ-Neubau (IMO Nr. 9966685) als wichtigen Meilenstein in ihrer langfristigen Strategie, bis 2040 den Fährbetrieb ohne direkte Emissionen sicherzustellen und gleichzeitig die Kapazitäten und Betriebssicherheit für Frachtkunden zu stärken. Mit dem sich u.a. auch durch geringere Geräuschemissionen über und unter Wasser auszeichnenden Schiff, das damit nicht nur das Passagiererlebnis, sondern auch die Meeresumweltbedingungen u.a. für den in der Ostsee lebenden Schweinswal als Namengeberin des Neubaus verbessert, erhöht sich die Flotte der Reederei auf insgesamt acht Fähren, darunter sieben Hybrid-Schiffe.
Die als reine Frachtfähre konzipierte The Baltic Whale bietet neben dem Platz für insgesamt 66 Lkw auf beiden Decks auch die Möglichkeit, Gefahrgut – wie beispielsweise Industrieprodukte und Batterien – effizient und planbar zu transportieren. Dadurch kann mehr Fracht auf diese Fähre verlagert werden, was zusätzliche Kapazitäten für Pkw und Passagiere auf den übrigen Scandlines-Fähren schafft – insbesondere in der Hochsaison. Mit dem Einsatz der neuen Fähre erhöht die Reederei ihre Transportkapazität für Frachteinheiten auf der Route Rødby – Puttgarden um 27 Prozent. In das Projekt hat die Reederei rd. 84 Mio. Euro investiert.
Der nach dem im April 2022 erfolgten Brennstart von der Cemre-Werft am 30. August des gleichen Jahres als Werft-Nr. 1090 auf Kiel gelegte und am 25. November 2023 unter den Namen Futura vom Stapel gelaufene Neubau war in der ersten Augustwoche 2025 überraschend in The Baltic Whale umbenannt worden und wurde am 3. Oktober des gleichen Jahres abgeliefert, so dass er in unmittelbarem Anschluss seine Überführungsreise antreten konnte. Diese wurde problemlos mit der Nutzung der drei auf MTU-Dieseln des Typs 12V4000M35F basierten Generator-Sätzen absolviert. Nach dieser in knapp drei Wochen bewältigten 3700-sm-Reise traf der Neubau am 20.10.2025 erstmals in seinem Heimathafen Rødbyhavn ein, erledigte in den folgenden vier Wochen verschiedene Testfahrten und u.a. einen Probeanlauf in Puttgarden, bevor er zu letzten Anpassungsmaßnahmen an die Ørskov Verft in Frederikshavn verholte.

Bei dem mit einem 10 MWh-Batteriepack – die angeblich bisher weltweit größte Lithium-Ionen-Batterie-Installation auf einem Fährschiff – des mit Hauptsitz in der Schweiz ansässigen Herstellers Leclanche ausgestatteten 147,40 m langen, 25,4 m breiten und 5,30 m tiefgehenden Schiff, dessen Design von LMG Marin AS stammt und das nach den Vorschriften und unter der Aufsicht der Klassifikationsgesellschaft Lloyds Register erstellt wurde, handelt es sich nach Angaben der Erbauer um die weltweit größte emissionsfreie Doppelend-Frachtfähre ihrer Art. Sie verfügt über 1200 Spurmeter für den Transport rollender Ladung (66 LKWs) und eine Kapazitäten für die Aufnahme von 140 Personen. Dank seines neuen Designs kann das Schiff die LKWs sowohl auf dem Ober- als auch auf dem Hauptdeck befördern. Darüber hinaus ermöglicht der modulare Aufbau auch die spätere Anpassung an die Beförderung von PKWs.
Dank des Hybridantriebs über elektrische Ruderpropeller kann der rd. 80 Mio. Euro teure Neubau in zwei verschiedenen Modi – vollelektrisch mit Plug-in-Batteriestrom und 10 kn Geschwindigkeit oder im Plug-in Hybrid-Modus mit Dieselgeneratoreneinsatz und 16 kn Geschwindigkeit betrieben werden, so dass die 18,5 km lange Überfahrt zwischen Puttgarden und Rødby vollelektrisch in einer Stunde und im Hybrid betrieb in 45 Minuten bewältigt werden kann. Damit kann der Neubau auch als Ersatzfähre genutzt werden, wenn eine der dort eingesetzten vier Hybridfähren eine Werftzeit absolviert.
In Rødbyhavn kann der Neubau dank eines dort installierten 50kV/25 MW-Anschlusses seine Batterien innerhalb von 18 Minuten aufladen werden. In Puttgarden steht eine ähnliche Anlage zur Verfügung, die eine Aufladung in nur 12 Minuten ermöglichen soll. JPM
Foto: Frank Behling



