DAS LETZTE LINIENSCHIFF

SS Santa Rosa war zunächst auf der Karibikroute unterwegs. Später wurde aus dem Linienschiff ein Kreuzfahrtschiff.

Mit Schiffen nach anmutigen Inseln und unter hohe Palmen zu reisen war auch in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts der Traum vieler Nordamerikaner. Was in Europa das Mittelmeer ist, das ist in Amerika die Karibik. Für die Schifffahrt ist sie von jeher das Sonnenziel und die Reedereien konkurrieren, wer die besten Dampfer bieten kann. So war es auch 1956, als die Grace Line in den Vereinigten Staaten den Schiffsverkehr aufrollen wollte.

Foto: Sammlung JSA

Sie orderte zwei neue, schicke und hochmoderne Passagierschiffe. Die Santa Rosa und ihr Schwesterschiff Santa Paula sollten die inzwischen veralteten Santa Rosa und Santa Paula, beide aus dem Baujahr 1932, ersetzen. Sie erhielten die Namen ihrer Vorgängerinnen, weil diese in den USA sehr bekannt waren als Linienpassagierschiffe im Dienst von New York in die Karibik und auch in Destinationen Südamerikas.

Der Auftrag für das Design der neuen Schiffe vergab Grace Line an die Gesellschaft Gibbs & Cox in Arlington County, dort waren bereits die Vorgänger-Oldies bereits entwickelt worden. Die beiden Schwesterschiffe wurden von der Werft Newport News Shipbuilding in Newport News erstellt und exakt nach den Vorlagen der Designer von Gibbs & Cox gestaltet. Die Auftraggeber und Mitarbeiter wussten nicht, dass es die letzten Linienpassagierschiffe waren, die in Gänze in den USA entstanden. Denn nach einigen Jahren waren die Kreuzfahrtschiffe der so genannten Santa-Rosa-Klasse immer weniger populär, weil sie von der florierenden Luftfahrt überwältigt wurden.

Die für 25 Mio. US-Dollar kontrahierte Santa Rosa wurde als Baunummer 521 für die Grace Line auf Kiel gelegt. Der Stapellauf hatte am 28. August 1957 stattgefunden, die Übernahme erfolgte am 12. Juni des Jahres 1958, die Jungfernreise begann am 28. Juni 1958. Die Santa Paula folgte wenige Monate später noch im selben Jahr.

Die Santa Rosa war 177,88 Meter lang und 25,6 Meter breit. Der Tiefgang lag bei maximal 8,6 m, die Vermessung wurde mit 15371 BRT, ab 1991 mit 26.431 BRZ und die Tragfähigkeit mit 8713 NRZ angegeben. Im Maschinenraum standen zwei General Electric Dampfturbinen, die auf zwei Festpropeller arbeiteten. Die Maschinenleistung erreichte 22.208 PS (16.400 kW), die Höchstgeschwindigkeit betrug 17 Knoten (31 km/h). Auf dem Schiff durften 1198 Passagiere sein, begleitet und bedient wurden sie von 412 Besatzungsmitgliedern. Die Registriernummer war die IMO-Nr. 5312824.

Foto: Sammlung JSA

Die Santa Rosa besaß vollklimatisierte Wohnaufbauten, das Besondere waren aber die feuerhemmenden Aluminiumverkleidungen. Mit Gyrofin-Stabilisatoren sollte bei unruhiger See die Seekrankheit an Bord vermindert werden. Für den Ladungstransport standen achtern zwei Laderäume mit Seitenpforten und automatischen Förderbändern zur Verfügung, was von Vorteil war, weil die Beladung schneller vollzogen und die Umlaufzeit im Hafen verkürzt werden konnte.

Die Reisen der Santa Rosa verliefen problemlos, das Schiff gewann schnell Liebhaber. Aber am 26. März 1959 kam es zu einer schrecklichen Katastrophe. Am frühen Morgen auf der Rückfahrt nach New York, verdichtete sich der Nebel extrem, 22 Seemeilen östlich von Atlantic City entfernt kollidierte die Santa Rosa mit dem Tanker Valchem. Der Aufprall war so heftig, dass ein Besatzungsmitglied der Valchem dabei starb, drei weitere Arbeiter auf dem Tanker wurden von Bord geschleudert und konnten nicht mehr gefunden und gerettet werden. Auf der Santa Rosa wurde niemand schwer verletzt, allerdings knallte der abgeknickte Schornstein der Valchem auf den Bug der Santa Rosa. Wegen der starken Beschädigungen der Valchem und der Tatsache, dass der untere Maschinenraum von einströmendem Wasser geflutet und zwei Boiler beschädigt wurden, war der Tanker nicht mehr manövrierfähig. Er wurde aufgegeben, abgeschleppt und 1961 abgewrackt. Die Santa Rosa hingegen konnte trotz der massiven Schäden ihre Fahrt fortsetzen. In New York wurde das Schiff repariert.

