Kein Käufer für „Astoria“

Für Insider nicht überraschend: Bei der am 1. März erfolgten Eröffnung der am 19. Februar beendeten freiwilligen Versteigerung des ältesten in Fahrt befindlichen Kreuzfahrtschiffes der Welt, der 1948 als Stockholm erbauten Astoria (BRZ: 16100), konnte angesichts des auf 10 Mio. Euro festgesetzten Mindestgebotes kein Kaufinteressent gefunden werden. Die offensichtlich vom Gläubigerschutz motivierte Summe ist angesichts des Pandemie-bedingten Preisverfalls für wesentlich größere und modernere Kreuzfahrttonnage nach Einschätzung von Marktexperten absolut unrealistisch, wie auch jüngste Transaktionen zeigten. Schon seit dem 2015 erfolgten Zusammenbruch von Portuscale Cruises als ihrem letzten Eigner hatte die in Portugal ansässige Gläubigerbank Montepio Bank versucht nicht nur einen Charterer, sondern auch einen Käufer zu finden, wobei sich die Situation durch die vorzeitige Rücklieferung Ende letzten Jahres durch den ebenfalls kollabierten letzten Charterer CMV noch verschärft hatte. Der in Lissabon ansässige Insolvenzverwalter der als Eigentumsgesellschaft eingetragenen Island Cruises-Transportes Maritimos Unipessonal Lda., Lissabon, Jose Pinto Oliveira hatte die Versteigerung beim für Madeira zuständigen Amtsgericht mit Sitz in Funchal beantragt.

Astoria, Foto: Sammlung JPM

Wie berichtet, war das 1948 als Stockholm in Göteborg erbaute und u. a. durch Versenkung der Andrea Doria 1956 vor New York und seine Karriere als Völkerfreundschaft bei der bei der DSR in der DDR und Chartereinsätze bei bundesdeutschen Veranstaltern – wie als Italia Prima bei Neckermann – bekannte 16100 BRZ-Schiff seit Januar 2015 in einer bis Ende 2020 befristeten Charter der Cruises & Maritim Voyages (CMV) beschäftigt und pandemiebedingt im Frühjahr 2020 im Themse-Hafen Tilbury aufgelegt worden. Nach der CMV-Insolvenz und der Versteigerung ihrer eigenen Flotte wurde die Astoria vorzeitig im Spätherbst letzten Jahres an ihre portugiesischen Eigner zurückgeliefert, die im Oktober beschlossen, den im Internationalen portugiesischen Schiffsregister auf Madeira (MAR) registrierten Veteran nach Lissabon zurückzuholen, um ihn möglicherweise zu veräussern oder als Hotelschiff zu nutzen. Sowohl der erste Anfang November mit einem Schlepper gestartete als auch der gut zwei Wochen später mit zwei Schleppern gestartete Überführungsversuch mussten wegen des zu großen Risikos durch die ungünstigen Wetterbedingungen abgebrochen werden, so daß die geplante Verschleppung vorzeitig am 13. Dezember in Rotterdam endete, wo das nicht fahrklare Schiff derzeit in der Kette liegt und möglicherweise noch ein zweites Mal zu einem niedrigeren Preis offeriert wird. JPM