Gefangen im Golfkonflikt
Der Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten hat den Reiseverkehr und die Schifffahrt im Persischen Golf und rund um die arabische Halbinsel zum Erliegen gebracht. Nach dem Beginn der Angriffe der israelischen und amerikanischen Streitkräfte, gab es am Wochenende Reaktionen. So hat der Iran am 28. Februar mit Angriffen gegen Ziele auf der arabischen Halbinsel, in Israel und sogar auf Zypern begonnen. Der zivile Flugverkehr in der Region wurde eingestellt. Das Auswärtige Amt sprach noch am Sonnabend Reisewarnungen für die gesamte Region aus. Die Luftdrehkreuze Katar und Dubai sind nach dem Beginn der iranischen Angriffe auf die Golfstaaten eingestellt worden. In Abu Dhabi, Dubai, Bahrain, Katar, Jordanien, Saudi-Arabien, Zypern und Israel gab es Schäden durch Drohnen und Raketen aus dem Iran.
Sechs Kreuzfahrtschiffe wurden am 28. Februar durch den Konflikt im Persischen Golf überrascht. In Port Rashid (Dubai) liegen die MSC Euribia, Aroya und Celestyal Discovery. In Port Zayed (Abu Dhabi) liegt die Mein Schiff 4. In Doha, dem Hafen von Katar, liegen die Mein Schiff 5 und die Celestyal Journey.
Die Mein Schiff 5 musste am Sonnabend den Reisewechsel in Doha abbrechen. Ein Teil der Passagiere war beim Ausbruch der Kampfhandlungen bereits am Flughafen Doha oder sogar in den Maschinen. Alle Rückreisen wurden sofort gestoppt und die Passagiere zunächst am Flughafen gesammelt und dann am Abend wieder zurück aufs Schiff gebracht. In Dubai wurde der Reisewechsel der MSC Euribia auch abgebrochen, genauso wie bei der Mein Schiff 4 in Abu Dhabi.
Die Reedereien MSC, Celestyal und TUI Cruises informieren ihre Passagiere laufend über die bekannten Details. Es bestehe Kontakt mit dem Auswärtigen Amt und den Airlines, heißt es. Nach ersten Schätzungen sitzen rund 5000 deutsche Urlauber allein auf den Kreuzfahrtschiffen fest. Wann die Passagiere ihre Heimreise antreten dürfen, ist noch unklar. Es sind laut Deutschem Reiseverband (DRV) insgesamt etwa 30000 deutsche Urlauber in der Region.
Aktuell werden gegenwärtig nur Positionierungsflüge ohne Passagiere an Bord ausgeführt. Die Airlines haben durch den unterbrochenen Luftverkehr das Problem, dass ihre Maschinen an verschiedenen Orten stehen und erst wieder zurückgeholt werden müssen. Der Flugverkehr an den großen Drehkreuzen Dubai und Doha ruht seit dem 28. Februar. Es ist noch nicht absehbar, wann die Airlines wieder einen normalen Flugbetrieb anbieten können. Aktuell wird mit einer Aufnahme frühestens am 3. März gerechnet.
Das Auswärtige Amt warnt davor, auf eigene Faust Hotels oder die Schiffe zu verlassen. Man müsse sich darauf einstellen, dass dieser Konflikt noch etwas länger andauert. Erst wenn der Iran mit dem Beschuss der Golfstaaten aufhört, sei mit der Wiederaufnahme des Flugverkehrs zu rechnen, teilt Außenminister Johann Wadephul mit. Erst wenn ein sicherer Luftverkehr dort wieder möglich sei, können die Passagiere nach und nach zurück nach Deutschland gebracht werden.
Ganz anders sieht es bei den Schiffen aus. Da noch am Wochenende der Beschuss von Schiffen in der Straße von Hormus begann, muss hier mit einer längeren Sperrung gerechnet werden. Eine besondere Bedrohung stellen die mobilen Abschussgeräte für Seezielflugkörper dar, von denen der Iran eine große Stückzahl hat. Diese Systeme hatte der Iran auch den Huthi-Rebellen geliefert, die damit den Schiffsverkehr im Roten Meer nachhaltig störten. Mit Militärschlägen haben Flugzeuge der USA am Wochenende mögliche Depots für Seeminen und Marineausrüstung im Marinestützpunkt Konarak am Golf von Oman bombardiert. Im Gegenzug hatte der Iran die Angriffe auf die Häfen in den Golfstaaten intensiviert.
In Doha, Bahrain und Abu Dhabi wurden Anlagen angegriffen, die den Seestreitkräften der Länder zuzuordnen sind. In Bahrain soll der unter US-Flagge fahrende Tanker Stena Imperative beschädigt worden sein. Die Hafenanlagen in den Golfstaaten sind für das iranische Militär lukrative Ziele.
Ein weiteres Problem sind die Seeminen des Irans. Wenn es der iranischen Marine oder den Revolutionsgarden des Regimes gelingen sollte, in der Straße von Hormus Minen auszulegen, droht eine Sperrung dieser so wichtigen Meerenge für mehrere Wochen. Für die Absuche eines so großen Seegebiets stehen nur wenige Minenabwehreinheiten in der Golfregion bereit. Analysten gehen davon aus, dass der Iran bis zu 2000 Seeminen besitzt. Im Juni 2025 hatte es bereits Hinweise auf die Vorbereitungen der Verminung der Straße von Hormus gegeben. Damals war die Verladung der Minen beobachtet worden. FB