1970 kam es zum Zusammenschluss der Grace Line mit der Prudential Line, die Reederei trug nun den Namen Prudential-Grace Line. Die Santa Rosa blieb im Liniendienst, allerdings gingen die Zahlen der Passagiere so drastisch herunter, dass das Schiff 1971 in Hampton Roads aufgelegt wurde. Die Eigner boten es zum Verkauf an, aber vier Jahre lang gelang kein Abverkauf. Erst 1975 erwarb die Vintero Corporation mit Sitz in New York. Der Plan war mit dem in Samos Sky unbenannten Schiff die Südamerikareisen wieder aufzunehmen. Das wurde jedoch nicht mehr realisiert.

Wieder dauerte es 14 Jahre, bis die Santa Rosa an einen weiteren Käufer verkauft werden konnte, die Coral Cruise Line. Das Schiff war bereits ziemlich heruntergekommen, weshalb es 1989 nach Griechenland geschleppt werden musste. Dort wurde es in Pacific Sun umbenannt. Die neuen Eigentümer ließen das Schiff in Chalkis für insgesamt 70 Millionen Dollar umbauen, es sollte zum modernen Kreuzfahrtschiff werden. Die Modernisierung gelang, man wollte es als schicken Dampfer vermarkten und es erhielt 1991 den Namen Diamond Island. Die Bilder der Überarbeitung zeigten, dass das Schiff mit zusätzlichen Aufbauten versehen worden war, es sah äußerlich völlig anders aus als vor der Sanierung. An die Santa Rosa erinnerte nur noch der äußere Schiffsrumpf.

Foto: Jürgen Saupe

1992 kam es zu einem weiteren Verkauf, die Diamond ging an Regency Cruises, hieß nun Regent Rainbow und wurde als Kreuzfahrtschiff genutzt. Als 1995 die Reederei ihren Bankrott anmelden musste, wurde das Schiff am 27. November desselben Jahres arretiert. Nachdem Regency Cruises im Dezember 1996 aufgelöst worden war, kam es zu einem Verkauf an die Louis Cruise Line. Aus der Regent Rainbow wurde nun The Emerald.

Der ständige Eigentümerwechsel war nicht gut für das Schiff, man hätte ihm mehr Kontinuität bei der Verwaltung gewünscht. Nachdem es in Griechenland umgemodelt worden war zum Kreuzfahrtschiff, stellte man danach fest, dass es beim Umbau eine Getriebeturbinenanlage eingesetzt bekommen hatte, die sich durch den hohen Brennstoffverbrauch als äußerst ungünstig für den Betreiber erwies.

Foto: Sammlung JSA

1997 wurde The Emerald an den britischen Kreuzfahrtkonzern Thomson Cruises verchartert. Man vermarktete sie weiter unter dem Namen The Emerald. Inzwischen war sie mehr als 40 Jahre alt, galt aber dennoch als der beliebteste Dampfer der Thomson-Flotte. Seine Popularität wurde belegt, indem er elf weitere Jahre im Dienst unterwegs war. 2008 wurde aber überraschend beschlossen, The Emerald durch ein neueres Schiff zu ersetzen. So kehrte das Schiff wieder zu Louis Cruise Line zurück, dort setzte man es abermals in für Kreuzfahrten ein. Im Herbst 2009 jedoch wurde es endgültig aus dem Verkehr genommen.

Nach ihrem Fahrtende wurde The Emerald im griechischen Eleusis aufgelegt. Sie war noch in einem Zustand, der den in diesem Jahr neuen Sicherheitsbestimmungen (SOLAS 2010) hätte standhalten können, aber die nun über 50 Jahre alte Lady fand keinen Käufer mehr. In Eleusis lag The Emerald neben der Sapphire, die dem gleichen Betreiber gehörte. 2011 waren indische Schrotthändler am Nordufer des Saronischen Golfes nahe der griechischen Hauptstadt Athen unterwegs, um zu checken, welche Schiffe zum Verschrotten gekauft werden sollten.

Foto: Archiv Udo Horn

Das Schwesterschiff der einstigen Santa Rosa, die Santa Paula, war bereits 1978 nach Kuweit verkauft worden, wo es zum Hotelschiff wurde. Nachdem der Diktator von Irak, Saddam Hussein, Kuweit überfallen ließ, wurde im Kurzkrieg die Santa Paula zerstört.

2012 wurden die Sapphire und The Emerald von den indischen Geschäftsleuten erworben und The Emerald in Emerald umbenannt. Beide Schiffe brachte man im Sommer 2012 ins indische Alang, wo das Abwracken begann.

Roland Mischke, maritimes Lektorat: Jens Meyer